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Berger/Luckmann als analytisches Werkzeug: Wirklichkeitskonstruktion, institutionelle Dysfunktionalität und Legitimationskrise

Vorbemerkung: Warum Wissenssoziologie?

Wer Institutionen analysiert, steht vor einem methodischen Grundproblem: Die Akteure innerhalb einer Institution teilen in aller Regel eine gemeinsame Wirklichkeitsauffassung, die ihnen selbst nicht als Konstrukt erscheint, sondern als gegebene Realität. Dysfunktionen werden dann nicht als Systemfehler erkannt, sondern als äußere Störungen interpretiert – als unerwartete Marktentwicklung, als Fehlverhalten Einzelner, als technisches Versagen. Die eigentliche Frage – nämlich, welche Annahmen über die Wirklichkeit das Handeln der Institution strukturieren und welche dieser Annahmen längst ihre Gültigkeit verloren haben – bleibt ungestellt.

Peter L. Berger und Thomas Luckmann haben mit ihrem 1966 erschienenen Werk „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit" ein Instrumentarium entwickelt, das genau an diesem Punkt ansetzt. Ihr Erkenntnisinteresse war nicht primär die Kritik von Institutionen, sondern die Frage, wie gesellschaftliche Wirklichkeit überhaupt entsteht, stabilisiert und weitergegeben wird. Eben deshalb taugt es als analytisches Werkzeug: Es macht Prozesse sichtbar, die im Innern von Institutionen systematisch unsichtbar gehalten werden.

Im Rahmen des analytischen Ansatzes von EconLittera – der zwischen Luhmanns Systemtheorie, wirtschaftshistorischer Konstellationsanalyse und entscheidungstheoretischer Skepsis gegenüber rationalistischen Modellen verortet ist – liefert Berger/Luckmann eine wissenssoziologische Ergänzung: Nicht nur wer handelt und wie, sondern welche Wirklichkeit die Handelnden für unumstößlich halten – und warum.

Die folgenden fünf Konzepte werden als eigenständige Diagnoseinstrumente entwickelt. Jedes stellt eine spezifische analytische Frage an Institutionen und Organisationen.

Kategorie Analytische Werkzeuge

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