Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
Der klare Wahlsieg von Péter Magyar in Ungarn kam für mich überraschend. Vieles sprach dafür, dass rechtsextremer Kulturkampf, ein aggressiver Wahlkampf und Ablenkungsnarrative wie „Die Ukraine will Krieg“ Viktor Orbán eine weitere Amtszeit sichern könnten. Doch es reichte nicht.
Ein Grund liegt in der ökonomischen Realität: Ungarn zählt zu den Schlusslichtern der EU beim Pro-Kopf-Einkommen – während ein enger Vertrauter Orbáns dank staatlicher Aufträge zu einem der reichsten EU-Bürger aufstieg. Mehr dazu im Newsletter.
Heute veröffentlichte ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit den Rassismus-Report 2025 (Opens in a new window). Die Bilanz: Rassismus ist in Österreich Alltag, kein Randphänomen. 1.539 Fälle wurden dokumentiert - darunter 108 Vorfälle mit Polizeibezug, einschließlich Racial Profiling.

Außerdem geht es heute um Sabotageverdacht in Norditalien, Trump und die Straße von Hormus

Ungarn: Warum Magyar gewann
Péter Magyar und seine TISZA-Partei (Partei Respekt und Freiheit) hat die Parlamentswahl in Ungarn gewonnen – und damit nicht nur Viktor Orbáns 16-jährige Dominanz beendet, sondern auch politische Schockwellen bis nach Washington und Moskau ausgelöst.
Seit 2010 regierte Viktor Orbán mit Zweidrittelmehrheiten und baute den Staat systematisch im Sinne seiner Partei Fidesz um: Medienkontrolle, Wahlrechtsreformen, loyale Kader in Justiz und Verwaltung. Aus Ungarn wurde eine „illiberale Demokratie“, aus Vetternwirtschaft ein Regierungsprinzip. Nun ist dieses System an seinen eigenen Kosten gescheitert.
In Orbáns letzter Amtszeit kippte die Stimmung. Die Inflation erreichte zeitweise 25 Prozent, Lebensmittel verteuerten sich um bis zu 40 Prozent. Zugleich fror die EU wegen Rechtsstaatsverstößen fast 30 Milliarden Euro an Fördermitteln ein. Krankenhäuser verfielen, Schulen verarmten, die Wirtschaft stagnierte. Ungarn zählt zu den Schlusslichtern der EU beim Pro-Kopf-Einkommen.
Während Orbán im Wahlkampf erneut auf Feindbilder setzte – EU, Ukraine, äußere Bedrohungen – sprach Péter Magyar über Korruption, Lebenshaltungskosten und staatliches Versagen. Diese Verschiebung der Themen traf offenbar den Nerv der Wähler.
Für die EU eröffnet sich die Aussicht auf ein kooperatives Mitgliedsland. Das von Orbán blockierte Ukraine-Hilfspaket dürfte freigegeben werden, eine erste Reise Magyars führt nach Brüssel.
Emmanuel Macron gratulierte umgehend. Ursula von der Leyen erklärte, Ungarn habe „Europa gewählt“.
In Washington verliert Donald Trump einen ideologischen Verbündeten. Die Heritage Foundation pries Orbáns Ungarn als Blaupause für einen autoritären Staatsumbau. Noch vor der Wahl war JD Vance zur Unterstützung Orbáns nach Budapest gereist.
Auch für Wladimir Putin ist Magyars Sieg ein Rückschlag. Orbán galt als verlässlichster Partner des Kremls in der EU, blockierte Sanktionen und Ukrainehilfen. Ungarische Regierungsstellen sollen sogar EU-Informationen an Moskau weitergereicht haben.
Unterstützung erhielt Orbán zudem von FPÖ-Chef Herbert Kickl.

