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Newsletter - dein kreativer Journaling Kurs #11

Newsletter – dein kreativer Journaling Kurs #11

Verschiedene Schreib-Methoden:

Listen Journaling – Klarheit durch Struktur

 

  1. Einstieg

     

Euer Journaling Kurs Newsletter #10 letzte Woche war die erste Lektion in Sachen Methodenlehre. Letzte Woche ging es um Freewriting, das sehr freie und gerne unlimitierte „runterschreiben“. Heute soll es methodisch um das genaue Gegenteil gehen, nämlich eine relativ minimalistische Schreibmethode, das Listen-Journaling, also verschiedene Tagebuch-schreib-Cases, in denen es sich anbietet, eine Liste anzulegen.

In meinem eigenen Tagebuch finden sich unregelmäßig Listen zu verschiedenen Themen, die ich beim Durchblättern schon auf den ersten Blick gut erkenne, weil sie sich vom sonstigen Fließtext-Stil sehr gut abheben. Manche Listen, die ich immer wieder nutze, schreibe ich ganz hinten, auf die letzten Seiten meines dotted Hefts, das mir seit Jahren zum Schreiben dient. Aktuell befindet sich auf meiner letzten Seite eine Liste mit Dingen, die meinem Nervensystem gut tun. Es gibt Momente, da war mir so sehr nach Ordnung und Struktur in meinem Kopf, dass ich instinktiv eine Liste als das Mittel der Wahl genutzt habe. In meinem Tagebuch finden sich Pro-contra-Listen, Listen mit „Dingen, die trotz allem gut sind“ an Tagen, an denen ich offenbar sehr niedergeschlagen war. Eine Art „Gefühls-Mindmapping“, wo ich alle Emotionen benannt habe, die in mir gerade widerstreitend aktiv waren. Auf manchen Seite steht „meine nächsten Ziele“. Solche Listen sind besonders schön und aufschlussreich in der Rückschau, weil mich oft selbst überrascht, wie sehr sich besonders in diesen Kurzformen recht prägnant zeigt, welche Entwicklung mein Leben genommen hat.

 

  1. Warum Listen-Journaling

 

Die Vorteile, die es hat, regelmäßig auf „Listen-Journaling“ zurückzugreifen, klingen an dieser Stelle schon an: Ein großer Vorteil von Listen gegenüber fließenden Texten ist, dass Listen sehr übersichtlich sind und zudem schnell angelegt. Die bestechen durch Klarheit und Struktur, können in schwierigen Situationen als Entscheidungshilfe dienen und bringen Prioritäten gut auf den Punkt. Wer nicht ausschließlich mit Listen arbeitet, sondern gezielt in bestimmten Situationen und Lebensphasen auf dieses Tool zurückgreift, hat zudem seine gelisteten Gedanken schnell wieder zur Hand, weil sie inmitten von langen Sätzen und Textblöcken natürlich ins Augen fallen und vor allem das visuelle Gedächtnis ansprechen. Letzteres ist sinnvoll, wenn wir beispielsweise mit Glaubenssätzen oder Mantren arbeiten. Listen mögen auf den ersten Blick eher langweilig erscheinen, aber diese Vermutung täuscht. Wenn ich jetzt in alten Tagebüchern von vor 15 Jahren auf Listen stoße „Was ich für das Baby noch brauche“ oder „Spielideen für 1jährige“, dann bin ich beim Lesen unmittelbar zurückversetzt in eine bestimmte Zeit meines Lebens samt Erinnerungen, Prioritäten, meinen Alltag bestimmenden Themen. Und auch, wenn es nur Listen sind, fluten manche Listen mich mit Erinnerungen und dem Gefühl von „stimmt, so war das damals“. Manche Listen sind wie eine Zeitreise, die mir wieder vor Augen führen, welche schwerwiegenden Entscheidungen ich schon zu treffen hatte, welche Argumente mir wichtig waren und worauf ich mit 20 oder 30 Jahren mein Augenmerk gelegt habe. Listen haben also deutlich mehr Erinnerungs- und Nostalgiewert als man gemeinhin annehmen mag und daher rate ich Tagebuch-Schreibenden dazu, ihre Listen nicht in Zettelwirtschaft zu pflegen, sondern trotz des Stilbruchs Teil ihres ganz normalen Journalings sein zu lassen.

