Ergotherapie ist eine ärztlich verordnete Therapieform, die Menschen dabei unterstützt, trotz gesundheitlicher Einschränkungen möglichst selbstständig am Alltag teilzunehmen. Der Deutsche Verband der Ergotherapie definiert den Auftrag so: „Ergotherapie unterstützt und begleitet Menschen jeden Alters, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt sind oder von Einschränkungen bedroht sind. Ziel ist es, sie bei der Durchführung für sie bedeutungsvoller Betätigungen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit in ihrer persönlichen Umwelt zu stärken“. Dabei stehen also konkrete Aktivitäten (z. B. Ankleiden, Kochen, Hobby) im Mittelpunkt, die für das Leben der Betroffenen wichtig sind. (Hinweis: Das Lexikon - Inhaltsverzeichnis (Öffnet in neuem Fenster))
In der Seniorenbetreuung spielt Ergotherapie eine zentrale Rolle. Viele ältere Menschen haben durch Multimorbidität, Demenz oder nach Unfällen Einschränkungen in Mobilität, Wahrnehmung, Kognition oder psychischer Stabilität. Ergotherapie greift hier genau dort an, wo der Alltag beeinträchtigt ist – sie fördert Alltagsfähigkeiten, Mobilität und geistige Ressourcen und soll so Lebensqualität und Teilhabe erhalten. Sie ergänzt damit das pflegerische und medizinische Angebot optimal: Während die Pflege oft Grundbedürfnisse unterstützt (Körperpflege, Ernährung, Mobilisation), schult die Ergotherapie gezielt die Selbständigkeit bei diesen Tätigkeiten.
Abgrenzung zu anderen Berufsgruppen: Ergotherapie ist nicht dasselbe wie reine Betreuung oder Beschäftigungstherapie. Sie ist eine Fachtherapie, die von ausgebildeten Ergotherapeuten durchgeführt wird, nicht von ungeprüftem Betreuungspersonal. Im Gegensatz zur Physiotherapie, die hauptsächlich auf körperliche Funktionen (Muskelkraft, Gelenkbeweglichkeit, Ausdauer) abzielt, richtet die Ergotherapie den Fokus auf konkrete Alltagsaktivitäten und bezieht dabei auch geistige, soziale und psychische Aspekte mit einer. So kann beispielsweise ein Physiotherapeut helfen, die Beinmuskulatur zu stärken, während ein Ergotherapeut trainiert, wie der Patient damit sicher Treppen steigen kann (also Funktion + Anwendung). Beide arbeiten aber oft Hand in Hand. Im Pflegeheim oder ambulanten Setting gilt: Ergotherapie ist ein therapeutischer Baustein neben Pflegekräften, Ärzten, Physiotherapeuten und Sozialarbeitern. Nur durch gute interdisziplinäre Zusammenarbeit erreicht man optimale Ergebnisse für den Bewohner. Ergotherapeuten liefern fachliche Expertise bei der Auswahl von Hilfsmitteln, Übungsprogrammen und Alltagsadaptionen, die der Pflegedienst ohne spezielle Ausbildung nicht leisten kann.
Zielsetzung
Die Ergotherapie für Senioren verfolgt immer übergeordnete Ziele, die man in etwa so zusammenfassen kann: Selbstständigkeit stärken, Lebensqualität erhalten, Teilhabe sichern. Dabei werden je nach individuellem Fall motorische, kognitive, soziale und psychische Aspekte gezielt gefördert. Die zentralen Therapieziele sind:
Selbstversorgung und Alltagskompetenz (ADL). Ein zentrales Ziel ist, dass Senioren möglichst selbständig alltägliche Verrichtungen ausführen können – anziehen, sich waschen, essen, zum WC gehen, Essen zubereiten oder Dinge des täglichen Lebens erledigen. Ergotherapie trainiert gezielt Handlungsabläufe für diese Tätigkeiten (das sogenannte ADL-Training). Untersuchungen zeigen, dass gezieltes Training der Alltagsaktivitäten den Pflegebedarf senken kann. Durch Verbesserung von Feinmotorik, Koordination und Planung soll das Risiko einer dauerhaften Hilfebedürftigkeit verringert werden.
Motorisch-funktionelle Fähigkeiten. Viele ältere Menschen leiden unter Muskelschwäche, eingeschränkter Gelenkigkeit oder Sturzneigung. Ergotherapie setzt hier mit spezifischen Übungen an, um Beweglichkeit, Muskelkraft, Ausdauer und Gleichgewicht zu fördern. Zum Beispiel trainiert man Greifbewegungen, Rumpfstabilität und Gleichgewicht in Sitz- oder Stehübungen, die direkt ins alltägliche Verhalten übertragbar sind. Ziel ist, die Mobilität so weit zu verbessern, dass z. B. das Gehen mit Rollator oder das Aufstehen vom Stuhl sicherer gelingt. Dadurch wird sowohl die körperliche Unabhängigkeit als auch das Selbstvertrauen gestärkt (Hausbesuch-Studien zeigen z. B. bei Sturzprävention-Programmen spürbare Erfolge und weniger Stürze nach wenigen Sitzungen).
Kognitive Leistungsfähigkeit. Bei vielen Senioren, insbesondere mit altersbedingter Demenz oder Schlaganfall-Folgen, nimmt die geistige Leistungsfähigkeit ab. Ergotherapeutisches Hirnleistungstraining zielt darauf ab, Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Orientierung, Sprach- und Planungsfähigkeit zu verbessern oder zu erhalten. Typische Übungen sind z. B. Gedächtnisspiele, Terminkalender führen, Wortfindungsaufgaben oder das Nachspielen von Alltagssequenzen (z. B. gemeinsam den Einkaufzettel zusammenstellen). Durch regelmäßiges Training solcher kognitiver Fähigkeiten kann die Lebensqualität steigen – eine aktiv geübte Selbstwahrnehmung stärkt das Selbstwertgefühl und das Gefühl, den Alltag noch mitgestalten zu können.
Psychosoziale Teilhabe. Ältere Menschen können sich isoliert fühlen, besonders in Pflegeeinrichtungen oder bei Demenz. Ergotherapie fördert deshalb gezielt soziale Interaktion und psychisches Wohlbefinden. Gruppentherapieangebote stärken Gemeinschaftsgefühl, sie strukturieren den Tag und bieten Erfolgserlebnisse. Außerdem gehen Ergotherapeuten individuell auf emotionale Bedürfnisse ein: Sie nutzen Biografiearbeit oder Validation (Anerkennung der Gefühlswelt Demenzkranker), um Orientierungslosigkeit und Ängsten entgegenzuwirken. Viele ältere Patienten gewinnen so mehr Freude an Aktivitäten und ein Gefühl der Sinnhaftigkeit.
Verbesserung der Lebensqualität. Über alle Ebenen hinweg wirkt Ergotherapie darauf hin, die subjektive Lebensqualität zu steigern. Studien belegen, dass ein aktiver Lebensstil und die Teilhabe an sinnvollen Aktivitäten stark zum Wohlbefinden im Alter beitragen. Ergotherapie setzt daher immer bei persönlichen Interessen und Routinen an. Die Patientinnen und Patienten erfahren oft: Durch ihre Fortschritte im Alltag gewinnen sie Selbstvertrauen, Sicherheit und mehr Freiheit – das hebt die allgemeine Zufriedenheit und Lebensfreude.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Ergotherapeuten in der Seniorenarbeit ganzheitlich vorgehen: Sie arbeiten auf motorischer Ebene (Kraft, Gleichgewicht), kognitiv (Gedächtnis, Orientierung), sozial (Kontakt, Kommunikation) und emotional (Motivation, Lebenssinn) gleichzeitig. So entsteht ein individuelles Förderprogramm, das die vorhandenen Ressourcen des alten Menschen aktiviert und dessen Fähigkeiten langfristig erhält.
Vor- und Nachteile
Chancen und Vorteile: Ergotherapie bietet gerade im Kontext der Seniorenbetreuung viele Chancen. Zu den wichtigsten Vorteilen zählen:
Erhalt bzw. Steigerung der Selbstständigkeit: Indem ältere Menschen trainieren, Alltagsaktivitäten (ADLs) selbst auszuführen, können Pflegebedürftigkeit oft hinausgezögert werden. Untersuchungen legen nahe, dass eine gezielte Therapie in Mobilität und Alltagskompetenz den allgemeinen Hilfebedarf senken und die Unabhängigkeit steigern kann.
Ganzheitliche Lebensqualitätsförderung: Neben reinen Bewegungs- oder Gedächtnisübungen verbessert Ergotherapie die Lebensqualität insgesamt. Sie stärkt das Selbstwertgefühl und die soziale Integration. Schon einfache Gruppenangebote (z. B. Sitztanz, Bastelgruppe) erhöhen laut Praxisberichten die Interaktion und Freude der Bewohner. Dadurch werden Einsamkeit, Depression und Rückzug signifikant reduziert.
Sturzprävention und Sicherheit: Durch spezielle Trainings (Gleichgewicht, Kraft, Haltung) und Anpassungen in der Wohnumgebung lässt sich das Sturzrisiko deutlich senken. Viele Senioren fühlen sich nach Ergotherapie-Programmen sicherer und motivierter, sich zu bewegen, was das Sturzrisiko verringert und Notfallsituationen vorbeugt.
Unterstützung von Demenzpatienten: Ergotherapie leistet – neben medikamentöser und pflegerischer Versorgung – einen wertvollen Beitrag bei Demenz. Durch angepasste Aktivitäten (Biografiearbeit, strukturierte Alltagsrituale, sensorische Stimulation) können vorhandene Fähigkeiten länger erhalten und Verhaltensauffälligkeiten gemildert werden. Angehörige und Pflegepersonal werden dabei entlastet, da Konflikte seltener eskalieren und Beschwerden (z. B. Unruhe) reduziert werden.
Verbund aus Einzel- und Gruppentherapie: Die Kombination aus Einzelsitzungen und Gruppenangeboten ermöglicht eine sehr flexible Förderung. Einzeltherapie erlaubt gezielte Arbeit an Defiziten, Gruppenangebote fördern Motivation und sozialen Austausch. In vielen Heimen wirken diese Angebote „wie Lückenfüller“, die den Betreuungsalltag bereichern und vielen Bewohnern zusätzliche Lebensfreude bringen.
Grenzen und Nachteile: Trotz der vielen Erfolge hat Ergotherapie auch begrenzte Möglichkeiten:
Keine Heilung schwerer Erkrankungen: Ergotherapie ist keine Heilmaßnahme, die körperliche oder kognitive Krankheiten rückgängig macht. Bei fortgeschrittener Demenz oder schweren neurodegenerativen Erkrankungen kann sie die Entwicklung nur abmildern und Symptome lindern, aber nicht kurativ verändern. Die Therapieziele sind stets realistischer: Erhalten, Stabilisieren oder bestmögliches Ausnutzen vorhandener Fähigkeiten, nicht Heilung.
Motivation und kognitive Kapazitäten erforderlich: Damit ergotherapeutische Maßnahmen greifen, müssen die Senioren mitmachen können. Bei starker Unlust, Apathie oder sehr fortgeschrittener Demenz ist eine aktive Teilnahme oft schwer und begrenzt den Therapieerfolg. Ängste oder Demotivation können dazu führen, dass Übungen nur halbherzig gemacht werden. Dann sind kleinere, spielerische oder gewaltfreie Ansätze nötig.
Zeitliche und finanzielle Restriktionen: Ergotherapie in Pflegeeinrichtungen wird nach Heilmittel-Richtlinie nur verordnet, wenn bestimmte Voraussetzungen (z. B. medizinische Verordnung) erfüllt sind. Die Anzahl der Therapiesitzungen ist häufig begrenzt. Zudem kann Fachpersonal knapp sein: Nicht in jedem Pflegeheim ist ausreichend Ergotherapie verfügbar. Oft ist deshalb die Frage, ob lieber (günstigere) Alltagsbetreuer oder Fachkräfte eingesetzt werden. Fachleute weisen darauf hin, dass rein „beschäftigungstherapeutische“ Angebote Alltagsbegleiter nicht das fachärztlich begründete Therapiepaket ersetzen können. Ergotherapie muss als professionelle Leistung gesehen werden, für die spezielle Ausbildung und Ausstattung nötig sind – und die entsprechend Kosten verursacht.
Individuelle Unterschiede: Jeder Senior ist anders, hat unterschiedliche Erkrankungen, Lebensstile und Wertvorstellungen. Was für den einen eine sinnvolle Therapie ist, kann für den anderen überfordernd oder langweilig sein. Deshalb braucht Ergotherapie viel Flexibilität und individuelles Eingehen. In großen Gruppen oder unflexiblen Abläufen sind Grenzen schnell erreicht.
