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“Danke für dein Statement” (1/3)

Das Auf-der-richtigen-Seite-Stehen als Gefühlsware im Kapitalismus

Von Jean-Philippe Kindler

Liebe Steady-SupporterInnen, anbei findet ihr den ersten von drei Teilen meines Essays, welches ich geschrieben habe, weil ich für den WORTMELDUNGEN-Literaturpreis vorgeschlagen wurde. Ich wünsche viel Freude beim Lesen.

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Als mein Vater im April 2024 starb, zerfressen vom Krebs, der innerhalb weniger Wochen von der Blase in Leber, Magen und Knochen geklettert war, hat es keine Woche gedauert, bis aus meiner Trauer Content wurde. Das Video, was ich über den Tod meines Vaters aufnahm, und bei Instagram hochlud, hat bis heute mehrere Millionen Aufrufe erzielt.

Ich erzähle, dass er so früh nicht hätte sterben müssen. Ich erzähle von medizinischen Fehlern im Krankenhaus, ich erzähle, mit einem Stabmikro in der Hand, von den Zuständen im Gesundheitssystem. Ich erzähle, dass die Heilung manch einer Krankheit sich betriebswirtschaftlich eher lohnt als die Heilung einer anderen Krankheit. Ich erzähle, dass die Gesundheit des Menschen keine Ware sein darf – und habe Recht.

 Beinahe anderthalb Jahre später frage ich mich, ob meine Trauer Ware sein darf. Genauer: Ob ich möchte, dass meine Trauer Ware ist. Denn das ist sie, seit dieses Video existiert. Durch die Aufmerksamkeit, die dieses Statement bekommen hat, habe ich Tickets für meine Veranstaltungen verkauft, Menschen sind auf Merchandise-Produkte meinerseits aufmerksam geworden, und die Zahl derer, die mich und das mit Freundinnen und Freunden gegründete Medienkollektiv „Studio Rot“ unterstützen, ist auch wegen dieses Videos massiv gestiegen.

 „Danke für dein Statement.“