Gerade, wenn Zeiten stürmisch sind und der Kopf sich schwer konzentrieren kann, wenn Gedanken rasen und sich in immer neuen Schleifen abwägend drehen, kann eine Liste einen unglaublich beruhigen Effekt auf die Seele haben und neuen Fokus schenken. Ich habe mich schon in epischer Breite darüber ausgelassen, welche Vorteile nun ein Haus gegenüber einer Mietwohnung hat oder umgekehrt. Doch allein ein Blick auf die dazugehörige Liste zu ebendiesem Thema, schafft es unmittelbar, mich zu beruhigen: Stimmt, da habe ich alle Karussell-Gedanken gefixt und sortiert: da steht es ja schon – greifbar und auf den Punkt. Zudem ist eine Liste schnell geschrieben und gerade in Momenten, wo ich vor lauter Durcheinander nicht weiß, wo ich anfangen soll, hilft mir eine Liste, die Dinge schnell raus auf dem Kopf aufs Papier zu bannen.

Dein komplettes Journaling kann aus Listen bestehen, wenn dir das liegt – für die meisten Menschen ist es wahrscheinlich passender, ihr Journaling durch Listen bedarfsweise zu ergänzen, wann immer es eilig ist, aufwendige Worte fehlen, oder visuelle Klarheit gebraucht wird. Dabei müssen Listen nicht so nüchtern sachlich sein wie es auf den ersten Blick klingt. Du hast alle Freiheit, deine Listen spielerisch und kreativ zu gestalten: Durch Zeichnungen, Farben, verschiedene Scrapbooking Techniken, durch unterschiedliche Formate (Tabellen, Mindmaps, lineare Aufzählungen) oder die emotionale Tiefe, die sich durch die sich durch die Art der Liste ergibt. Eine „10 Dinge, die ich an mir liebe“ Liste kann durchaus zu Tränen rühren, wenn du sie im richtigen Augenblick zur Hand nimmst. Wenn man so will, sind selbst Collagen eine Form der Auflistung, eben eine Auflistung von Bildern. Du kannst „was ich im kommenden Jahr visualisieren möchte“ in Worten auflisten oder in Bildern zusammenbringen.

 

  1. Beispiele für Journaling Listen

Um es vielleicht noch ein bisschen konkreter zu machen, möchte ich euch verschiedene Ideen mitgeben, welche Art von Listen sich anbieten oder als Ergänzung zum normalen Journaling lohnenswert sein können. Etliche davon sich euch sicher bekannt, aber vielleicht ist es auch nochmal ganz aussagekräftig, diese alle auf einen Blick zu haben:

Dankbarkeitsliste: Studien haben nachgewiesen, dass sich Dankbarkeit äußerst positiv auf die seelische Gesundheit auswirkt. Manche Menschen haben von Natur aus ein sehr dankbares, optimistisches Gemüt, manche müssen lernen, diesen „Glas halb voll“ Fokus zu lernen und konkret zu verinnerlichen. Dafür helfen Dankbarkeitslisten. Wenn ich dran denke, versuche ich jeden Abend mit „5 Dingen, für die ich heute dankbar bin“ zu beenden – das schafft kurz vorm Schlafengehen nochmal einen wohlig positiven Fokus auf das eigene Leben.

