Couplets und humoristische Vorträge als hintersinnige Gesellschaftskritik
(Opens in a new window)Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts begannen überall in Europa, auch in München, massenhaft Menschen aus ländlichen Gegenden in die Städte zu strömen. Die überschaubare Residenzstadt München mit etwa 82.000 Bewohnern im Jahr 1840 wurde zur Großstadt mit 640.000 Bewohnern im Jahr 1913. Eine Masse meist junger Leute begann, ihr Heil in der Stadt zu suchen. Doch die eigentliche Stadt und somit die bürgerliche Welt war ihnen verwehrt. So drängten sie in die Vorstädte. Diese verwandelten sich in Slums und platzten aus allen Nähten. Soziale Sicherheit gab es praktisch keine, die Menschen lebten mit der ständigen Angst, ins existenzielle Nichts zu stürzen. Zum Ende des 19. Jahrhunderts lebten die meisten Münchner als rechtlose Bewohner in den Elendsvierteln der Vorstädte und verdingten sich als Tagelöhner. Ihr Kapital war die pure Arbeitskraft, ihr Ziel der soziale Aufstieg. So entstand in den Vorstädten eine völlig neue Bevölkerungsschicht mit eigenen Bedürfnissen, Hoffnungen und Zielen. Die Volkssänger wurden zu ihrer Stimme. (Text: Andreas Koll Fotos: Valentin-Karlstadt-Musäum, München)
Do dromad am Bergerl … Betrachtungen zum Schnaderhüpfel
(Opens in a new window)Do dromad am Bergerl,
do steht a Gerüst,
do werd de Barbara
elektrisch geküsst.
So oder so ähnlich lautete einer der ersten Vierzeiler, mit denen ich im Grundschulalter in Berührung kam. Dies geschah im Zuge der regelmäßigen Wander- und Skiurlaube, zu denen meine Eltern und ich ins Sudelfeld bei Bayrisch Zell fuhren, zusammen mit mehreren anderen Familien aus meinem Heimatort Teugn. Die Abende wurden auf der sogenannten Kelheimer Hütte in geselliger Runde verbracht und meine Mutter und der Kaufmann Bert brachten uns Kindern einfache Vierzeiler bei, mit denen wir die Erwachsenen oder andere Kinder besingen konnten, indem man einfach die Namen austauschte. Schnaderhüpfel nannten unsere Eltern damals diese Verse. (Text: Dr. Sebastian Daller)
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