Das seltsame, widersprüchliche Abenteuer, ein Mensch zu sein
Eine Kolumne von Christina Emmer
#10 - A star is born
Das würde ich gerne in ein paar Monaten über diesen Moment sagen können.
Denn folgendes ist passiert:
Im Februar 26 hielt ich einen Vortrag auf der Fuckup Night in München mit dem Titel: “Der Moment, in dem Applaus zum Angriff wurde”.
Nächste Woche, am 26.05., soll dieser Vortrag nun auf der globalen Plattform der Fuckup Nights (die gibt es in über 70 Ländern) veröffentlicht werden.
Das ist schon mal irgendwie krass.
Ich bin aufgeregt. Freu mich wie ein kleines Kind.
Und natürlich kam in mir auch sofort die Frage auf:
Warum? Warum ich? Warum dieser Vortrag?
Antwort:
Weil die meinen Vortrag so fucking gut fanden! Ist doch klar.
Oder?
Oder will da einfach wieder jemand eine gute Story ausschlachten?
Weil eigentlich war ich doch gar nicht sooo gut. Eigentlich stand ich da mit meinen Zetteln in der einen Hand auf der Bühne. In der anderen Hand mit Brille und Mikro. Und weil ich damit die Beamerfernbedienung nicht mehr halten konnte, musste ich dann auch noch Anweisungen zwischenrein geben, dass die Folien weitergeschaltet werden. Aber die Lesebrille brauchte ich ja für meine Notizen und auf der Nase konnte ich sie nicht andauernd lassen, weil ich sonst das Publikum nicht richtig anschauen konnte…
Und wie ich aussehe, meine Frisur in dem Licht, zu dick bin ich eh….
OMG!!!
Warum also ich, die Vollkatastrophe!!!
Und jetzt sollen das auch noch tausende von Menschen weltweit sehen???
So schnell kommt mein Gehirn in den Modus “Selbstzweifel”.
So schnell mache ich mich klein.
So schnell ist da die Scham.
Die Scham.
Diese Bitch.
Die uns nicht in Ruhe lässt, bis wir uns wieder schön in die Ecke verkriechen und uns richtig scheiße fühlen.
Und erst Recht steht sie da - breitbeinig und arrogant - wenn ich heimlich denke “Wow, was wenn das mein Durchbruch ist? Was wenn die Menschen das richtig gut finden? Was, wenn sie mich als Speakerin anfragen würden?” und sie lacht mich aus und fragt höhnisch: “Was glaubst du, wer Du bist? Meine Güte bist Du naiv!”
Und ich möchte mich schon wieder schämen.
Denn wahrscheinlich bin ich wirklich naiv.
So einfach ist das doch alles gar nicht.
Nur wegen einem Video.
Es gibt so viele, die besser sind als ich.
Und viel berühmter.
…
Und dann beschließe ich, dass ich mir meine Freude nicht versauen lasse.
Denn schließlich haben die etwas gesehen.
Etwas, das meine Scham nicht sehen kann.
Sie haben gesehen, dass meine Story echt war.
Dass ich echt war.
Mit Herz dabei.
Verletzlich.
Und dass dieses Thema wirklich ein globales ist.
Dass Hass ein echtes Problem ist.
Und dass diese Geschichte berührt.
Weil sie am Ende sagt:
Ich lasse mich nicht unterkriegen!
Ich weigere mich, bitter zu werden.
Und ich sage dem Hass:
Nicht heute.
Denn heute… heute wird ja vielleicht doch ein Star geboren.
***
Alles Liebe
Christina
PS: Danke an Silke und Andrea für Euer schönes Feedback zur letzten Ausgabe.
PPS: Wie geht es Dir mit dem Thema Scham? Antworte mir gerne per Email an mail@christinaemmer.de (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), ich lese alle Nachrichten.
PPPS: Am 26.05. erscheint mein Vortrag auf der globalen Fuckup Nights youtube-Seite (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Den genauen Link zum Vortrag schicke dann nächste Woche mit.

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