Herzlich Willkommen zurück bei Ol’ Dirty Basketball. Heute mal mit einem kurzen (?) Rant.
Ich habe vor einiger Zeit mal wieder die Herr der Ringe-Trilogie angesehen. Faszinierende Information, ich weiß. Warum ich darauf komme: Ich glaube, die letzte Stunde (es sind vielleicht auch nur 30 Minuten) des dritten Films ist das exzessivste und unnötigste Ende eines eigentlich sehr guten Films (11 Oscars!), das ich je gesehen habe. Wer mit diesem Werk nicht vertraut ist: Eine Montage folgt auf die nächste, in der sich zwei bis fünf Charaktere, die einiges miteinander durchgestanden haben, bedeutungsvoll in die Augen schauen, dabei zum Teil weinen, und sich voneinander verabschieden. Und dann kommt NOCH ein Abschied. Die Kulisse ist dabei stets beeindruckend, die Musik emotional, alles ist irgendwie herzerwärmend.

Der Film wäre aber besser, wenn er nach dem “ersten” Abschied in Minas Tirith tatsächlich vorbei wäre. Niemand kann mich vom Gegenteil überzeugen.
Was das alles mit der NBA zu tun hat? Naja. Die Teams haben alle um die 70 Spiele der Regular Season absolviert, und die Saison wäre besser, wenn sie bei ca. 60 enden würde. Niemand kann mich vom Gegenteil überzeugen.
Nicht, dass es nicht immer noch jede Menge Highlights gäbe. Die gibt es, zum Glück. Aber die Suche danach nervt: Wenn zehn Teams nicht gewinnen wollen und dazu jede Menge Spieler verletzt sind, ist jeden Morgen eine Suche und in meinem Fall ein Herausfiltern nach den Spielen nötig, in denen beide Teams tatsächlich gewinnen wollten und ansatzweise vollständig waren.
Als Beispiel, die vergangene Nacht. 8 Spiele fanden statt. An der Hälfte davon war mindestens ein Tanking Team beteiligt, das wird im Normalfall direkt eliminiert. Bei der anderen Hälfte:
Pelicans vs. Clippers: Back-to-Back fĂĽr beide Teams, kein Kawhi, kein Garland.
Hornets vs. Magic: Kein Franz, natürlich. Dafür immerhin die glorreiche Starting Five der Hornets vollständig. Solides Duell, sollte man meinen, spannend eher nicht (Charlotte führte die gesamte zweite Halbzeit über mit ~20).
Spurs vs. Suns: Kein Brooks, kein Castle, trotzdem Super-Spiel mit Game-Winner von Wemby - generell sind das zwei der Teams, auf die in Sachen League-Pass-Watchability absolut Verlass ist. Selbst wenn bei Phoenix mal das halbe Team fehlt: Hart gespielt wird da immer, dieser “kulturelle” Turnaround ist wirklich nicht zu unterschätzen. Und Wemby ist Wemby.
Heat vs. Lakers: Luka 60, nach 40 am Vortag - ein 100er Back-to-Back, und das jeweils auswärts (Reise von Houston nach Miami zwischendrin)! Komplett wild!
Aus meiner Sicht ist das eine überdurchschnittlich gute NBA-Nacht im März, in der für den neutralen Zuschauer zwei Spiele so richtig sehenswert waren. Das ist aber eigentlich keine gute Quote. Und es hat, wie so vieles in der NBA, viel mit dem aufgeblähten Spielplan zu tun. 82 Spiele sind zu viel, das weiß nicht nur Steve Kerr.
https://www.youtube.com/watch?v=brtHauGUPNs (Opens in a new window)Was eine Verkürzung bewirken könnte, in Kürze:
Weniger Verletzungen, hoffentlich.
Ausgeruhtere Spieler, sicherlich.
Weniger Möglichkeiten, Spiele mit mehr oder weniger kreativen Tanking-Strategien ins Lächerliche zu ziehen.
Einen höheren Stellenwert der einzelnen Spiele. Für Seedings, allen voran aber für die Zuschauer.
Natürlich kennen wir alle den Grund, warum das nicht umgesetzt wird, obwohl es das Produkt auf dem Court verbessern würde. Die Einnahmen. Darum geht’s in erster Linie, und ein Stück weit muss man das als Sportkonsument akzeptieren. Selbst wenn ich es für wahrscheinlich halte, dass die TV-Quoten im Schnitt besser aussehen würden, wenn die Spiele für sich mehr zählen würden, aber wer weiß das schon? (Die NFL zum Beispiel.)
Das Akzeptieren fällt allerdings zunehmend schwieriger, wenn die Liga gleichzeitig regelmäßig neue Themen “aufmacht”, die von der eigentlichen Problematik ablenken. NBA Europe etwa. Oder jetzt die Expansion: Wie jeder andere will auch ich die Sonics wieder sehen. Aber hieße das im Umkehrschluss auch, dass in dem Fall dann 12 statt 10 Teams Spiele im März (und zum Teil schon lange davor) unansehnlich machen?
Auf der anderen Seite: Ich bin sicher, dass es genug Talent für zwei weitere Teams gibt. Wenn die Spieler eben spielen, und nicht wegen Verletzungen, Load Management oder erfundenen anderen Gründen (Tanking) nur zusehen können.
Was dabei (auch) helfen würde? Weniger Spiele! Das lässt sich nur immer wieder wiederholen. Naja, vielleicht wussten Peter Jackson und seine Leute doch, was sie taten.

THE PLUG
Für undrafted habe ich mir die Shooting-Saison von Kon Knueppel (Opens in a new window) genauer angesehen und sie in den historischen (Curry-)Kontext eingeordnet. Die Saison ist noch besser, als ihr gehört habt. Ich kann nur betonen, dass die Hornets eins der besten Gegenmittel für die March Sadness bleiben.
FĂĽr ran.de (Opens in a new window) habe ich den kleinen Durchbruch von Tristan da Silva bei den Magic (Opens in a new window) beleuchtet - der nun allerdings wieder ziemlich abgekĂĽhlt ist.
Bei basketball-world gab es diese Woche einen RĂĽckblick auf den Johnson/Porter-Trade (Opens in a new window) mit der Frage: Haben die Nuggets sich verzockt?
Im Korbjäger Podcast haben wir diese Woche den Westen sorTiert (Für Patreon-Abonennten: Der Osten verschiebt sich auf Montag!).
SOUNDTRACK
Trotz allem gilt natĂĽrlich:
https://www.youtube.com/watch?v=9mWYOFQA2GI (Opens in a new window)Ich schaue jetzt Luka. Bis zum nächsten Mal!