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#404 Erklär mir Erdoğan, Cengiz Günay

Andreas Sator (links), Cengiz Günay (rechts)

Die Türkei und Erdoğan zeigen vor, wie man eine Demokratie nach und nach wie eine Salami zerstückelt. Eine Warnung für alle Demokraten im Rest der Welt. Cengiz Günay hat mir erklärt, wie Erdoğan vorgegangen ist und wie er die Türkei zur Autokratie umgemodelt hat. Und: Was ihm in der Türkei sehr viel Hoffnung macht.

🙆 Cengiz Günay ist Direktor des Österreichischen Instituts für internationale Politik (oiip).

Diese Bücher empfiehlt Cengiz:

  1. Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers von Stefan Zweig, https://amzn.to/44DbrEE (Öffnet in neuem Fenster) 

  2. State, Power and Politics in the Making of the Modern Middle East von Roger Owen, https://amzn.to/4w8mdih (Öffnet in neuem Fenster) 

  3. Turkey: A Modern History von Erik J. Zürcher, https://amzn.to/4fIqVNU (Öffnet in neuem Fenster) 

Was nehme ich mir mit?

  1. Die Demokratie wird heute mit den Mitteln der Demokratie abgeschafft. Das war in Ungarn so, dass war in Polen so und das ist gerade in den USA und in der Slowakei so. Die Türkei ist hier das Paradebeispiel. Wahlen werden gewonnen, es gibt sie auch weiterhin, aber sonst wird nach und nach das Spielfeld gekippt. Justiz, Medien und Behörden werden eingeschränkt oder unter die Kontrolle gebracht.

  2. Erdoğan ist ein begnadeter Populist. Je nachdem, was ihm gerade nützt, wo der Wind gerade weht, ist er mal pro EU oder dann wieder dagegen, macht liberale Reformen und schafft dann schrittweise die Demokratie ab. Die Gezi-Proteste und der Putschversuch in der Türkei waren Wendepunkte, die den Weg in die Autokratie beschleunigt haben.

  3. Warum machen Erdoğan und seine Leute das? Demokratie ist dazu da, dass alle Menschen halbwegs gleichberechtigt an Entscheidungen beteiligt werden. Wer die Demokratie abschafft, macht das auch immer deshalb, weil er für sich und seine Kumpel Vorteile rausholen möchte, Geld, Macht, Posten, Einfluss. Crony Capitalism, Kumpelkapitalismus, nennt man das. Darum sind wirtschaftliche Abschwünge ein Problem für diese Systeme, weil es dann weniger für die eigene Gruppe zu verteilen gibt, ohne dass es die anderen spüren.

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