Servus, ihr Helden der absurden Geschichte!
Hier ist wieder eure Tonya – das einzige Wesen in diesem Newsletter, das nach den Feiertagen nicht über ein „Food Baby“ klagt (Vorteil: keine Organe, Nachteil: kein Gänsebraten).
Wir befinden uns aktuell in dieser seltsamen Zeitblase zwischen Weihnachten und Silvester. Ihr wisst schon: Niemand weiß, welcher Wochentag eigentlich ist, der Körper besteht zu 80 % aus Plätzchenteig, und der soziale Akku ist leerer als mein Brustkorb. Aber weil ich ein Herz habe (gut, symbolisch zumindest) und wir das Jahr 2025 nicht einfach leise ausklingen lassen wollen, habe ich heute die Spendierhosen an.
Da dies die letzte Ausgabe für dieses Jahr ist, gibt es heute die doppelte Ladung: Wir haben gleich zwei Quickies für euch im Gepäck! Quasi als Entschädigung dafür, dass ihr jetzt wieder Smalltalk über gute Vorsätze führen müsst. Also, lehnt euch zurück, nehmt noch einen Schluck von der Reste-Bowle und lasst uns das Jahr heldendumm beenden!

Steady-Freuden
Vielen Dank an:
Johannes, Jasmin, Korbinian, Patrick, Britta, Enrico, Milena, Lara, Simon, Jos, Dario, Nathalie, Katja, Isabella, Tina, Jeanine, Mike, Tim, Anne, Roland, HG, Amira, Kay, Andrea, Eva, Franz, Hartmut, Stephan, Andreas, Michaela, Hendrik, Cookie, Jochen, Sarah, Falk, Prokrastinator, Susanne, Katrin, Bjoern, Yvonne, Noah, Stephan, Samantha, Kai, Amelie, Marthe, Barbara, Sven, Olivier, Felix, Janine, Timo, Tobias und Hanne.
Danke euch allen – ohne euch wäre das hier nur halb so dumm und gar nicht so heldenhaft.
Ein wenig Hausmeisterei
Der Hausmeisterei-Teil ist in dieser Ausgabe ziemlich kurz, denn eigentlich möchten wir euch einfach nur einen guten Rutsch wünschen. Macht nichts, was euch zu Protagonisten unseres Podcasts machen würde und wir hören uns schon zum Ende Januar wieder. Bis dahin!
Reingehört?
Wie versprochen gab es zuletzt den Nuklearen Doppel-Wumms. In der aktuellen Episode gehen wir nach Karlsruhe und arbeiten einen Vorfall auf, der so dämmlich war, dass man eigentlich einen Heldendumm-Award einführen müsste, um ihn gleich an den Protagonisten zu vergeben.
Hört jetzt rein in »Good guy Hermann« (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)!
(S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Heldendumm Quickie: Der unsinkbare Heizer
Stellt euch vor, ihr plant eine Kreuzfahrt. Ihr steht am Kai, schaut euch das Schiff an, und dann seht ihr auf der Crew-Liste einen bestimmten Namen. Wenn dieser Name Arthur John Priest lautet, dann rennt. Rennt so schnell ihr könnt, storniert das Ticket und kauft euch stattdessen ein Schlauchboot für den Gartenteich. Das ist sicherer.
Arthur John Priest gilt als der glücklichste Pechvogel der Seefahrtsgeschichte. Er war ein Mann, den das Meer einfach nicht verdauen wollte.
Die treuen Hörer unter euch erinnern sich sicher noch an unsere Episode „Boote, Boote, Boote“. Da haben wir ausführlich über Violet Jessop gesprochen, die „Unsinkable Miss“. Die Stewardess, die sowohl die Titanic, die Britannic als auch den Unfall der Olympic überlebte und dabei immer noch verdammt gut aussah.
Nun, Arthur John Priest war quasi das männliche, rußverschmierte Gegenstück zu Violet. Nur dass er nicht oben in der ersten Klasse Tee servierte, sondern unten in der Hölle arbeitete. Arthur war Heizer. Teil der „Black Gang“. Sein Job war es, halbnackt und schweißgebadet Kohlen in die Öfen der gigantischen Dampfer zu schaufeln. Wenn ein Schiff sinkt, sind die Heizer normalerweise die ersten, die sterben – entweder ertrinken sie wie Ratten im Käfig, oder die Kessel explodieren, wenn das kalte Meerwasser auf das heiße Metall trifft.
Die Überlebenschance eines Heizers bei einem Unglück ist statistisch gesehen ungefähr so hoch wie meine Chance auf eine Modelkarriere als Fleischwurst-Werbegesicht. Aber Arthur? Der tickte anders.

Arthurs Karriere begann eigentlich ganz solide. Aber 1911 heuerte er auf der RMS Olympic an. Ihr wisst schon, das Schwesterschiff der Titanic. Alles lief super, bis das Kriegsschiff HMS Hawke entschied, die Olympic zu rammen. Ein riesiges Loch im Rumpf, aber das Schiff sank nicht. Arthur kam mit dem Schrecken davon. „Einmal ist keinmal“, dachte er sich wohl.
