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Feelgood-Feuilleton (Folge 1): 3 Serien über Freundschaft

Serien, die sich wie eine Umarmung anfühlen

Streichen wir das Guilty aus Guilty Pleasure!

Herzlich Willkommen im FEELGOOD-FEUILLETON!

Wie schön, dass du dich angemeldet hast! Mein Name ist Kathrin Hollmer, ich bin freie Journalistin und so etwas wie eine professionelle Bingewatcherin. Ich schreibe Kritiken über Filme und Serien und führe Interviews mit den Menschen, die dahinterstehen. Seit vielen Jahren beobachte ich für den Grimme-Preis speziell das deutsche Fernsehen. Und privat gucke ich natürlich auch. Weil mich immer wieder Menschen fragen, welche Serien ich empfehlen kann – speziell solche, die gute Laune machen – will ich einmal im Monat hier meine persönlichen Feelgood-Serientipps und meine Gedanken dazu teilen.

Was dich im FEELGOOD-FEUILLETON erwartet, erkläre ich hier (Öffnet in neuem Fenster).

Diese erste Folge will ich für einen Appell nutzen: Können wir den Begriff „Guilty Pleasure“ bitte abschaffen? Oft bezeichnen wir Serien so, die gute Laune machen, die leicht sind, die uns runterkommen lassen, uns trösten und umarmen. Der siebte Rewatch von „Parks and Recreation“ und das Wochenende, an dem man sich mit „Heated Rivalry“ oder „Off Campus“ in der Wohnung verschanzt, sind geliebte, aber heimliche, peinliche Vergnügen. Wie schade!

Eskapismus hat keinen guten Ruf, dabei reicht die Kapa am Abend manchmal eben genau dafür. Ja, auch im Sommer. Wenn man nach einem wilden Tag bei einer (oder zehn, wer zählt schon mit?) Folgen der Lieblingsserie entspannen kann – Glückwunsch! Nur weil wir „Gilmore Girls“ oder den „Bergdoktor“ – no judging! – bingen, heißt das nicht, dass wir nicht genauso bei „The Bear“ oder „Silo“ mitfiebern oder dass wir uns nicht für die Welt interessieren, sich mit ihr auseinander- und für sie einsetzen. In Deutschland hat die Unterscheidung zwischen ernster und unterhaltender Kultur Tradition, aber eigentlich braucht die kein Mensch!

In diesem Sinne: Schön, dass ich ab jetzt meine liebsten FEELGOOD-Serien und mehr mit dir teilen kann!

Und jetzt: Viel Spaß mit der ersten Ausgabe von FEELGOOD-FEUILLETON!

3 Serien über Freundschaft

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„Not suitable for work“ – das „Friends“ der GenZ?

https://www.youtube.com/watch?v=X0oFLuUR-qQ&source_ve_path=OTY3MTQ&embeds_referring_euri=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2Fsearch%3Fq%3Dtrailer%2Bnot%2Bsuitable%2Bfor%2Bwork%26sourceid%3Dchrome%26ie%3DUTF-8 (Öffnet in neuem Fenster)

Wenn eine neue Serie mit „Friends“ verglichen wird (Öffnet in neuem Fenster), bin ich natürlich direkt am Start, noch dazu, wenn sie von Mindy Kaling stammt, die man als Kelly aus dem Kundenservice in der US-Version von „The Office“ kennt, aber vor allem als geniale Drehbuchautorin. Ihre neue Serie „Not Suitable for Work“ hat aber nur oberflächlich Parallelen zum Feelgood-Klassiker „Friends“ (dazu bei Gelegenheit mehr). „Not Suitable for Work“ spielt ebenfalls in New York (im hippen Murray Hill) und dreht sich um zwei Mittzwanziger-WGs, die gegenüber voneinander in unverschämt großen Wohnungen leben: Abby (Avantika Vandanapu), die als Assistentin einer anspruchsvollen Promi-Stylistin arbeitet, und ihre Freundin AJ (Ella Hunt), die für ihren Job als Investmentbankerin neu in die Stadt gezogen ist. Gegenüber wohnen AJs Kollege Davis (Will Angus), Kel (Nicholas Duvernay), der sein Medizinstudium schmeißt, weil er Schauspieler werden will, und Nepo-Baby Josh (Jack Martin). Es geht um Freundschaft und schlecht getimte Crushes. Die Männer treffen sich bei „Steak and tears“, um gemeinsam zu weinen, und anders als bei Chandler in „Friends“ werden keine Witze über die mutmaßliche sexuelle Orientierung gemacht, wenn ein Mann Gefühle zeigt. Trotzdem ist sie für eine GenZ-Serie erstaunlich heteronormativ, was eine von wenigen Schwachstellen ist. Dass man sie so gut wegsnacken kann und sich dabei gut unterhalten fühlt, liegt am Ensemble und an den wirklich gelungenen Dialogen.

