Hallo,
Mitte August vor 150 Jahren kam es endlich zur ersten Gesamtaufführung von Richard Wagners »Ring des Nibelungen«.
Die vier Teile dieses Musikdramas gehen auf Wagners Text »Siegfrieds Tod« aus dem Herbst 1848 zurück.
Da Wagner aber schnell merkte, dass der Stoff ohne seine Vorgeschichten etwas in der Luft hing, schrieb und komponierte er weiter, jahrzehntelang.
Der »Ring« und die Vorgeschichten
Es dauerte etwa ein Vierteljahrhundert, bis die vier Teile aus Wagners »Ring«-Tetralogie fertig waren: »Das Rheingold«, »Die Walküre«, »Siegfried« und »Götterdämmerung« - im zuletzt genannten Teil hat Wagner schließlich Siegfrieds Tod untergebracht.
Im dritten und letzten Aufzug der »Götterdämmerung«, kurz bevor Siegfried stirbt, gibt es eine Szene, in der Siegfried in aller Kürze seinen Lebensweg nacherzählt.
Siegfried erzählt sein Leben
Er erzählt, wie der Zwerg Mime ihn großgezogen hat, und wie er, Siegfried, den riesigen Wurm tötete, der bis dahin den Schatz und dazu den Ring des Nibelungen bewacht hatte.
Das Blut dieses Wurms geriet Siegfried an die Finger. Die brannten ihm daraufhin heftig. Um sie zu kühlen, steckte Siegfried seine Finger in den Mund - ein Fluss war wohl grad nicht in der Nähe. Und statt dass ihm jetzt auch Gaumen und Zunge brannten, geschah etwas Anderes: Er verstand plötzlich die Sprache des Vogels, der in seiner Nähe sang.
Der Vogel warnte Siegfried, so erzählt er, vor Mime. Der nämlich wollte den mächtigen Nibelungenschatz inklusive Ring an sich nehmen und deshalb Siegfried an den Kragen. Dafür tötete Siegfried ihn.
Daraufhin berichtet ihm der Vogel von der Walküre Brünnhilde, die auf einem von Feuer umgebenen hohen Felsen schlafe und nur auf einen Helden warte, der sie aufwecke: »durchschritt’ er die Brunst, / weckt er die Braut, / Brünnhilde wäre dann sein!«
Neu im Blog - Text(e) zum »Ring«
Die Szene führt ins Zentrum des »Rings«, der als Instrument der Macht und als Zeichen der Liebe gleichermaßen wirken kann. Siegfried kommt zwar nicht mehr dazu, auch das nachzuerzählen: Aber zu Beginn der »Götterdämmerung« übergab er den Ring noch an Brünnhilde - vorläufig.
Es ist kompliziert…
Auf meinem Blog starte ich heute eine Wagner-Reihe, in der ich dabei unterstützen will, einen Weg in Wagners Musikdrama zu finden.
In den kommenden Monaten werde ich deshalb ein paar Texte zu Wagners »Ring des Nibelungen« auf meinen Blog stellen. Den ersten gibt es hier (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

Robert Schumanns Klaviermusik
Aus seiner Zeit in Dresden kannte Richard Wagner den Komponisten Robert Schumann, der seit Ende 1844 mit seiner Familie ebenfalls dort lebte. Anscheinend hatte Schumann aber nicht das ganz große Interesse an Wagners Opern. Und auch Wagner hatte für Schumanns Musik wenig übrig.
Robert Schumann war ein Komponist, der vom Klavier kam und der, anders als der dramatische Wagner, einen seiner Schwerpunkte auf Klaviermusik legte.
Seine Kompositionen op. 1 bis op. 23 sind ausnahmslos Stücke für Klavier solo. Dazu kommt viel Klavierkammermusik. Und dann ist da natürlich das Klavierkonzert, das wie so viele von Schumanns Klavierwerken von seiner Ehefrau, der Klaviervirtuosin Clara Schumann publikumswirksam öffentlich gespielt wurde.
Waldszenen
Die Waldszenen op. 82 hat Schumann zwischen den Jahren 1848/1849 komponiert. Sie sind eine Reihe von Stücken für Klavier solo, die einen Spaziergang darstellen, in dem man auch Jagdmotive hört.
Es ist nicht der mythische Wald Wagners, in dem sich Siegfried, Mime oder der Riesenwurm herumtreiben. Aber ganz harmlos ist auch Schumanns Wald nicht; es ist ein bisschen dunkel dort.
In den Waldszenen gibt es ein nachträglich komponiertes Stück, das auch allein sehr gerne aufgeführt wird, zum Beispiel als Zugabe, wie hier durch Martin Helmchen - das Stück heißt Vogel als Prophet:
https://www.youtube.com/watch?v=hQVcXUSlJhs&list=RDhQVcXUSlJhs (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Vogel als Prophet
Vogel als Prophet wurde laut Autograph am 6. Januar 1849 fertig, wenige Monate, nachdem Wagner »Siegfrieds Tod« geschrieben hatte. Schumanns Stück besteht aus drei Teilen, deren dritter den ersten wiederholt, nachdem ein choralartiger Mittelteil eine etwas weihevolle Stimmung verbreitet.
In den Rahmenteilen zwitschert ein Vogel. Das klingt so abstrakt wie unheimlich, aber auch zart, nobel und sehr elegant.
Spannung entsteht durch die Betonung der Dissonanzen, die lange auf den schweren Taktteilen liegenbleiben, bevor es in gebrochenen Akkorden plötzlich nach oben weitergeht.
Sehr schön ist die Rückung in eine vom Choral gesehen entfernte Tonart gegen Ende des Mittelteils.
Hier spielt Swjatoslaw Richter:
https://www.youtube.com/watch?v=R7Sm5uiDqzg&list=RDR7Sm5uiDqzg (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Hier die Cembalistin, Fortepianistin und Organistin Flóra Fábri auf einem historischen Flügel aus dem Jahr 1827:
https://www.youtube.com/watch?v=MEW40RV-0k4&list=RDMEW40RV-0k4 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Ein Arrangement von Jascha Heifetz, von ihm selbst gespielt, verlinke ich hier:
https://www.youtube.com/watch?v=SHjKl8gvWkI&list=RDSHjKl8gvWkI (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Sein eigenes Arrangement von Schumanns Stück spielt Markus Belmann an der Klais/König-Orgel (1753/2011) der Maxkirche Düsseldorf:
https://www.youtube.com/watch?v=PW1UhQRzrG4&list=RDPW1UhQRzrG4 (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)Herzliche Grüße aus Bamberg 👋🏻
Michael ☕️