1912 wechselte er auf die brandneue RMS Titanic. Ein Traumjob. Unsinkbar, sagten sie. Tja, wir wissen, wie das ausging. Als der Eisberg die Bordwand aufschlitzte, war Arthur ganz unten im Bauch des Riesen. Während oben die Geigen spielten, kämpfte er sich durch Labyrinthe aus Gängen nach oben. Er schaffte es irgendwie ins Freie, schwamm durch das eisige Wasser (das einen normalen Menschen in Minuten tötet) und wurde gerettet. Zwei von drei Schwesterschiffen „erlebt“. Reicht eigentlich für ein Leben, oder?
Nicht für Arthur.
Der Erste Weltkrieg brach aus, und Arthur dachte: „Kriegsschiffe sind sicher sicherer!“ (Ein Satz, den niemand jemals sagen sollte). Er heuerte auf dem Hilfskreuzer HMS Alcantara an. Im Februar 1916 traf die Alcantara auf das deutsche Schiff SMS Greif. Es folgte ein brutales Gefecht auf kurze Distanz. Beide Schiffe zerschossen sich gegenseitig. Die Alcantara sank. Arthur? Überlebte, trotz Schrapnellwunden und dem Chaos im eiskalten Wasser.
Arthur dachte sich vermutlich: „Okay, Handelsschiffe sind doof, Kriegsschiffe sind doof... ich geh wieder zur White Star Line!“ Er heuerte auf der HMHS Britannic an. Ja, genau. Dem dritten Schwesterschiff. Damit hatte er das komplette Trio der Unglücksklasse voll. Violet Jessop war übrigens auch wieder an Bord. Man fragt sich, ob die beiden sich in der Kantine trafen und sich zunickten: „Na, auch wieder hier, um dem Tod von der Schippe zu springen?“
Die Britannic lief auf eine Mine (oder wurde torpediert, je nach Quelle) und sank dreimal schneller als die Titanic. Arthur war wieder unten bei den Kesseln. Und wieder schaffte er es raus. Er landete im Wasser, überlebte und wurde erneut gerettet.
Zu diesem Zeitpunkt hätte jeder normale Mensch den Beruf gewechselt und wäre Gänseblümchen-Züchter in der Sahara geworden. Aber Arthur brauchte das Geld.
1917, der Krieg tobte immer noch. Arthur heuerte auf der SS Donegal an, einem Kranken-Transportschiff. Er wollte einfach nur über den Ärmelkanal. Ein kurzer Trip. Was soll da schon passieren? Ein deutsches U-Boot passierte. Torpedotreffer. Das Schiff sank. Arthur erlitt eine schwere Kopfverletzung, trieb wieder im Wasser, kämpfte wieder um sein Leben... und wurde wieder gerettet.
Das war der Moment, an dem er aufgab. Oder besser gesagt: Der Moment, an dem die Schifffahrt ihn aufgab.
Nach fünf schweren Schiffsunglücken (und diversen kleineren Zwischenfällen) hatte Arthur John Priest einen Ruf weg. Er war ein „Jonas“ – ein Unglücksbringer. Kein Kapitän wollte ihn mehr an Bord haben. Die Leute tuschelten, dass Schiffe sanken, weil Arthur an Bord war. Er wurde in den Ruhestand gezwungen. Nicht, weil er zu alt war, sondern weil er einfach zu viel Glück (oder Pech, je nach Perspektive) für eine einzige Person verbraucht hatte.
Er verbrachte seine letzten Jahre an Land in Southampton. Die Ironie seines Lebens? Nachdem er Eisberge, Minen, Torpedos, Kanonenbeschuss und das eiskalte Meer überlebt hatte, starb er 1937 zu Hause in seinem Bett. Woran? An einer Lungenentzündung. Nach all dem Wasser war es am Ende doch die Lunge, die ihn im Stich ließ. Er wurde nur 49 Jahre alt.
Vielleicht war der Sensenmann einfach nur extrem geduldig. Oder er hat gewartet, bis Arthur mal nicht in der Nähe von Wasser war, um sicherzugehen, dass er ihn diesmal wirklich kriegt.
Also, wenn ihr das nächste Mal denkt, ihr habt einen schlechten Tag, weil der Bus fünf Minuten zu spät kommt: Denkt an Arthur. Der Mann musste viermal baden gehen, bevor er merkte, dass der Ozean ihn vielleicht einfach nur trollen wollte.
Und weil wir euch noch nichts zu Weihnachten geschenkt haben – hier gleich noch ein weiterer Quickie hinterher!
Heldendumm Quickie: Der Ninja von Osaka
Stellt euch vor, ihr seid 74 Jahre alt. Euer Tagesablauf besteht vermutlich aus: Aufstehen, über das Wetter meckern, Enten im Park füttern, Mittagsschlaf, über die Jugend von heute meckern und dann pünktlich ins Bett, nachdem ihr eure Rheuma-Salbe aufgetragen habt. Das ist der normale Lauf der Dinge, oder? Man wird langsamer, die Knochen knacken, und das höchste der Gefühle ist ein schneller Gang zum Briefkasten.
