Redaktion free.fem.minds MAGAZIN

Bei schier jeder Meldung um Gewalt gegen Frauen, ist er da,
der Kommentar, auf den nicht lange gewartet werden muss.
Nicht alle Männer. Nicht alle Männer seien Täter oder sexistisch. Natürlich nicht. Alle Männer.
Ist das so? Nicht alle? Was wäre, wenn es sich bei Nicht alle Männer gar sprachlich um das Oxymoron unserer Zeit handelt?
Ein Oxymoron beschreibt einen Begriff, der in sich einen Widerspruch darstellt. So wie Hassliebe oder beredtes Schweigen. Nicht alle Männer – ist das ebenfalls eines? Sind es am Ende doch alle Männer? Sind alle Männer Täter oder wenigstens nicht unbeteiligt an Gewalt gegen Frauen? Den einen geht das viel zu weit. Natürlich sind nicht alle Männer Täter. Keinesfalls.
Doch wie sieht es mit der (stillen) Beteiligung aus? Mit dem Wegsehen bei Gewalt im Umfeld? Bei sexistischen Witzen? Täter weiter einladen, weiter im Umfeld tolerieren, Taten relativieren. Gründe finden. Frauen kennen alle (!) mindestens ein Opfer. Männer kennen ihrer Aussage nach nie Täter. Und wenn doch, finden sie, ein netter Kerl kann er trotzdem sein. Offene Kritik gibt es selten. Einen Ausschluss meistens gar nicht. Im Höchstfall wird dem Täter ins Gewissen geredet, jedoch an das Opfer keine Unterstützung geleistet. Fast wirkt es wie ein, in seine Einzelteile zerlegbarer Bro-Code, der weiter für die gemeinsame Mannschaft oder den Freundeskreis gelten kann und der auch dann nicht seine Gültigkeit verliert, wenn der Kumpel im Privatleben Frauen misshandelt.
Hinzu kommt: Alle Männer profitieren von struktureller Gewalt, von patriarchalen Geschlechterklischees und sogar von Tätergewalt an Frauen. Gewalt gegen Frauen in allen Formen hält Frauen sozusagen in check. Je mehr Ungleichheit vorherrscht, desto klarer werden die Rollen verteilt. Es zementiert sich, was Männer dürfen und Frauen (nicht) sollen. Männer gehen nicht bei Femiziden auf die Straße oder wenn ein neues Lagebild Gewalt gegen Frauen vorgestellt wird. Sie organisieren sich auch nicht, wenn Chatgruppen von 70.000 Männern offengelegt werden, die hinter verschlossenen Türen ihre Freundinnen, Frauen, Töchter, Schwestern und Mütter betäuben und missbrauchen. Männer sind still, wenn Männer mehr verdienen und wenn Care- und Renten- Gap Frauen in die Altersarmut treibt.
Die Wahrheit ist, Männer stehen so gut wie gar nicht ein für eine gleichberechtigte Gesellschaft. Schon gar nicht, wenn sie ihnen weniger nützen soll. Die wenigsten Männer würden von sich behaupten, Feministen zu sein. Viele lehnen Feminismus und damit die Gleichstellung von Männern und Frauen sogar offen ab.
Täter wollen sie dennoch nicht sein. Aber auch nicht erkennen, dass ihr Wegsehen und Zuschauen Tätern den Weg ebnet. Vielleicht sind nicht alle Männer aktiv Täter, aber wieviele von ihnen sind aktiv und handeln gegen Gewalt an Frauen?
Neben dem Begriff des Oxymoron gibt es noch eine andere Form: den Pleonasmus. Hierbei wird ein Wort durch ein anderes, eigentlich überflüssiges verstärkt, wie etwa bei nasses Wasser oder alte Greisin. Ist es das? Nicht alle Männer? Denken Sie nicht an einen rosa Elefanten! Männer! Aber bitte mit dem künstlichen Zusatz: Nicht alle Männer. Aber immer ist es am Ende doch ein Mann.
Am 9. März 2026 streiken Frauen weltweit für ihre Rechte.
Wieviele Männer werden wohl aktiv dabei sein und zeigen, dass Nicht alle Männer seine Berechtigung hat?