Insgesamt überwiegen die Vorteile – Ergotherapie gilt als wertvolle Ressource in der Seniorenbetreuung. Die Grenzen liegen hauptsächlich darin, dass sie kein Allheilmittel ist und auf professionelle Rahmenbedingungen angewiesen ist. Betreuungskräfte sollten diese Therapie nicht ersetzen, sondern unterstützen und ergänzen: Sie können etwa anregen, dass Übungen fortgesetzt oder Hilfsmittel richtig genutzt werden, aber eine fachliche Ergotherapie bleibt unersetzlich für eine fundierte Aktivierung und Anpassung im Alter.
Anleitung typischer ergotherapeutischer Maßnahmen
Im Folgenden werden zentrale ergotherapeutische Maßnahmen und Konzepte in der Seniorenarbeit vorgestellt. Diese sind nach Fachbereich sortiert: motorisch-funktionell, neuropsychologisch-kognitiv, sensomotorisch-perzeptiv, psychosozial sowie ADL-Training, Hilfsmitteltraining und Gruppenangebote. Zu jedem Bereich geben wir Beispiele, Hinweise zu Materialien und zur Durchführung.
Motorisch-funktionelles Training
Ziel: Verbesserung von Beweglichkeit, Muskelkraft, Koordination und Ausdauer. Dies unterstützt wichtige Alltagsfunktionen wie Gehen, Sitzen, Aufstehen und Fine-Motorik.
Beispiele für Übungen:
Greif- und Greifkraft-Übungen: Der Senior greift gezielt Gegenstände unterschiedlicher Größe, Form und Gewicht. Zum Beispiel Sortierspiele mit Perlen, Greiftraining mit Knetmasse oder das Aufheben von kleinen Gewichten. Solche Übungen stärken die Hand- und Armmuskulatur.
Rumpf- und Balancetraining: Übungen auf dem Stuhl oder Gymnastikball zur Rumpfstabilität. Etwa Vorbeugen/Rückbeugen, Seitbeugen oder langsames Vor- und Zurücklehnen bei festem Stand. Auch Stehtraining (mit Haltegriff, später frei) fördert die Balance.
Bein- und Gehübungen: Sitzgymnastik wie Fußkreiseln, Fußheber auf einem kleinen Wackelkissen oder sanfte Beinstreckungen trainieren Beinmuskulatur. Später werden Schritte geübt – zunächst mit Gehhilfe oder Unterstützung, später ohne. Sturzprophylaxe-Übungen (Hebt ein Bein mit Oberflächenberührung des Stuhls ein paar Sekunden, Wechseln des Standbeins, Gehen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten) verbessern Koordination und verhindern Stürze.
Alltagsnahe Funktionstraining: Hier werden konkrete Handlungen eingeübt. Beispielsweise das wiederholte Öffnen und Schließen von Türen oder das Auf- und Abheben vom Stuhl mit optimaler Technik (rückenschonend!). Auch das Tragen von leichten Gegenständen (Tablett mit Gläsern) oder das Kniend/Geländerstellen unter Anleitung zählt dazu.
Materialhinweise: Vieles lässt sich mit einfachen Alltagsgegenständen durchführen. Gymnastikbälle, Therabänder, leichte Hanteln (0,5–2 kg), Fußrollen oder Wackelkissen können hilfreich sein. Hilfsmittel aus dem Haushalt (z. B. Besenstiele für Balanceübungen, Kissen als instabile Unterlagen) sind ebenfalls geeignet. Wichtig sind rutschfeste Schuhe und genügend Platz. In Pflegeeinrichtungen gibt es oft spezielle Ergo-Geräte wie Pedaltrainer oder Rollbretter, die einbrechen: beispielsweise das Fahrrad-ähnliche Hand- und Fußpedalgerät für schonenden Ausdaueraufbau.
Dauer und Durchführung: Motorische Übungen werden oft in Sitz- oder Stehsituationen durchgeführt und dauern pro Einheit meist 10–30 Minuten, je nach Kondition. Manche können mehrmals täglich kurze Einheiten durchführen (z. B. nach der Morgen- und Mittagspflege), andere idealerweise mehrmals pro Woche etwas intensiver. Die Ergotherapeutin beobachtet den Patienten dabei genau: Sie achtet auf Atmung, Schmerzäußerungen und Korrektheit der Bewegung. Geübte Pflegekräfte können unter Anleitung einfache Wiederholungen der motorischen Übungen in die täglichen Routinen einbauen (z. B. Beinübungen während des Zähneputzens) und auf eine gelenkschonende Technik achten.
Neuropsychologisch-kognitives Training
Ziel: Förderung von Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Konzentration, Orientierung und exekutiven Funktionen (Planungs- und Problemlösefähigkeiten). Dieses Training dient dazu, dass Senioren alltägliche Denkaufgaben besser bewältigen können – z. B. Einkaufsliste merken, Terminkoordination, oder sich sicher im Zeit- und Ortsrahmen orientieren.
Beispiele für Übungen:
Gedächtnistraining: Übungen, in denen sich ältere Menschen Dinge merken und abrufen müssen. Etwa Merkwörter- oder Bildpaare-Spiele (klassisches Memory), kurze Geschichten erzählen und nachfragen, Jahreszahlen oder Geburtstage nennen. Auch alltägliche Listen (z. B. eine Einkaufsliste mit 8–10 Wörtern) können einübt werden, indem man nach einer Pause versucht, die Liste zu rekonstruieren. Bei Demenzpatienten werden oft vertraute Inhalte (Familiennamen, früher verwendete Begriffe) genutzt, um den Zugang zu erleichtern.
Aufmerksamkeit und Konzentration: Übungen, die helfen, eine Aufgabe auch bei Ablenkung konzentriert auszuführen. Dazu zählen Computerspiele mit visuellen Suchbildern, das Lesen eines kurzen Textes und anschließendes Nacherzählen oder das Sortieren von Karten nach Zahlenreihen. Oft werden dazu auch Tablet- oder PC-Programme verwendet, die individuell einstellbare Aufgaben bieten. In analogen Settings kann z. B. gemeinsam gebastelt werden: Der Senior muss kleine Elemente aufhalten oder Farben zählen. Wichtig ist der regelmäßige Transfer: z. B. beim Lesen einer Zeitung, einem Kreuzworträtsel oder beim Planen von Tagesaktivitäten.
Planungs- und Organisationsfähigkeit: Training von Handlungsabläufen, etwa durch Sequenzübungen. Beispielsweise im Rollenspiel den Ablauf eines Rezepts in Etappen planen (Zutaten zusammenstellen, Rühren, Backen) oder den Weg zum Sozialraum im Pflegeheim Schritt für Schritt nachsprechen. Auch das Strukturieren des Tagesablaufs (Tagesplan erstellen, Wecker stellen) kann geübt werden, um das Planungsvermögen im Alltag zu stärken.
Orientierungstraining: Aufgaben zur zeitlichen, räumlichen und personellen Orientierung. Einfache Beispiele sind das Nachstellen des Tagesplans (Morgen, Mittag, Abend), das Ordnen von Bildkarten nach Wochentagen oder das Suchen bekannter Gegenstände im Zimmer. Bei Gruppenaktivitäten kann man mit Spielen arbeiten, bei denen die Teilnehmer ihren Namen, aktuelle Jahreszeit oder Jahreszahl, Datum und Ort nennen müssen. Validations- und Reminiszenztechniken (Auslösen von Erinnerungen mit alten Fotos, Lieblingsmusik oder Lieblingsgerüchen) helfen Demenzpatienten, länger im Hier und Jetzt zu bleiben und vermindern Unruhe.
Materialhinweise: Klassische Hilfsmittel sind Spiel- und Übungsbücher mit Gedächtnisaufgaben, Memory-Karten, Puzzles, Sudoku- oder Kreuzworträtselhefte in großer Schrift, Wörterbücher (Wortfindungsspiele) und Lernsoftware für Senioren (z. B. Erinnerungstraining-Apps). Auch einfache Haushaltsmaterialien können kognitive Reize bieten (z. B. ein Uhrwerk zerlegen, Bilderbücher, alte Kalender zum Durchblättern). Wichtige Utensilien sind Notizzettel und Klemmbretter für Organisierungsübungen, Fotoalben für Biografiearbeit und Uhren/Kalender zur Unterstützung der zeitlichen Orientierung.
Dauer und Durchführung: Kognitive Übungen werden häufig in kurzen, intensiven Einheiten durchgeführt, da geistige Konzentration bei Senioren oft nur für etwa 10–20 Minuten am Stück gegeben ist. Sie können Teil einer Einzeltherapie sein oder in Kleingruppen (z. B. 3–5 Personen) beim Gedächtnistraining stattfinden. Wichtig ist eine ruhige Atmosphäre ohne Hektik. Ergotherapeuten passen den Schwierigkeitsgrad dem individuellen Leistungsstand an – etwa mehr Wortpaare bei weniger eingeschränktem Gedächtnis oder vereinfachte Suchbilder bei starker Demenz. Einzelsitzungen dienen oft der gezielten Prüfung und Förderung (z. B. morgens nach der Medikamentengabe), Gruppenübungen können 30–60 Minuten dauern und beruhigen durch Austausch. Zwischen den Übungen sollte Zeit für Erholung sein. Betreuende Pflegekräfte können sich nach Absprache auch gelegentlich an den Übungen beteiligen, z. B. indem sie Senioren beim Buchstabieren unterstützen oder Gesprächsimpulse geben.
Sensomotorisch-perzeptive Behandlung
Ziel: Verbesserung der Wahrnehmung, insbesondere bei neurologischen Schädigungen (z. B. nach Schlaganfall, bei peripherer Neuropathie oder Demenz) sowie Förderung der Körperwahrnehmung insgesamt. Dieses Training stärkt die Sinne und die Verbindung zwischen Sinneseindrücken und Bewegung, was bei vielen älteren Patienten gestört ist.
Beispiele für Übungen:
Taktile Übungen: Verschiedene Materialien ertasten (z. B. in einer „Beutelkiste“ fühlen und Gegenstände erkennen oder Oberflächen mit Augen verbunden ertasten). Dabei lernen die Patienten, Tastsinn und Muskelanstrengung zu koordinieren. Beispiel: Eine Handknetmasse formen oder Perlen auffädeln, während die Augen geschlossen sind.
Vibrations- und Druckreize: Hochfrequente sanfte Vibration (z. B. mit Vibrationsplatten oder Handgeräten) oder variierende Druckausübung auf Hand, Fuß oder Schulter können die Sensibilität stärken. Dies ist z. B. hilfreich, um bei Taubheitsgefühl nach einem Schlaganfall wieder zunehmend Berührung wahrzunehmen.
Visuelle Wahrnehmung: Übungen, bei denen der Senior visuelle Informationen verarbeiten muss. Beispielsweise Bilderpuzzles legen, das Zusammenpuzzeln von Linienfragmenten oder das Nachzeichnen von Konturen (um Auge-Hand-Koordination zu schulen). Auch Bewegungsspiele im Spiegelbild helfen, die räumliche Wahrnehmung zu schulen (z. B. Spiegeltherapie bei Lähmungen).
Gleichgewichts- und Lagewahrnehmung: Übungen zur Stabilisierung des Gleichgewichtssinns (Vestibularsystem) und der Propriozeption (Körperlagewahrnehmung). Hierzu gehört zum Beispiel Gehen mit verschiedenen Untergründen (Oberflächen mit Riffel oder Moosgummi), Standübungen auf instabiler Matte oder Barfuß-Übungen, um die Rückmeldung der Fußsohlen zu verbessern. Auch Koordinationsleiter-Übungen (Schrittfolgen über Hürden) fördern das Zusammenspiel zwischen Wahrnehmung und motorischer Reaktion.
Integration mit Motorik: Häufig sind sensomotorische und motorische Trainings kombiniert. So kann man z. B. mit Augen verbunden einen Ball mit der Fußsohle in einen Behälter schieben – gleichzeitig trainiert der Senior Sensorik und Motorik.
Materialhinweise: Typische Hilfsmittel sind Sensorik-Koffer (mit unterschiedlich strukturierten Materialien: weiches Fell, Stacheln, Sandpapier), Gummibänder, Gewichtswesten für stabilisierenden Druck, Massagebälle, vibrierende Spielbälle und Unterlagen mit unterschiedlichen Texturen (z. B. Noppenmatten). Auch Alltagsmaterialien wie (gut abwaschbare) Obst aus dem Haushalt oder Textilien mit verschiedenen Stoffen können taktile Reize setzen. In einigen Einrichtungen stehen zudem Geräte wie eine Therapiematte oder Wippbretter zur Verfügung, die gezielte Sinneseinduktion ermöglichen.
