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Wir müssen über Resonanz sprechen

Hallo,

das ist der Media-Rewilding-Newsletter mit meinen Learnings dazu, wie Journalismus durch Live-Events und Dritte Orte zukunftsfähig wird.

Vergangene Woche konntest du hier einen Überblick von Terminen in Sachen Live-Journalismus bekommen. Heute geht es um ein Thema, das uns in diesem Jahr noch mehr begleiten wird: Resonanz.

Schallplattencover zeigt Logo von Media Rewilding
Dieser Newsletter ist bislang kostenfrei. Leite ihn gerne an Menschen in Redaktionen, Verlagshäusern und Medienorganisationen weiter, die sich für das Thema interessieren. Und falls du diesen Newsletter von jemandem weitergeleitet bekommen hast, kannst du ihn hier abonnieren: media-rewilding.de

Die Zeiten, in denen wir Menschen einfach mit journalistischem Content beliefern konnten und uns dann an die Produktion der nächsten Geschichte gemacht haben, sind lange vorbei. Dennoch stehen viele unserer Produkte doch noch knietief in dieser Logik. Rückkanäle für die Nutzer:innen gibt es zwar, aber oft nur wenig Gründe, diese auch zu nutzen. Deswegen müssen wir mehr über Journalismus als Beziehung mit den Menschen, die sich für ihn interessieren, sprechen. Klassische Distributionsstrategien reichen dafür nicht mehr. Es braucht eine andere Logik, die nicht Reichweite, sondern eben diese Beziehung in den Mittelpunkt stellt.

Begegnungen mit den Menschen, für die wir Journalismus machen und die am Ende auch dafür bezahlen, sind ein Schlüsselpunkt in dieser Beziehungsarbeit. Sie dürfen nicht nur ein Nice-to-have in einer Markenstrategie sein. Sie müssen Teil des Kernprodukts werden. Weil sie am Ende wichtige Kontaktpunkte sind, über die wir Menschen mit Medien verbinden, über die wir Vertrauen zu unserer Arbeit aufbauen und die sie dazu bewegen, eine dauerhafte Beziehung mit unserem Angebot einzugehen. Begegnungen können die nötige Resonanz erzeugen, die dafür nötig ist. Die Idee von Media Rewilding ist ein Ökosystem, in dem genau das passiert.

Grafik zeigt Resonanzmodell

Events und Dritte Orte werden erst dann strategisch wirksam, wenn sie echter Teil eines solchen medialen Ökosystems sind. Deswegen sollten wir über Resonanzpläne als Äquivalent zur Social-Media-Strategie sprechen: verbindliche Überlegungen, wo und wie man als Redaktion im Alltag der Menschen präsent sein will.

Ein solcher Resonanzplan sollte beschreiben, wie Begegnung mit dem journalistischen Produkt entsteht und wie daraus eine nachhaltige Beziehung wird. Er ist nicht linear, sondern verbindet mehrere Bausteine, die zusammen gedacht werden müssen. Dieser erste Entwurf eines Media Rewilding Canvas zeigt dir, wie das aussehen könnte:

Media Rewilding Canvas
© Alexander von Streit
  • Inhalte und Botschaft: Was haben wir anzubieten? Was steht uns sonst noch an Inhalten, Personen und Recherchen zur Verfügung? Worum geht es uns journalistisch?

  • Zielgruppe und Bedürfnisse: Wen will ich in welcher Situation seines Alltags erreichen? Und: Welche meiner Inhalte eignen sich überhaupt für die Begegnung mit dieser Zielgruppe?

  • Resonanzräume: Gemeint sind nicht einfach Orte, sondern soziale Kontexte, in denen Öffentlichkeit bereits existiert: Cafés, Theater, Kulturzentren, Vereine – oder man schafft einen eigenen Ort.

  • Formate: Wie wird aus Inhalt und Ort eine konkrete Begegnung? Gesprächsrunden, Live-Podcasts oder Lesungen sind typische Einstiegsformate, aufwändigere Inszenierungen können folgen, wenn Erfahrung und Ressourcen vorhanden sind.

  • Ressourcen und Partner: Kaum ein Medium kann Events allein skalieren. Kooperationen helfen, Reichweite, Infrastruktur und Glaubwürdigkeit zu verbinden.

  • Erfolg und Resonanz: Was entsteht daraus? Ein Event ist kein Ziel, sondern ein Übergangspunkt. Menschen müssen die Möglichkeit haben, die Beziehung fortzusetzen. Ohne Anschlusslogik sind Events wirkungslos.

Jeder dieser Bausteine kann der Einstiegspunkt für deine Planungen sein. Allerdings solltest du keinen Bereich ignorieren. Ein Resonanzplan ist dann funktional, wenn alles zusammenpasst: Zielgruppe, Inhalt, Ort, Format und Anschluss greifen ineinander und erzeugen wiederkehrende Begegnung statt einmaliger Aufmerksamkeit.

Lesetipp

Wenn du noch mehr Hilfestellung dazu suchst, wie du Journalismus als Event zum Teil deiner Strategie machen kannst, dann empfehle ich dir diesen Praxistipp im „Knowledge Hub“ des Media Forward Fund. Ich habe ihn selbst geschrieben 😇 und er blickt mit ein paar weiteren Aspekten auf das Thema dieses Newsletters.

https://www.mediaforwardfund.org/knowlegde-hub/journalism-as-an-event-with-alexander-von-streit (Öffnet in neuem Fenster)
Ausblick

Kommende Woche blicken wir nach Münster. Dort passiert gerade bei RUMS einiges in Sachen Journalismus als Begegnung. Ich habe dazu ein Interview mit Mitgründer Marc-Stefan Andres geführt. Mehr dazu dann am nächsten Mittwoch.

Bis dann,

💚 Alexander

Report 2025

Im Media-Rewilding-Report findest du ein paar Einblicke und Gedanken zu meiner bisherigen Spurensuche. Er umfasst nicht alle Punkte, die ich gesehen und gelernt habe, aber er zeichnet eine erste Landkarte einer Welt, in der bereits einige Projekte daran arbeiten, den Journalismus in der Gesellschaft zu renaturieren. Lade dir das PDF als Mitglied der Media-Rewilding-Community gerne herunter. Und gib es bei Bedarf auch an andere Menschen weiter, die sich dafür interessieren könnten.

Cover des Media Rewilding Report 2025 (Öffnet in neuem Fenster)
Media Rewilding

Mein Name ist Alexander von Streit. Ich bin Journalist und beschäftige mich seit über 20 Jahren mit dem Spannungsfeld, das die Digitalisierung in der Gesellschaft erzeugt. Mein 2025 gestartetes Projekt MEDIA REWILDING dreht sich um die Frage, wie Journalismus durch Live-Events und Dritte Orte zukunftsfähig wird. Konkret versuche ich herauszufinden, wie wir journalistische Recherche aus dem überfüllten digitalen Raum in analoge oder hybride Formate überführen können. Also wie wir systematisch Orte oder Veranstaltungen schaffen oder nutzen, an denen Menschen Recherchen erleben, mitgestalten, diskutieren und dadurch direkten Zugang zu hochwertigem Journalismus erhalten können. Und was das mit Vertrauen und Markenbeziehung zu tun hat. Und natürlich wie sich das alles finanzieren lässt.

Hier ist die Website von Media Rewilding: media-rewilding.de (Öffnet in neuem Fenster)
Hier ist meine Website: von-streit.de (Öffnet in neuem Fenster)
Hier ist mein LinkedIn-Profil: linkedin.com/in/vonstreit (Öffnet in neuem Fenster)