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Welche Fehler machst du als Erziehungsexpertin, Nora?

Nora Imlau ist eine der bekanntesten deutschen Erziehungsratgeberinnen. Doch die Kritik an der von ihr mitgeprägten bindungsorientierten Elternschaft wächst. Hier warnt sie vor einer neuen Härte – und plädiert trotzdem für klare Regeln.

Zuerst erschienen im Spiegel, am 19. Oktober 2025. (Öffnet in neuem Fenster)

Herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft.

Nora Imlau: Danke.

Das ist Ihre fünfte Schwangerschaft. Deine ersten beiden Kinder bekamen Sie mit Anfang zwanzig, dann zwei mit Anfang dreißig. Jetzt sind Sie 42. Was ist das ideale Alter, um Mutter zu werden?

Körperlich war meine erste Schwangerschaft mit Anfang zwanzig mit Abstand die leichteste, jede weitere wurde anstrengender. Da weiß man aber nicht: Liegt es am eigenen Alter oder daran, dass man mit mehr Kindern einen anderen Alltag hat? Ich habe das Glück, dass meinem Körper Schwangerschaften scheinbar leichtfallen. Dass ich mit 42 und im siebten Monat nicht mehr Zipperlein habe als ein bisschen Rücken, empfinde ich als Geschenk.

Nora Imlau
Foto: Maria Herzog

Nora Imlau, Jahrgang 1983, ist Autorin zahlreicher erfolgreicher Erziehungsratgeber und Kinderbücher, zuletzt »Was Familie leichter macht« und »Was wütest du so sehr, kleiner Pandabär?«. Sie ist die Familienexpertin im »ARD-Mittagsmagazin« und Teil des »Familientrios« der »Süddeutschen Zeitung«, auf Instagram lesen 150.000 Menschen ihre regelmäßigen Grüße aus der Einschlafbegleitung. Mit ihrem Mann und ihren bald fünf Kindern lebt sie in Baden-Württemberg.

Welche Abstände haben Ihre Kinder zueinander?

Zwischen den einzelnen Schwangerschaften lagen zwei bis sechs Jahre, mein ältestes und mein jüngstes Kind werden 19 Jahre auseinander sein. Meine große Tochter ist erwachsen, gerade von zu Hause ausgezogen.

Welcher Altersunterschied ist ideal für die Geschwisterbeziehung?

Ich dachte früher, zwischen zwei und drei Jahre sollten es sein. Mittlerweile finde ich, solche Glaubenssätze sollten Eltern gehen lassen. Man bekommt ein Kind, wenn man sich ein Kind wünscht, und auf die Beziehung zwischen Geschwistern haben viele Faktoren einen Einfluss. Das Alter ist nur einer davon und vielleicht nicht der wichtigste.

Das richtige Alter für eine Schwangerschaft, der perfekte Geschwisterabstand: Ich habe Ihnen gerade zwei Fragen gestellt, die unter Eltern viel diskutiert werden. Wissen Sie auf alles eine Antwort?

Auf generische Fragen in der Regel schon. Aber wenn mir Menschen ihre teils sehr komplexen, sehr belasteten Situationen schildern, kann ich auch nichts anderes sagen als: »Ja, ich sehe die Unlösbarkeit Ihres Problems.« Oft ist diese Rückmeldung das, was sie sich wünschen. Manchmal kann ich noch einen kleinen Impuls geben.

Haben Sie ein Beispiel?

Vor einiger Zeit beklagte sich eine Mutter bei mir, dass ihr Teenagersohn sie wie seine Putzfrau behandelt, das waren ihre Worte. Konkret ging es darum, dass dieser junge Mann seine Teller und Essensreste nicht aus seinem Zimmer wieder in die Küche brachte, und für sie war Respektlosigkeit die einzig mögliche Interpretation. Zu dieser Frau konnte ich sagen, dass ich ihren Ärger verstehe – dass es aber andere Gründe für das Verhalten ihres Sohnes geben kann, ein unerkanntes ADHS beispielsweise. Auf der Bühne einen Perspektivwechsel anzuregen, ist aber leichter, als die eigenen Muster zu erkennen. Da geht es mir nicht anders als anderen Eltern.

Das heißt, Ihre Kinder haben nicht »die Erziehungspäpstin« Nora Imlau zur Mutter? So bezeichnete Sie vor einigen Jahren der Bayerische Rundfunk.

Kategorie Texte

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