To-Feel-Liste statt to do Listen: Es gibt so Tage, das kennen vielleicht die meisten Menschen, da bleibt das nagende Gefühl, einfach nichts geschafft zu haben. Mir geht das auffällig oft so an den Tagen, die mir schwer fallen, an denen ich viel fühle und mit starken Emotionen zu kämpfen habe. Mittlerweile ist mir das sehr bewusst: Gefühle haben und managen kostet Energie und ich habe an solchen Tagen ganz natürlicherweise weniger Kraft für Erledigungen, weil Gefühls-Arbeit meinen Fokus fordert. Mittlerweile erlaube ich mir solche Tage, an denen ich alle to dos streiche, die nicht zwingend notwendig sind, und auf „morgen“ verschiebe. Denn: heute fordert fühlen meine ganze Aufmerksamkeit. So „faul“ wir uns damit oft fühlen, so sinnvoll ist diese Herangehensweise. Denn gut verarbeitet Gefühle machen am darauffolgenden Tag umso leichter. Bewusste Auszeiten ermöglichen, dass am kommenden Tag Kräfte zuverlässiger zur Verfügung stehen und sind deshalb äußerst effektiv, auch wenn es im ersten Moment nicht so erscheinen mag. Um sich die besser vor Augen zu führen, hilft es, an sehr emotionsreichen Tagen die to-do-Liste zu streichen oder zu verschieben und stattdessen eine „to-feel-Liste“ anzulegen: Was arbeitet gerade alles in mir? Welche vielleicht widerstreitenden Gefühle kosten viel Kraft? Was kommt alles geballt zusammen? Die meisten von uns führen sich emotionale Arbeit viel zu wenig vor Augen. Das sollten wir ändern.

Ideenliste: Ich gebe zu, dass meine innovativen Ideen nicht so im Überfluss vorhanden sind, dass sich eine Liste anbieten würde, aber immer, wenn ich eine Idee oder eine Art Geistesblitz habe, notieren ich das optisch abgesetzt und daher augenfällig in meinem Tagebuch. Mit Marker oder einer Umrandung versehen. Ideen werden häufiger umgesetzt, wenn wir sie schriftlich festhalten – und tatsächlich: beim Blättern durch mein Journal fällt mir einiges auf, was als kleine Notiz begann und später umgesetzt wurde. Irgendwo steht dort sicher auch gut lesbar die Idee „Journaling Newsletter“ - und here we are.

Visionboard in Listenform: Das kann eine besondere Art des Visualisierens sein: Dinge, die du bildhaft in deinem Kopf hast, aufzuschreiben: Wie stellst du dir das Zuhause vor, nach dem du suchst? Was soll eure Adventszeit schöner und familiärer sein lassen? Du möchtest dich selbständig machen – wie soll das aussehen. Es gibt Menschen, die unglaublich visuell veranlagt sind, ich bin eher ein Mensch, der Bilder nur in Worten richtig zu fassen bekommt. Wer es nicht so mit Collagen und basteln hat, für den sind vielleicht Visionboard-Listen etwas.

Prioritäten-Liste: Hilft, sich zu fokussieren und sich klar vor Augen zu führen, dass nicht an jedem Tag alles geht. Meistens nehmen wir uns zu viel vor und haben deutlichzu lange to do Listen. Prioritäten Listen helfen, nicht aus den Augen zu verlieren, was wirklich wichtig ist. Finde in deiner to do Liste die EINE Sache, die heute oberste Priorität hat und markiere 2 oder 3, die nachgeordnete Priorität haben und behalte diesen Fokus. Alles, was darüber hinaus klappt, ist gut, aber eben kein Muss.

Pläne Liste: Solche Listen mache ich gerne am Monatsanfang. Auch sie helfen mir in die Umsetzung zu kommen – vor allem bei diesen typischen „ach, das müsste man mal“ Themen. Auf die Pläne Liste kommen jeweils am Monatsanfang so Dinge wie: Sperrmüll anmelden, Aktien-Sparplan einrichten, Vorratsschrank aufräumen usw.

Geschafft-Liste: Gewöhne dir an, deine persönlichen Erfolge schriftlich festzuhalten. Die meisten Menschen notieren, was sich alles von ihrem Leben wollen oder was das Leben (vermeintlich) von ihnen erwartet. Wir journaln uns zu oft von Plänen zu neuen Plänen und jagen unseren Zielen nach. Unser Tagebuch sollte auf jeden Fall auch die Dinge enthalten, die gut klappen, auf die wir stolz sind, die wir erreicht haben – den diese Dinge bekommen in der Regel zu wenig Fokus. Gerade deshalb tut es gut, darüber eine Liste zu führen: Wenn solche Listen uns regelmäßig bewusst ins Auge fallen, macht das etwas mit unserer Seele, was viel stärker wirkt als so manch ein guter Vorsatz.