Dauer und Durchführung: Sensomotorische Übungen werden meist in die motorischen Übungen integriert. Einzelne Wahrnehmungsübungen dauern in der Regel 5–15 Minuten, etwa das Fühlen eines Gegenstands oder Balancieren auf einer Matte. Sie können in der Anfangsphase einer Therapieeinheit zur „Aktivierung“ eingesetzt werden, oder als eigenständiges Modul (etwa in der Rehabilitation nach Schlaganfall). Wichtig ist ein sorgsamer Aufbau: Therapeuten beobachten, wie der Patient reagiert (z. B. Vermeiden von Berührungen bei Schmerz). Im Gruppenrahmen werden oft „Stationen“ aufgebaut (z. B. eine Ecke mit Fühlkiste, eine Ecke mit Gleichgewichtsübungen), wo die Senioren in kleineren Schritten und ohne Leistungsdruck verschiedene Sinneserfahrungen sammeln können. Pflegekräfte können hier unterstützen, indem sie beispielsweise gemeinsam Materal bereithalten oder eventuelle Hilfestellung beim Halten von Gegenständen geben.
Psychosoziale Förderung
Ziel: Verbesserung des emotionalen Befindens, der Motivation und des sozialen Zusammenhalts. Gerade bei Vereinsamung, Depression oder Anpassungsstörungen in der neuen Lebenssituation im Heim richtet sich die Ergotherapie auch darauf, Ängste abzubauen und das Gefühl von Zugehörigkeit zu stärken.
Beispiele für Maßnahmen:
Gruppentherapeutische Aktivitäten: Gemeinsame Aktivitäten (Tanz-, Bewegungs- oder Singkreis) fördern soziale Kontakte und Lebensfreude. Schon einfache Angebote wie regelmäßige Bastel- oder Malrunden geben den Senioren Erfolgserlebnisse. Kreativtherapie (z. B. Basteln, Singen, Töpfern) spricht Emotionen an und regt Erinnerungen an – ein Erfolgserlebnis für Teilnehmer mit Demenz, aber auch eine Möglichkeit, Gefühle auszudrücken. In solchen Gruppen steht meist der Prozess im Vordergrund (Freude am Tun) und nicht das Ergebnis. Dies stärkt das Selbstwertgefühl: Ältere erleben sich als gestaltend, nicht nur als Objekt der Pflege.
Biografiearbeit: Durch Gespräche oder Anlässe, die an die persönliche Lebensgeschichte anknüpfen, fühlen sich Senioren wieder als eigenständige Person. Beispielsweise kann man alte Fotos anschauen und gemeinsam dazu Geschichten erzählen. Auch das Wiederaufleben alter Gewohnheiten (z. B. Backen eines altvertrauten Rezepts) vermittelt Sinn und Identität. Gerade bei Demenzkranken ist die Biografie ein wichtiger „Türöffner“ für positive Emotionen. Gleichzeitig schult dieses Vorgehen die Kommunikation und das Sozialverhalten: In einem Gruppenalltagsgespräch nach dem Mittagessen erinnert man sich zusammen an Anekdoten oder plant gemeinschaftlich einen Ausflug.
Validation und einfühlsame Kommunikation: Ergotherapeuten sind oft geschult in Gesprächsführung bei Demenz. Sie akzeptieren Gefühle und Wahrnehmungen der Betroffenen, ohne sie zu korrigieren. Das schafft Vertrauen und reduziert Verhaltensprobleme. In stressigen Phasen kann eine ruhige Einzelsituation mit einem Therapeuten helfen, innere Unruhe zu mindern. Auch das gemeinsame Anhören beruhigender Musik oder eine Massage/Entspannungsübung gehören zu psychosozialen Konzepten.
Alltagsstrukturierung: Gerade kognitiv eingeschränkte Senioren profitieren stark von einem vorhersehbaren Tagesablauf. Ergotherapeuten können helfen, gemeinsam mit dem Team eine Tagesstruktur zu entwickeln (z. B. tägliches Ritual zur Tageseröffnung, regelmäßige Essen). Rituale geben Halt und reduzieren Ängste. Auch Gespräche über aktuelle Ereignisse (Zeitung, Radio) oder das Üben einfacher Lernroutinen (Montag Erinnerung, Dienstag Zeitung, usw.) stärken die Orientierung.
Materialhinweise: In psychosozialen Angeboten kommen vielfältige Materialien zum Einsatz: Fotoalben, Klangschalen, Musikinstrumente (z. B. einfache Trommeln), Malutensilien, Jahreszeitendekoration oder thematische Materialien (Kerzen zu Feiertagen, Schmückarbeiten). Wichtig sind Gegenstände, die Erinnerungen anregen (etwa alte Münzen, Stoffreste von früheren Kleidern) und solche, die Gemeinschaftserlebnisse schaffen (z. B. ein Puzzle für alle). Für Gesprächsrunden nutzt man oft große Tischkarten oder Bildkarten, damit auch weniger gesprächige Teilnehmer einsteigen können.
Dauer und Durchführung: Psychosoziale Maßnahmen werden meist in längeren Gruppenformaten angeboten (typische Dauer: 30–90 Minuten). Die Größe variiert, häufig sind es überschaubare Kleingruppen (4–8 Personen), damit Jeder sich beteiligen kann. Einzelgespräche oder -übungen laufen hingegen nach Bedarf ab (oft 10–30 Minuten). Die Ergotherapeutin fungiert dabei als Moderatorin: Sie wählt das Thema, gibt Impulse und achtet darauf, dass niemand ausgegrenzt wird. Auch Pflegekräfte oder Alltagsbegleiter können in diesen Gruppen aktiv mitwirken, z. B. indem sie beim Runden nach Themen fragen oder auf besondere Beobachtungen (z. B. auffallende Traurigkeit eines Teilnehmers) hinweisen. Wichtig ist Empathie: Sprachschwierigkeiten und verlangsamtes Sprechen sind bei älteren Menschen üblich, deshalb wird ohne Zeitdruck gearbeitet.
ADL-Training (Training der Alltagskompetenzen)
Ziel: Der Begriff ADL („Activities of Daily Living“) umfasst alle grundlegenden Tätigkeiten des täglichen Lebens, vom Aufstehen über Essen bis zur Freizeitgestaltung. Ergotherapie übt gezielt einzelne Alltagshandlungen ein, um die Selbsthilfefähigkeiten der Senioren zu erhalten und zu steigern. Ziel ist, eine dauerhafte Hilfebedürftigkeit zu vermeiden und damit Lebensqualität und Selbstvertrauen zu stärken.
Beispiele für ADL-Übungen:
An- und Auskleiden: Unter Anleitung übt die Person, sich Schritt für Schritt anzukleiden. Wenn nötig verwendet man Hilfsmittel (Strumpfanzieher, Langkleiderbügel). Zuerst erklärt der Ergotherapeut, dann wird gemeinsam geübt. Später übernehmen Pflegekräfte Aspekte dieser Übung – beispielsweise lässt der Pflegende ein Kleidungsstück offen, damit der Senior es selbst anziehen kann.
Hygienetraining: Duschen, Waschen und Körperpflege werden zunächst abgesprochen und dann ganz praktisch durchgespielt. Oft wird dabei auf Sicherheit geachtet (Duschhocker, Haltegriffe). Der Therapeut demonstriert eine Hilfestellung (z. B. wie man sich seitlich ins Bett dreht), die Pflegekraft unterstützt, ohne zu übernehmen, so viel wie möglich.
Ess- und Trinktraining: Das selbständige Essen ist enorm wichtig. Ergotherapeuten trainieren das Essen mit Spezialbestecken (z. B. mit dicken Griffen, abgewinkelten Löffeln) und üben das Schnabelbecher-Trinken. Es wird auf aufrechte Sitzhaltung und ruhige Tischatmosphäre geachtet. Manchmal werden Tricks eingeübt (Schaukeln eines Bechers zum Rand, um Flüssigkeit in den Löffel zu bekommen) oder Tricks gezeigt, wie man sich den Teller bzw. die Unterlage fixiert.
Haushaltsnahe Tätigkeiten: Selbst einfachste Hausarbeiten trainieren das Alltagsverständnis. Beispiele sind Tischdecken, Wickeln von Handtüchern, Aufräumen von Schubladen oder das Zubereiten eines kleinen Snacks. Ergotherapeuten achten darauf, dass dabei mehrere Fähigkeiten gleichzeitig gefordert werden (Motorik, Planen, Problemlösen). Während solche Übungen kann die Pflegekraft assistieren – zum Beispiel den Herd ausschalten, wenn der Senior sich auf das Schneiden konzentriert.
Materialhinweise: Für das ADL-Training verwendet man echte Alltagsgegenstände oder deren Übungsvarianten. Kleidung (Jackets, Pullover, Schuhe mit verschiedenen Verschlüssen) stehen bereit. Für Körperpflegeübungen kann man ein Waschmodell oder ein Bett aufsuchen. Ess-Training geschieht mit echtem Geschirr oder speziellem Übungsbesteck. Oft kommen auch Simulationsmaterialien zum Einsatz, z. B. ein Trainingswaschbecken mit Wasser. Hilfsmittel wie Duschhocker, Haltegriffe, Kehrblech und Schrubber sind ebenfalls wichtig, damit der Senior in seiner gewohnten Umgebung üben kann.
Dauer und Durchführung: ADL-Übungen werden nach Möglichkeit in den konkreten Tagesablauf integriert. Es heißt: “Was im Therapiezimmer gelernt wird, wird in der realen Situation geübt”. Das Ankleiden kann bei der Morgentoilette geübt werden, das Essen während einer Mahlzeit. Der Ergotherapeut beobachtet und korrigiert, die Pflegekraft behält dabei den Überblick über Sicherheit (z. B. Temperatur am Wasserhahn). Eine reine Übungssituation dauert meist 10–20 Minuten pro Aktivität, kann aber mehrmals täglich wiederholt werden. Der Erfolg ist oft unmittelbar spürbar: Der Bewohner kann einzelne Schritte selbstständig machen oder nutzt neue Strategien, etwa das Greifen mit einem Einhand-Knompressor bei einarmiger Motorik. Regelmäßiges Üben festigt diese Fertigkeiten.
Hilfsmittelberatung und -training
Ziel: Einsatz und Training von Hilfsmitteln, um den Alltag sicherer und einfacher zu gestalten. Ergotherapeuten kennen ein breites Spektrum an Hilfen und passen diese an die individuellen Bedürfnisse an. Richtig eingesetzt können schon einfache Hilfsmittel die Selbstständigkeit enorm erhöhen.
Ablauf: Zuerst erfolgt eine Bedarfsermittlung: Ergotherapeut und Senior (bzw. Pflegekraft) prüfen gemeinsam, welche Schwierigkeiten im Alltag bestehen (z. B. Anziehen, Gehen, Essen). Dann schlägt der Therapeut passende Hilfsmittel vor. Schließlich erfolgt Anpassung und Training.
Beispiele für Hilfsmittel:
Anziehhilfen: Spezialzangen, Schlupfanziehhaken, Reißverschluss-Griffe oder Schulterfisch. Diese erleichtern das Anziehen bei eingeschränkter Handbeweglichkeit oder Rumpfrotation.
Esshilfen: Spezielles Besteck mit griffigen, dicken oder gewinkelten Griffen für Tremor- oder Greifstörungen. Teller mit feststehender Unterlage oder hohen, rutschfesten Rand. Spezielle rutschfeste Unterlagen können das Abrutschen des Geschirrs verhindern.
Geh- und Mobilitätshilfen: Rollatoren, Gehstöcke, Rollstühle – jeweils passend zum Körpermaß und Bewegungsbild ausgewählt. Ein Ergotherapeut prüft, ob der Rollator auf die richtige Höhe eingestellt ist, ob Griffe gut in der Hand liegen, und übt mit dem Senior das sichere Wenden und Aufsitzen.
Wohnraumhilfen: Toilettensitzerhöhungen, Duschhocker, Haltegriffe im Bad und Flur. Bei Bettlägerigkeit können Patientenbettseiten zum Festhalten angebracht oder Lattenroste aufgerollt werden.
Alltagshelfer: Anreicherung von alltäglichen Gegenständen, z. B. ein größerer Griff am Schraubverschluss, Farbcodierung auf Armaturen (rot = heiß) oder kontrastreiche Markierungen (heller Teller für grauen Zimmerwänden) für Menschen mit Sehproblemen.
Durchführung des Trainings: Nach Auswahl bringt der Ergotherapeut das Hilfsmittel mit und bringt es in die Übungssituation ein. Er demonstriert dem Senior seine Verwendung und lässt den Patienten ausprobieren. Wichtig ist, dass der Senior lernt, das Hilfsmittel sicher und effektiv zu gebrauchen – und es nicht zum Auffangbecken für Staub wird. Deshalb wird z. B. mit einer Mobilitätshilfe nicht nur der Vorwärtsschritt geübt, sondern auch das Ein- und Aussteigen aus dem Rollstuhl. Anschließend bespricht der Therapeut mit dem Senioren (und ggf. Pflegenden), wo und wie das Hilfsmittel im Alltag eingesetzt wird. Oft werden Anleitungen für Angehörige oder Pflegekräfte hinterlegt. Die Ergotherapeutin unterstützt auch bei der Beantragung der Hilfsmittel durch Krankenkasse oder Pflegekasse, da die korrekte Abrechnung wichtig ist.
