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Et Boum! C’est le cock

Dieser Newsletter kann Spuren von Nerdigkeit und schlechten Wortwitzen enthalten.

Was ist gelb und kann schießen? – Eine Banone.

Falls ihr euch fragt, warum zum Fallobst ich heute mit diesem uralten Flachwitz einsteige … Stay with me! Ihr werdet erstaunt sein, wie viel Sinn das am Ende ergibt.

Grafik: Auf grellpinkem Untergrund ist eine gelbe Banane, deren Position an eine Pistole erinnert. In einer gelben Zackenwolke steht in blauen Buchstaben: Bumm!

Banone ist ein sogenanntes Kofferwort. Wer besonders intellektuell wirken will, sagt dazu Portmanteau. Kofferwörter begegnen uns täglich. Einige sind mittlerweile so etabliert, dass uns gar nicht mehr auffällt, dass da zwei Begriffe aneinander geknallt sind wie Deuterium und Tritium und zusammen eine richtig heiße Energie entwickelt haben. (Kernfusion nennt man das übrigens, doch dazu später mehr.)

Podcast ist da ein hervorragendes Beispiel. Oder hattet ihr auf dem Schirm, dass sich der Begriff aus iPod und Broadcast zusammensetzt? Smog ist auch ein tolles Wort. Besteht aus: Smoke und Fog. Brunch, Brangelina, Bromance – alles Kofferwörter! Der Leuchtmittelhersteller Osram? Benannt nach den Metallen Osmium und Wolfram. Aus denen wurden früher Glühfäden hergestellt. Und jetzt (an dieser Stelle bitte Trommelwirbel imaginieren) haltet euch fest! Sogar das Wort Datei ist ein Kofferwort. Erfunden vom Deutschen Institut für Normung, kurz: DIN. (Ja, die mit den Papierblättern!) Es setzt sich zusammen aus Daten und Kartei. Knaller, oder?

Nähern wir uns nun des Labradoodle’s Kern. Es gibt da nämlich ein Kofferwort, das mich besonders begeistert und uns wohl noch eine ganze Weile begleiten wird: Broligarchie. Vor etwa zwei Jahren hat die britische Investigativjournalistin Carole Cadwalladr den Begriff geprägt. Ihr kennt Cadwalladr vielleicht noch vom Cambridge-Analytica-Skandal. Sie schreibt den Substack How to Survive the Broligarchy (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Und ich möchte euch heute einen ihrer Beiträge empfehlen. (Danke, Kadda!)

↪️ Is this the broligarchy’s first world war? (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) 👀

Technologie + Männlichkeitswahn = globale Kontrolle

Broligarchie ist dabei weit mehr als yet another Kofferwort. Es ist eine gestochen scharfe, in einen Begriff destillierte Analyse. Und wer mich kennt, weiß, wie sehr ich sowas liiiiiiebe.

Oligarchie ist griechisch und bedeutet Herrschaft der Wenigen. In einer Oligarchie kontrolliert eine kleine privilegierte Elite über Reichtum, Kapital und (militärische) Macht das Gemeinwesen. Das „Bro“ wie in „Brother“ benennt zusätzlich die Geschlechterkomponente im patriarchalen Machtgefüge: Silicon-Valley-Technologien bilden zusammen mit US-staatlichem Autoritarismus und hypermaskuliner Ideologie nicht nur eine gefährliche Allianz, sondern ein zutiefst undemokratisches Herrschaftsmodell. Und die Auswirkungen reichen vom Chatroom bis ins Kriegsgebiet.

Carole Cadwalladrs zentrale These:

Wir erleben gerade den ersten Krieg der Broligarchie, geführt mit KI-gesteuerten Waffen, entfesselt von machthungrigen Männern ohne moralische oder rechtliche Kontrolle.

