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VAMOS SCHATZI!

#10 / Ein Hirsch für die Handtasche

Zwei Boomer überwintern am anderen Ende der Welt und freuen sich über ungewöhnlich viele Tiere, die meisten freundlich.

Hola ihr Lieben!

Manchmal merkt man erst, wie reich eine Landschaft ist, wenn man ständig über Tiere stolpert.

Los Lagos im Süden Chiles ist so ein Gegend. Regenwald, Fjorde, Vulkane, Seen – Natur im Großformat. Tiere kommen hier nicht als Programmpunkt, sondern völlig selbstverständlich rund um die Uhr. Vögel, die wecken, Katzen, die mal schauen, ob was abfällt. Hunde, die sich auf den Rücken werfen. Schafe, die Zäune niedermähen. Vielleicht sieht man heute einen Puma. Oder ein Pudú. Pudú? Genau. Ein Hirsch für die Handtasche, 30 Zentimeter hoch, mit Stöckchen am Kopf, weil´s für ein Geweih nicht gereicht hat. Dazu Delfine, Seelöwen, Pinguine, keine Wale – und Vögel mit Frisuren, die in Berlin sofort als Statement durchgingen.

Im Unterschied zu Europa, wo biodiverses Miteinander organisiert werden muß, ist hier Platz für alle. In Los Lagos leben im Schnitt 18 Menschen auf einem Quadratkilometer, in Deutschland 240 und in Berlin 4100.

  1. Gestreichelt

These: Wo viele Tiere sind und sich ganz selbstverständlich durch den Alltag bewegen, kümmert sich der Mensch nicht übermäßig viel um sie. Verzärteln und Vermenschlichen ist hier weitgehend unbekannt. Tiere haben Funktionen, ob Wachen, Mäuse fangen, Fleisch liefern oder Gutaussehen (Pferde). Dass wir beiden Gringos umgehend an allen Viechern herumstreicheln, betrachten die Einheimischen mit mildem Lächeln, die Tiere wiederum mit hemungsloser Hingabe. Zweimal über den Kopf gefahren und neun von zehn Hunden liegen stracks auf dem Rücken. Suse hat eine beeindruckende Hundegalerie für den Deluxe-Teil zusammengestellt.

  1. Geflogen

Nicht alle Vögel singen. Manche schauen auch nur. Die Karakaras zum Beispiel, auch als auch Geierfalken bekannt. Sie sitzen am Straßenrand, auf Zäunen oder Schildern, den Kopf leicht schiefgelegt, als würden sie innerlich Notizen machen. Aasfresser, sagt die Biologie. Opportunisten, sagt die Wissenschaft. Spanner, sagt Hajo. Karakaras sind offenbar entfernte Verwandte unserer Autobahngaffer - immer da, wo was passieren könnte.

Sie gehören zur Falkenfamilie, verhalten sich aber eher wie Krähen mit besserem Styling und einem IQ, der unangenehm nah am menschlichen liegt. Karakaras öffnen Müllsäcke, klauen Futter, beobachten Wandernde und warten geduldig, bis jemand ihnen Futter bringt, so wie wir. Sie picken schreiend die letzten Reste aus den Muschelschalen. Man fühlt sich von Karakaras nicht bedroht, eher durchschaut. Als wüssten sie, dass wir nur zu Besuch sind.

  1. Gefolgt

Eines Tages waren wir bei unserer Gemüsefrau Doña Orfa, leider vergeblich. Statt mit Salat und Roter Bete kamen wir mit Tuto nach Hause, Orfas schwarzen Zottelhund. Er ließ sich auf den vier Kilometern Fußweg nicht abschütteln und verbrachte auch die Nacht vor unserer Tür. Am nächsten Tag brachte Hajo Tuto nach Hause, wo er von seiner Besitzerin umgehend mit einem Spanngurt an den Zaun gebunden wurde. Sorry, Tuto. Nächstes mal bleibst du einfach bei uns.

  1. Gepiept

Neben den schreienden Karakaras, deren vier Arten sich in Größe und Federkleid unterscheiden, fällt ein anderer Vogel mit seiner enormen Lautstärke auf: der Chucao. Sein Ruf besteht aus mehreren Lauten, die dicht aufeinanderfolgen und nach einem großen Urwaldvogel klingen. Er lebt im dichtem, feuchten Unterholz. Wir waren überrascht, als wir plötzlich ein Exemplar sahen, das keine zwei Meter vor unseren Füßen herumzwitscherte. Der Chucao erinnert an ein Rotkehlchen, das sich mit einem Zaunkönig gepaart hat. Foto plus Suses persönliches Erlebnis gibt es für unsere Steady-Mitglieder.

  1. Gebremst

Und noch eine Tierbegegnung - ein Pudú. Hajo vermutete schon, dass das Vieh nur in den Prospekten der Tourismusförderung existiere, eine Art chilenischer Wolpertinger. Doch dann stand so ein Handtaschenhirschlein tatsächlich vor uns auf der Straße und war so nett zu warten, bis wir die Kameras gezückt hatten. Wal! Hast du das gehört? Nimm Dir ein Beispiel.

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Ein herzliches Hasta,

Suse und Hajo

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