Dauer: Das gezielte Üben mit einem neuen Hilfsmittel dauert meist 5–15 Minuten pro Einheit – aber mehr Übung (auch in der Pflegepraxis nach Plan) ist sinnvoll. Ein Rollator-Üben kann z. B. über mehrere Tage verteilt sein, bis der Senior damit sicher ist. Manche Anpassungen (z. B. eine Liftermontage) erfordern mehrere Termine. Pflegekräfte sollten diese Hilfsmittel stets griffbereit halten und den Umgang unterstützen: Sie beobachten, ob etwas noch richtig eingestellt ist oder ob Nachjustierungen nötig sind.
Gruppenangebote
Ziel: Gruppenaktivitäten schaffen Motivation, soziale Bindung und ermöglichen ein gemeinsames Lernen. Sie sprechen mehrere Therapieziele zugleich an: soziale Teilhabe, Kommunikation, kognitive Aktivierung und motorische Übung.
Arten von Gruppenangeboten:
Bewegungs- und Gymnastikgruppen: Sitzgymnastik, leichtes Tanzen (z. B. Sitztanz zu Musik), Ballspiele oder Übungen mit Tüchern und leichten Bändern. Diese Gruppen fördern die Mobilität, Koordination und das Gleichgewicht – und machen meist Spaß, weil Musik und Gemeinschaft eingebunden sind. Eine typische Einheit dauert 30–45 Minuten. Materialien: Gymnastikbälle, Therabänder, leichte Bälle, Musikbeschallung.
Gedächtnistraininggruppen: Kleine Gruppen (4–6 Personen) treffen sich regelmäßig zur kognitiven Stimulation. Dabei werden Merkhilfen spielerisch eingesetzt: Memory-Spiele, Quizfragen, Wortketten bilden („Früchte: Apfel, Erdbeere, …“), gemeinsames Lösen von Kreuzworträtseln an einer Wandzeitung oder „Einkaufsliste-Spiel“. Solche Gruppen erfolgen ohne Leistungsdruck, um den sozialen Aspekt in den Vordergrund zu stellen. Eine Sitzung dauert etwa 30–60 Minuten. Hierbei profitieren auch Menschen mit leichter Demenz, da sie sich einbringen können und Erfolgserlebnisse haben.
Alltagstrainingsgruppen: Praxisorientierte Gruppensettings, z. B. gemeinsames Kochen oder Backen im Therapieküchen-Modul des Heims. Dabei wird der gesamte Handlungsspielraum trainiert: von der Planung (Rezept auswählen, Zutaten auflisten) über Feinmotorik (Rühren, Schneiden) bis zur Problemlösung (Wo stelle ich die schwere Schüssel ab?). Auch Basteln oder Handarbeiten können dazugehören. Der Sinn ist, Alltagssituationen in der Gemeinschaft zu üben. Dauer: oft 60–90 Minuten (inklusive Essensphase); es wird mit realen Materialien (Lebensmittel, Kochgeräte) gearbeitet.
Kreativ- und Musikgruppen: Angebote wie Malen, Basteln, Töpfern, Seidenmalerei oder gemeinsame Singstunde. Diese sprechen die Sinne an und fördern Feinmotorik und Kreativität. Meist stehen hier Spaß und Selbstausdruck im Vordergrund. Materialien: Pinsel und Farbe, Ton, Knete, Bastelbedarf, einfache Musikinstrumente (Rasseln, Trommeln). Eine Einheit kann 30–60 Minuten dauern. Wichtig ist, dass es kein „Leistungskurs“ ist: Das Ergebnis muss nicht perfekt sein, jeder Erfolg wird wertgeschätzt. Gruppenleiter sorgen für anregende Themen (z. B. saisonale Dekorationen) und ausreichend Unterstützung.
Soziale Gesprächs- und Themenrunden: Regelmäßige Treffen, bei denen sich Bewohner über ein Thema austauschen (z. B. „Frühlingserinnerungen“, „Lieblingslieder“) oder gemeinschaftlich Aktivitäten wie Bingo oder leichte Gesellschaftsspiele durchgeführt werden. Hier steht weniger das Training als solches im Vordergrund, sondern der soziale Kontakt und die geistige Aktivierung durch Austausch. Erfolge sind beispielsweise Lachen, Diskussionen oder neue Freundschaften.
Materialhinweise: Gruppen erfordern meist Vorbereitungen: Bei Bewegungsgruppen werden Stühle im Kreis aufgestellt, gesunde Getränkespender bereitgestellt. Kognitive Gruppen benötigen Karten, Flipcharts oder Whiteboards. Kreativgruppen benötigen Bastelmaterial entsprechend dem Thema. Wichtig ist stets, dass die Materialien altersgerecht und sicher sind (dicke Pinsel für bessere Handhabung, ungiftige Farben, robuste Gegenstände). Auch Raumgestaltung spielt eine Rolle: Ein gut beleuchteter, ruhiger Raum ohne Störquellen unterstützt die Konzentration aller Teilnehmer.
Dauer und Häufigkeit: Gruppensitzungen finden je nach Angebot einmal bis mehrmals wöchentlich statt. Je nach Thema dauern sie zwischen 30 Minuten (kurze Aktivierungen) und 2 Stunden (z. B. umfangreicheres Kochen inkl. Essen). Die Ergotherapeutin oder eine hierfür ausgebildete Fachkraft leitet die Gruppe, manchmal unterstützt durch Helfer oder Betreuungskräfte. Ein Vorteil ist: Mehrere Senioren profitieren gleichzeitig, was Ressourcen effizient nutzt. Dabei ergibt sich oft informeller Lerntransfer: Teilnehmer helfen sich gegenseitig, beobachten Modelle durch den Therapeut oder lachen gemeinsam über kleine Missgeschicke – all das stärkt Selbstvertrauen und Gruppe.
Umsetzung in der Praxis
Damit ergotherapeutische Angebote wirksam sind, müssen sie eng mit dem Pflegealltag verzahnt werden. Hier einige Leitlinien und Praxistipps:
Integration in den Pflegealltag: Ergotherapie sollte nicht isoliert stattfinden, sondern die täglichen Routinen ergänzen. So kann beispielsweise das Rumpftraining aus der Einzeltherapie während der morgendlichen Pflege (Waschen, Ankleiden) weitergeführt werden. Wenn beim Umsetzen vom Bett Hilfe erforderlich ist, kann der Pflegekraft dabei eine sensomotorische Anregung eingebaut werden (etwa verschiedene Fußunterlagen benutzen). Wichtig ist, dass Pflegekräfte nach Anweisung des Ergotherapeuten Übungen gegebenenfalls fortsetzen – natürlich in Absprache. Stuhlbasiertes Gleichgewichts- oder Armtrainings können direkt bei der Essenszeit eingebaut werden (etwa beim Servieren des Brots oder beim Ausleeren von Früchten). Durch solche handlungsorientierte Ansätze im Alltagskontext erhöht sich die Übertragbarkeit des Gelernten erheblich.
Zusammenarbeit und Kommunikation: Ergotherapeuten arbeiten im interdisziplinären Team eng mit Pflegekräften, Ärzten, Physiotherapeuten, Logopäden und dem Sozialdienst zusammen. Pflegekräfte sollten aktiv an Absprachen teilnehmen: In gemeinsamen Teamsitzungen oder Fallbesprechungen werden Ziele definiert und die Therapieplanung abgestimmt. Jede Berufsgruppe bringt ihre Perspektive ein. Zum Beispiel könnte ein Ergotherapeut die Beobachtung machen, dass ein Bewohner beim Essen oft Traubensaft verschüttet – gemeinsam mit der Pflege plant man dann z. B. Mahlzeiten bei ruhiger Atmosphäre oder etwas dickflüssigere Getränke. Alle Absprachen (Ziele, Fortschritte, Anpassungen) werden möglichst gemeinsam dokumentiert. So weiß jeder, warum etwa der Therapeut gerade dreimal pro Woche statt zweimal im Heim ist oder dass der Patient jetzt einen anderen Rollator ausprobiert.
Rollenverständnis: Betreuungskräfte übernehmen keine Therapie, sondern unterstützen therapeutische Maßnahmen. Das bedeutet konkret: Sie setzen die Empfehlungen der Ergotherapeuten um (z. B. üben mit den Bewohnern weiter, achten auf die Nutzung der empfohlenen Hilfsmittel) und geben Rückmeldung über Erfolge oder Schwierigkeiten. Wichtigerweise folgen Pflegekräfte und Betreuer den Anweisungen des Therapeuten nicht bloß passiv, sondern können selbst Vorschläge machen, etwa wenn im Alltag noch ein Problem auffällt. Andererseits werden Pflege- und Betreuungsaufgaben nicht einfach an Ergotherapeuten delegiert – die Therapie findet zu den vereinbarten Zeiten statt. Beispielsweise bleibt das morgendliche Hilfeleisten beim Waschen die Aufgabe der Pflege, sie kann aber mit dem Ergotherapeuten gemeinsam Ideen entwickeln (Weniger Unterstützung an bestimmten Stellen, um aktivieren zu lassen).
Rahmenbedingungen beachten: Ergotherapie braucht geeignete Räume und Materialien. Pflegeheime sollten dafür sorgen, dass Therapeuten Zugang zu einem ruhigen Behandlungszimmer haben. Auch Verbrauchsmaterialien (Therapieknete, Bälle, Bastelmaterial) sollten bereitgestellt sein. Pflegepersonal kann dabei helfen, Räume frei zu räumen oder Materialien bereitzustellen. Zudem achten alle Beteiligten auf die zeitliche Planung: Ergotherapie findet oft zu festgelegten Zeiten statt, zu denen Bewohner frei von anderen Terminen sein sollten. Hier ist gegenseitige Rücksicht wichtig, damit etwa Ärztevisite oder Gemeinschaftsprogramm die Therapie nicht stören.
Dokumentation und Informationsweitergabe: Für die Wirksamkeit ist es wichtig, Fortschritte zu dokumentieren. Ergotherapeuten schreiben in ihren Berichten, welche Übungen stattgefunden haben und welche Verbesserungen beobachtet wurden. Pflegekräfte können ergänzend im Pflegebericht notieren, wenn sie Übungen nach Anleitung fortgeführt oder Probleme beim Transfer bemerkt haben. So entsteht ein gemeinsames Bild. Kurze Absprachen am Ende einer Schicht oder Übergabe lassen sicherstellen, dass jeder über neue Übungen und Ziele informiert ist. Beispielsweise kann ein Pfleger morgens beim Übergabegespräch erwähnen, ob der Bewohner gut ans Training mitgemacht hat oder ob er müde wirkte – solche Beobachtungen sind wichtig für den nächsten Therapeuten.
Schulung und Sensibilisierung: Betreuungskräfte können von den Therapeuten lernen. Oft bieten Ergotherapeuten kurze Schulungen für das Personal an (z. B. zu richtigem Transferverhalten oder zum Gebrauch neuer Hilfsmittel). Wenn Betreuer wissen, warum etwas sinnvoll ist, führen sie es engagierter durch. Umgekehrt können Pflegekräfte den Ergotherapeuten auch informelle Rückmeldung geben: Zum Beispiel über die Tagesform eines Bewohners oder über familiäre Hintergründe, die den Therapieerfolg beeinflussen (z. B. ob jemand neuerdings trinkt oder Halluzinationen hat).
Fokus auf Alltagsrelevanz: In der Praxis gilt es stets, den Transfer ins Gewohnte zu ermöglichen. Daher besprechen Ergotherapeuten wichtige Maßnahmen oft mit dem gesamten Team. Beispielsweise kann ein Therapieansatz sein, das mittägliche Ankleiden von der stationären Situation in den Wohnbereich zu verlegen – dann sind Pflegekräfte gefragt, diesen Ablauf zu unterstützen (Stuhlsohle vor das Bett stellen, beim Hochziehen anleiten). Oder es geht darum, dass eine bestimmte Übung (etwa Fingerkraft mit Knete) erst im Therapieraum geübt, dann aber in der Freizeit in den Tagesplan eingebaut wird. Diese Verzahnung sichert, dass die Ergotherapie kein Fremdkörper bleibt, sondern Teil des Alltags wird.
Ergotherapeutische Aktivierungen
Ergotherapie im Alter verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Sie fördert motorische, kognitive, sensomotorische und psychosoziale Fähigkeiten gleichermaßen. Durch gezielte Aktivitäten sollen Selbstständigkeit und Lebensqualität erhalten und verbessert werden.
