
Diese Woche schauen wir auf das, was auf Landesebene diskutiert wird – und das ist einiges. Im Rathaus wird gestritten: über Budgets, Kinderrechte, den Lobautunnel – und natürlich auch über Leerstand.
Während also die einen über Zahlen und Zuständigkeiten debattieren, fragen wir uns: Wie viel Raum steht in Wien eigentlich leer – und warum?
Genau damit starten wir unseren neuen Deep-Dive zum Thema Leerstand. Sag uns, was du dir von der Stadt wünschst, wenn’s ums Wohnen geht. Die Community-Umfrage ist ab jetzt offen – und sie bildet den Auftakt zu einer Recherche, die wir gemeinsam schreiben.
Und weil Politik nicht alles ist, schicke ich dich zwischendurch auch noch ins Kino – es läuft nämlich einiges, das du nicht verpassen solltest.
COMMUNITY-UMFRAGE
Leerstand und Spekulation: Wir brauchen Deine Stimme! Start unserer großen Community-Umfrage zu Forderungen gegen Immobilienspekulation in Wien.
DEEP-DIVE: Landtagssitzung 4
Tunnel vs. Nationalpark: Der hitzige Streit um die S1 und den Lobautunnel – Zementmischer gegen Naturschutz.
Wohnbau-Steuer erhöht: Die Abgabe, die dem sozialen Wohnbau zugute kommen soll, wird erhöht und diskutiert. Ist eine Leerstandsabgabe doch die bessere Lösung?
Intransparenz im Budget: Was ist die „Stolz auf Wien GmbH“ und was wurde mit den 20 Millionen Euro gefördert? Forderung nach Transparenz bei Millionen-Ausnahmen.
Kinderrechte am Pranger: Dringender Appell zur Kinderarmut, zur fehlenden automatischen Krankenversicherung und zu den Personalengpässen der MA 11.
Mindestsicherung: Die Stadt zieht die Zügel an: 7.283 Kürzungen der Sozialleistungen umgesetzt, während die FPÖ schärfere Sanktionen fordert.
Förderungen und Fristen
Innovative Bildung
Literatur
Kulturtipps
Live vertont im ältesten noch bespielten Kino der Welt
Coen-Brüder Retrospektive
“Otto Wagner Lecture” Vortrag zur Zukunft urbaner Räume
Animating Art im Künstlerhaus
Bevor ich dir einen Überblick darüber gebe, was in Wien auf Landesebene diskutiert wird, möchte ich mit dir den Startschuss für unsere Deep-Dive-Recherche zum Thema “Leerstand” geben. Der Deep-Dive ist ein Format des Wiener Flaneur, durch den Themen mit dir gemeinsam beleuchtet werden. Wir starten unsere Deep-Dives mit einer Community-Umfrage, recherchieren im Team und veröffentlichen die Ergebnisse unserer Recherchen in unserer Printpublikation und im digitalen Dossier zum Nachlesen. Wie das aussieht, kannst du dir am Beispiel “Entsiegelung und Begrünung” (Opens in a new window) anschauen.
Die Umfrage zu unserem neuen Deep-Dive-Thema wird ca. 3 - 5 Minuten dauern. Deine Antworten bilden die Grundlage für unsere weiterführenden Interviews und Hintergrund-Artikel.
Wenn du Personen kennst, die das Thema interessieren könnte, teile diese Ausgabe. Das hilft uns in unseren Recherchen massiv.
Landtag DEEP-DIVE: Tunnel-Streit, Budget-Löcher und der Ruf nach Kinderrechten
Die 4. Sitzung des Wiener Landtags am 23. Oktober 2025 war geprägt von hitzigen Debatten, die zentrale Zukunftsfragen der Stadt – von der Infrastruktur über die Finanzen bis hin zu den Kinderrechten – ansprachen.
I. Aktuelle Stunde*: Lobautunnel – Die Stadt am Scheideweg von Beton und Naturschutz
Kontext: Das Megaprojekt, eine geplante Autobahnverlängerung inklusive Tunnel unter dem Nationalpark Donau-Auen, spaltet die Stadt seit Jahren, wobei Befürworter*innen Transitentlastung fordern und Kritiker*innen vor massiver Versiegelung warnen.
Hintergrund S1: Die S1 (Wiener Außenring Schnellstraße) bezeichnet das umstrittene, noch fehlende 19-km-Teilstück des Autobahnrings um Wien. Der Konflikt entzündet sich am geplanten Lobautunnel, der die Donau und den Nationalpark Donau-Auen auf einer Länge von über 8 Kilometern unterirdisch queren soll.
