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Von Witzen und Mus

Von Hasnain Kazim - Bücher / Mozart und Bach / Jüdische Gemeinde / Plaumenmus

Liebe Leserin, lieber Leser,

einige fragten, worum es denn in meinem neuen Buch gehe, und ich konnte dazu noch nichts sagen, weil ich warten musste, bis es offiziell ist. Nun also ist es offiziell: Das Buch, das am 11. März 2026 erscheint, heißt “Der Islam und ich”. Der Untertitel ist lang, aber notwendig: “Was mich meine Familie, meine norddeutsche Heimat und mein Leben in muslimischen Ländern über den Islam gelehrt haben”.

Es geht um meinen Blick auf diese Religion, wie ich sie erlebe - und um die Menschen, die sie in sehr unterschiedlicher Ausprägung praktizieren. Natürlich ist es ein subjektiver Blick, klar. Interessanterweise hatten viele, denen ich davon erzählt habe, sofort eine Meinung darüber:

“Das wird doch sicher eine Abrechnung!”, meinte ein Kollege.

“Noch mehr Islamistenpropaganda!”, schrieb jemand in den “sozialen” Medien, nachdem ich Anfang der Woche das Cover veröffentlicht hatte.

Das ist in etwa die Bandbreite: Von Islamfeindlichkeit bis Islamliebe wird alles von mir erwartet. Gelesen hat das Buch von denen natürlich noch niemand…

Ich möchte nichts vorwegnehmen. Warum ich diesen Text unbedingt schreiben musste, steht im Buch.

Was mich auch sehr freut: Mein erstes Buch, “Grünkohl und Curry”, 2009 bei dtv erschienen, dann zehn Jahre lang vom Stader Verlag Friedrich Schaumburg verlegt, der zur Buchhandlung Schaumburg gehört, bei der ich schon als Schüler gearbeitet habe, erscheint ebenfalls am 11. März 2026 nun bei Penguin Random House. Wie gesagt: Das freut mich sehr! Schön auch, dass die Twielenflether Mühle, von der ich vergangene Woche schrieb, auf dem neuen Cover zu sehen ist.

Mein Gott!

Mir schreiben Leute, ich solle ruhig mal etwas Heiteres in den “Erbaulichen Unterredungen” schreiben. “Am Sonntagmorgen brauchen wir mehr zum Lachen!”, schreibt mir Familie K. aus Köln. Na gut! Hier ein Witz für die Halbintellektuellen unter meinen Leserinnen und Lesern:

Mozart stirbt und kommt in den Himmel. Er begegnet Gott. Der sagt: „Willkommen, mein Lieber! Jetzt, da du da bist, wirst du Chefdirigent des paradiesischen Orchesters und der himmlischen Chöre! Niemand ist für diese höchste Aufgabe besser geeignet als du!“ Da antwortet Mozart verlegen: „Oh, vielen Dank, lieber Gott! Aber sag, oh Herr, wenn mir diese große Ehre zuteil wird, was macht dann Johann Sebastian Bach?“ Da schaut Gott ihn an und sagt: „Ich BIN Johann Sebastian Bach.“

Tatsächlich soll, wie mich ein Herr L. auf “X” hinwies, Felix Mendelssohn-Bartholdy gesagt haben: “Bach ist Anfang und Ende jeder Musik”, mithin Alpha und Omega - oder eben Gott. Also ein ganz treffender Witz.

Ich bin ja eigentlich eher ein Freund des infantileren Humors, Furzipups und so, aber ich kann natürlich auch mit diesem und mit gänzlich vollintellektuellen Witzen etwas anfangen. Man muss halt nur schauen, dass man beim Erzählen das passende Publikum vor sich hat. Es gibt Witze, die habe ich erzählt, da haben Leute gebrüllt. Beim nächsten herrschte betretenes Schweigen.

Apropos Furzipups: Kennen Sie diesen Sketch?

https://www.youtube.com/watch?v=Vo5Sh5vD1pg (Öffnet in neuem Fenster)

Ich hoffe, ich haben Ihnen damit den Sonntagmorgen etwas erheitert und nicht verdorben!

