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Ich liebe Zuckerwasser mit Geschmack

Die ultimative Durstlöscher-Tier-List und über Aneignung black queeren Slangs durch Gen Z, Dubai-Influencer und was Jim Carrey mit den Sex Pistols zu tun hat

Hobbys sind wichtig und meines war in den letzten Wochen jeden Kiosk in meiner unmittelbaren Umgebung zu besuchen und jede verfügbare Sorte Durstlöscher zu probieren und zu bewerten.

Und damit herzlich willkommen an alle neuen Abonnent*innen ✨ Schön, dass ihr da seid, ich freu mich.

Durstlöscher Tier List. S: Waldmeister, Sauerkirsche Zitrone und KiBa. A: Orange, Eistee Zitrone, Eistee Mango. B: Apfel Orange Zitrone, Multi und Bubble Gum. C: Eistee Pfirsich und Wassermelone. D: Blaubeer-Vanille.

Na jedenfalls ist so ein halber Liter Zuckerwasser ein echtes Abenteuer für meinen Ü30-Körper, aber ich habe auch gelernt, dass man Geschmäcker nicht für immer verschmähen darf, nur weil andere sie verhunzt haben. Looking at you, Waldmeister und Bubble Gum.

Spaßgetränke zu bewerten war in den letzten Wochen mein coping-Mechanismus — die Welt da draußen macht gerade keinen Spaß und es ist ein unfassbares Privileg, dass ich das ausblenden kann, wenn ich nicht mehr kann, das ist mir bewusst.

Wir reden gleich mehr darüber, aber erst:

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Eine neue Ausgabe Debuff ist erschienen! Das halbjährlich erscheinende Online-Magazin habe ich miterfunden und habe für diese Ausgabe auch das Editorial (Öffnet in neuem Fenster) geschrieben:

https://www.debuff.de/tag/002/ (Öffnet in neuem Fenster)

Ich habe ein Reel (Öffnet in neuem Fenster) über feministische Literatur gedreht.

Und:

Laut deutscher Depressionshilfe fühlt sich jeder 4. Mensch in Deutschland einsam. Videospiele können das Gefühl sowohl verstärken als auch mindern – je nachdem. Über diese Ambivalenz habe ich in der neuen GEE geschrieben. Das sieht am Kiosk eures Vertrauens so aus:

Cover der GEE

Nach gerecht kommt selbstgerecht

Letztens ging ein Reel (Öffnet in neuem Fenster) viral und danach diverse Variationen davon, in dem eine Frau „Gen Z without personality“ nachahmt. Diese Nachahmung besteht aus diversen Worthülsen und Gesten, die alles, was tatsächlicher Inhalt sein könnte, verdrängen.

“Slay”, “queen”, “Yass”, “low key”, “clock it”, “tea”…

Könnte man meinen. Auf der einen Seite ist das tatsächlich so. Denn der Ursprung dieser und anderer Begriffe ist für diesen neuen Kontext sowie Sender und Empfänger unerheblich — was sie auf Hülsen reduziert, die lediglich Marker einer Generation sind.

Auf der anderen Seite ist eine lange Geschichte queerer Räume und Schwarzer Communities, aus denen diese Begriffe kommen. Phrasen wie “Clock it” und die dazugehörige Geste, Mini-Applaus mit Daumen und Mittelfinger, stammen aus der Ballroom-Szene.

But the trajectory “clock it” has taken also isn’t new; it’s a pipeline queer people — particularly Black and brown queer people in the ballroom community — have come to expect over decades of mainstream media taking and misusing phrases. From voguing (Öffnet in neuem Fenster) to “tea” and “it’s giving” to fashion aesthetics created in the scene, popular culture has long borrowed from ballroom (Öffnet in neuem Fenster) without honoring the figures who coined them, like Crystal LaBeija (Öffnet in neuem Fenster), Dorian Corey (Öffnet in neuem Fenster), and Angie Xtravaganza (Öffnet in neuem Fenster). — Quispe López für them (Öffnet in neuem Fenster)

Auf diese Aneignung von Begriffen aus queeren und Schwarzen Bewegungen und deren Umdeutung als “Gen Z-Slang” haben diverse Creator*innen aufmerksam gemacht, die auf erstgenanntes Video reagiert haben. Anstatt die Begriffe als Abgrenzung zu einer Norm und Ermächtigung als marginalisierte Personen zu nutzen, signalisieren sie nun Zugehörigkeit zu einer Generation — oder versuchen es zumindest.

Same same, könnte man meinen. Aber nein. Denn die Aneignung durch Gen Z hat nur insofern etwas mit Eigenermächtigung zu tun, als dass sich eine Gruppe Menschen durch Sprache von anderen absetzt.

Die Diskussion zeigt: mehrere Dinge können gleichzeitig wahr sein.

Wenn die Zugehörigkeit zu einer Generation zum primären Persönlichkeitsmerkmal wird, kann man das kritisieren, wie es das erste Reel tut. Dass in Zeiten, in denen Bipocs und LGBTQ+-Menschen einmal mehr um ihr Leben fürchten müssen, Begriffe zweckentfremdet werden, die auf ihre struggle aufmerksam machen, kann (und muss) man ebenfalls kritisieren.

Beides ist wahr. Die Punkte, die jeweils gemacht werden, sind einfach unterschiedlich, nur das Thema ist gleich. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied. Leider klickt Differenzierung nicht so gut, deshalb werden uns diese Infos als selbstgerechte Tiraden präsentiert.

