Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
“Save our girls”, schallte (Opens in a new window) es am Sonntagabend vor dem Fußballstadion an der australischen Gold Coast. Protestierende versuchten, die Abfahrt des Busses des iranischen Frauenfußballnationalteams zu verhindern. Kurz zuvor war das Team den Philippinen unterlegen und damit aus dem”Asien Cup” ausgeschieden.
Was war passiert? Die Befürchtungen um die Sicherheit der Fußballerinnen sind groß, nachdem die Sportlerinnen beim Fußballmatch am vergangenen Montag nicht die Hymne mitgesungen hatten. Im iranischen Staatsfernsehen wurden sie dafür als “Verräterinnen” gebrandmarkt.
Der australische Premierminister Anthony Albanese bestätigte nun, dass fünf Spielerinnen sich mittlerweile an die australische Polizei gewandt hatten und aus dem Teamhotel an einen sicheren Ort gebracht wurden. “Wir sagen ihnen: Wenn ihr unsere Hilfe wollt, Hilfe ist hier”, sagte Premierminister Albanese, "aber es liegt an ihnen”. Den Spielerinnen Fatemeh Pasandideh, Zahra Ghanbari, Zahra Sarbali, Atefeh Ramazanzadeh und Mona Hamoudi wurde inzwischen Asyl gewährt.
Welche Konsequenzen ihren Familien respektive den im Hotel verbliebenen Iranerinnen drohen, ist ungewiss.

Außerdem im Newsletter: ORF-Nebel, Kronzeuge packt gegen ÖVP-Klubobmann aus und ein weiterer Femizid

ORF-Nebel lichten sich
Nachdem gestern überraschend der ORF-Generaldirektor Roland Weißmann zurückgetreten ist, lichtet sich der Nebel. Wir wollen auf drei Tangenten blicken:
Zum einen wird immer klarer, dass das Prozedere um den forcierten Rücktritt mehr als ungewöhnlich ist. Anstatt die Vorwürfe durch eine unabhängige Kommission aufklären zu lassen, hat die Stiftungsratsspitze aufgrund von SMS und Bildern eigenständig über die Konsequenzen entschieden. Den Rücktritt des Unternehmenschefs hatte zuvor der Anwalt des Opfers gefordert. Stiftungsratsvorsitzender und SPÖ-Mann Heinz Lederer sprach gestern im ZiB2-Interview davon, dass Weissmann aufklären hätte sollen, ob die Vorwürfe “KI-gesteuert” seien. Man würde eigentlich erwarten, dass das Unternehmen selbst Schritte zur Aufklärung des Sachverhalts unternimmt. Der Standard (Opens in a new window) hat die Ereignisse nachgezeichnet.
Zum zweiten wird klar, wie selten - gerade auch in Österreich - in solchen oder ähnlichen Fällen klare Konsequenzen gezogen werden. Dass ein Firmenchef auf Grund sexueller Belästigung gehen muss, ist – leider – keine Selbstverständlichkeit. Auch nicht 2026.
In der öffentlichen Debatten bringen sich gleichzeitig die Männerverteidiger in Stellung. Der ÖVP-nahe PR-Berater Wolfgang Rosam schreibt etwa auf X: “ Wer ihn persönlich kennt- wie ich -kann sich das kaum vorstellen. Es genügt heutzutage aber schon der „Anschein“ und du bist weg.” Das ist ein typisches Muster: Die Frau lügt, der Mann kann sich ja gar nichts zu Schulden kommen haben lassen.
Drittens beginnt sofort die Spekulation darüber, wer nun im August als ORF-Generaldirektor folgen wird. Medienminister Andreas Babler (SPÖ) sprach sich sofort für eine Frau an der Unternehmensspitze aus. Auch die Krone (Opens in a new window) berichtet, dass die Regierungsspitze “zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich nur mit einer Frau ins Rennen starten kann”. Zur Favoritin wird damit die langjährige ZIB-Journalistin und jetzige Leiterin der Magazinsendungen Lisa Totzauer, der beste Kontakte in die ÖVP nachgesagt werden. Sie hatte sich schon 2021 beworben, war aber Weissmann unterlegen - oder anders gesagt: Die ÖVP wollte jemand anders. Auch ORF-NÖ-Landesdirektor Alexander Hofer werden gute Chancen und ebensolche Verbindungen zur ÖVP nachgesagt.
Wie aus dem Nichts erscheint aber Ingrid Thurnher als Topfavoritin auf den Job. Die 62-jährige ORF-Radiodirektorin und ehemaligge ZIB-2-Moderatorin ist nun die designierte Interimsgeneraldirektorin. Die Furche (Opens in a new window) hat ein aktuelles Portrait über sie.

