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Ein Junge im Pyjama, ein verlorenes Finale – und 40 Jahre später ein Buch

Hallo,

bei „Abenteuer Reportagefotografie“ reden wir immer wieder darüber, dass gute Bilder nicht erst beim Auslöser entstehen. Sie entstehen viel früher: in dem, was wir wahrnehmen, was in uns hängen bleibt, woran wir uns erinnern – und wie wir später davon erzählen.

Denn manchmal ist nicht allein entscheidend, was objektiv geschehen ist. Entscheidend ist auch, was davon bleibt.

Der kolumbianische Schriftsteller Gabriel García Márquez hat diesen Gedanken einmal treffend in einem Satz verdichtet, der für mich zu einem Leitmotiv geworden ist:

„Nicht das, was wir gelebt haben, ist das Leben, sondern das, woran wir uns erinnern und wie wir uns daran erinnern, um davon zu erzählen.“

Diese Woche habe ich an meinem eigenen Projekt “Amor Eterno” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) erlebt, wie wahr das ist.

Ich reise seit dem Jahr 2000 regelmäßig nach Argentinien. Zwischen 2009 und 2013 habe ich dort gelebt. Vor vier Jahren bin ich mit einer konkreten Idee zurückgekehrt: den Fußball dort aus einer anderen Perspektive zu fotografieren – nicht das Spiel, sondern alles, was sich darum herum entfaltet. Daraus ist mein Langzeitprojekt Amor Eterno (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) geworden, aus dem nun das gleichnamige Fotobuch entsteht.

Lange dachte ich, genau dort hätte alles begonnen. Vor vier Jahren.

Aber das stimmt nicht.

Wo es wirklich begann

Es begann am 29. Juni 1986. Ich war neun Jahre alt und durfte ausnahmsweise länger aufbleiben. Im Pyjama, vor dem Fernseher, das erste WM-Finale meines Lebens: Deutschland gegen Argentinien. Ich erinnere mich an das Himmelblau und Weiß, an Maradona, an eine Spannung, die ein Kind noch nicht in Worte fassen kann, aber im Bauch spürt.

Kurz vor Schluss fiel das Tor, das alles entschied. 2:3. Deutschland verlor, Argentinien hob den Pokal – und ein Name brannte sich an diesem Abend in mich ein: Burruchaga. Der Mann, der den Siegtreffer erzielte und in mir eine kindlich-naive Enttäuschung zurückließ, die ich bis heute abrufen kann.

Was der Junge im Pyjama nicht ahnen konnte: Knapp drei Jahrzehnte später würde ich genau diesem Mann in Argentinien gegenüberstehen — als Sportreporter, Aufnahmegerät in der Hand. Wie es zu diesem Treffen kam und was dabei geschah, erzähle ich an anderer Stelle. Im Buch (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

Und genau darum geht es bei Amor Eterno – und im Grunde bei allem, was wir hier tun: Fußball ist nicht nur ein Spiel. Er ist Erinnerung. Er begleitet uns durch unser Leben, oft ohne dass wir es merken. Dass ausgerechnet ich dieses Projekt über die argentinische Fußballkultur mache, beginnt nicht mit einer Kamera in Buenos Aires – sondern mit einem Jungen, der noch nicht ins Bett wollte.

Wie aus einem Archiv ein Buch wird

Diese Erkenntnis kam nicht von allein. Vor Kurzem war ich beim Kurator und Foto-Strategieberater Sebastian H. Schroeder (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), um an einem „Open Table" gemeinsam am Konzept, der Bildauswahl und der Sequenzierung zu arbeiten.

Du kennst das vielleicht selbst: Das Schwierigste an einem Projekt ist oft nicht das Fotografieren, sondern das Auswählen und Anordnen. Stundenlang lagen alle Bilder vor uns auf dem Tisch, und wir haben sie immer wieder neu geordnet, verworfen, zusammengeführt. Dabei sind Verbindungen zwischen den Bildern entstanden, die das Buch noch inhaltsvoller machen – und dort ist der Gedanke gereift: dass ein Projekt oft viel früher beginnt, als man denkt.

Zum Sehen und Hören

Falls du tiefer eintauchen möchtest, habe ich drei Dinge für dich:

https://www.youtube.com/watch?v=I1JItmKN7gM&t=34s (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
  • 🎬 Ein Behind-the-Scenes-Video, in dem du unter anderem die Situation siehst, aus der das Coverbild entstanden ist:

https://vimeo.com/1202758286/5f2e771c45?share=copy&fl=sv&fe=ci (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)https://www.fotobuch-ecke.de/amor-eterno/ (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Wo das Projekt gerade steht

Die Resonanz auf den Start hat mich begeistert. Wir sind bereits über die Hälfte des Finanzierungsziels – und mitten in der Phase, in der das Buch langsam vom Plan zur Wirklichkeit wird. Und gerade kam noch eine schöne Nachricht: Kickstarter hat Amor Eterno (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) zum Team-Favoriten („Project We Love") gewählt – eine Auszeichnung, die das Team der Plattform selbst vergibt. Dass Amor Eterno unabhängig und ohne Kompromisse entstehen kann, liegt an Menschen, die an langsames, gedrucktes Erzählen glauben.

Vielleicht hilft ein Blick von außen

Manchmal braucht es jemanden von außen, der nicht nur sagt, ob ein Bild funktioniert, sondern der Fragen stellt, Verbindungen sieht und eine neue Perspektive öffnet. So wie Sebastian es bei mir und Amor Eterno gemacht hat.

Und vielleicht kann ich dir auf ähnliche Weise helfen. Arbeitest du selbst gerade an einem Projekt, das dich schon länger begleitet?

Dann schreib mir gerne als Antwort auf diese Mail.

Ich freue mich, von dir zu hören.

Herzliche Grüße

Kai

PS: Falls du Amor Eterno auf seinem Weg ins Bücherregal begleiten möchtest – die Kickstarter-Kampagne läuft noch bis zum 10. Juli 2026:

Schön, wenn du dabei bist!

(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

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