Wie schnell kommt man rein? Die meisten Figuren hat man schon nach ein paar Minuten liebgewonnen.

Geht das auch nebenbei? Ja, sogar sehr gut.

Für Fans von: „Adults“ vs. „New Girl“

Wie lange? 9 Folgen à 34 bis 48 Minuten.

Wo? Disney+ (Öffnet in neuem Fenster)

Feelgood-Faktor: 3 von 5

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„Crashing“ – WG mit Wahlfamilie

https://www.youtube.com/watch?v=Ny_Km53DQ7o (Öffnet in neuem Fenster)

2016, als wir angemessen hingerissen waren von „Fleabag“, ging Phoebe Waller-Bridges Vorgängerserie „Crashing“ fast komplett unter. Sie hat sie geschrieben und spielt die Hauptrolle, Lulu, die in die WG ihres Jugendfreundes Anthony (Damien Molony) zieht. Er lebt mit vier Mitbewohnern in einem ehemaligen Londoner Krankenhaus, unschlagbar günstig, aber mit Auflagen. „Man darf keine Partys feiern, nicht kochen, keinen Sex haben, keine Kerzen anzünden und nicht rauchen – es ist der reinste Wahnsinn“, sagt Mitbewohnerin Melody (Julie Dray), während sie sich eine Zigarette nach der anderen ansteckt. Und auch beim Rest schaut niemand so genau hin. „Crashing“ ist schnell, schräg und hat einen hinreißenden britischen Humor (Channel 4 hat die besten PWB-Szenen (Öffnet in neuem Fenster) gesammelt, ich sage nur: Oh my god!). Die Figuren sind ausnahmslos liebenswürdig: die ungefilterte Lulu, die französische Malerin Melodie, die den Scheidungsschmerz von Kates Kollegen Colin (Adrian Scarborough) malen will. Sam (Jonathan Bailey), der jede Frau anbaggert, die er trifft, und sich seine Gefühle für seinen Mitbewohner Fred (Amit Shah) nicht eingestehen will. Anthonys Verlobte Kate (Louise Ford), die Fleabags Schwester Claire ähnlich sieht und genauso verkrampft ist. Lulu und Anthony, deren Chemie an die jedoch unerreichten Verbotene-Liebe-Vibes von „Hot Priest“ Andrew Scott aus „Fleabag“ erinnert. Die Nähe in der Wahlfamilie geht direkt ins Herz!

Wie schnell kommt man rein? Schon in der ersten Szene, in der Lulu im Bus mit ihrer Uku-Lulu eine Frau fast in den Wahnsinn treibt.

Geht das auch nebenbei? Wäre viel zu schade!

Für Fans von: „Coupling“ (auch darauf komme ich bestimmt noch zurück) und alles von und mit Phoebe Waller-Bridge

Wie lange? 6 Folgen à 23 bis 24 Minuten. Leider wurde nur eine Staffel gedreht.

Wo? Netflix (Öffnet in neuem Fenster)

Feelgood-Faktor: 4 von 5

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„Tschappel“ – Coming-of-age in Oberschwaben

https://www.youtube.com/watch?v=NptI96eCC-k (Öffnet in neuem Fenster)

