Die Zwillingsbrüder Elijah und Elias Smoke haben es in Chicago mit krummen Geschäften zu etwas Geld gebracht und wollen 1932 in ihrer alten Heimatstadt Clarksdale im Bundesstaat Mississippi eine Blues-Bar eröffnen. Doch dann bekommen es die Brüder nicht nur mit dem Ku-Klux-Klan zu tun, sondern auch mit einer Gruppe irischer Vampirmusiker, die am Abend der Eröffnungsfeier die schwarze Community angreifen. Zum Glück waren die Smoke-Brüder im Ersten Weltkrieg und haben dabei einiges gelernt, was man im Kampf gegen Vampire und Rassisten gebrauchen kann.
Ich liebe trashige Pulp-Geschichten, die einen klugen Hintergrund haben und grandios umgesetzt sind. Blood & Sinners von Ryan Coogler ist genau das. In dem fantastisch inszenierten Vampir-Folk-Horror-Fantasy-Drama-Musical treffen die Mythen, die sich um den legendären Blues-Musiker Robert Johnson spinnen, auf From Dusk Till Dawn (1996) und Django Unchained (2012). In den Hauptrollen als Elijah und Elias Smoke glänzt Michael B. Jordan und als coolen Obervampir Remmick sehen wir Jack O’Connell, den man von Skins - Hautnah (2007) und 28 Years Later (2025) kennt.
Im Film sagt ein alter Blues-Musiker den genialen Satz: "Blues wurde uns nicht aufgezwungen wie diese Religion, mein Junge, den haben wir mitgebracht von zu Hause." Ich habe mich immer schon gefragt, warum es oft so dargestellt wird, als hätten die ehemaligen Sklaven in den USA das Christentum bereitwillig angenommen. Dieses religionskritische Zitat stellt meines Erachtens einiges richtig, könnte aber auch auf eine der berühmtesten Legenden der Musikgeschichte hindeuten, nachdem Robert Johnson seine Seele dem Teufel verkauft haben soll.
Blood & Sinners ist eine Liebeserklärung an die Magie der Musik und an die Kultur der schwarzen Community in den USA. Das großartige Setting, die tolle Musik (auch die der Vampire) und die schnörkellose, interessante Story runden dieses Filmerlebnis ab.
Es gibt für mich nur einen kleinen Kritikpunkt an diesem Film: In der grandiosen Tanzsequenz, in der die musikalischen Errungenschaften schwarzer Kultur aufgezählt werden, wird die Ballroom-Culture ausgespart. Oder habe ich das übersehen? So oder so ist Blood & Sinners ein durchweg gelungenes Werk, was zurecht vier Oscars gewann und - das ist ein historischer Rekord - sechzehnmal nominiert wurde.
https://www.imdb.com/de/title/tt31193180/ (Öffnet in neuem Fenster)