Hi! Dennis von Indie Fresse hier.
Zwischen unseren Podcast-Folgen gibt’s kluge Gedanken zu schönen Spielen in eurem Postfach.
Wenn ihr uns dabei unterstützen wollt:
Ein schönes (!) Spiel: Cairn

Ich glaube, ich habe noch nie ein Spiel gespielt, in dem ich so sehr gefühlt habe, was die Protagonistin fühlt wie in Cairn.
Und das Besondere: Fast alles, worum es im Spiel geht, kommuniziert schon das Tutorial.
Cairn ist ein Kletter-Surival-Abenteuer über eine kompromisslose, fast besessene Rockclimberin Aava, die versucht, den härtesten Berg der Welt zu bezwingen und dabei an ihre Grenzen geht.
Aber den Anfang macht ein Tutorial in einer Art Boulder-Halle. Hier erklärt Cairn, wie man Felswände hochkraxelt. Nämlich: Indem man nach und nach Arme und Beine in Felsspalten und auf Vorsprünge navigiert. Ein bisschen wie bei QWOP also oder Baby Steps.
Und dann heißt es: Kletter eine richtige Felswand hoch, um aus der Boulder-Halle zu kommen. Und das ist tough. Ungelogen: Ich habe drei Anläufe gebraucht, bestimmt zehn Minuten, um raufzukommen.
Und dann heißt es: Kletter weiter. Denn auf einmal ist man in einer wunderschönen Berglandschaft und soll einen Gipfel erklimmen.

Einen ganzen Abend kraxele ich auf Felswänden herum, haushalte mit meinen Felshaken, falle dutzende Meter in die Tiefe und starte neu, schlage ein Zelt auf, um mir Instant-Nudeln zu kochen, damit Aava weiter Kraft hat.
Das ist das Spiel, denke ich. Das ist dieser Terror-Berg, um den es geht.
Und dann: Szenenwechsel. Aava erwacht in einem Zelt, das mit einem Felshaken befestigt über einem endlosen Abgrund hängt. Sie krabbelt aus dem Zelt, ergreift die Wand und muss klettern. Viel, viel weiter und länger als noch im Tutorial.
DAS ist der Terror-Berg des Todes, um den es im Spiel geht.
Und ich fühle Überforderung, Angst aber auch Trotz. Ich will diesen Terror-Berg bezwingen!
Mir ist da neulich noch was passiert. Ich klettere eine schwierige Felswand hoch. Der Aufstieg ist so kompliziert und anstrengend, dass ich Aavas gesamte Kreide aufbrauche. Kurz vor dem Plateau, ganz oben, merke ich, dass Aavas Kraft nachlässt. Ihre Atmung wird schnell, ihre Beine und Arme zittern. Ich versuche sie schnell noch einen Felshaken in den Stein schlagen zu lassen, damit sie nicht fällt. Aber es ist zu spät. Aava fällt. Und schreit vor Wut. Und ich schreie mein Steam Deck in Marcus-Richter-Art an: “Och BITTE!!! Orrrrrrr” — und merke: Aava und ich sind eins geworden.
Und das ist genial. Aber auch erschreckend. Denn letztendlich erzählt Cairn auch eine Geschichte über Besessenheit, über Leistungsdruck, um Streben nach Erfolg, der uns zu verschlingen droht.
Cairn ist erschienen für PC und PS5.
Und an dieser Stelle: Danke an die Leser*innen und Hörer*innen, die uns per Steady und Direktüberweisung unterstützen. Eure Unterstützung erlaubt es uns, uns solche besonderen Spiele zu kaufen, um darüber zu reden und zu schreiben <3
Schamlose Selbstpromo und anderes Zeug
Im letzten Newsletter hatte ich noch über die eigenartige Häme gegenüber Highguard geschrieben, den neuen Multiplayer-Shooter. Jetzt wurde der Großteil der Mitarbeitenden entlassen, das Spiel ist gescheitert (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).
Noch mehr Scheitern: Über 10 Jahre lang arbeitete ein Team bei Riot (League of Legends) an einem neuen Prügelspiel, 2XKO. Jetzt ist es endlich raus — und ein Großteil des Teams wird gefeuert (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).
Während also große Projekte scheitern, fragt sich Giovanni Colantonio bei Polygon (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), ob jetzt Indie-Entwickler große Spiele-Serien übernehmen. Zeit wird’s!
Es gibt ein weiteres unabhängiges Games-Magazin! jank.cool (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) ist der neue Games-Blog von ehemaligen Autoren von Rock, Paper, Shotgun. Es geht um schräge PC-Games. Ich mag’s sehr!
Wenn ihr 5 Stunden Zeit habt und die Welt von Pillars of Eternity und Avowed mögt: schaut dieses neue Video (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) von Noah Caldwell-Gervais.