Stadtbild und Lage

Das Thema beschäftigt jetzt doch etwas länger, nun ja. Ich finde daran nichts verkehrt, solange es sachlich geschieht. Die “Berliner Zeitung” fragte diese Woche Aiman Mazyek, den Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, und mich, ob wir unsere Standpunkte in der Rubrik “Ein Thema. Zwei Stimmen” aufschreiben mögen. Das haben wir in der Samstagsausgabe getan.

Und auch sonst habe ich weiterhin Stadtbildverschönerung betrieben. Diese Woche war ich nämlich von der Jüdischen Gemeinde Duisburg - Mülheim/Ruhr - Oberhausen eingeladen, in Duisburg beim Neujahrsempfang den Festvortrag zu halten. (Es hat vor ein paar Wochen das Jahr 5786 begonnen.) Inhaltlich vorgegeben wurde mir: nichts. Als ich dann nachfragte, worum es in meiner Rede gehen solle, also um welches Thema, wurde mir knapp und präzise gesagt: “Aktuelle politische Lage. Möglichst humorvoll.”

Fünf Worte. Ich mag so etwas. War natürlich in gewisser Weise eine Herausforderung, die Zeiten sind dunkel und angespannt, wie soll man da humorvoll sein? Aber ich überlegte mir dann etwas, und ich begann und schloss mit einem Witz (die ich vielleicht bei anderer Gelegenheit erzählen werde, es sind Witze, in denen Juden vorkommen, und es wurde von der jüdischen Gemeinde goutiert; dank an Igor Levit für den einen und an meinen Kollegen Lars Langenau von der “Süddeutschen Zeitung” für den anderen). Und dass ein Konfessionsloser christlicher Prägung mit islamischen Wurzeln vor einer jüdischen Gemeinde reden darf: Das ist die Schönheit Deutschlands, finde ich.

Gemeinsam unter anderem mit Dmitrij Yegudin, dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde Duisburg, mit dem Oberbürgermeister von Duisburg, Sören Link, und der Bundesministerin Bärbel Bas. Sie kommt aus Duisburg und sagte mir, sie verschönere seit langem das Stadtbild von Duisburg, "aber Sie machen das ja viel besser", und nun freue ich mich, mich mit ministerieller Bestätigung Stadtbildverschönerer von Duisburg nennen zu dürfen.

Ich sah die Sicherheitsschleuse, die Vorkehrungen. Und ich sah, dass dort gebaut wird. Alexander Drehmann, Sprecher des Vorstands der Gemeinde, sagte, sie würden nun neue Mauern bauen, die Schutz vor Langwaffen böten. Das sei nach Einschätzung von Experten heute leider nötig.

Langwaffen. Also Gewehre. Sturmgewehre, Maschinengewehre. Es sind, das sagen Sicherheitsleute, Angriffe mit solchen Waffen auf jüdische Einrichtungen bei uns möglich und denkbar. Das muss man sich einmal vorstellen. Ich schäme mich seit Jahren, wenn ich an jüdischen Kindergärten und Schulen vorbeikomme, an jüdischen Kultureinrichtungen, an Synagogen oder an diplomatischen Vertretungen Israels, und davor steht immer viel Polizei. Ich schäme mich, dass wir hier Zustände haben, in denen das nötig ist. Jetzt ist die Bedrohung schlimmer geworden, und zu hören, dass man Mauern braucht, die vor Langwaffen schützen, entsetzt mich und macht mich wütend.

Kürzlich war ich in Berlin in zwei unterschiedlichen israelischen Restaurants, auch da: Polizeischutz vor den Gebäuden.

Hier ist eine Situation entstanden, die komplett inakzeptabel ist. Es ist, wie gesagt: beschämend. Dass Menschen wegen ihres Glaubens oder ihrer Nationalität derart geschützt werden müssen, ist ein Grund für lauten Protest und dafür, dass Maßnahmen unternommen werden, die nicht nur diese Menschen schützen, sondern die auch die Bedrohung reduzieren.

Mich erinnert das ein wenig an mein Leben in Pakistan. Da gibt es vor jedem besseren Hotel eine Sicherheitsschleuse, mit Körperscanner und Röntgengerät, da wird man in Restaurants am Eingang durchsucht, da wird überall kontrolliert, da gibt es ganze Stadtteile, die abgeriegelt sind und in die man nur nach vorheriger Anmeldung Einlass erhält oder als Anwohner.

