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Warum ich dieses Magazin schreibe

Vor einigen Jahren fragte mich jemand, was ich eigentlich den ganzen Tag in Gambia mache.

Die Frage brachte mich zum Nachdenken. Denn die Antwort lautet selten: Brunnen bauen, Reis verteilen oder Arztkosten ĂĽbernehmen.

Die meiste Zeit verbringe ich damit, Menschen zuzuhören. Ich sitze auf Plastikstühlen vor Häusern aus Wellblech, warte in Krankenhäusern, bespreche Probleme mit unseren Mitarbeitern, prüfe Anträge oder versuche herauszufinden, ob eine Geschichte wirklich so passiert ist, wie sie erzählt wird.

Zwischen all diesen Begegnungen entstehen Gedanken, die in keinem Projektbericht und in keinem Newsletter Platz finden.

Genau deshalb gibt es dieses Magazin.

Seit mehr als dreißig Jahren reise ich zwischen Deutschland und Gambia hin und her. Ich habe unzählige Geschichten erlebt – bewegende, traurige, manchmal auch absurde und überraschend komische. Viele davon haben mein Denken verändert.

Ich habe gelernt, dass Armut oft viel komplexer ist, als sie von außen erscheint. Dass Hilfe nicht nur Mitgefühl braucht, sondern auch Verantwortung. Dass Kulturen unterschiedlich funktionieren können, ohne dass eine besser oder schlechter ist. Und ich habe immer wieder erlebt, wie Begegnungen mit anderen Menschen den Blick auf das eigene Leben verändern können.

Ăśber viele dieser Erfahrungen habe ich bisher nur am Rande geschrieben.

In unserem Newsletter geht es vor allem um die Arbeit unseres Vereins. Dort berichte ich, welche Projekte wir durchfĂĽhren, welche UnterstĂĽtzung gerade gebraucht wird und welche Fortschritte wir gemeinsam erreichen konnten.

Doch hinter jeder dieser kurzen Meldungen steckt oft eine Geschichte, die viel größer ist.

Warum kontrolliert eine Hilfsorganisation plötzlich Sterbeurkunden?

Weshalb kann ein schiefer Türrahmen etwas über eine ganze Gesellschaft erzählen?

Warum hat mich ein einfacher Krankenhausbesuch mehr ĂĽber Armut gelehrt als jede Statistik?

Und weshalb schlafe ich in Gambia oft besser als in Deutschland, obwohl dort Stromausfälle, Hitze und ganz andere Herausforderungen zum Alltag gehören?

Genau diesen Geschichten möchte ich hier Raum geben.

Ich möchte Menschen vorstellen, die mir begegnet sind. Situationen beschreiben, die mich überrascht haben. Fragen stellen, auf die ich selbst lange keine Antwort hatte. Und Gedanken teilen, die mich manchmal noch Wochen oder Monate beschäftigen.

Dieses Magazin ist deshalb weder ein Reisetagebuch noch ein Vereinsblog.

Es ist eine Sammlung von Reportagen, Beobachtungen und persönlichen Reflexionen über das Leben – in Gambia und manchmal auch über uns selbst.

Vielleicht wirst du beim Lesen lachen. Vielleicht wirst du den Kopf schĂĽtteln. Vielleicht wirst du an manchen Stellen anderer Meinung sein als ich.

Wenn meine Artikel dazu beitragen, die Welt mit etwas mehr Verständnis, Neugier und Mitgefühl zu betrachten, dann hat dieses Magazin seinen Zweck erfüllt.

Ich freue mich, dass du hier bist.

Herzlich,

Suraya Jammeh

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