Motorisch-funktionelle Förderung
Ziel motorisch-funktioneller Aktivierungen ist es, Mobilität, Kraft, Koordination und Gleichgewicht älterer Menschen zu erhalten oder zu verbessern. Regelmäßige Bewegungsübungen stärken Muskeln und Gelenke, fördern die Ausdauer und dienen der Sturzprophylaxe. Hier einige Beispiele:
Armkreisen mit Theraband
Materialliste: Leichtes Theraband, stabiler Stuhl.
Umsetzung: Der Klient sitzt aufrecht auf dem Stuhl. Das Theraband hält er mit beiden Händen vor dem Körper. Zunächst die Arme nach vorne ausstrecken und langsam wieder zurückführen. Dann abwechselnd die Arme seitlich vom Körper wegziehen und wieder an den Körper heranführen. Jede Übung wird mehrmals (z. B. 3×10 Wiederholungen) langsam ausgeführt.
Praxisbeispiel: Im Gespräch mit dem Klienten nimmt der Ergotherapeut das Theraband und zeigt die Übung vor. Zusammen führen sie die Armkreise aus. Der Klient kann so sein Schultergelenk mobilisieren und gleichzeitig seine Rumpfstabilität trainieren.
Ballwerfen im Sitzen
Materialliste: Weicher Soft- oder Gymnastikball.
Umsetzung: Der Klient sitzt auf einem Stuhl, der Ergotherapeut oder ein weiterer Teilnehmer sitzt ihm gegenüber. Der Ergotherapeut wirft den Ball leicht zum Klienten, der ihn mit beiden Händen fängt. Danach wirft der Klient den Ball zurück. Variationen: Wechselnd mit Rechts/Links fangen, Ball zwischen Stuhl und Wand prellen, oder kleiner Ball werden, um die Griffkraft zu üben. Fünf bis zehn Würfe pro Satz.
Praxisbeispiel: Bei einem Gruppentermin wirft der Ergotherapeut einem älteren Mann den Ball zu, der mit konzentrierter Miene fängt. Dabei fordert diese Übung die Hand-Auge-Koordination und regt zugleich zur Kommunikation an („Abfangen des Balles mit den Händen trainiert Feinmotorik und Konzentration“).
Sitz-Steh-Übung (Stuhlstand)
Materialliste: Stuhl ohne Armlehnen.
Umsetzung: Der Klient sitzt vorne auf dem Stuhlrand, Füße hüftbreit aufgestellt. Mit geradem Rücken und Kinn leicht eingezogen steht er langsam auf und setzt sich anschließend kontrolliert wieder hin. Die Hände können an den Oberschenkeln oder am Stuhlrand zur Unterstützung benutzt werden. Diese Übung fördert Bein- und Rumpfmuskulatur sowie Balance. Man beginnt mit wenigen Wiederholungen (z. B. 5-mal) und steigert allmählich.
Praxisbeispiel: Der Ergotherapeut übt mit einer Klientin das Aufstehen. Er gibt verbal Anleitung („Schiebe das Becken nach vorne, spüre den Stuhl mit den Füßen“). Nachdem die Patientin aufgestanden ist, setzt sie sich bewusst langsam zurück. Diese Aktivierung fördert Muskelkraft in den Beinen und gibt Sicherheit beim Transfer aus dem Sitzen.
Einbeinstand-Gleichgewichtstraining
Materialliste: Stuhl oder Geländer als Haltehilfe.
Umsetzung: Der Klient steht hinter einem Stuhl. Er stützt sich leicht mit einer Hand auf die Stuhllehne. Mit dem Gewicht langsam verlagert er sich auf ein Bein und hebt das andere nur wenige Zentimeter an. Man hält diese Position für 10–20 Sekunden, dann wechselt das Bein. Danach kann auch versucht werden, kurz loszulassen und ohne Halt zu stehen. Variationen: Beim Einbeinstand leichte Gewichtsverlagerung nach vorne und hinten oder Augen schließen (nur mit Aufsicht).
Praxisbeispiel: Eine betreute Person soll täglich Stehübungen machen. Der Ergotherapeut erklärt: „Stelle dich in Hüftbreit vor den Stuhl, halte dich kurz fest und hebe dann das rechte Bein an.“ Die Klientin übt dies mit Unterstützung und verbessert so ihr Gleichgewicht, was Sturzrisiko vermindert.
Beinstrecken am Stuhl
Materialliste: Stuhl, evtl. leichte Fußgewichte (Gewichtsmanschetten) oder ein leichter Medizinball.
Umsetzung: Der Klient sitzt aufrecht auf dem Stuhl. Eine Anleitung lautet: „Führe ein Bein langsam nach vorne, bis es fast gestreckt ist, und senke es wieder ab.“ Anschließend dasselbe mit dem anderen Bein. Die Beine abwechselnd ausstrecken (jeweils 10–15 Mal pro Seite). Kann mit Fußgewichten erhöht werden. Diese Übung trainiert Quadrizeps und Hüftbeuger.
Praxisbeispiel: Ein älterer Mann übt Beinstrecker im Therapiezimmer. Er wiederholt 12 Mal pro Seite, während der Ergotherapeut darauf achtet, dass der Rücken aufrecht bleibt. Später kann für Abwechslung auch ein leichter Ball über dem Bein balanciert werden, um feinmotorische Kontrolle zu schulen.
Feinmotorik-Training mit Wäscheklammern
Materialliste: Mehrere Holz- oder Plastik-Wäscheklammern, leere Plastikflaschen oder dicke Schnur.
Umsetzung: Der Klient befestigt nacheinander Wäscheklammern an einer Schnur oder an einer Plastikflasche. Beispielsweise zieht er Klammern vom Tischrand ab und clipst sie an einen Rahmen oder eine Schnur. Dies trainiert die Pinzettengriff-Kraft. Variationen: Eine Klammer mit Zeigefinger und Daumen halten, Tausch mit der anderen Hand, gewichteter Wäscheklammern (mit Gummiring). Die Aktivierung kann als spielerisches Element in eine kleine Wettbewerbsübung umgestaltet werden (wer schafft mehr Klammern).
Praxisbeispiel: Während der Therapie misst der Ergotherapeut, wie viele Klammern die Klientin in 60 Sekunden anbringen kann. Dies fördert die Fingerkraft und Geschicklichkeit. Danach wechseln sie Rollen: Jetzt löst sie die Klammern, um Fingerspitzenkontrolle bei der entfernten Bewegung zu schulen.
Neuropsychologisch-kognitive Förderung
Kognitive Aktivierungen richten sich an Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Orientierung und exekutive Funktionen. Gedächtnistraining kann den Abbau kognitiver Fähigkeiten verzögern und das Selbstwertgefühl stärken. Hier einige Ideen:
Memory-Spiel mit Bildern
Materialliste: Memory-Kartenset oder selbst erstelltes Memory mit Alltagsbildern (z. B. Tiere, Haushaltsgegenstände) in größerem Format.
Umsetzung: Die Karten (jeweils Bildpaare) werden verdeckt gemischt und in Reihen ausgelegt. Die Teilnehmer decken nacheinander zwei Karten auf und merken sich ihre Position. Paare werden beiseitegelegt, und wer ein Paar gefunden hat, darf weitersuchen. Dieses Spiel trainiert visuelles Gedächtnis und Merkfähigkeit. Die Schwierigkeitsstufe kann angepasst werden (mehr Kartenpaare bei kognitiv kräftigeren Klienten).
Praxisbeispiel: In einer Kleingruppe spielt der Ergotherapeut Memory. Eine Seniorin deckt eine Katze und eine Blume auf – kein Treffer. Nach und nach erinnert sich der Klient, wo er das Katze-Bild gesehen hat, und findet das passende Gegenstück. Gemeinsam loben sie jeden Erfolg, was das Selbstbewusstsein stärkt.
Lieder erraten (Musikalische Erinnerung)
Materialliste: Audiodatei oder CD mit bekannten Volksliedern, Lautsprecher.
Umsetzung: Der Ergotherapeut spielt die ersten Takte eines vertrauten Liedes (z. B. „Ännchen von Tharau“, Volkslied oder Schlager aus der Jugend). Die Senioren sollen Titel und Interpreten erraten, wenn möglich auch mitsingen oder summen. Dies weckt biografische Erinnerungen und fordert das Langzeitgedächtnis. Bei Bedarf kann ein Liedtextbuch verwendet werden.
Praxisbeispiel: Ein Klient hört vertraute Melodien. Nachdem die Melodie erklingt, sagt der Ergotherapeut: „Erkennen Sie das Lied?“ Gemeinsam summen sie, und der Klient lacht, als er den Liedtitel wiederkennt. Das gemeinsame Singen macht Freude und fördert die Orientierung (Wochentag/Lied).
Sprichwörter vervollständigen
Materialliste: Karteikarten mit bekannten Sprichwörtern (Halbsätze) oder ein kleines Flipchart.
Umsetzung: Die Teilnehmer vervollständigen bekannte Sprichwörter oder Redensarten. Beispiele: „Morgenstund’ hat …“, „Was Hänschen nicht lernt …“, „Aller Anfang ist …“. Der Ergotherapeut liest den ersten Satzteil vor, und die Klienten suchen die Endung. Diese Übung aktiviert das Langzeitgedächtnis und die Wortfindung. Anschließend kann das vollständige Sprichwort besprochen oder illustriert werden.
Praxisbeispiel: In einer Therapiesitzung liest der Ergotherapeut: „Aller Anfang ist…“ Eine Seniorin fällt das fehlende Wort „schwer“ ein. Im Gespräch erinnert sie sich an den Sinn des Sprichworts und an Situationen aus ihrem Leben, wo es aufging.
Zahlen-Merkübung (Gedächtnistraining)
Materialliste: Zettel und Stift für den Therapeuten, Liste von Zahlenfolgen (alltagsnah, z. B. Telefonnummern, Einkaufsrechnung).
Umsetzung: Der Ergotherapeut nennt dem Klienten eine kurze Zahlenreihe (z. B. 4–1–6–2). Der Klient soll sich diese Zahlen mit einer Geschichte oder Bildverknüpfung merken (z. B. 4162 als „ein Elefant (6) hält ein vierblättriges Kleeblatt (4) und vor ihm schwimmt ein Schwan (2) und hält eine Kerze (1)“). Dann soll er die Reihe wiederholen. Diese Methode (Eselsbrücke) fördert Gedächtnisstrategien. Steigerung: längere Reihen oder Zahlen rückwärts merken.
Praxisbeispiel: Der Ergotherapeut notiert das Datum „21. 10.“ in einer kreativen Geschichte. Die Klientin erinnert sich später an ihr Geburtstagsdatum, indem sie die Geschichte nochmals erzählt. Die Übung zeigt, wie kreative Verknüpfungen helfen, Ziffern zu behalten.
Wortsuche (Buchstabensalat)
Materialliste: Hefte mit Großdruck-Wortgitter oder selbst erstellte Zettel mit gemischten Buchstaben (z. B. Früchte, Farben, Städte).
Umsetzung: Der Klient sucht in einem Buchstabensalat nach vorgegebenen Wörtern (horizontal, vertikal oder diagonal). Alternativ können Buchstabenkarten gemischt und in die richtige Reihenfolge zu sinnvollen Wörtern sortiert werden. Dies trainiert visuelle Wahrnehmung, Konzentration und Wortschatz.
Praxisbeispiel: Eine Seniorengruppe erhält einen einfachen Zeitungsausschnitt mit unterstrichenen Worten, die sie im Buchstabensalat suchen sollen. Die Teilnehmer besprechen danach, was diese Wörter für sie bedeuten („Der Apfel erinnert mich an unseren Garten“).
Kreuzworträtsel oder Sudoku (angepasst)
Materialliste: Große Kreuzworträtsel- oder Sudokuvorlagen in leichter Schwierigkeitsstufe, Stifte.
Umsetzung: Der Klient löst altersgerechte Rätselblätter. Zum Beispiel einfaches Sudoku in 4×4-Feldern oder ein Kreuzworträtsel mit großen Buchstaben, in das Alltagsbegriffe eingetragen werden. Diese Übungen fördern logisches Denken, Aufmerksamkeit und Wortfindung. Bei Bedarf tippt der Ergotherapeut Hinweise an, um Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.
Praxisbeispiel: Bei einer Einzeltherapie löst ein älterer Mann eine Kreuzworträtselaufgabe zum Thema „Obst und Gemüse“. Er grübelt an einer Frage, bis der Ergotherapeut schult: „Fängt mit K an, ist gesund, wir essen sie roh oder gekocht.“ Der Klient rät schließlich „Karotte“.
Konzentrationsübung: Karten sortieren
Materialliste: Einfache Spielkarten (z. B. Quartett-Karten mit Bildern), Wäscheklammern, Sortierschachtel.