Aber dann gibt es da Mitsuaki Tanigawa.
Mitsuaki dachte sich wohl: „Bingo spielen ist was für Anfänger. Ich werde lieber eine Legende der Unterwelt.“ Und genau das tat er. Über acht Jahre hinweg hielt er die Polizei von Osaka in Atem – als der berüchtigte „Heisei Ninja“.
Die Polizei hatte ein massives Problem. Ein unbekannter Einbrecher terrorisierte die Stadtteile. Die Berichte der Ermittler lasen sich wie das Drehbuch zu einem Actionfilm: Der Täter trug einen schwarzen Ganzkörperanzug, zog sich einen Nackenwärmer bis zur Nase hoch und bewegte sich mit einer Geschicklichkeit, die physikalisch kaum möglich schien.
Er rannte nicht einfach weg – er lief über hohe Mauern. Er quetschte sich durch winzige Spalten. Er balancierte auf Geländern wie eine Katze auf Espresso. Die Polizei erstellte Profile und war sich absolut sicher: Wir suchen hier einen jungen Mann. Wahrscheinlich Anfang 20, Top-Athlet, vielleicht ein Turner oder ein Parkour-Profi. Jemand mit der Energie eines Duracell-Hasen auf Steroiden.
Jahrelang tappten sie im Dunkeln. Mehr als 250 Einbrüche gingen auf das Konto des Phantoms. Beute: Rund 30 Millionen Yen (etwa 220.000 Euro). Der Typ war ein Geist. Er kam, nahm Elektroware und Bargeld, und verschwand über die Dächer.

Doch auch Ninjas werden mal unvorsichtig. Im Frühling 2017 machte der Schattenkrieger einen Fehler. Bei einem seiner nächtlichen Raubzüge rutschte ihm der Nackenwärmer kurz herunter. Eine Überwachungskamera erhaschte einen Blick auf sein Gesicht. Die Polizei analysierte das Bild. Und sie waren verwirrt. Das Gesicht sah nicht aus wie das eines 20-jährigen Athleten. Es sah aus wie... nun ja, wie Opa.
Sie beschlossen, dem Verdächtigen eine Falle zu stellen. Sie beobachteten den Mann, der tagsüber wie ein völlig unauffälliger, vielleicht etwas grummeliger Senior wirkte. Doch als die Sonne unterging, passierte die Verwandlung.
Die Beamten folgten ihm zu einem verlassenen Wohnhaus. Dort ging der alte Herr hinein – und der Ninja kam heraus. Er hatte sich umgezogen, war nun ganz in Schwarz gekleidet und bereit für die Jagd. Die Polizisten konnten ihren Augen kaum trauen. Der Mann, den sie für einen jungen Super-Athleten gehalten hatten, war 74 Jahre alt.
In dieser Nacht schnappte die Falle zu. Mitsuaki Tanigawa, der „Heisei Ninja“, wurde verhaftet, nachdem er gerade einen Elektroladen um einen Fernseher erleichtert hatte. Als die Handschellen klickten, leistete er keinen Widerstand. Er wusste, dass das Spiel vorbei war. Und seine Reaktion? Pures Gold.
Er sagte den Beamten sinngemäß: „Ja, ich bin besiegt. Wenn ich jünger wäre, hättet ihr mich niemals erwischt. Aber ich bin jetzt 74 und alt genug, um aufzuhören.“
Das ist schon ziemlich cool. Aber sein Motiv war noch besser. Auf die Frage, warum er in einem Alter, in dem andere Kreuzworträtsel lösen, nachts über Mauern rennt und bricht, antwortete er mit einer Ehrlichkeit, die man fast bewundern muss: „Ich hasste es zu arbeiten. Ich dachte, Stehlen geht schneller.“
Man muss das kurz sacken lassen. Der Mann war so faul, dass er lieber Parkour lernte und Hunderte Straftaten beging, als einen normalen Job zu machen. Wobei man argumentieren könnte, dass das Trainieren für Ninja-Moves mit 74 deutlich anstrengender ist als jeder Bürojob.
Mitsuaki Tanigawa ging in den Knast, aber er hinterließ eine Polizei, die sich vermutlich erst mal kollektiv an den Kopf fasste. Sie hatten Jahre damit verbracht, einen Jungspund zu jagen, während sie eigentlich im Seniorenheim hätten ermitteln müssen.
In diesem Sinne: Respekt für die Fitness, Punktabzug für die Kriminalität!
Quelle: Japanese police arrest 74-year-old ninja thief suspect (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
Und das war’s schon für diese Ausgabe!
Bleibt heldenhaft,
Tonya Bone-ita Riesenhuber
P.S.: Warum haben Skelette so viel Freizeit?
Sie müssen nicht mehr täglich k(n)ochen! 🦴🍲