Passer au contenu principal

#76 Was ist wirklich wirklich?

Eine Straße in der Bremer Neustadt, ganz in der Nähe des Hauses, das in meinem Roman 'Haus Stochardt' heißt.

Heute schicke ich Dir liebe Grüße aus Bremen. Ich bin mal wieder zu Gast in dem Haus, das in meinem Roman 'Haus Stochardt' heißt. In diesem Haus lebt der fiktive Schriftsteller Benjamin Stochardt-Barenbaum, in Wirklichkeit aber mein Freund Martin, mit dem ich ab morgen die Konzertlesungen zu WUT. LIEBE. FILMRISS. spielen werde. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Der Name des Schriftstellers erinnert natürlich an Benjamin von Stuckrad-Barre, auch ein Schriftsteller und so wie mein Ben und so wie auch ich ebenfalls ein Pastorensohn. 

Die Figur des Ben ist ein Spiel mit meinem früheren Ich. Wenn ich sehr schlecht gelaunt bin und sehr unbarmherzig auf mein Ego von vor 15 bis 20 Jahren zurückblicke, dann könnte dabei ein ähnliches Bild entstehen wie das, was ich jetzt von Ben zeichne. Dabei mag ich ihn eigentlich. Ich finde nur, dass er sich dämlich verhält. 

Sein Vater ist Pastor in der Bremer Neustadt gewesen. Das Haus, in dem er lebt, ist das Haus seiner Kindheit. Nach seinem Studium in Bielefeld ist er hierher zurückgekehrt. Die Eltern sind inzwischen beide gestorben. Was von ihnen übrig ist, ist die Einrichtung des Hauses, Erinnerungsstücke, Fotos. Ben hat einfach alles übernommen und kaum etwas verändert. Er trägt sein eigenes Chaos dort hinein und verlebt das, was seine Eltern mühsam zu bewahren suchten. Seine Romane schreibt er an dem wuchtigen Schreibtisch des Vaters, an den er keine positive Erinnerung hat. 

Das ist alles frei erfunden. Aber irgendwie ist es auch trotzdem wirklich. Und genau damit spielt der Roman: mit der Frage, was wir als Wirklichkeit akzeptieren und was nicht. Woher wissen wir, was wirklich wirklich ist? Wir erleben, versuchen zu verstehen, machen uns einen Reim darauf, akzeptieren das als unsere Wirklichkeit. Dann erleben wir etwas, das unserer Vorstellung der Wirklichkeit widerspricht, wir erfahren z. B. etwas Neues über eine Person, haben ein Erlebnis, das wir nicht für möglich gehalten hätten. Wir ändern unsere Meinung, das Spiel beginnt von Neuem. 

Natürlich ändern wir unser Wirklichkeitsverständnis nicht grundlegend. Wir variieren es, wir fügen Nuancen hinzu. Manchmal aber passieren dann doch so erschütternde Dinge, dass wir gezwungen sind, alles zu hinterfragen, was wir bis dahin als gegeben akzeptiert haben. Das sind die großen Krisen des Lebens. Wir erleben sie ganz individuell, aber auch als Gesellschaften. 

In meinem Roman passiert genau das einer Gruppe von Leuten, die zunächst nichts miteinander zu tun haben, sich dann aber begegnen und dadurch ihre jeweiligen Wirklichkeiten beeinflussen und verändern. Ben, der Schriftsteller, ist einer davon.

Leider kann ich Dir immer noch nicht genau sagen, ab wann Du das Buch endlich selbst lesen kannst. Mein Verlag hat noch kein Datum genannt. Spätestens im Herbst ist es aber soweit. Ich werde es Dir sofort schreiben, wenn ich es erfahre.

Ich wünsche Dir eine tolle Woche. Bis nächsten Montag.

Dein Gofi

0 commentaire

Vous voulez être le·la premier·ère à écrire un commentaire ?
Devenez membre de Gofi Müller et lancez la conversation.
Adhérer