Hallo Welt, liebe Unterstützer:in und liebe Freund:in von EIN STÜCK DEUTSCHLAND, liebe Community!
Oje, ich sehe gerade erst, dass ich den letzten Newsletter gar nicht veröffentlicht habe. Das kommt davon, wenn man so ein aufwendiges Projekt wie EIN STÜCK DEUTSCHLAND nur nebenbei machen kann. Bitte entschuldige.
Dafür hab ich heute gleich zwei Folgen, die ich dir ganz doll ans Herz legen möchte:
In beiden geht es vertieft um die Geschichte von Anneliese Meyer: Podcastfolgen online (Öffnet in neuem Fenster).
Worum es ist Folge 58 geht:

Anneliese Meyer hat eine kräftige Stimme. Als ich sie 2004 interviewe, ist sie bereits 92 Jahre alt. Ihr Geist ist wach, doch sie neigt dazu, in ihren Erinnerungen hin und her zu springen. Sie erzählt anekdotisch, und bis sie die Fakten herausrückt, dauert es. Es bleiben Lücken, doch nach und nach entsteht ein Bild: Sie stammt aus bedeutenden Familien. Auf der einen Seite die Henckels Zwillingswerke in Solingen, auf der anderen Seite ein Geheimrat. Das Problem nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten: Der eine Großvater hatte eine Jüdin geheiratet, der andere war zum Christentum konvertiert. Das führte dazu, dass Annelieses Eltern nach den sogenannten Rassegesetzen als Halbjüdin und Halbjude galten. Annelieses Vater, der Schauspieler Paul Henckels, erkennt sofort, in welcher Gefahr seine Kinder schweben. Eines Tages kommt er zu seinen drei Kindern und sagt: „Ihr müsst etwas Praktisches lernen, damit ihr auswandern könnt.“
Und in Folge 59 springen wir noch mal drei Jahre zurück.

Anneliese, genannt Ali, fährt in den Osterferien 1933 nicht nach Hause – sie mag ihre Stiefmutter nicht und bleibt lieber im Internat. So ist sie die einzige Schülerin, die miterlebt, wie SA-Männer die Schule stürmen und den Schulleiter Bernhard Uffrecht abführen. Ein einschneidendes Erlebnis für die 20-jährige ,das ihr Leben von Grund auf verändert.
2022 haben Tim Hoppe, Fotograf von EIN STÜCK DEUTSCHLAND, und ich, die Autorin des Projekts, Irene Uffrecht-Peters in der ehemaligen Schule getroffen. Sie ist die Enkelin des Schulgründers und forscht seit Jahren zu den Kindern und Jugendlichen, die zwischen 1922 und 1933 die Freie Schul- und Werkgemeinschaft Letzlingen besuchten. Viele konnten fliehen. Andere wurden "wurden zwischen Hitler und Stalin zerrieben", kamen entweder durch die Nazis um Leben oder fielen den stalinistischen Säuberungen zum Opfer. Dabei sollte die Schule eigentlich ein Ort des Aufbruchs in ein selbstbestimmtes Leben sein. Denn Bernhard Uffrecht lehnte bewusste Erziehung ab – hier sollte sich der Mensch aus sich heraus entwickeln.
Wie Anneliese Meyer zur Schule stand, hat sie mir 2004 nicht erzählt. Doch Irene Uffrecht-Peters bringt zu unserem Treffen ein besonderes Dokument mit: einen Brief, der genau darüber Aufschluss gibt.
Ich hoffe, du bist jetzt neugierig geworden.
Viel Freude beim Zuhören!
Danke für dein Interesse und deine Treue.
Bleib gesund, zuversichtlich und unserem Projekt gewogen.
Herzliche Grüße
Corinna
P.S.:
Du kannst EIN STÜCK DEUTSCHLAND mit einer kleinen oder etwas größeren Summe im Monat finanziell unterstützen. Wie ich nicht müde werde, zu betonen: Carsten Janz und ich stecken nicht nur viel Zeit in dieses Projekt. Glücklicherweise müssen wir nichts für die Postproduktion bezahlen. Den Ton bearbeitet Philipp Teichert von Fluid Sound Recording (Öffnet in neuem Fenster) umsonst. Das ist eine große Hilfe! Kosten haben wir trotzdem immer wieder. Wir zahlen für den Provider, für die Internetseite, für Archiv-Dokumente und Foto-Rechte. Deswegen brauchen wir Unterstützung. Du kannst dir überlegen, ob dir unser Inhalt 4, 7, oder 11 Euro pro Monat wert ist und so Teil der EIN STÜCK DEUTSCHLAND Community werden. Das ist dann, wie Kaffee trinken oder ins Kino gehen, nur mit Dankbarkeit.