Schlimme Sachen sind nie schlimm genug

Jim Carrey war Ende Februar bei einer Preisverleihung in Paris. Er erhielt den César-Ehrenpreis, die Rede hielt er auf französisch. Nichts davon wurde ansatzweise so viel diskutiert, wie sein Aussehen in einem Interview (Öffnet in neuem Fenster) im Anschluss.

Für das veränderte Aussehen einer Person gibt es zig Gründe. Dass sie durch einen Klon ersetzt wurde, steht ganz unten auf dieser Liste. Aber genau das wird in den Kommentaren behauptet, in Reels und Tiktok, in Reactions weiter verbreitet, durch weitere Kommentare gepusht.

Verschwörungserzählungen haben dank der Epstein-Files und den weitreichenden und einflussreichen Verbindungen (Öffnet in neuem Fenster) des Straftäters Konjunktur. Da hilft auch nicht, dass es dank KI immer schwieriger wird zu erkennen, was echt ist und was nicht.

Zwischenzeitlich erklärte Make up-Artist Alex Stone, er sei als Jim Carrey vor Ort gewesen und hätte dieses Interview geführt. Der Publicist von Jim Carrey teilte letzte Woche mit, der Schauspieler persönlich sei es gewesen.

All das ist egal, weil die Tatsache, dass Jim Carrey nun ein Klon sei, weil er sich seit Jahren gegen Hollywood äußert und nun verschleppt worden sei, weil er etwas öffentlich gemacht habe (was genau das sein soll, bleibt unklar), scheint spannender.

Eine vernünftige Erklärung reicht nicht mehr. Es muss immer noch drastischer sein — nicht zuletzt, weil eben solche Inhalte mit Interaktionen belohnt werden, die die Reichweite erhöhen.

Wir sind nicht mehr geschockt.

Das wird besonders im Vergleich deutlich. Dieses Interview mit den Sex Pistols 1976 war ein Schocker! Hunderte wütende Anrufe und Briefe erreichten die BBC.

https://www.youtube.com/watch?v=boQGEyAcZwo (Öffnet in neuem Fenster)

Heute schockt daran höchstens der eklige Kommentar des Moderators gegenüber Siouxsie Sioux.

Wir sind desensibilisiert.

Aber immerhin keine Dubai-Influencer, die aktuell in ihrer ganz eigenen delulu-Welt leben. Nachdem die USA vorletzten Samstag den Iran angriffen, waren einige der Gegenschläge aus Luftkratzern in Dubai sichtbar. Dubai-Influencer zeigten sich weinend und ängstlich, zeigten Raketen am Nachthimmel. Diese Videos wurden kurz danach gelöscht.

Stattdessen sehen wir seitdem Videos mit der Caption “Hast du keine Angst? Nein, denn er beschützt uns”, unterlegt mit einer KI-Version von Stromaes “Papaoutai” (das davon handelt, dass der Sänger seinen Vater während des Völkermords in Ruanda verloren hat, aber diese traurige Ironie scheint den Creator*innen zu entgehen) und Bildern von Muhammad bin Raschid Al Maktum.

Unter diesen Dubai-Influencer*innen sind auch Deutsche, die in ein und demselben Video Deutschland dafür kritisieren, dass es “seine Leute nicht zurückholt” und erklären Dubai habe das beste Abwehrsystem “hier fühl ich mich sicher”. Wie Fiona Erdmann, man kennt sie aus Germanys Next Topmodel, die in ihrer Story “Dubai beschützt uns” schreibt — und gleichzeitig erklärt, dass sie mit ihrer Familie in den Oman gereist ist. Hätte sie keine Kinder, wäre sie in Dubai geblieben, aber man kann nichts machen, es blieb nur die Ausreise.

Ahja.

Meme der Woche

Wenn ihr mich fragt, waren die letzten Wochen das beste Argument für den Internet-Führerschein.

Ablenkung

Schon 2020 schien alles schlimm (naja, war’s ja auch) und wir haben damals bei Creme de la Meme über das Doomer-Meme gesprochen. Das scheint mir hier passend.

https://cremedelameme.letscast.fm/episode/ein-meme-fuer-menschen-am-ende-der-welt (Öffnet in neuem Fenster)

Um nicht zu doomscrollen, mache ich aktuell folgendes:

ein Klumpen voller toter Fische, der in einer Mundhähle rollt, in der Luftballons den Weg zu einem Geburtstagskuchen zeigen, neben dem ein weiterer Fisch liegt
  • Convenience Store Woman lesen, das für mich erst ab Seite 100 kickte, aber wirklich lustig ist und genau das überspitzt, was einen stört.

  • Game of Thrones 5 hören. Auch wenn zwischendrin der Sprecher wechselte und mit ihm Stimmen der Charaktere, von denen es so viele gibt, dass man eh nicht folgen kann, und die Aussprachen von Namen, wenn die nicht eh komplett anders übersetzt wurden, ganz zu schweigen davon, dass die Bücher in der deutschen Fassung nun doch nicht mehr geteilt sind und ich drei Stunden Teil 9 gehört habe, obwohl ich erst bei Teil 5 bin, mich erst ein riesiger Spoiler darauf aufmerksam machte und ich bestimmt eine ganze Stunde damit beschäftigt war zu verstehen, dass ich zwar acht Bücher gehärt habe, die aber jetzt nur noch als vier zählen. Naja, es war ein langer Weg, aber ich hör’s gerne.

Danke

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💋
Christina

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