Der Streit um die S1 im Landtag:
Der harte Grüne Angriff: Die GRÜNEN leiteten die Debatte mit dem Titel: „Das Land Wien hat sich verpflichtet, den Nationalpark Donau-Auen zu erhalten – ein Autobahntunnel untergräbt Natur- und Klimaschutz“ ein.
StR Peter Kraus (GRÜNE) warf der SPÖ vor, ihre Wahlversprechen zu brechen und sagte: „Hanke kam, Hanke sah, Hanke betonierte“.
Er warnte, eine Fläche in der Größe des 15. Wiener Gemeindebezirks werde versiegelt.
Spekulationsvorwurf: Heidemarie Sequenz (GRÜNE) sprach von einer „Versiegelungsorgie“ und mutmaßte, das Projekt diene primär der Wahrung der Interessen von Investoren und Spekulanten in Essling.
Die Verteidigung der Lebensader: Die ÖVP (StRin Katarzyna Greco) begrüßte, dass der Lobautunnel nun Realität werde und nannte ihn eine „Lebensader“ für die Donaustadt. Omar Al-Rawi (SPÖ) versicherte, dass die Lobau unter dem Bau „nicht leiden“ werde.
NEOS-Kritik: Angelika Pipal-Leixner (NEOS) lehnte den Tunnel ebenfalls ab, warnte jedoch, dass die Behauptung einer kompletten Zerstörung des Nationalparks falsch sei.
II. Budget: Die Steuer für den Wohnbau wird erhöht – Ist eine Leerstandsabgabe die bessere Lösung?
1. Änderung des Wiener Wohnbauförderungsbeitragstarifs (Erhöhung)
Kontroverse: Die Stadt erhöht die Steuer, die dem sozialen Wohnbau zugutekommen soll. Die diskutierte Anhebung des Beitrags dient offiziell der Budgetsanierung, wird von der Opposition jedoch als verdeckte Steuererhöhung und Inflationstreiber kritisiert.
Hintergrund WBF: Der Wohnbauförderungsbeitrag (WBF) ist eine Lohnnebenkosten-Abgabe (derzeit 1 % der Bruttolohnsumme), die von Arbeitgebern und Arbeitnehmern entrichtet wird und primär der Finanzierung des geförderten Wohnbaus dient. Wien plant, diesen Beitrag auf insgesamt 1,5 % zu erhöhen.
Forderung nach Leerstandsabgabe: Georg Prack (GRÜNE) kritisierte, die Erhöhung belaste Arbeitnehmer*innen, während „das Kapital“ (Besitzer*innen leerstehender Wohnungen) geschont werde. Er forderte stattdessen eine „echte Zweckwidmung“ der Gelder und eine Leerstandsabgabe.
Budgetloch-Vorwurf: Prack und Dominik Nepp (FPÖ) kritisierten, die WBF-Gelder würden „massiv zweckentfremdet“ und bis zu einem Drittel „einfach ins Budget geflossen“ sein. Nepp forderte den Bürgermeister auf, einzugestehen: „Wien ist pleite“.
SPÖ-Verteidigung: Georg Niedermühlbichler (SPÖ) erklärte die Erhöhung als notwendig zur Budgetsanierung nach internationalen Krisen. (Beschluss: Der Tarif wurde mehrstimmig geändert; Oppositionsanträge wurden abgelehnt.)
2. Intransparenz im Budget: Was ist die „Stolz auf Wien GmbH“ und was wurde mit den 20 Millionen gefördert? Forderung nach Transparenz
Kontext: Im Zuge der Bemühungen um mehr Transparenz öffentlicher Geldflüsse sollte eine neue Datenbank geschaffen werden, deren Wirksamkeit allerdings durch Ausnahmen wie bestimmte Gesellschafterzuschüsse infrage gestellt wird.
Hintergrund "Stolz auf Wien GmbH": Bei dieser Gesellschaft handelt es sich um eine städtische Immobiliengesellschaft, die zur Unterstützung von Wiener Unternehmen während der COVID-19-Pandemie gegründet wurde. Kritisch gesehen wird, dass Millionen-Zuschüsse an solche Firmen weiterhin aus der Transparenzdatenbank ausgenommen bleiben.
Die Ausnahmen: David Ellensohn (GRÜNE) und Andreas Bussek (FPÖ) kritisierten unisono, dass wichtige finanzielle Transaktionen wie Gesellschafterzuschüsse (z. B. 20 Millionen Euro an die „Stolz auf Wien GmbH“) weiterhin ausgenommen blieben. Bussek warnte, dass dadurch „kritische Summen unsichtbar“ blieben. (Beschluss: Das Gesetz wurde mehrstimmig beschlossen.)