Es ist eine Situation, die ich mir hier nicht wünsche (und, ehrlich gesagt, an keinem Ort der Welt). Mit den Pollern an Weihnachtsmärkten sind wir schon auf dem Weg dorthin. Schon seit dem 11. September 2001 sind Maßnahmen getroffen worden, die das verbrecherische Verhalten anderer Leute Einfluss auf unser Leben nehmen lassen. Sicherheitsschleusen und extradicke Mauern zum Schutz vor Schusswaffen sollten nicht Normalität werden. Wachleute vor Restaurants sollten nicht Normalität werden. Wir sollten uns nie daran gewöhnen.

Dieser Duft!

Heute mal ein Rezept. Na ja, eigentlich kein wirkliches Rezept, es ist eine sehr, sehr einfache Sache. Aber eine wunderbare Sache.

Seit ich vor ein paar Wochen geschrieben habe, dass ich mir ein Parfum bestellt habe, das ich als Teenager benutzt habe und mich jetzt, wenn ich es rieche, um ein paar Jahrzehnte zurückversetzt fühle, schreiben mir einige, dass sie auch Parfums aus der Jugend gekauft haben - und bestätigen, dass diese Zeitreise funktioniert.

Diese Woche ist mir eine andere Zeitreise in Erinnerung gekommen, ebenfalls ausgelöst durch einen Duft, nämlich dem von Pflaumenmus. In meiner Kindheit gab es in meinem Dorf Hollern-Twielenfleth im Gemeindehaus dienstags am Nachmittag die “Spielstunde”. Da fanden wir Kinder uns zusammen und bastelten, spielten, kochten gemeinsam. Wir teilten uns alle in kleine Gruppen auf, sodass jeder sich auswählen konnte, was er oder sie macht. Leiterin der “Spielstunde” war Dorothee Uffmann, bei der ich auch musikalische Früherziehung hatte (Glockenspiel! Blockflöte!), die einzelnen Gruppen wurden von Elternteilen oder älteren Jugendlichen aus dem Dorf betreut.

Im Herbst gab es eine Gruppe, die in der Küche des Gemeindehauses Pflaumenmus kochte - und da war ich immer dabei! Ich liebte es, schon den Geruch! Und wie sich der Fruchtbrei zu einer dickflüssigen Masse entwickelte mit der Zeit. Die Zimtnote, das Süßliche. Deshalb war ich unter anderem auch so erfreut, als ich im vergangenen Jahr bei einer Lesung im thüringischen Mühlhausen erfuhr, dass dort Pflaumenmus ein Produkt der Region ist.

So, wie wir es damals in der “Spielstunde” gekocht haben, ist es ganz einfach. Ich habe noch ein sehr verblichenes Rezept auf Matrize (Wer weiß nicht, was eine Matrize ist?):

Man nehme

1 kg Pflaumen oder Zwetschgen
100 bis 200 g Zucker, je nach Süße der Pflaumen
1 Zimtstange
1 Nelke

Man wasche, halbiere und entsteine die Pflaumen. Alle Zutaten gebe man in eine Schüssel und lasse sie, mit einem Tuch bedeckt, über Nacht oder einen ganzen Tag stehen. Anschließend gebe man alles, inklusive des ausgetretenen Fruchtsafts, in einen Kochtopf und koche es auf. Zimtstange und Nelke können herausgenommen werden, wenn man das Mus nicht zu stark gewürzt sein soll. Man köchele alles etwa zwei bis drei Stunden lang mit geschlossenem Deckel bei mittlerer Hitze. Zwischendurch immer wieder umrühren. Nach zwei Stunden kann man den Inhalt, wenn man ein sehr feines Ergebnis wünscht, das Mus mit dem Pürierstab pürieren. Danach weiterkochen, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist. Das Mus nun in sterile Einweckgläser füllen, zuschrauben und für fünf Minuten die Gläser auf den Kopf stellen. Anschließend das Mus in den geschlossenen Gläsern abkühlen lassen.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Sonntag und eine schöne Woche! Kochen Sie Mus, gehen Sie mit dem Hund spazieren und erzählen Sie einander ein paar Witze, das kann nie schaden.

Herzliche Grüße aus Wien,

Ihr Hasnain Kazim

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