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Aufräumen bei ADHS - Eben nochmal schnell

(oder: Warum Aufräumen für Neurodivergente ein Boss-Level ist, das nie endet)

Kennst du das? Du willst eigentlich nur schnell die Küche aufräumen. „Schnell“ heißt hier: Teller in die Spülmaschine, kurz die Arbeitsfläche abwischen, fertig. Drei Minuten, maximal.

Aber dann liegt da dieser eine Teebeutel. Der guckt dich an wie ein Zeuge Jehovas vor der Tür – du kannst nicht so tun, als hättest du ihn nicht gesehen. Also weg damit. Und wenn du schon beim Teebeutel bist, kannst du auch gleich den Wasserkocher auswischen. Und wenn du den Wasserkocher auswischst, fällt dir auf, dass der Kalk am Wasserhahn aussieht wie ein Gipsabdruck von Godzilla. Also Zitrone holen. Und während du die Zitrone holst, siehst du im Kühlschrank die schimmelige Paprika, die aussieht wie eine postapokalyptische Landschaft aus einem Videospiel.

Und schwupps: drei Stunden später sitzt du zwischen sieben halb geputzten Flächen, einem aufgeschnittenen Obstkorb und einem YouTube-Tutorial zu „Minimalismus für Anfänger“.

Resonanzdynamisch erklärt

Jetzt die Übersetzung für alle, die glauben, das sei einfach „schlechte Organisation“: nope. Es ist Resonanz.

Unser Gehirn ist wie ein alter Röhrenfernseher: Jeder kleine Unvollständigkeits-Pixel flimmert so hell, dass du ihn nicht ignorieren kannst.

  • Für Autist:innen: Der Flimmerpunkt schreit: „Ordnung ist gestört, bring mich zurück ins Gleichgewicht!“

  • Für ADHSler:innen: Der Flimmerpunkt ist ein Dopamin-Köder. „Noch eben schnell!“ klingt so harmlos – wie eine Tüte Chips, von der du „nur eine Handvoll“ essen wolltest.

Das Problem: Fertig gibt es nicht. Denn wenn der Fernseher einen Pixel schließt, ploppt der nächste auf. Es ist wie Tetris mit unendlichen Leveln, nur dass die Musik nicht irgendwann schneller wird – sondern dein Herzschlag.

Das Tragische daran

Du hast also das Gefühl, ständig aktiv zu sein, aber nie anzukommen. Andere Leute sagen dann: „Du musst dir halt nur klare Ziele setzen.“ Klar, danke für den Tipp, das ist so hilfreich wie der Rat: „Wenn du müde bist, schlaf doch einfach.“

Resonanzhacks fürs Überleben

Weil es kein „Endboss“ gibt, sondern nur ein immer neues Tutorial, brauchst du Tricks:

  1. Künstliche Fertig-Momente: Mach das Ende sichtbar. Stoppuhr stellen, wenn’s klingelt: Hände weg. Feier dich, auch wenn der Wasserhahn noch tropft.

  2. Mini-Schlachten statt Weltkriege: „Nur die Arbeitsfläche“ statt „die ganze Küche“.

  3. Resonanzrituale: Abschlussritual einbauen – Kerze auspusten, Lied anmachen, Selfie vor der sauberen Ecke.

  4. Wechsel der Resonanzebene: Wenn du merkst, du wirst feiner wie ein Mikroskop: ab in eine andere Aktivität (tanzen, rausgehen, Katze kraulen).

Fazit

Neurodivergentes Aufräumen ist wie ein Computerspiel mit unendlich vielen Quests. Der Unterschied: Es gibt keinen Abspann. Kein „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben die Wohnung fertig geputzt“. Es gibt nur dich, die Zitrone, die Godzilla-Kalkschicht und den nächsten „Noch eben schnell…“-Moment.

Aber hey: Wenn wir schon nie fertig werden, können wir wenigstens lernen, uns zwischendurch als Helden zu feiern.


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