Jetzt will Trump die Straße von Hormus blockieren
Kaum war die Feuerpause zwischen den USA und dem Iran beschlossen, geriet sie auch schon wieder ins Wanken. Am Wochenende konnten sich die Verhandlungspartner bei Gesprächen im Vermittlerland Pakistan nicht einigen. Unklar ist, wie es nun weitergeht und ob hinter den Kulissen weiterverhandelt wird. Vom iranischen Präsidenten Massud Peseschkian hieß es laut Tagesspiegel (Opens in a new window)-Liveblog, eine Einigung sei „durchaus machbar, nur müssen sich die USA an die international anerkannten Vorschriften und das Völkerrecht halten“.
Medienberichten zufolge waren das iranische Atomprogramm (Opens in a new window) und die Straße von Hormus die größten Streitpunkte. Gestern erklärte dann US-Präsident Donald Trump, die Kriegsmarine der USA sei angewiesen worden, die für den Ölhandel wichtige Meerenge vollständig zu blockieren. Man werde jedes Schiff aufspüren und abfangen, das eine Gebühr an den Iran gezahlt habe und sich in internationalen Gewässern befinde.
Als Reaktion auf die Ankündigung von Trump kletterten sowohl die US-Referenzsorte WTI als auch die Nordsee-Sorte Brent deutlich über die Marke von 100 Dollar (rund 86 Euro) pro Barrel. Für beide Sorten bedeutete das binnen Stunden einen Preissprung von mehr als acht Prozent.
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, jede Annäherung von Militärschiffen werde als Verstoß gegen die Feuerpause gewertet. Wie ZDFheute (Opens in a new window) noch einmal erklärt, hatte der Iran die Straße von Hormus nach Kriegsbeginn praktisch blockiert und lässt nun zwar wieder einige Schiffe passieren – wählt diese aber aus und verlangt Geld. Trump stimmt die US-Bevölkerung inzwischen darauf ein, dass die Öl- und Benzinpreise bis November hoch bleiben werden. Details gibt es bei der Tagesschau (Opens in a new window) und bei der Deutschen Welle (Opens in a new window).
Morgen sind außerdem Gespräche zwischen Vertretern aus Israel und dem Libanon in Washington geplant, bei denen über eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah verhandelt werden soll – die Miliz selbst lehnt diese Gespräche ab. Israel und die USA hatten vergangene Woche darauf bestanden, dass die Feuerpause in der Region nicht für den Libanon gelte, während der Iran und Pakistan das Gegenteil erklärten.

Sabotageverdacht in Norditalien: „Ohne diese Pipeline hat Österreich de facto kein Öl“
Nach der Beschädigung eines Strommasts der 132-kV-Leitung Tolmezzo–Paluzza in der Provinz Udine laufen die Ermittlungen der Carabinieri auf Hochtouren. Der Mast speist unter anderem das Netz der Transalpine Ölpipeline (TAL). Fachleute der Netzgesellschaft Terna, die den Schaden am 25. März gemeldet hatte, werden derzeit befragt. Unbekannte hätten den Mast beschädigt, heißt es aus Ermittlerkreisen. Nun soll geklärt werden, wie es dadurch zu der Unterbrechung im Stromnetz kam.
Eine TAL-Sprecherin wies den Eindruck zurück, die Pipeline selbst sei Ziel einer Sabotage gewesen.
Welche Bedeutung die Leitung hat, zeigt ein Blick nach Österreich. Die Raffinerie der OMV Raffinerie Schwechat bezieht ihr Rohöl nahezu vollständig über die TAL, sagte der Ölmarktexperte Johannes Benigni vom Beratungsunternehmen JBC Vienna im Ö1-Morgenjournal des ORF (Opens in a new window). „Diese Versorgung ist essenziell. Ohne diese Pipeline haben wir in Österreich quasi kein Öl – abgesehen von dem, was im Inland gefördert wird.“
Aus dem österreichischen Innenministerium hieß es auf Anfrage, es gebe – wie in derartigen Fällen üblich – einen engen Austausch zwischen den Sicherheitsbehörden in Österreich und Italien. Die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) arbeite als zuständige Stelle für den Schutz kritischer Infrastrukturen eng mit den Betreibern zusammen und berate zu physischen, organisatorischen und hybriden Bedrohungslagen.
Der beschädigte Strommast steht in schwer zugänglichem Gelände im Gemeindegebiet von Tolmezzo, nahe der Kärntner Grenze. Wegen des Vorfalls musste die Ölversorgung vorübergehend unterbrochen werden.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

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Eine Frau zeigt sexuellen Missbrauch an und steht am Ende selbst vor Gericht. Der Vorwurf: Falschaussage. Der Freispruch ist eindeutig. Eine Reportage über einen Prozess, der Fragen zum Umgang mit Betroffenen von sexualisierter Gewalt aufwirft.
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Fünf Mythen über Gewalt gegen Frauen – und wie du sie entkräftest
Zum Beispiel: „Gewalt gegen Frauen ist ein Migrationsproblem“ oder „Frauen sind gar nicht so oft Opfer von Gewalt".
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Freiheit im Blut
Selten hat eine Graphic Novel so wuchtig auf mich gewirkt wie „Freiheit im Blut“. Erzählt wird der Weg einer jungen Kurdin durch Gewalt, Flucht und Widerstand. Sie überlebt eine Zwangsheirat, wird verhaftet, flieht nach Rojava, schließt sich in Kobanê den Frauenverteidigungseinheiten YPG an, um gegen den sogenannten Islamischer Staat zu kämpfen – und gerät schließlich selbst in dessen Gewalt.
Es ist eine Geschichte von Unterdrückung und nacktem Überleben, vor allem aber von einer Frau, die sich ihre Selbstbestimmung zurückerkämpft.
Zu dem Buch passt, dass die Autorin Kudret Güneş im Mai 2025 in Ankara festgenommen und später wegen angeblicher „Propaganda für eine terroristische Organisation“ zu einer 20-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Mit “terroristische Organiation” ist die PKK gemeint, die mit den YPG eng verbunden ist.
Muss heute noch kochen:
Markus

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