Skip to main content

Wird dieser Eisbergsalat länger halten als Harald Mahrer?

Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!

Jahrelang waren die sogenannten Epstein-Files so etwas wie der McGuffin der US-Innenpolitik. Der Begriff McGuffin geht auf den Regiegroßmeister Alfred Hitchcock zurück und meint ein mehr oder weniger beliebiges Objekt, das in einem Film dazu dient, die Handlung auszulösen oder voranzutreiben. Berühmte Beispiele aus der Filmwelt sind der Koffer in Pulp Fiction oder das Wort Rosebud in Citizen Kane.

Mit der teilweisen Veröffentlichung der Epstein Files (hier (Opens in a new window) durchsuchbar) durch das US-Repräsentantenhaus wurden die Emails von Epstein aber schlagartig vom McGuffin zum realen Politthema – nicht nur in den USA, sondern auch in Österreich. So wird etwa Ex-Kanzler Sebastian Kurz in dem Datensatz erwähnt (Opens in a new window) und ein Treffen wird behauptet. Über seinen Sprecher hat Kurz bereits dementiert. Epstein soll sich auch für das Galadinner des Life Ball 2012 in Wien Karten besorgt haben.

Außerdem berichten wir heute über den wankenden Multifunktionär Harald Mahrer, die Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland sowie das Ende des US-Shutdowns.

Stand jetzt ist Harald Mahrer noch WKO-Chef

Erinnerst du dich noch an Liz Truss, die im Jahr 2022 für 49 Tage britische Premierministerin war? Das Boulevardmedium Daily Star hat kurz vor ihrem Rücktritt einen Livestream (Opens in a new window) gestartet und gefragt: „Wird dieser Eisbergsalat länger halten als Liz Truss?“ Sechs Tage später war sie Geschichte und der Salat noch in ziemlich gutem Zustand.

Anders als der derbe britische Boulevard macht in Österreich kein Medium so einen Stunt für Harald Mahrer. Dabei sind die Rücktrittsrufe (Opens in a new window) gerade ähnlich laut: Die Tiroler Wirtschaftskammerpräsidentin Barbara Thaler fordert einen „klaren Schritt“ Mahrers. WK-Oberösterreich-Präsidentin Doris Hummer sagt, Mahrer „sollte den Weg frei machen“.
Mehr oder weniger deutliche Rücktrittsforderung kommen auch aus der Salzburger Wirtschaftskammer und der dortigen Industriellenvereinigung. Auch die Landeshauptleute Johanna Mikl-Leitner und Thomas Stelzer gingen zu Mahrer auf Distanz. Rückendeckung gab es von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer sowie Wirtschaftsbündler Kurt Egger (alle ÖVP).

Was macht Mahrer selbst? Schweigen und abwarten. Der Standard (Opens in a new window) veröffentlichte am Montag eine Recherche, die zeigt, dass Mahrer aus undurchsichtigen Gründen den Ehrentitel „Professor“ verliehen bekam.

Union und SPD einigen sich auf Wehrdienstmodell

Am späten Abend kam gestern die Eilmeldung, dass sich Union und SPD nach monatelangen Diskussionen auf Details zu einem neuen Wehrdienstmodell geeinigt haben. Ein Losverfahren, das manche jungen Männer zum Wehrdienst verpflichtet, ist Teil der Übereinkunft, schreibt die Tagesschau (Opens in a new window). Die am Abend durchgesickerten Details wurden im Wesentlich am Donnerstagmorgen von den Beteiligten bestätigt. 

Die Idee: Zunächst sollen alle Männer eines Jahrgangs vollständig gemustert werden. Falls sich unter den Wehrtauglichen dann nicht genug Freiwillige für den Militärdienst finden, soll gelost werden, wer zum Bund muss. Der Deutschlandfunk (Opens in a new window) wägt ab, ob ein solches Losverfahren fair oder unfair ist.

Gestern war es auch genau 70 Jahre her, dass am 12. November 1955 die Bundeswehr gegründet wurde. In der Nachkriegszeit war die Wiedereinführung des deutschen Militärs eine umstrittene Entscheidung, erinnert sich die Deutsche Welle (Opens in a new window) in einem Text zur Historie.