In ihrem Text zeigt Cadwalladr auf, dass die chaotische Politik von Donald Trump und das ziellose, auf Dauererregung getrimmte Mediensystem beide Ausdruck derselben Krise sind. Das Ergebnis: kollektive Betäubung durch Informationsüberflutung. Die Fälle Epstein und Pelicot zeigten, dass dieselben algorithmischen Strukturen, die Aufmerksamkeit und Profit maximierten, auch Missbrauch, männliche Dominanz und letztendlich Kriegsverbrechen förderten. Technologie und Ideologie bestärkten sich gegenseitig, so Cadwalladr. Der Einsatz von KI in militärischen Entscheidungen – etwa bei US-Angriffen im Iran – stehe exemplarisch für eine enthemmte Verbindung von digitaler Kontrolle und realer Gewalt. Cadwalladr warnt: Durch diese Verschmelzung aus Kapitalismus, Technologiegläubigkeit und toxischer Männlichkeit würden Empathie, Moral und Verantwortung aus dem öffentlichen Bewusstsein gedrängt.

Krieg ist der ultimative Ausdruck männlicher Dominanz: Er glorifiziert Gewalt, Hierarchie und Kontrolle – genau die Werte, die Trump, Thiel & Co. mit Technologie skalieren. KI-gesteuerte Waffen (Maven, Lavender) machen daraus eine „saubere“, entmenschlichte Version: Algorithmen entscheiden über Leben, ohne moralische Reibung. Das ist die Broligarchie in Aktion – Tech-Männer, die Gott spielen.

Die feministische Antwort

Ein feministischer Ansatz würde dieser Entwicklung entgegentreten, indem er Sorge, Verantwortlichkeit und Abhängigkeit als Werte ernst nimmt. „Feminist AI“-Konzepte fordern transparente, gerechte Systeme, die Diversität einbeziehen und soziale Folgen mitdenken. Statt Technologie als Machtinstrument zu begreifen, würde Feminismus sie als Werkzeug für gemeinsames Überleben verstehen: schützen statt zerstören, verbinden statt beherrschen.

Eine pinke Papaya auf gelbem Grund. In einer lila-farbenen Zackenwolke das Wort: Mhuahaha! (Lautmalerisch für Lachen)

Und damit zurück zur Banone und in die Welt der Wortwitze. Denn ohne Humor ist der ganze Bumms hier doch nicht zum Aushalten. Ich musste eben an den Spruch „Et Boum! C’est le choc!” denken, den einige von euch vielleicht von früher aus dem grünen Französischbuch kennen. Ich kann mir nicht helfen, aber in meinem Kopf heißt es nun: „Et Boum! C’est le cock!” Passt irgendwie besser. Und ja, ich weiß schon: #nichtallebanonen. Aber irgendwie #immereinebanone.

Kommt die Pille für den Mann?

Es gibt da einen Running Gag, der besagt, dass die Pille für den Mann in etwa fünf Jahren auf den Markt kommen wird. Und zwar seit 50 Jahren schon. 🤡

Technisch ist das absolut möglich. Die Spermienbildung mit einem Medikament zu blockieren, ist eigentlich nun wirklich keine … naja, Raketenwissenschaft. (Except it is, höhö.)

Warum es die Pille für den Mann trotzdem nicht gibt? Siehe oben. Wir leben in einer Welt, in der Männer lieber Pimmelraketen ins Weltall schicken, als ihre Banonen mit Platzpatronen schießen zu lassen. Daran werden wohl auch die 12 Millionen Euro von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär nichts ändern, glaubt die Journalistin und Autorin („Überfällig”) Franka Frei. Es handele sich bei der Summe, die Bär in die Forschung zu innovativen Verhütungsmethoden gesteckt hat, eher um einen „Tropfen auf den heißen Stein.” (🔗 WDR (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre))

Unter Physiker*innen gibt es übrigens einen ganz ähnlich gelagerten Witz:

„Wie lautet die Fusionskonstante? 30 Jahre.“

Seit Jahrzehnten ist „30 Jahre“ die Antwort auf die Frage, wann Kernfusion als Energiequelle nutzbar sein wird. Das ganze ist ein biiiiisschen komplexer als die Nummer mit den Platzpatronen, aber nicht unmöglich.