Umsetzung: Auf einer großen Tischfläche oder Magnettafel werden verschiedene Karten (Farben, Zahlen, Tiere) verteilt. Der Klient soll sie sortieren – nach Farbe, Form oder Anzahl. Beispielsweise legt er alle roten Karten zusammen oder ordnet Karten nach Wochentagen. Auch Rechen- und Sortieraufgaben mit Geldmünzen gehören dazu. Solche Aufgaben schulen die Aufmerksamkeit auf Details und Planungsfähigkeit.
Praxisbeispiel: Eine Klientin sortiert bunte Karten nach Farben und zählt nebenbei, wie viele Karten sie in jeder Farbe hat. Nach dem Aufräumen bespricht der Ergotherapeut mit ihr, ob es einfacher war, gleich Rot zusammenzulegen oder abwechselnd.
Geschichten weiterspinnen
Materialliste: Kurze Bildergeschichten oder Start einer Erzählung auf Karteikarten.
Umsetzung: Der Klient erhält den Anfang einer Geschichte oder einen Bildimpuls und soll sie fortsetzen. Dabei werden Konzentration, Phantasie und Sprachproduktion trainiert. Zum Beispiel: „Herr Müller geht morgens spazieren und findet …“. Der Klient ergänzt das Ende. Der Ergotherapeut notiert auf Wunsch Stichworte. Später werden Ergebnisse vorgelesen und besprochen.
Praxisbeispiel: In einer Gruppe beginnt der Ergotherapeut eine Geschichte: „Frau Schmidt findet auf ihrem Balkon jeden Morgen ein Post-it mit einem freundlichen Gruß.“ Ein Teilnehmer führt die Geschichte weiter: „Eines Tages steckt auch ein kleines Schokoladentäfelchen dabei.“ Die Gruppe lacht und ergänzt gemeinsam Details. So wird die verbale Ausdrucksfähigkeit gefördert.
Sensomotorisch-perzeptive Förderung
Sensomotorische Aktivierungen schärfen die Sinneswahrnehmung und die dazugehörigen Bewegungsabläufe. Durch Wahrnehmungsspiele werden Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken angesprochen und miteinander verknüpft. Dies hält das Gehirn aktiv und weckt Erinnerungen. Beispiele:
Geräuscheraten (Auditive Wahrnehmung)
Materialliste: Verschiedene Alltagsgegenstände (Bücher, Tassen, Papier, Schlüssel, Schere, Münzen).
Umsetzung: Der Ergotherapeut erzeugt Geräusche verdeckt (hinter einer Paraventwand oder mit geschlossenen Augen der Klienten), etwa durch Rascheln von Papier, Klappern mit Besteck, Gläser aneinanderstoßen oder Münzen klimpern. Die Teilnehmer hören genau hin und raten, welches Objekt das Geräusch macht. Danach werden die Gegenstände gezeigt und kurz besprochen. Diese Übung aktiviert das Hörgedächtnis und verknüpft Geräusche mit Erinnerungen.
Praxisbeispiel: Bei einer Gruppenübung erzeugt der Therapeut das Rascheln von Trockenblättern. Eine Klientin erkennt sofort „Laub rascheln“ und erzählt von Spaziergängen im Herbst. Die soziale Interaktion fördert das Gemeinschaftsgefühl.
Riech-Memory (Olfaktorische Wahrnehmung)
Materialliste: Kleine Gefäße oder Beutel, stark duftende Lebensmittel oder Gewürze (Kaffee, Tee, Zimt, Orange, Lavendel, Kräuter).
Umsetzung: Die Duftstoffe werden einzeln in kleine verschließbare Dosen oder Beutel gegeben, jeweils zwei mit gleichem Inhalt. Die Deckel werden abgedeckt, damit man nur riechen kann. Die Teilnehmer riechen nacheinander und versuchen, die Dosen mit dem gleichen Geruchspaar zuzuordnen. Alternativ: Eine Duftprobe an den Klienten reichen und sie raten lassen („Was riechen Sie?“). Diese Übung stimuliert den Geruchssinn und ruft biografische Erinnerungen wach (z. B. Oma’s Kuchen oder Gartenkräuter).
Praxisbeispiel: Eine Klientin schnuppert an einer Kaffeedose mit verschlossenem Deckel und sagt: „Das ist Kaffee“. Sie erinnert sich an gemeinsame Kaffee-Sonntage in der Familie. Der Ergotherapeut fragt nach weiteren Erinnerungen, sodass das Erlebte geteilt wird.
Tastkiste (Taktile Wahrnehmung)
Materialliste: Verschiedene vertraute Gegenstände (Gegenstände aus der Küche, Naturmaterialien wie Steine, Holz, Kastanie, Stoffreste) und eine blickdichte Box oder ein Säckchen.
Umsetzung: Der Klient greift – mit geschlossenen Augen – in die Kiste und fühlt einen Gegenstand. Anschließend beschreibt er die Form, Textur oder Kälte und versucht zu erraten, was es ist. Danach wird das Objekt gezeigt. Diese Übung sensibilisiert den Tastsinn und schult die verbale Beschreibung („hart“ vs. „weich“, „rau“ vs. „glatt“).
Praxisbeispiel: Ein Gegenstand, den der Klient ertastet hat, ist ein Kieferzapfen. Er sagt „Grob und stachelig“. Als der Ergotherapeut den Zapfen zeigt, lächelt der Klient: „Ja, ein Zapfen. Ich habe früher gesammelt.“ Durch das Beschreiben wird die Wahrnehmung angeregt.
Geschmackstest (Gustatorische Wahrnehmung)
Materialliste: Verschiedene leichte Speisen oder Getränke, beispielsweise verschiedene Apfelsorten in kleine Stücke geschnitten, Teesorten, Säfte oder Marmeladen.
Umsetzung: Die Teilnehmer kosten nacheinander von den Proben (z. B. Apfelsorten oder Tees) und beschreiben, ob es süß, sauer, bitter oder salzig schmeckt. Anschließend versuchen sie, Apfelstücke einer Saftprobe zuzuordnen (Welcher Saft passte zu welchem Obst?). Diese Übung kann besonders in Gemeinschaftssituationen erfolgen. Sie fördert Wahrnehmung und spricht oft Gefühle und Erinnerungen an („Der Zimtduft erinnert mich an Weihnachten“).
Praxisbeispiel: Auf dem Therapietisch stehen drei Schälchen mit Apfelstücken. Die Klientin probiert fröhlich und entdeckt Unterschiede. Sie sagt: „Der grüne Apfel ist sehr sauer.“ Nach dem Raten, welcher Apfelsaft in welchem Glas ist, erinnern sich alle an ein gemeinsames Backerlebnis mit der Familie.
Sand- und Kirschkernbad (Taktile Wahrnehmung)
Materialliste: Kiste mit feinem Sand oder Kirschkernen (gewaschen und getrocknet), mehrere kleine Alltagsgegenstände (Löffel, Kugel, Korken).
Umsetzung: Die Gegenstände werden im Sand oder in den Kernen vergraben. Die Teilnehmer suchen sie mit den Händen oder einem kleinen Haken. Dabei erleben sie einen intensiven Tastsinn-Reiz. Variante: Zwei gleiche Gegenstände verstecken, so entsteht ein fühlbasiertes Memory. Diese Übung regt Finger- und Handkoordination an und bietet ein abwechslungsreiches haptisches Erlebnis.
Praxisbeispiel: Ein Klient taucht beide Hände in eine Schüssel mit Kirschkernen und ertastet einen kleinen Ball. Er stöhnt lachend auf, als der Ball in den Kernen verrutscht. Anschließend beschreibt er dem Therapeuten das weiche, rundliche Gefühl, was die taktile Aufmerksamkeit unterstützt.
Fühlkette (Sinnesanregung mit Gespräch)
Materialliste: Verschiedene Gegenstände (kleine Spielzeugtiere, Musikinstrumente, Haushaltsutensilien) an einer Schnur aufgefädelt.
Umsetzung: Die Schnur mit den Gegenständen wird reihum gegeben. Jeder Teilnehmer greift mit den Händen an der Schnur entlang und fühlt ein Objekt, ohne hinzuschauen. Nach dem Ertasten nennt er seinen Eindruck und spricht über die Assoziationen (z. B. „weich, erinnert mich an …“). Häufig wird eine gemeinsame Gesprächsrunde daraus, in der über Wahrnehmung und Erinnerungen gesprochen wird.
Praxisbeispiel: In einer Kleingruppe hält der Ergotherapeut der Klientin eine Fühlkette hin. Sie ertastet eine kleine Kugel und sagt: „Kalt und glatt. So ein Glasstück vielleicht?“ Der Ergotherapeut zeigt ein kleines Glasornament. Die Gruppe spricht darüber, wo sie schon einmal derartige Kugeln gesehen haben (z. B. Christbaumkugeln).
Makro-Fotos erraten (Visuelle Wahrnehmung)
Materialliste: Nahaufnahmen (Makroaufnahmen) von Alltagsgegenständen oder Lebensmitteln, ausgedruckt oder auf Tablet. Beispiel: Nahaufnahme einer Erdbeere, einer Schraube oder eines Blattes, sodass nur ein Ausschnitt zu sehen ist.
Umsetzung: Die vergrößerten Bilder werden gezeigt, und die Teilnehmer versuchen zu erraten, welchen Gegenstand sie sehen. Anschließend wird das vollständige Bild und der Gegenstand gezeigt. Dies schärft Blick für Details und visuelles Denken („Was könnte das sein?“).
Praxisbeispiel: Der Therapeut zeigt ein Bild, das nur mit vielen roten Punkten und grüner Umrandung gefüllt ist. Eine Seniorin überlegt: „Erdbeere vielleicht?“ Bei Auflösung haben alle viel Spaß.
Farben und Formen sortieren
Materialliste: Bunte Gegenstände oder Karten (z. B. Kunststoffsteine, Buttons, Bauklötze) in verschiedenen Farben und Formen.
Umsetzung: Der Klient sortiert die Objekte nach bestimmten Kriterien: erst nach Farbe (alle Rot zusammen), dann nach Form (alle Kreise zusammen) usw. Als Steigerung können Regeln kombiniert werden (z. B. zuerst nach Farbe, dann innerhalb der Farbe nach Form). Dies fördert visuelle Differenzierung, Kategorisierung und Aufmerksamkeit.
Praxisbeispiel: Eine Klientin sortiert bunte Kunststoffringe auf Stäben – zuerst nach Farbe, dann nach Durchmesser. Anschließend bespricht der Ergotherapeut mit ihr, wie schnell sie die Aufgabe lösen konnte. Dieses Erfolgserlebnis motiviert zur nächsten kniffligeren Runde.
Psychosoziale Aktivierung
Psychosoziale Aktivitäten fördern Gemeinschaft, Kommunikation und seelisches Wohlbefinden. Gemeinsame Spiele, Gespräche und kreative Ausdrucksformen geben älteren Menschen soziale Kontakte und Erfolgserlebnisse. Beispiele:
Erinnerungsrunde (Biografie-Erzählen)
Materialliste: Fotoalbum oder Bilderrahmen mit alten Familienfotos, Alltagsgegenständen aus früheren Zeiten (alte Uhr, Schreibmaschine, Spielzeug).
Umsetzung: In lockerer Gesprächsrunde zeigt der Ergotherapeut Fotos oder Gegenstände aus der Vergangenheit. Die Senioren werden eingeladen, darüber zu sprechen, was sie erkennen („Wer ist darauf?“, „Wo war das?“, „Wie hast du das damals empfunden?“). Jeder Beitrag wird ermuntert. Dies stärkt das Selbstwertgefühl und trainiert das autobiografische Gedächtnis. Erzählen hält das Gedächtnis jung und schafft Gemeinschaft.
Praxisbeispiel: Ein Gruppenangebot zeigt ein altes Postkartenfoto eines Stadtplatzes von 1960. Eine Bewohnerin beginnt: „Das ist mein Heimatdorf, dort habe ich als Kind gespielt.“ Die anderen hören gespannt zu und ergänzen ihre eigenen Kindheitserinnerungen.
Singen in der Gruppe (Musikalische Aktivierung)
Materialliste: Liedtexte bekannter Volkslieder oder Schlagern in Großdruck, eventuell ein Instrument (Gitarre, Keyboard).
Umsetzung: Ein Ergotherapeut oder freiwilliger Teilnehmer beginnt ein bekanntes Lied, und die Gruppe singt gemeinsam (z. B. Volkslieder, kirchliche Lieder, Schlager aus der Jugendzeit). Die Liederauswahl orientiert sich an den Vorlieben der Gruppe. Musik löst Emotionen aus und kann ganzheitlich aktiviert werden – oftmals tanzen oder klatschen die Teilnehmer mit. Lieder erraten oder Mitsingen fördert Sprach- und Gedächtnisfunktionen.
