
Liebe Leute,
Der Angriff auf den CSD in Berlin war kein "Angriff auf die offene Gesellschaft", pace Söder. Es war ein Angriff auf queeres Leben, wie sie von rechten, queerfeindlichen und klerikalfaschistischen Kräften überall auf der Welt zunehmen - es war ein Teil des gesellschaftlichen #Kollaps.
Mein 1. CSD seit 2019…
Ich war zum 1. Mal seit 2019 auf dem "mainstream" CSD - der politisch so viel falsch macht, dass über die Jahre alternative linke CSDs entstanden sind - um ein bisschen zu beobachten, ich nenne das "Bewegungsethnographie". & weil ich ein Date mit einem sexy nichtlinksradikalen Franzosen hatte.
Ich war da, weil ich wir es alle spüren: dieses Jahr kippt es: Europa hört nicht auf, zu brennen; die Meere "brennen"; Sachsen-Anhalt wird bald seine Abkürzung verdienen; die AfD ist bundesweit stärkste Partei; die AMOC schwächelt. Und sogar wir Doomers sind überrascht von der Geschwindigkeit.
Ich war da, weil es der mörderische Angriff auf den trans Mann Malte als Ordner beim CSD Münster 2022 durch einen rechten Boxer war, der mir zeigte: nicht nur das Klima, auch die Gesellschaft kollabiert, und wir Queers werden ganz zentral im Fadenkreuz rechter Kräfte stehen.
Vom CSD zu den Pink Panthers
Aus dem Mord an Malte entstand in meinem Kopf die Idee der #PinkPanthers, glamouröser & für ihre High Heels und weaponised sextoys gefürchteter queerer Selbstverteidigungsbrigaden, und seitdem erzähle seitdem, dass wir Queers nicht mehr sicher sein werden, und Selbstverteidigung lernen müssen.
Dieser Ruf traf aber auf weitgehendes Unverständnis, vor allem unter weißdeutschen schwulen cis Männern, die entweder (Spahn et al) hinter sich die Leiter hochziehen wollten, oder, dies die MEhrheitsfraktion, sich einfach die Finger in die Ohren steckten, und die kommende Gefahr verdrängten.
Und jetzt verrate ich Euch ein Geheimnis: für Luca (the artist formerly known as Scully) und mich ist die #Kollapsbewegung im Grunde ein Vehikel, ein Frame, in dessen Rahmen wir queere Selbstverteidigung organisieren wollen, ohne dafür sofort als Rädelsführende in den Knast geworfen zu werden.
Am So. 26.7., sind Viele - zB mein Date, der vom Angriff tief geschockt war, OBWOHL er die Hochphase der AIDS-Krise durchlebt hatte - in der Welt aufgewacht, in der ich seit 2022, und Viele andernorts schon viel länger leben: im gesell. Kollaps, in dem rechte Kräfte Queers zu Freiwild erklären.
Und ja, natürlich sind islamistische und faschistische Arschlöcher Teil der selben globalen Welle der Reaktion, die haben inhaltlich und re: ihre Hassobjekte sehr viel mehr gemeinsam, als sie trennt, unter anderem eben ihre radikale Queer- und Frauenfeindlichkeit, etc. #Klerikalfaschismus.
Wenn Ihr den Eindruck habt, ich sei gehetzt, ständig unter Druck, und würde ständig Druck auf Alle machen wollen: you're absolutely right. Und seit gestern versteht Ihr vielleicht ein bisschen besser, warum Luca (ehedem Scully) & ich Euch seit bald 2 Jahren ständig von #PinkPanthers erzählen.
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Wir Queers sind “under attack”
Wir #Queers sind "under attack", aber die Verdrängungsgesellschaft hat nunmal viele Flügel, auch einen queeren, und vor allem die Privilegierteren unter uns (vor allem weiße schwule cis-Männer, im politischen Sinne die Eiterbeule queeren Lebens) möchten gerne die Leiter hinter sich hochziehen, und weniger privilegierte Queers, vor allem unsere trans Geschwister, den rechten Löwen zum Fraß vorwerfen.