 

  1. Mini-Übungen zum Kennenlernen

Falls ihr immer noch nicht so richtig überzeugt seid, ob Listen euer Tool der Wahl sind, probiert es doch mal ganz konkret aus mit einer kleinen Schreibaufgabe: Schreibe eine 10-Punkte Liste mit Dingen, die dir Energie geben – egal, ob groß oder klein. Bist du dir nicht sicher, ob du es schön findest, Listen in deinem Journal zu haben? Dann schreibe diese Liste eben auf einen gesonderten Zettel und klebe ihn mit Washo Tape in dein Tagebuch – das gibt dir die Möglichkeit, ihn jederzeit zu entfernen – oder in dein nächstes Journal zu übertragen. So Listen wie „10 Dinge, die ich an mir mag“, „10 Dinge, die sofort helfen, wenn ich traurig bin“ oder „10 Lieder, die ich hören kann, wenn ich mich überfordert fühle“ sind wahre Evergreens, die es sich aufzuheben lohnt.

Dabei geht nicht um Vollständigkeit – wenn dir nur 8 Dinge einfallen, ist das super, denn wir sind ja nicht in der Schule. Da geht es nicht um voll Punktzahl, sondern um Bewusstheit – und da sind 5 oder 15 Punkte von irgendwas gleichermaßen GUT!

 

  1. Inspiration/kreative Impulse

Gerade wenn du dir im Laufe der Zeit eine Art Listensammlung anlegst, auf die du regelmäßig zugreifen möchtest, kannst du überlegen, wie du Listen gestaltest, damit du sie schnell wieder zur Hand hast. Es ist möglich, mit Farben zu arbeiten und Listen, die eine Arbeit oder den Haushalt betreffen, eher mit einem blauen Rand zu versehen und Listen, die deiner seelischen Gesundheit dienen, eher grün zu hinterlegen. Möglich ist es auch mit Post-its als Lesezeichen zu arbeiten – gerne ebenfalls mit verschiedenen Farben. Du kannst Washitape nutzen, um Listen einzukleben oder kleine Doodles einfügen, um visuell schnell zwischen „Entscheidungshilfe Auto“ und „Entscheidungs-pro-contra für die weiterführende Schule“ entscheiden zu können. Du kannst farblich differenzieren zwischen temporären und immerwährenden Listen oder zwischen Listen, die bearbeitet werden müssen“, und Listen, die einfach nur zur Wahrnehmung bestimmt sind.

 

  1. Abschluss

Es gibt immer wieder Nachfragen, was man machen kann, wenn man erst „jetzt“ in den Newsletter Kurs einsteigt und die ersten 10 Ausgaben verpasst hat. Alle bisherigen Lektionen gibt es auf Steady ohne Paywall zum Nachlesen! Folgt einfach dem Link feelslike_sina (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und scrollt auf der Seite nach unten, dort gibt es alle Lektionen zum Nachlesen. Falls du beim Scrollen merken solltest, dass es dort noch viele weitere Themen und Texte gibt, die dich ansprechen, darfst du gerne meine Kolumne abonnieren. Das „Wort zum Montag“ erscheint wöchentlich zum Wochenanfang und ist noch etwas umfangreicher als der Newsletter und enthält stets eine Audio Version, damit alle, die wenig Zeit zum Lesen haben, sich meine Texte vorlesen lassen können. Ein Input, ein Learning, ein Fokus pro Woche ist für die meisten Menschen im digitalen Überfluss genau die Menge, die wir bewerkstelligen und umsetzen können. Wenn dir also der Journaling Kurs gefällt, werde gerne Leser und Unterstützerin meiner Kolumne.

Man sagt es gibt „Listen-Typen“, aber es darf auch „Typ-Listen“ geben, also Listen, die so bunt, kreativ, wild (oder minimalistisch) sind WIE DU! Vielleicht kann diese Lektion in Methodenlehre eine Inspiration für dich sein, dein Schreiben in Zukunft um die Arbeit mit Listen zu ergänzen. Solchen Listen, die zu dir passen und dein Leben bereichern!

Wir lesen und nächste Woche – bis dahin frohes Schreiben!

 Sina

 

 

Sujet Journaling Kurs

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