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Ziemlich still zurzeit bei mir

Aber ach, das kann sie gut, unsere Autorin. Vielleicht ein bisschen zu gut.

Pssst! Kann man es hören? Diese Stille im Haus? Seit Tagen geht das nun schon so. Genau genommen seit letztem Sonntag 12:35 Uhr. Seit der Flieger in München abhob und elf Stunden später in Ho-Chi-Minh City, Vietnam, landete. Auf Platz 12A meine kleine Tochter, mein Baby, mein Herz, das für die nächsten Monate nach Fernost durchgebrannt ist wie zuletzt ihre große Schwester nach dem Abitur. Nur mit einem monströsen Rucksack am Leib, ihrem Freund und ohne Mama im Gepäck. Uffh. Mein Mutterherz kommt einfach nicht zur Ruhe.

Aber es muss sich niemand Sorgen machen, ich selbst mache mir auch nicht die geringsten Sorgen um mich, krisenfest und kampferprobt, wie ich nunmal bin. Es ist alles okay, ich mache meine Sache wirklich gut. Stehe morgens auf, koche Kaffee, kreise mit den Armen so total chi-gong-mäßig in der Luft, um mein Energiefeld positiv zu stimmen, atme ein, atme aus, schlafe mit dem Handy unterm Kopfkissen und gucke nur zweimal am Tag (manchmal auch pro Minute) auf Snapchat/Whatsapp/Instagram, ob eine Nachricht von meiner Tochter im Postfach liegt. Ob sie mich braucht oder Heimweh hat. Und wenn sie dann schreibt, dass sie mich vermisst, deute ich es als Hilferuf und google umgehend nach Direktflügen Richtung Fernost. Manchmal betrete ich ihr Zimmer, schüttle die Kissen auf dem Bett zum hundertsten Mal aus, stecke mein Näschen in ihre Pullis und prüfe, ob man mal wieder Staub wischen müsste. Für den Fall, dass sie morgen wieder vor der Tür steht. Dass was ist. Dass sie nach Hause will. Und wenn ich dann in ihren Stories sehe, wie sie exotische Lebensmittel verspeist, waghalsig auf Moped-Taxis durch bunte Städte fährt, mit wildfremden Menschen glücklich unter freiem Himmel tanzt und sich in einer kleinen vietnamesischen Schneiderei ein Kleid nach Maß anfertigen lässt, steigt Wasser in meine Augen. So stolz bin ich auf sie, auf diese neugierige, mutige und unerschrockene junge Frau, die meine Tochter ist.

Den Rest der Zeit kümmere ich mich gut

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