Dazu ein paar Gedanken:
"Als die Rechten die trans Menschen ermordeten, habe ich geschwiegen, ich war ja nicht trans....": no queer is safe unless all queers are safe, you morons.
Wenn sie dann mit den Queers durch sind, glaubt Ihr, sie werden da anhalten? Ich nenn das die "Dominotheorie der Arschlochisierung (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)“: die wollen ein Recht nach dem anderen abräumen, das sich über die Jahrhunderte von unten erkämpft wurde - Frauen-, Arbeiter*innen, antikolonial, you name it.
Fuck, und jetzt bin ich schon wieder am heulen. Das, was viele von Euch seit gestern fühlen, die Ängste, die durch diesen Anschlag ausgelöst wurden, die fühle ich permanent seit mind. 4 Jahren, sie sind der Grund, warum ich, wie die schweizerische Woz mal schrieb, "gerne auch Menschen anpöbele".
Denn während Danger Dan uns zwar motivieren will ("Keine Angst"), ist das, was sein Song am Ende macht, eher gaslighting: "ihr müsst keine Angst vor der globalen faschistischen Welle haben, ein bisschen 90er Jahre Kleinstadt-und-RechercheAntifa-Arbeit wird das Problem in den Griff kriegen."
Dan: thanks for trying, aber Du könntest auch mit Klimastreiks gegen den Klimakollaps ansingen. Ich nerve Euch seit Jahren, fordere rationale Nutzung knapper Ressourcen, bezeichne Verdrängungsdiskurse und Hopium als gefährliche Dummheiten, auch wenn sie von meinen Freund*innen kommen, weil:
We are under attack. Was mich zum Söder zurückbringt: wenn es in Bayern in den Wahlkampf mit der AfD & den Freien Wählern geht, schmeißt die CSU natürlich zuerst Drag Queens unter den Bus. Wenn wir Queers mehr Rechte einfordern, sind wir Bedrohungen der Familie und potenzielle Pädokriminelle.
Aber da ja in diesem Fall der Angreifer ein radikalisierter "Ausländer" war, sind wir plötzlich ein ganz organischer Teil dieser ach so offenen Gesellschaft, Drag Queens, baumelnde Schwänze und Puppymasken angeblich gern gesehen. Nein, Markus: diese Heuchelei lassen wir dir nicht durchgehen.
Markus Söder ist NICHT unser Freund
Du, Markus Söder, bist nicht weniger unser Feind, als es das islamistische Arschloch war, das am Samstag den Anschlag verübte. Wie kann man rausfinden, wer Feind, wer nicht? It's pretty simple: Wer ist für CSD, wer dagegen? Wer hatet auf die Regenbogenfahne? Wer nennt queeres Leben "Zirkus"?
Klar, das sind symbolische Fragen, but symbols matter, und sind manchmal klarer zu analysieren, als komplexe Gesetzesvorschläge. Also, wir Queers sind under attack, die Attacken weiten sich aus, werden intensiver. Manchmal wird der Staat uns schützen, manchmal jagen, manchmal wegschauen.
Und deswegen muss für uns #Queers die zentrale Lektion sein: wir müssen lernen, uns selbst zu verteidigen. Natürlich ist das Auto eine derart gefährliche "dual use" Waffe, dass nie alle Angriffe zu verhindern sind. Aber die Zukunft, in der wir das selbst organisieren müssen: die ist da.
Mit zukunftsängstlichen Grüßen,
Euer Tadzio
p.s.: ich habe vor gut einer Woche mein Buchmanuskript “Gemeinsam gegen die Angst” an den Verlag geschickt, und es ist scheinbar gut geworden! Pyrx vom Verlag schreibt: “er ist wirklich sehr gut geworden! du schaffst es wirklich gut, die
notwendigkeit des bruchs mit der alten linken politikmaschine zu
beschreiben, und auch verschiedene ansätze einer neuen kollapspolitik zu
skizzieren.”
I’m so happy I could cry, but those would be good tears.