Kronzeuge packt gegen ÖVP-Klubobmann aus
Heute geht die Spannung erwartet Zeugenaussage des Kronzeugen Thomas Schmid beim Linzer Strafprozess gegen ÖVP-Klubobmann August Wöginger und Konsorten weiter. Zur Erinnerung, Wöginger sprach davon, die Bewerbungsunterlagen als “Bürgeranliegen” bloß weitergeleitet zu haben. Dem widersprach Schmid: Wöginger sei auf der Sache drauf geblieben und habe ihm mit Nachdruck vermittelt, dass ihm die Sache wichtig sei. Laut Schmid habe Wöginger zu ihm gesagt, dass er “für dieses Finanzamt jemanden hat, den er sich dort wünscht [...] und dass ich mich darum kümmern soll.”
Schmid gab an, sich als “Gefallen für einen Parteifreund” um die Postenkorruption gekümmert zu haben. Auch da Wöginger als damaliger Sozialsprecher ein wichtiger Nationalratsabgeordneter aus der Sicht des Finanzministeriums gewesen sei. Als Beleg für die Bevorzugung eines ÖVP-Mitglieds bei der Besetzung der Finanzamtsleitung führt die Anklagebehörde WKStA die bekannten Chatnachrichten an. Heute Nachmittag geht die Befragung des Kronzeugen weiter, der Standard (Opens in a new window) berichtet in einem Live-Ticker.

Femizid und Selbstmord in Oberwart
Am Montagmittag hat (Opens in a new window) ein 88-jähriger Mann im Bezirk Oberwart seine Frau lebensgefährlich verletzt und sich anschließend selbst mit der Waffe tödliche Verletzungen zugefügt. Zeugen hatten Schüsse gehört und die Einsatzkräfte informiert, die das ältere Ehepaar noch lebend auffand. Mit dem Notarzthubschrauber wurden sie in Spitäler in Wien respektive Graz gebracht.
Der 1938 geborene verstarb weniger später im Krankenhaus und konnte auch nicht mehr von der Polizei vernommen werden. Die 1944 geborene Frau schwebt nach wie vor in Lebensgefahr. Die Hintergründe und das Motiv der Gewalttat sind noch unklar. Fest steht, dass der Mann die Schüsse abgegeben hat.
Laut der Statistik der Autonomen Frauenhäuser (Opens in a new window) hat es 2026 bereits drei Femizide in Österreich gegeben.

Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

„Ich bin in Wien ja selbst ein Zugewanderter“
Finanzminister Markus Marterbauer lebt in der Leopoldstadt und hat dem Lokalmagazin Zwischenbrücken (für das ich auch selbst tätig bin) erzählt, was an dem Bezirk schätze: Die Diversität und dass er zu Fuß zur Arbeit gehen kann.
Dass 2030 mit seiner Politikerkarriere Schluss sei, hat er bereits mit seiner Frau vereinbart: “Ich will irgendwann auch wieder in Ruhe Bücher lesen.”
https://www.zwischenbruecken.at/menschen/markus-marterbauer-ich-bin-in-wien-ja-selbst-ein-zugewanderter/ (Opens in a new window)
Für Trump ist der Angriff auf Iran ein Desaster – auf den ersten Blick
Ich habe im US-Bundesstaat Wisconsin mit einem Dutzend Republikanern gesprochen, um zu verstehen, wie der Krieg in deren Weltbild passt.
https://krautreporter.de/politik-und-macht/6313-fur-trump-ist-der-angriff-auf-iran-ein-desaster-auf-den-ersten-blick (Opens in a new window)
15 Jahre Fukushima: Revival der Atomkraft
Vor 15 Jahren, an einem Samstag, saß ich gebannt vor dem Fernseher, mein Laptop auf'm Schoss. Live im Fernsehen und über Twitter (das war damals noch anders dort) verfolgte ich die Kernschmelze des Atomreaktors. Noch heute läuft mir ein Schauer über den Rücken bei der Erinnerung an die Triplekatastrophe: Erdbeben, Tsunami und Super-GAU. Kurz danach verkündet Angela Merkel den Atomausstieg Deutschlands, Kernenergie schien endgültig auf dem absteigenden Ast. Es war zu früh geglaubt, wie das Ö1 Journal Panorama zeigt: Die Atomkraft erlebt ein Revival - nicht zuletzt in Japan.
https://oe1.orf.at/programm/20260310/825578/15-Jahre-Fukushima-Revival-der-Atomkraft (Opens in a new window)Fragt sich, was nun aus dem Rest des iranischen Teams wird:
Dominik