III. Soziales: Kinderrechte am Pranger – Der Appell zur Krankenversicherung und die MA 11-Engpässe
1. Tätigkeitsbericht 2024 der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien (KIJA)
Dringender Appell zur Kinderarmut und fehlenden Krankenversicherung: Der Bericht der Kinder- und Jugendanwaltschaft (KIJA) thematisierte die dringend notwendige Verbesserung der Kinderrechte in Wien.
Fehlende Krankenversicherung: Sebastian Öhner (KIJA) forderte dringend eine Lösungsstrategie, damit Kinder automatisch eine Krankenversicherung erhalten.
Personalengpässe: Sabine Keri (ÖVP) machte auf die Überlastung der MA 11 (Jugendämter) und den Mangel an Krisenpflegeeltern (Opens in a new window) aufmerksam.
Mindestsicherung: David Ellensohn (GRÜNE) kritisierte, dass die Mindestsicherung trotz steigender Kinderarmut nicht angepasst werde.
2. Fragestunde**: Auszüge
Mindestsicherung / Sanktionen: Die Stadt zieht die Zügel an: Auf Anfrage von Lukas Brucker (FPÖ) berichtete Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ), dass seit September 2024 7.283 Kürzungen bei der Sozial- und Mindestsicherung durchgeführt wurden.
Hintergrund Kürzungen: Kürzungen erfolgen in der Regel, wenn Bezieher*innen verpflichtenden Integrationsmaßnahmen oder Terminen ohne triftigen Grund nicht nachkommen. Hacker betonte, dass 95 Prozent der Bezieher*innen nicht betroffen seien.
Grundversorgung: Die Grundversorgung ist eine bundesweit geregelte, niedrigere Form der Absicherung als die Wiener Mindestsicherung. Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ) erklärte, dass die Absicherung dieser Gruppe durch den nationalen Gesetzgeber geregelt werde.
Luftqualität in Wien
Zum Schluss eine gute Nachricht:
Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) betonte, dass sich die Luftqualität drastisch verbessert habe und Schadstoffe wie Schwefeldioxid und Feinstaub deutlich unter dem Grenzwert lägen.
In dieser Ausgabe kann ich dir natürlich nur einen kurzen Überblick darüber liefern, was auf Landesebene Wien diskutiert wird. Wenn es einen bestimmten Bereich gibt, der dich besonders interessiert, schreibe mir. Ich freue mich über dein Feedback!
Für Lehrerinnen und Lehrer sowie für Leser*innen aus dem Bereich Literatur kann ich heute auf zwei Förderungen aufmerksam machen, deren Fristen in den nächsten zwei Wochen verstreichen:
SEED-Förderung: Lasst eure innovativen Bildungsideen wachsen!
Die SEED-Förderung der Stiftung BildungTomorrow unterstützt Lehrkräfte, Pädagog*innen und Bildungsgestalter*innen dabei, ihre innovativen Projektideen für das Lernen von Morgen zu pilotieren.
Was wird gefördert: Projektideen für innovative Bildung mit der Zielgruppe Kinder und Jugendliche.
Förderumfang: Die Förderung erfolgt in zwei Schritten. Zunächst erhalten bis zu acht Projekte je 500 € und ein intensives Begleitprogramm. In einem Folgeverfahren werden zwei Projekte mit bis zu 5.000 € unterstützt und individuell durch Experts4Change begleitet.
Wer kann einreichen: Öffentliche Bildungseinrichtungen, Bildungseinrichtungen in gemeinnütziger Trägerschaft sowie im Bildungsbereich tätige Vereine und Organisationen aus Österreich.
Wichtige Frist: Jetzt bis 16. November einreichen!
Einzel- und Gesamtförderung Literatur der Stadt Wien
Die Kulturabteilung der Stadt Wien (MA 7) schreibt regelmäßig Förderungen im Bereich Literatur aus.
Was wird gefördert: Das Programm fördert Vorhaben im Bereich der Literatur-Vermittlung. Dazu gehören beispielsweise Lesungen oder Literatur-Festivals.
Wer kann einreichen: Antragsberechtigt sind juristische Personen, Personengesellschaften und Einzelunternehmen mit Sitz in Wien sowie volljährige natürliche Personen mit Hauptwohnsitz in Wien.
Wichtige Fristen:
Bis 17. November (24 Uhr): Einzelförderung für Vorhaben im Frühjahr des nächsten Jahres.
Bis 17. November (24 Uhr): Gesamtförderung von Vorhaben im nächsten Jahr.
Filmreihen-Empfehlung
Ab Montag, den 03.11. startet im Filmarchiv Austria die große Retrospektive „Two Serious Men: Filme von Joel & Ethan Coen“.