US-Haushaltsblockade aufgelöst –aber neuer Epstein-Ärger für Trump

Nach 43 Tagen endet in den USA der Regierungsstillstand und das Land hat wieder einen Übergangshaushalt im Bund. Nach dem Senat am Montag hat gestern Abend das Repräsentantenhaus einem entsprechenden Vorschlag zugestimmt, kurz danach unterschrieb Präsident Donald Trump den Gesetzesentwurf. Damit laufen blockierte Gehaltszahlungen für Hunderttausende Verwaltungsangestellte wieder an und Millionen Bedürftige erhalten Unterstützung zum Kauf von Lebensmitteln. Die Demokraten sind gegen Trumps Republikaner aber in ihrer wichtigsten Forderung gescheitert: Sie wollten erreichen, dass rund 20 Millionen Krankenversicherte weiterhin Zuschüsse zu ihren Beiträgen bekommen. Nun laufen diese Steuergutschriften Ende des Jahres aus und vielen Versicherten drohen Hunderte Dollar höhere Beiträge Anfang 2026. Der Spiegel (Opens in a new window) hat einen knappen Überblick zum beendeten Haushaltsstreit.

Ärger droht Trump aber durch den weiter köchelnden Epstein-Skandal. Gestern haben zunächst die Demokraten drei Mails veröffentlicht, später legten die Republikaner sogar 20.000 Seiten aus dem elektronischen Briefverkehr des 2019 im Gefängnis gestorbenen Sexualstraftäters nach. Darin heißt es, dass Trump „von den Mädchen gewusst hat“, teils „Stunden“ in Epsteins Haus verbracht haben soll – und dass er einmal so sehr auf badende Teenagerinnen in Epsteins Pool fixiert gewesen sein soll, dass er in eine Glastür gelaufen ist. Ntv (Opens in a new window) und T-Online (Opens in a new window) fassen zusammen.

Kommende Woche soll im Repräsentantenhaus über die Aufforderung abgestimmt werden, alle Epstein-Mails zu veröffentlichen. Im Senat scheint eine Mehrheit schwer und am Ende könnte Trump eine Veröffentlichung mit seinem Veto verhindern – aber es bahnt sich an, dass der Skandal zu einem großen Zerwürfnis innerhalb der Partei führt. Unterdessen sind in den vergangenen Wochen Trumps Zustimmungswerte auf einen Tiefststand gerutscht, wie diese Berechnung der Datenjournalismus-Seite Fiftyplusone (Opens in a new window) zeigt. Immer noch finden aber fast 40 Prozent der US-Amerikaner seine Arbeit gut. (Christian Fahrenbach)

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Sportplätze im Augarten: Teuer saniert, wenig benutzt

Schon öfter haben wir an dieser Stelle das kleine, feine Lokalmedium Zwischenbrücken (Disclaimer: Ich arbeite nebenher auch für Zwischenbrücken) erwähnt. Heute haben wir eine Recherche, die zeigt, dass Lokaljournalismus, der hinschaut, wichtig ist.
Sicher ist tausenden Parkbesucher*innen schon aufgefallen, dass die Sportplätze im Augarten fast immer unbenutzt sind. Es braucht aber erst die Recherchen von Journalist*innen, um herauszufinden, warum.

https://www.zwischenbruecken.at/report/sportplaetze-im-augarten-teuer-saniert-wenig-benutzt/ (Opens in a new window)

Wie VW der Amazonas-Zerstörung den Weg bereitete

Wer verstehen will, warum der Amazonas kollabiert, muss die Geschichte einer bestimmten Farm kennen. Dort ließ VW in den 1980ern tausende Hektar Regenwald abholzen – von Zwangsarbeitern.

https://krautreporter.de/klimakrise-und-losungen/6128-wie-vw-der-amazonas-zerstorung-den-weg-bereitete#lesen (Opens in a new window)

10 Jahre Terror von Bataclan

Heute vor zehn Jahren attackierten Terroristen in Paris ein Konzert im Bataclan, mehrere Bistro-Schanigärten sowie den Vorplatz des Stadions Stade de France. 130 Menschen starben, über 400 wurden verletzt – der Standard sprach mit der Informatikerin Stéphanie Zarev, die damals den Konzertabend knapp überlebte.

https://www.derstandard.at/story/3000000295758/terror-im-bataclan-meine-kleider-waren-voller-blut-aber-es-war-nicht-meins (Opens in a new window)

Wünscht einen ruhigen Donnerstag:

Dominik

0 comments

Would you like to be the first to write a comment?
Become a member of tag eins and start the conversation.
Become a member