Praxisbeispiel: In der Tagespflege beginnt der Ergotherapeut mit „Kein schöner Land“. Die Senioren singen laut mit. Eine fröhliche Stimmung breitet sich aus, man lächelt und klatscht. Das gemeinsame Singen regt soziale Bindungen an.
Gemeinsames Basteln / Handarbeiten
Materialliste: Bastelmaterialien (Papier, Scheren, Kleber, Farbe), Perlen und Faden zum Schmuckbasteln, Wolle und Nadeln für Stricken/Häkeln.
Umsetzung: Die Gruppe gestaltet gemeinsam ein kleines Kreativprojekt. Beispielsweise basteln alle eine bunte Karte oder eine Jahreszeitendekoration. Der Ergotherapeut gibt Anleitung und Beispiele, aber jeder darf eigene Ideen einbringen. Durch Handarbeit und Kreativität schulen die Teilnehmer Feinmotorik, Ausdauer und Kreativität, gleichzeitig tauschen sie sich aus. Gemeinsames Gestalten stärkt das Wir-Gefühl.
Praxisbeispiel: Eine Kleingruppe fertigt gemeinsam einen Frühlingskranz aus Papierblumen. Die Teilnehmer teilen Farbstifte und Schablonen, helfen sich beim Schneiden. Während des Bastelns erzählen sie Witze und Erlebnisse – die soziale Interaktion wird gefördert.
Brett- oder Kartenspiel in der Gruppe
Materialliste: Gesellschaftsspiel (z. B. Bingo, Domino, Mensch-ärgere-dich-nicht mit extra großen Figuren), Spielkarten mit großen Symbolen.
Umsetzung: In entspannter Runde wird ein einfaches Spiel gespielt, das alle Beteiligten kennen. Bingo oder großes Memory (siehe oben) eignen sich gut. Die Regeln sind leicht und der Schwierigkeitsgrad an die Gruppe angepasst. Solche Spiele schulen Konzentration, Regelverständnis und bringen Spaß. Der Ergotherapeut moderiert und erklärt die Regeln. Gemeinsames Lachen bei Spielpassagen verbessert die Stimmung.
Praxisbeispiel: Bei einem Bingo-Abend in der Tagespflege zieht der Ergotherapeut Zahlen. Eine Seniorin ruft „Bingo“ und darf sich ein kleines Geschenk aussuchen. Alle klatschen Beifall. Dieses gemeinsame Erfolgserlebnis stärkt die Motivation.
Humor und Erinnerungspflege (Witze erzählen)
Materialliste: Sammlung von harmlosen Witzen oder lustigen Reimen, ggf. ein kleiner Requisit (Clownsnase).
Umsetzung: In lockerer Atmosphäre erzählt jeder Teilnehmer – auf freiwilliger Basis – einen Witz oder lustige Anekdote. Der Ergotherapeut animiert durch gezielte Fragen („Erzähl mal, was Unvergessliches ist dir passiert!“). Auch lustige Gedichte oder Reimrätsel können vorgetragen werden. Humor entspannt und regt die Stimmung an. Beim Erzählen üben die Senioren zugleich das Erzählen von Handlungen und trainieren Sprache sowie soziale Interaktion.
Praxisbeispiel: Eine Seniorin erinnert sich an eine komische Begebenheit beim Einkaufen („Da ist mir die Brottüte geplatzt!“) und alle lachen herzhaft. Der Ergotherapeut greift diesen Faden auf und fragt weiter nach Details. Dabei schwindet Hemmschwelle, über Alltägliches zu sprechen, und die Gruppe lacht gemeinsam.
Alltagsnahe (ADL) Förderung
ADL-Aktivierungen (Alltagsaktivitäten) zielen darauf ab, alltägliche Verrichtungen und lebenspraktische Fähigkeiten zu trainieren. Erfolgserlebnisse im Haushalt oder bei der Körperpflege steigern Selbstvertrauen und Selbstständigkeit. Beispiele:
Gemeinsames Kochen oder Backen
Materialliste: Einfache Zutaten für ein leichtes Rezept (z. B. Brote, Obstsalat oder Kekse), Küchengeräte (Schüsseln, Kochlöffel, Messer mit Sicherheitsgriff), Schürzen.
Umsetzung: Der Ergotherapeut leitet ein einfaches Koch- oder Backprojekt. Zum Beispiel schneidet jeder Teilnehmer Obst für einen Obstsalat oder formt einen Brotteig. Die Schritte werden in Teilschritte zerlegt (Zutaten abwiegen, rühren, formen). Dabei übernimmt der Klient reell sinnvolle Tätigkeiten („Er gebe diesen Messbecher und mischt den Teig“). Dabei werden Feinmotorik (Schneiden, Rühren) und Planungsfähigkeiten (Reihenfolge merken) gefördert. Am Ende genießen alle gemeinsam das Ergebnis.
Praxisbeispiel: In der Ergotherapie-Gruppe bereiten die Klienten ein gemeinsames Frühstück vor. Eine Bewohnerin spült Gemüse, ein anderer schält Äpfel mit Unterstützung. Schließlich werden die fertigen Speisen zusammen gegessen. Der Ergotherapeut spricht mit den Teilnehmenden über die verwendeten Rezepte und regt zum Nachkochen im Alltag an.
Wäschepflege: Falten und Sortieren
Materialliste: Saubere, gebrauchte Kleidungsstücke (z. B. Handtücher, T-Shirts), Wäschekörbe oder Ablageflächer.
Umsetzung: Die Senioren falten gemeinsam Wäsche. Sie üben bewusst das Glätten und Zusammenlegen eines Handtuchs oder das ordentliche Aufhängen von Hemden am Bügel. Der Ergotherapeut erklärt jeden Schritt und gibt Tipps zur Bewegungskoordination (z. B. „Ziehe das Handtuch glatt, damit keine Falten bleiben“). Durch das praktische Üben von Haushaltsroutinen werden Alltagsfähigkeiten erhalten.
Praxisbeispiel: Ein Klient faltet mit dem Therapeuten T-Shirts. Dabei übt er sowohl gezielten Umgang mit Textilien als auch das Gedächtnis für Abfolgen. Der Ergotherapeut lobt jedes korrekt gefaltete Kleidungsstück als Erfolgserlebnis.
Körperpflege üben (Zähneputzen, Waschen)
Materialliste: Zahnbürste, Becher mit Wasser, Handtuch, ggf. Spiegel.
Umsetzung: Der Klient demonstriert in Kleingruppen- oder Einzelsituationen Selbstpflegetätigkeiten wie Zähneputzen oder Waschen. Der Ergotherapeut achtet auf die richtige Bewegung (Putztechnik, Dosierung der Zahnpasta) und gibt Anleitung. Durch das Üben bleibt die Routine verankert. Auch das An- und Ausziehen von Kleidungsstücken kann geübt werden.
Praxisbeispiel: Vor einem Spiegel putzt ein Patient mit Anleitung seine Zähne. Der Ergotherapeut überprüft die Ausführung, korrigiert leicht die Handposition und hebt gute Selbstständigkeit hervor („Sehr gut, dass Sie den Spiegel benutzen!“).
Tisch decken und Essen vorbereiten
Materialliste: Geschirr, Besteck, Gläser, Tischdecke, Stoffservietten.
Umsetzung: Die Klienten decken einen Tisch so, wie sie es gewohnt sind. Sie lernen ggf. neue Hilfsmittel kennen (rutschfeste Teller, spezielle Bestecke). Der Ergotherapeut gibt Hinweise zur richtigen Platzierung. Anschließend kann gemeinsam eine Mahlzeit eingenommen werden, um das soziale Erleben beim Essen zu fördern. So wird das Orientierungs- und Planungsgedächtnis beansprucht.
Praxisbeispiel: Eine ältere Dame legt die Tischdecke glatt, platziert Teller, Messer und Gabel. Der Ergotherapeut lobt den sorgfältigen Gebrauch der Hilfsmittel und motiviert zum selbstständigen Essen.
Gartenarbeit oder Pflanzenpflege
Materialliste: Kleine Pflanze im Topf, Gießkanne, Blumenerde, einfacher Blumentopf.
Umsetzung: Der Klient pflanzt eine Blume ein oder gießt Pflanzen. Dabei werden Greifbewegungen (Schaufel, Gießen) und Gleichgewichtskoordination (sich auf den Knien abstützen) trainiert. Auch Achtsamkeit und Verantwortungsgefühl werden gefördert, wenn sich jemand um die Pflanze kümmert.
Praxisbeispiel: Im Innenhof der Pflegeeinrichtung gießt ein Klient seine Lieblingspflanze. Er lehnt sich vorsichtig vor, um keine Erde zu verschütten. Die Ergotherapeutin bespricht mit ihm, wie oft man gießen muss und wie man verblühte Blüten entfernt, um die Feinmotorik weiter zu trainieren.
Einkaufsübung und Geldhandling
Materialliste: Spielgeld (Münzen und Scheine), Einkaufsliste, kleine Gegenstände (Dosen, Brot, Wasserflasche), Einkaufstasche.
Umsetzung: Der Klient plant den Einkauf: Eine Liste wird erstellt oder vorgelesen („Milch, Brot, Apfel“). Dann „einkaufen“ wir simuliert. Der Klient wählt aus bereitgelegten Produkten aus und legt sie in eine Tasche. Anschließend berechnet er mit Spielgeld den Gesamtpreis und „zahlt“. Dies trainiert Alltagsmathematik und Gedächtnis (Merkfähigkeit für Einkaufsliste). Schrittweise kann die Übung komplexer werden (z. B. Rabatt berechnen).
Praxisbeispiel: Ein Patient mit leichtem Demenzansatz tutet beim Sortieren der angeblichen Einkäufe die Packungen und bezahlt mit Spielgeld. Der Ergotherapeut korrigiert liebevoll Rückgeld-Berechnungen. Diese Übung festigt die Einkaufsroutine im geschützten Rahmen.
Hilfsmittel-Training
Im Alter werden oft Hilfsmittel eingesetzt (Rollator, Gehhilfen, Einlegesohlen, Greifzangen etc.). Das Training mit diesen Hilfen verbessert Sicherheit und Selbständigkeit. Beispiele:
Rollator-Gehtraining
Materialliste: Rollator (angepasst an Klienten), eventuell Markierungen auf dem Boden (Hütchen).
Umsetzung: Unter Anleitung übt der Klient das Aufstehen vom Stuhl mit Rollator-Hilfe, das sichere Festhalten und das Gehen mit Rollator. Man setzt kleine Parcours mit Wendungen oder dem Durchfahren enger Gänge, um die Steuerung zu trainieren. Dabei wird erklärt, wie man Hindernisse (z. B. Bordsteine, Teppiche) sicher überwindet. Dies verbessert Gangbild und Selbstvertrauen im Umgang mit der Gehhilfe.
Praxisbeispiel: Eine Klientin stellt sich an den Rollator, greift die Griffe und steht auf. Der Ergotherapeut hebt den Sitz leicht an, um zu zeigen, dass der Rollator bremsen sollte. Dann gehen sie gemeinsam über einen kleinen Türschwelle-Nachbau. Die Klientin gewinnt Sicherheit im Alltag.
Treppensteigen mit Geländer
Materialliste: Treppenabsatz oder Treppenstufe mit sicherem Geländer.
Umsetzung: Der Klient übt Schritt für Schritt das Auf- und Abgehen von ein bis zwei Stufen unter Aufsicht. Wichtig ist die richtige Schrittabfolge (erst gesundes, dann betroffenes Bein nachführen) und das sichere Festhalten am Geländer. Der Ergotherapeut gibt Hinweise zur Lastverteilung („Heben Sie das Bein hoch genug über die Stufe“). Diese Übung verbessert Koordination und Kraft.
Praxisbeispiel: Ein Patient legt sein Stockbein auf die Stufe, während er das Geländer festhält. Der Ergotherapeut ermutigt: „Gut, weiter geht‘s.“ Nach ein paar Wiederholungen wirkt der Patient selbstsicherer beim nächsten Gang.
Stuhlübergang (Transfertraining)
Materialliste: Bequemer Stuhl mit Armlehnen und Stuhl ohne Armlehnen, eventuell Lifter (falls vorhanden).
Umsetzung: Der Klient übt das Hinsetzen und Aufstehen von verschiedenen Sitzgelegenheiten. Dabei wird auf die Sitzposition, die Handplatzierung an den Lehnen und die Rumpfkontrolle geachtet. Ziel ist es, Transfers selbstständig und sicher durchzuführen. Der Ergotherapeut kann Technik und Assistenzgeräte (z. B. Sitzkissen, Rutschbrett) erklären.
