Abschied, Tränen und magische Momente im Sand – warum diese Deutsche Meisterschaft am Timmendorfer Strand so besonders war, dass ich lieber nicht hingegangen bin.

Das Spiel von Jannik Kühlborn und Eric Stadie-Seeber gegen Nils Ehlers und Clemens Wickler habe ich nach dem ersten Satz ausgemacht – nicht, weil ich es nicht mochte, sondernd weil ich wusste, dass das Ende bestimmt emotional wird. Es war das letzte Spiel von Kühlborn-Stadie und gleichzeitig das letzte Spiel nach 32 Jahren auf diesem besonderen Court zwei am Timmendorfer Strand. Es gibt nicht viele Orte, an denen ich so viel geweint habe. Der Abschied von Katrin Holtwick und Ilka Semmler hat vor neun Jahren auf demselben Court stattgefunden. Alle wussten, dass es ihr letztes Spiel sein würde und nachdem sie im Tie-Break 18:20 gegen – ja ratet mal – Melanie Gernert und Tatjana Zautys verloren hatten, kullerten auch bei mir die Tränen. Dabei mochte ich Melli. In diesem Jahr waren sie und Nele Barber ein Grund, warum ich beinahe doch noch zum Timmendorfer Strand gefahren wäre.

Timmendorf schreibt viele Geschichten
Die Deutsche Meisterschaft ist besonders. Es ist das letzte Turnier der Saison, viele Teams gehen angeschlagen an den Start, manche, weil sie im Saisonverlauf alles gegeben haben, um dabei zu sein, andere, weil sie sich monatelang durch die World Tour geackert haben. Einige hoffen darauf, ein Spiel zu gewinnen, andere stehen vor der Herausforderung, als Favoritinnen mit körperlichen Einschränkungen gegen die heimische Konkurrenz abliefern zu müssen.
Timmendorf schreibt so viele Geschichten, dass man kaum hinterherkommt, sie alle zu erzählen. Einige Jahre habe ich es versucht, für beach-volleyball.de (Opens in a new window) die Social-Media-Kanäle befüllt, Interviews geführt, Online-Artikel und nebenbei Texte für Tageszeitungen geschrieben. Ich saß mit Nils Ehlers im Auto, als er auf dem Weg zu seinen ersten Deutschen Meisterschaften war. Den Artikel dazu habe ich euch hier verlinkt. (Opens in a new window)

In besonders angenehmer Erinnerung ist mir Gespräch mit der Sportpsychologin Anett Szigeti, die unter anderem Laura Ludwig und Kira Walkenhorst betreut hat. Wir haben einen Tag vor dem ganzen Trubel einen Kaffee am Strand zusammen getrunken und es war schön, mal etwas länger Zeit für eine Person und ihre Geschichte zu haben. Ab Donnerstag entwickelt sich die Berichterstattung zu einem einzigen Hin-und Hergerenne zwischen Presseraum, Center Court und den Sidecourts, immer mit dem Gedanken, gerade etwas Wichtiges zu verpassen und dem Versuch, cool zu bleiben, gute Fragen zu stellen und Texte zu schreiben, während du nicht verhindern kannst, emotional immer tiefer involviert zu werden.
Vor Tränen zerflossen
Es ist stark zu sehen, wie viele Menschen heute Content für dieses Event generieren und die Emotionen durch Clips, persönliche Eindrücke und kurze Stories transportieren. Ich denke, die Deutsche Meisterschaft wird auch weiterhin ihre besonderen Geschichten schreiben, auch wenn sie ab dem nächsten Jahr in Dortmund stattfindet, auch wenn es komisch für Teams wird zu sagen: „Ich will es unbedingt nach Dortmund schaffen“, die Seebrücke fehlen wird und der Blick aufs Meer. Timmendorf ist ein besonderer Ort. Was diesen Ort für die deutsche Beachvolleyball-Szene so magisch werden ließ, sind aber vor allem die Menschen.
Und selbst da gibt es immer wieder Veränderungen, auf die ich mich einlassen kann, auch wenn es Personen gab, ohne die ich nie wieder eine DM anschauen wollte. Einer der schlimmsten Momente war der Abschied von Britta Büthe, weil damit die Ära meines Lieblingsteams Borger/Büthe endete. Ich weiß noch wie ich 2016 beinahe vor Tränen zerfloss und gar nicht wusste, wie ich darüber etwas schreiben sollte.


Dieses Jahr waren es dann Bennet und David Poniewaz, die meine Augen überlaufen ließen, Marie Schieder und Melanie Paul mit ihren Verletzungen, Eric und Jannik mit ihrem zweiten Abschied und Linda Bock, der ich so gern zusehe und die schon vorher absagen musste. Aber es gibt auch immer wieder neue Spielerinnen und Spieler, die mich mit ihrer Art, ihrer Spielweise oder ihrer Backstory abholen und mir ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Dieses Mal waren es vor allem Benedikt und Jonas Sagstetter, Paul Henning und Lui Wüst, Melli und Nele, Anna Reformat sowie Sandra Ittlinger und Anna-Lena Grüne. Herzlichen Glückwunsch an die Deutschen Meisterinnen Svenja Müller und besonders an Cinja Tillmann, die sich trotz Schulterverletzung beeindruckend durchs Turnier gequält hat sowie an die neuen Deutschen Meister Lukas Pfretzschner und Sven Winter.

Die Deutsche Meisterschaft ist ein so schönes und besonders magisches Sportevent, dass der einzige Grund nicht hinzugehen oder den Stream auszumachen, für mich nur der war, mich selbst vor dem emotionalen Rollercoaster zu schützen, weil ich parallel noch einige andere Dinge auf der Platte hatte. Mal schauen, ob ich das im nächsten Jahr wieder anders mache und mal ausprobiere, was Dortmund so kann.