Tauche ein in das unverwechselbare Chaos der Coens, in dem Parodie und Parabel, Western und Weltuntergang oft gleichzeitig stattfinden. Die Schau versammelt das gesamte Werk der Brüder, die das Absurde ernst nehmen und das Ernste mit einem Augenzwinkern betrachten.
Der Auftaktfilm ist am 03.11. um 20:30 Uhr der blutige Western-Noir „Fargo: Blutiger Schnee“.
https://www.filmarchiv.at/de/kino/filmreihe/sg_031NdQsbKrk7XMjvuy8jp2 (Opens in a new window)Wenn du dich für Architektur und die Zukunft von Städten interessierst: Am Montag, den 03.11.2025 um 19:00 Uhr findet die diesjährige Otto-Wagner-Lecture mit Matthew Gandy statt.
Der preisgekrönte Kulturgeograf spricht unter dem Titel „Urban Imaginaries“ über die komplexen Vorstellungswelten von Städten, die von ökologischen, historischen und techno-futuristischen Ansätzen geprägt sind. Ein hochkarätiger Vortrag, der deinen Blick auf Wien garantiert verändert. (Ort: Atelierhaus, EG Nord).
(Opens in a new window)Freies Kino
Am Dienstag, den 04.11.2025 um 20:00 Uhr findet im Stadtkino Künstlerhaus das FREIE KINO statt: „Animating Art – 40 Jahre ASIFA AUSTRIA“.
Erlebe einen Querschnitt durch das vielfältige und reichhaltige Animationsfilm-Schaffen Österreichs der vergangenen vier Jahrzehnte. Dich erwartet ein Programm, das losgelöst von allen Konventionen aufregende, bizarre und schräge cineastische Arbeiten zeigt. Eintritt frei.
(Opens in a new window)Live vertont im ältesten noch bespielte Kino der Welt
Am 08.11.2025 um 20:00 Uhr zeigen die Breitenseer Lichtspiele den Stummfilm-Klassiker „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ (1922) begleitet von Peter Hudler, Violoncello.
Tauche ein in Friedrich Wilhelm Murnaus Meisterwerk und lass dich von Graf Orloks ikonischer Erscheinung in Wiens ältestem Kino in seinen Bann ziehen. Ein Pflichttermin für alle Liebhaber von Vampiren, Gänsehaut und Filmgeschichte.
https://breitenseer-lichtspiele.at/event/nosferatu-eine-symphonie-des-grauens (Opens in a new window)Bis zur nächsten Ausgabe wünsche ich dir eine gute Zeit!
Liebe Grüße,
Alexandra Folwarski, Herausgeberin Wiener Flaneur
P.S. Wenn du diese Ausgaben gerne liest und den Wiener Flaneur noch nicht unterstützt, dann kannst du das hier - zum Beispiel mit einem Digital-Abo - tun.
*Die Aktuelle Stunde ist ein fest eingerichteter Debattenpunkt im Ablauf von Parlamentssitzungen (wie dem Deutschen Bundestag oder dem österreichischen Nationalrat/Landtag).
Ihre Hauptfunktion ist es, ein politisches Thema von aktuellem Interesse und besonderer Dringlichkeit auf die Tagesordnung zu setzen und öffentlich zu diskutieren.
**Die Fragestunde ist ein festgelegter Tagesordnungspunkt in Sitzungen von Parlamenten, Landtagen, Gemeinderäten oder Stadtregierungen.
Sie dient dem Zweck, dass Abgeordnete (oder Mandatar*innen) die Möglichkeit erhalten, mündliche Anfragen an die Mitglieder der Regierung, des Stadtsenats oder die zuständigen Stadträt*innen zu richten.
Dieser Bericht basiert auf folgenden offiziellen Presseaussendungen des Pressedienstes der Stadt Wien zur 4. Wiener Landtagssitzung am 23. Oktober 2025:
https://presse.wien.gv.at/presse/2025/10/23/4-wiener-landtag-1 (Opens in a new window)https://presse.wien.gv.at/presse/2025/10/23/4-wiener-landtag-2 (Opens in a new window)https://presse.wien.gv.at/presse/2025/10/23/4-wiener-landtag-3 (Opens in a new window)https://presse.wien.gv.at/presse/2025/10/23/4-wiener-landtag-4 (Opens in a new window)https://presse.wien.gv.at/presse/2025/10/23/4-wiener-landtag-5 (Opens in a new window)Zusätzliche Hintergrundinformationen stammen aus dem Bericht des Rechnungshofes (RH) 2025/6 über die "Stolz auf Wien" Beteiligungs GmbH.