Alles, was man tun muss, ist halt einen Magnetreaktor heißer zu machen als das Innere der Sonne. Etwas mehr als 100 Millionen Grad Celsius genügen. Genauer gesagt wird ein Gas erhitzt, in dem die Kerne der Wasserstoffisotope Deuterium und Tritium herumrasen. Ab und zu knallen die dann zusammen und – Boum! C’est le Heliumatomkern. Bei der Kollision geht ordentlich Masse verloren. Und wo Masse verloren geht, wird Energie freigesetzt. Easy, oder? Die Branche ist jedenfalls euphorisch. Möglicherweise könnte schon in den 2030er-Jahren der erste Kernfusionsreaktor der Welt entstehen, heißt es. (🔗 Tagesschau (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre))

Ministerpräsident Markus Söder träumt bereits davon, dass das Kraftwerk bei ihm in Bayern steht. Dafür will er zwei Milliarden Euro investieren. Nach Ansicht des Physikers Harald Lesch ist die vermeintliche Energie der Zukunft schon jetzt eine „Rohrkrepierer-Technologie“: zu teuer, zu gefährlich, ineffizient und unflexibel. (🔗 Frankfurter Rundschau (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre))

Fusionswitze for Future

Warum ich das alles weiß? Ich habe „Fusionswitz“ gegoogelt. So nenne ich nämlich das Genre, in das die Banone fällt. Seit vielen Jahren schon – erschien mir einfach komplett logisch. Turns out: Ich glaube, ich habe den Begriff erfunden! Zumindest scheint er noch nicht etabliert zu sein. Hier ist meine Definition:

Ein Fusionswitz ist ein humoristisches Kunstwerk aus der Gattung der Flachwitze, dessen Pointe sich aus dem Zusammenschluss zweier Begriffe zu einem Kofferwort und der daraus resultierenden überraschenden Bedeutungsverschiebung ergibt.

Könnte ich dann jetzt bitte einen Wikipedia-Eintrag bekommen, in dem festgehalten steht, dass ich den Begriff Fusionswitz geprägt habe? 🥹

Ich bin übrigens ganz gut darin, selbst Fusionswitze zu erfinden. Ihr kennt vielleicht schon meinen Linguistik-Fusionswitz?

Was ist groß, grau und bezeichnend? Ein Signififant.

Ich hab auch einen auf Englisch:

What’s wooden and random? An arbitree.

Und dann hab ich mir noch ein feministisches Pendant zum Banonen-Witz überlegt:

Was hat fruchtige Lippen und ist gänzlich ungefährlich?

Eine Labaya. (Badumm tss.)

Wenn ihr noch tiefer in das Thema von heute einsteigen wollt, seien euch die beiden Podcastserien Tech Bro Topia (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und Die Peter Thiel Story (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) vom Deutschlandfunk empfohlen. (Überall, wo es … Na, ihr wisst schon.)

Im Lila-Archiv findet ihr unter anderem eine Folge mit Kristina Lunz zu feministischer Außenpolitik (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Da wird der direkte Zusammenhang von Krieg und Patriarchat nochmal erklärt. Wer dann immer noch nicht genug hat, wirft einen Blick in Klaus Theweleits Männerphantasien (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).

Und dann, ich sachet, wie et is, hätte ich gerne Geld von euch. Was wir hier machen beim Lila Podcast ist nämlich echte Arbeit. Die soll weiterhin kostenlos für alle zugänglich sein. Aber davon leben möchten wir auch. Deshalb: Wenn euch gefällt, was ihr bei uns lest und hört, lasst einen finanziellen Support (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) da.

So, ich geh’ Grey’s Anatomy gucken. #Eskapismus.

💜💜💜

Laura

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