Die Jugend auf dem Land spielt heute kaum eine Rolle in der Popkultur, zumindest nicht in den mehr beachteten Produktionen. Und dann kam letztes Jahr die ZDF-neo-Serie „Tschappel“, das oberschwäbische Wort für eine Art liebenswürdigen Tollpatsch. Carlo (Jeremias Meyer), die Hauptfigur dieser Coming-of-age-Comedy, ist so ein Tschappel. In der ersten Folge fährt er nach seiner Abiturfeier den Mercedes seines Vaters zu Schrott und muss die Schulden im Wirtshaus seiner Eltern abarbeiten, statt mit seinem Schwarm Pia (Mina-Giselle Rüffer) Work and Travel in Australien zu machen. Immerhin ist er im fiktiven oberschwäbischen Dorf Hintervorderbach nicht allein. Seine Freunde „BlaBla“ (Sebastian Jakob Doppelbauer) und Aydin (David Ali Rashed) sowie seine feierlustige Tante Gabi (Nina Gnädig) stehen ihm bei. Mich hat es sehr berührt, wie die Macher:innen, Marius Beck, Carly Coco und Marc Philip Ginolas die Skurrilitäten und auch die Langeweile auf dem Land einfangen. Das Dorfleben wird weder romantisiert noch verspottet (wie so oft). Das ist authentisch und meistert die Temperaturwechsel: Im einen Moment ist es klamaukig, im nächsten sanft melancholisch. Die perfekte Sommer-Serie (in einer Folge bauen die Freunde eine Güllegrube in einen Pool um!).

Wie schnell kommt man rein? Für den oberschwäbischen Dialekt braucht man vor allem am Anfang etwas Konzentration, die Figuren schließt man direkt ins Herz.

Geht das auch nebenbei? Dafür gibt es zu viele Details zu entdecken.

Für Fans von: Sommerfilme von Marcus H. Rosenmüller wie „Wer früher stirbt, ist länger tot“

Wie lange? 8 Folgen à 23-27 Minuten. Gute Nachricht: Gerade wird die zweite Staffel gedreht.

Wo? ZDF Mediathek (Öffnet in neuem Fenster)

Feelgood-Faktor: 5 von 5

und sonst

Zwei Filme und ein Zitat fürs Herz:

Zwei Netflix-Filme haben diesen Monat ein verregnetes Wochenende gerettet: „Voicemails for Isabelle“ (Öffnet in neuem Fenster), das oft mit einem meiner Lieblingsfilme „You've Got Mail“ verglichen wird, und „Office Romance“ (Öffnet in neuem Fenster) mit Jennifer Lopez und Brett Goldstein (den man unter anderem aus „Ted Lasso“ kennt und der das Drehbuch mitgeschrieben hat. Zweimal sehr klassisches Will-they-won't-they, und wie es jeweils ausgeht, weiß man schon, bevor man auch nur den Trailer gesehen hat. Hat mich trotzdem, oder genau deshalb, sehr abgeholt.

Ansonsten war ich in diesem Monat viel auf dem Filmfest München (Öffnet in neuem Fenster) unterwegs. Der Eröffnungsfilm „Vaterland“ (Öffnet in neuem Fenster) begleitet Thomas Mann auf einer Art Roadtrip in Schwarz-Weiß: auf seiner ersten Reise nach seinem Exil nach und durch Deutschland, die er mit seiner Tochter Erika (phänomenal: Sandra Hüller) unternimmt. Es ist eine berührende Vater-Tochter-Geschichte. Nicht gerade Feelgood-mäßig, aber aus dem Filmgespräch habe ich mir dieses schönes Zitat von Regisseur Paweł Pawlikowski notiert, das nicht nur für seinen fantastischen Film gilt:

„Haben Sie keine Angst zu lachen, wenn es lustig ist.“

Mit meinem Newsletter möchte ich möglichst viele Anlässe zum Lachen teilen. Wenn dir das Feelgood-Feuilleton gefällt, freue ich mich, wenn du meine Arbeit unterstützt.

Welche Feelgood-Serie über Freundschaft fehlt? Und was schaust du gerade? Schreib mir an post@feelgood-feuilleton.de (Öffnet in neuem Fenster)

Viel Spaß beim Schauen!

Kathrin

 

Über mich

Ich bin Kathrin (Öffnet in neuem Fenster). Ich arbeite als freie Journalistin in München unter anderem für die Süddeutsche Zeitung (Öffnet in neuem Fenster), Fluter (Öffnet in neuem Fenster), Galore (Öffnet in neuem Fenster) und Übermedien (Öffnet in neuem Fenster). Zu meinen Lieblingsthemen gehören Serien-, Film- und Popkultur und die Menschen, die dahinterstehen. Seit 2017 diskutiere ich in der Nominierungskommission des Grimme-Preises in der Kategorie Fiktion über Qualität im deutschen Fernsehen. Manchmal sitze ich in Jurys oder halte Vorträge (Öffnet in neuem Fenster)über Medien, Gesellschaft und ihre Schnittmengen.

Wenn du mit mir arbeiten möchtest, schreib‘ mir gern (Öffnet in neuem Fenster)!