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Bad Vibes mit Redaktionen?

War ein:e Chefredakteur:in schonmal so richtig pissed auf euch?

Bei mir war das mal ziemlich unangenehm. Für mich als freier Journalist kann so etwas schnell existenzbedrohend werden, wenn es um wichtige Auftraggeber:innen geht. Nur leider war die Kollegin vollkommen im Recht …

Ich hatte eine wirklich gute Story, die kein Medium am Schirm hatte. Ich – guter Geschäftsmann, der ich bin ;-) – wollte das für eine Doppelverwertung nutzen. Zuerst hatte ich die Geschichte exklusiv als Magazintext verkauft, ein zweites Mal, sozusagen als Beiwerk, ans Radio. Das jeweilige Honorar war schlecht, aber in Summe hatte sich der Aufwand gelohnt.
Nur: Unerfahren, wie ich war, hatte ich schlecht kommuniziert. Das Radio hat die Meldung zeitlich vorgezogen, damit erstveröffentlicht, und das Magazin konnte die dann schon bekannte Story erst zwei Tage später veröffentlichen.
‘Exklusiv’ war damit futsch. Uiuiui…
Zu Recht war da die zuständige Chefredakteurin stinksauer auf mich… wie peinlich!

Stressball (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Andreas Schikora, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons

Heute verwerte ich noch immer doppelt, aber mit transparenter Kommunikation:
„Liebe Kollegin, weil die Honorare wirklich niedrig sind, bin ich gezwungen, mehrfach zu verwerten. Ich hoffe, du verstehst das. Wäre es in Ordnung für euch, wenn ich …“
So oder so ähnlich klingt meine Anfrage, nachdem ich eine Zusage aus einer Redaktion habe. Und so gut wie immer konnte ich einen Weg aushandeln, Geschichten doppelt zu verwerten. Aber immer mit voller Transparenz! So läuft das Geschäft besser und die Auftraggeber:innen sind zufrieden :-)

Spannende Aufträge wünscht euch,

Christof

Und übrigens: Ich habe mich damals, nach ein paar Wochen, überwunden, die Kollegin anzurufen, um mich zu entschuldigen. War gar nicht so schlimm.

In unserer Serie “3 Fragen an…” befragen wir freie Journalist:innen zu ihrem Alltag in der Branche.

Profilbild: Anna Stockhammer
Foto: Jürgen Fuchs

3 Fragen an Anna Stockhammer (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Du warst früher bei der Kleinen Zeitung angestellt, seit eineinhalb Jahren bist du als freie Journalistin in Wien und Graz tätig. Was hat dich dabei am meisten überrascht, was hattest du dir anders vorgestellt?
Am meisten überrascht hat mich, wie viele Möglichkeiten es gibt – Medienformate, Auftraggeber:innen, Recherchereisen, Stipendien und überhaupt spannende Projekte. Nach Jahren im Tageszeitungs-Hamsterrad war das wie eine neue Welt. Gleichzeitig war es im negativen Sinne überraschend, wie unterschiedlich Medien zahlen – und wie niedrig die Honorare oft sind, obwohl viel Recherche dahintersteckt. 

Gibt es Themen, die du leichter/schwerer bei Redaktionen unterbringst?
Weniger die Themen an sich, sondern die Herangehensweise: Ich merke, dass konkrete, nahe Geschichten gut funktionieren – etwa wenn ich Betroffene direkt begleite, wie bei Reportagen über junge Pflegende (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) oder eine Femizid-Überlebende (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Oft sind das lokale Geschichten mit Menschen, zu denen zum Beispiel die Wiener Redaktionen selbst nicht so leicht Zugang haben. Solche “exklusiven”, greifbaren Storys lassen sich deutlich leichter unterbringen als abstrakte Themen.

Was ist dein wichtigster Trick fürs Pitchen?
So konkret wie möglich sein und die Idee der Geschichte schon im Pitch klar erzählen – mit Figuren und Szenen. Bei der Reportage ein Jahr nach der Flut im steirischen Ort Deutschfeistritz war der aktuelle Anlass klar, aber entscheidend war auch der Zugang: Wen begleitet man, wer kann Protagonist:in sein? Manchmal erfordert das schon viel Vorrecherche und auch ein Risiko: Man muss abwägen, ob sich der Aufwand lohnt. 

🍞 Unser täglich Brot 

Schweden galt lange als Musterland sozialer Absicherung. Ob dieses Klischee jemals der Realität entsprach und wie es Armutsbetroffenen heute mit dem skandinavischen Rechtsrucks geht, konnte ich in einem Interview mit Malin Clausson von der Göteborger Straßenzeitung Faktum (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) besprechen, im neuen AUGUSTIN (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

Bei Johannes ist grad der Wurm drin. Er recherchiert grad an gefühlt 15 hochbrisanten Stories gleichzeitig, nur so richtig aufgehen will keine. Update folgt im nächsten Newsletter!

Milena war bei Radio Helsinki (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) zu Gast und hat über “Schönheit” als politische Kategorie, “Ugly Laws” und  koloniale Vorstellungen gesprochen. Und im MO-Magazin (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) hat sie aufgeschrieben, wie LGBTIQ zum Angriffsziel der Rechten und konservativ-religiöser Netzwerke wurde.

💡 Tipps des Monats

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Über uns: Wir sind das FYI-Kollektiv, ein Zusammenschluss aus sechs freien Journalist:innen. Wir machen Journalismus, gemeinsam und solidarisch. Wir, das sind: Christian Bunke, Johannes Greß, Naz Küçüktekin, Christof Mackinger, Milena Österreicher und Nadja Riahi. Einen Überblick über unsere Arbeit findet ihr hier (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).  

FYI-Kollektiv (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)