Praxisbeispiel: Ein Klient benutzt anfänglich beide Arme zum Schieben am Sitzrand. Nach Anleitung nutzt er zunehmend seine Beinmuskulatur zum Aufrichten. Dadurch gelingt ihm das Aufstehen bald ohne Unterstützung.
Ankleidehilfe (Schuhanzieher, Sockenanzieher)
Materialliste: Langhals-Schuhanzieher, Sockenanzieher oder Anziehhilfen.
Umsetzung: Der Klient lernt, diese Hilfsmittel zu benutzen. Der Ergotherapeut zeigt, wie man den Schuhanzieher ansetzt und den Fuß in den Schuh führt, ohne sich stark zu beugen. Dasselbe mit Sockenanziehern. Diese Förderung erhöht die Selbstständigkeit bei Körperpflege und Ankleiden.
Praxisbeispiel: Ein Mann mit eingeschränkter Hüftbeweglichkeit übt mit dem Schuhanzieher. Der Ergotherapeut platziert den Schuh auf einem Tisch und zeigt, wie man mit dem Gerät in einem Zug hineingleiten kann. Der Patient freut sich über das erleichterte Anziehen.
Kreative Aktivierung
Kreative Aufgaben fördern Phantasie, Feinmotorik und geben emotionalen Ausdrucksmöglichkeiten. Gestaltungs- und Musiktherapien werden in der Ergotherapie gerne integriert. Beispiele:
Malen nach Vorlage oder Thema
Materialliste: Wasserfarben oder Wachsmalstifte, Pinsel, Malpapier, Schürzen, evtl. Vorlagen (Naturmotive, Stillleben).
Umsetzung: Der Klient malt ein Bild – nach freier Phantasie oder mithilfe einer Vorlage. Der Ergotherapeut gibt Impulse („Male ein Blumenfeld“, „Gestalte ein Kartenmotiv“). Dabei spricht man über Farben und Formen. Malen entspannt und fördert die Augen-Hand-Koordination. Die Bilder können hinterher aufgehängt oder verschenkt werden.
Praxisbeispiel: Eine Seniorin malt mit Wasserfarben Tulpen. Sie mischt Farbtöne für die Blätter. Während sie malt, beschreibt der Ergotherapeut die Schritte (zum Trocknen ablegen, mit Pinsel ein Muster ziehen) und fördert so Konzentration und kreativen Ausdruck.
Töpfern oder Kneten mit Modelliermasse
Materialliste: Ton oder ungiftige lufttrocknende Modelliermasse, Modellierwerkzeuge (Plastikmesser, Formen).
Umsetzung: Die Teilnehmer formen Figuren oder Gebrauchsgegenstände (z. B. Schälchen, Stiftbecher). Vorgeschnittene Modelliermasse kann gegeben werden, um zuerst Greifübungen anzubieten. Durch Kneten werden Hände trainiert und kreative Vorstellungen umgesetzt. Feine Bewegungskontrolle wird benötigt, um stabile Formen zu gestalten.
Praxisbeispiel: Ein Klient rollt mit beiden Händen eine Kugel aus Ton, formt sie zu einem Aschenbecher. Er bemalt ihn anschließend. Der Ergotherapeut fragt dabei, wofür er den Ton vorher in seinem Leben verwendet hat (Ziegelsteine, Backformen), was eine Biografie-Verknüpfung schafft.
Musizieren (Singen oder Instrumente spielen)
Materialliste: Kleine Rhythmusinstrumente (Trommel, Rassel), einfache Melodieinstrumente (Glockenspiel), Liedblätter.
Umsetzung: In der Gruppe singen alle zusammen bekannte Lieder oder begleiten sich mit Instrumenten. Der Ergotherapeut regt an, ein Lied aufzumalen oder den Rhythmus zu klatschen. Auch das Erfinden kleiner Lieder zum Alltag („Morgengymnastik-Song“) ist möglich. Musik weckt Emotionen und steigert Lebensfreude, gleichzeitig werden Sprache und Motorik beansprucht.
Praxisbeispiel: Eine Bewohnerin trommelt im Kreis auf einer kleinen Trommel den Takt zu „Alle Vögel sind schon da“. Die Gruppe klatscht mit. Beim gemeinsamen Musizieren wird nicht nur Kognition, sondern auch Gemeinschaft gestärkt.
Schreibwerkstatt (Gedichte oder Geschichten)
Materialliste: Schreibhefte, Stifte, Gedicht- oder Schreibanregungen (Sätzeanfänge, Bilder).
Umsetzung: Der Klient verfasst einen kurzen Text: ein Gedicht oder einen Tagebucheintrag. Der Ergotherapeut liest ein Gedicht vor und fragt dann, welche Reime dem Klienten einfallen. In einer Gruppe kann jeder einen Satz zu einer Geschichte beitragen. Dies fördert Sprachformulierung und Erinnerungsarbeit.
Praxisbeispiel: In einer Runde startet der Ergotherapeut: „Heute Morgen beim Fenster stand ein…“. Die Teilnehmenden ergänzen reihum die Fortsetzung („… gelbes Spiegelei“ – „…ohne jeden Ehe“ etc.). Alle lachen über die fantasievollen Fortsetzungen.
Kurzes Rollenspiel oder Theater
Materialliste: Requisiten wie Hüte, Tücher oder einfache Kostüme; kurze Szenarien (z. B. imaginärer Einkauf, Café-Besuch).
Umsetzung: Der Klient und ggf. Mitpatienten spielen eine Alltagssituation nach: Zum Beispiel bestellen sie in einem fiktiven Café eine Tasse Tee oder spielen ein kurzes Theaterstück. Die Rollen werden abgesprochen (Kunde, Kellner) und nachgespielt. Dies fördert Ausdrucksfähigkeit, soziales Verhalten und Empathie. Fehler und Lacher sind Teil des Prozesses und nehmen Druck.
Praxisbeispiel: Zwei Senioren schlüpfen in eine Szene: Einer ist Arzt, einer Patient. Der Ergotherapeut stellt Fragen, sie antworten humorvoll. Durch das Spiel üben sie Sprechtechnik und lockern soziale Ängste.
Basteln (z. B. Schmuck oder Dekoration)
Materialliste: Bunte Perlen und Faden, Moosgummi, Klebstoff, bunte Bänder, Naturmaterialien (Kastanien, Zapfen).
Umsetzung: Die Teilnehmer fertigen z. B. Armbänder, Dekorationen oder Kerzenhalter. Der Ergotherapeut zeigt Techniken (Perlen aufziehen, Lochen, Knoten). Gestalterische Feinmotorik, Farbwahl und Planung werden geschult. Resultat (z. B. ein selbstgebasteltes Geschenk) motiviert zusätzlich.
Praxisbeispiel: In einem Herbstbastelprojekt kleben die Senioren herbstliche Girlanden aus bunten Blättern auf Papier. Dabei diskutieren sie über die Farben des Herbstes und begleiten die Tätigkeit mit herbstlichen Liedern.
Spezielle Aktivierungen bei Demenz
Bei Demenz steht im Vordergrund, verbliebene Fähigkeiten zu nutzen und Erinnerungen zu wecken. Dabei sind konkrete, greifbare Reize wichtig. Übungen sollten Sinne, Gedächtnis und Bewegung ganzheitlich ansprechen. Beispiele:
10-Minuten-Aktivierung nach Schmidt-Hackenberg
Materialliste: Verschiedene Gegenstände oder Karten zur Sinnesaktivierung (Laute, Düfte, Tastsachen, Bilder).
Umsetzung: In kurzer, intensiver Einheit (ca. 10 Minuten) werden alle Sinne angesprochen. Der Ergotherapeut führt durch vorbereitete Stationen: Sehen (Betrachtung bunter Bilder), Hören (Geräusche, Vogelgesang), Riechen (Duft von Blüten oder Kaffee), Fühlen (Gegenstände ertasten) und Schmecken (etwas Süßes kosten). Ziel ist es, Aufmerksamkeit zu wecken und positive Erinnerungen anzustoßen. Die Aufgaben sind einfach und überschaubar.
Praxisbeispiel: In einem Demenzkurs bekommt eine Bewohnerin eine Rose unter die Nase gehalten und schließt die Augen. Sie lächelt bei dem vertrauten Duft und erzählt von ihrem Garten. Anschließend tippt der Ergotherapeut leicht verschiedene Instrumente an, wodurch Musik und Erinnerung zusammenwirken.
Gegenstände erfühlen (Taktiles Memory)
Materialliste: Alltagsgegenstände in zweifacher Ausführung (Teebeutel, Holzlöffel, Schlüsselbund) in blickdichten Säckchen.
Umsetzung: Ähnlich wie ein Memory-Spiel fühlen die Senioren zwei Säckchen an und versuchen zu erraten, ob es denselben Gegenstand verbirgt. Später erfolgt die Auflösung und ein kurzer Austausch zum Gegenstand („Dieses Holz ist glatt wie Ihr alter Stuhl“). Diese Übung aktiviert den Tastsinn und ruft oft Erinnerungen hervor.
Praxisbeispiel: Ein Patient ertastet aus zwei Dosen zwei kleine Metallkugeln. Er sagt: „Eiskugeln vielleicht?“ Die Ergotherapeutin zeigt, dass es Murmeln sind, und erinnert an seine Kindheit.
Sprichwort-Raten
Materialliste: Große Karten mit halben Sprichwörtern aus dem Wortschatz der Betroffenen (siehe oben).
Umsetzung: Wie bei kognitiven Sprichwörtern (siehe Neuro), liest der Ergotherapeut den ersten Teil vor und die Teilnehmer ergänzen. Bei Demenz können einfache, starke Bilder in die Sprichwörter eingebunden werden. Es entsteht eine Erfolgserfahrung, wenn das Sprichwort erraten wird.
Praxisbeispiel: Eine Dame vervollständigt das Sprichwort „Wer anderen eine Grube gräbt…“ korrekt mit „fällt selbst hinein“. Sie strahlt, weil sie sich an die Redensart erinnert.
Lieder raten / mitsingen
Materialliste: Musiksammlung mit vertrauten Liedern, evtl. Lautsprecher.
Umsetzung: Alte Schlager oder Volkslieder aus der Jugend werden angespielt und gemeinsam gesungen. Das unmittelbare Erkennen und Mitsingen stärkt das Selbstvertrauen. Schon das Wippen oder Summen zur Musik aktiviert den Körper.
Praxisbeispiel: Nach dem Abspielen eines alten Schlagers erkennt ein Bewohner das Lied und singt die zweite Strophe nahezu fehlerfrei. Seine Augen leuchten.
Handgymnastik (Klavierübung)
Materialliste: Kein zusätzliches Material nötig.
Umsetzung: Die Hände werden vor sich auf den Tisch gelegt. Dann „spielen“ die Finger ein imaginäres Klavier: Die Finger spreizen sich und bewegen sich wellenförmig auseinander und wieder zusammen. Dabei darf der ganze Oberkörper leicht mitschwanken. Diese Übung aktiviert beide Gehirnhälften und verbessert die Feinmotorik.
Praxisbeispiel: Eine Seniorin lächelt, als sie mit den Fingern fröhlich „Klaviertöne“ auf dem Tisch „spielt“. Der Ergotherapeut fordert sie auf, dabei langsam mitzuzählen („1-2-3-4“) und sie hält die Klavierfingerübung nach.
Großes Puzzle legen
Materialliste: Puzzle mit großen Teilen (z. B. Tiermotive, Landschaften).
Umsetzung: Das Gruppenpuzzle wird am großen Tisch aufgebaut. Die Klienten suchen gemeinsam passende Teile heraus. Durch das gemeinsame Arbeiten entsteht Austausch und Erfolgserlebnis, wenn ein Teil passt. Puzzeln trainiert visuelle Fähigkeiten und Konzentration.
Praxisbeispiel: Zwei Klienten versuchen zusammen, eine Bildblume zu vervollständigen. Der Ergotherapeut ergänzt Unterstützung („Dieser Teil passt hier ganz bestimmt“). Ist der Rand fertig, klatschen alle erfreut.
Erinnerungsbilder (Fotobetrachtung)
Materialliste: Fotos aus den 40er–60er Jahren (fiktive Alltagssituationen, alte Fahrzeuge, Kinderspielzeug).
Umsetzung: Ähnlich wie beim Fotoalbum in der Biografiearbeit betrachtet man in Ruhe alte Motive. Der Ergotherapeut stellt offene Fragen („Was sehen Sie hier? Wer könnte das sein?“). Auch Pantomime-Spiele („Stellen Sie auf dem Bild etwas dar“) fördern Kreativität und erinnern an Vergangenes.
Praxisbeispiel: Eine Gruppe sieht ein Foto eines alten Motorrads. Ein Teilnehmer sagt: „Der sieht aus wie mein erstes Fahrrad“. Der Ergotherapeut erzählt dazu eine Anekdote über seinen Großvater und die Klienten lachen.