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Kuriositätenkabinett: Dürfte ich kurz in Ihrem Pipi lesen?

… das wäre im Mittelalter eine ganz normale Frage gewesen, wenn du einen Arzttermin gehabt hättest. Heute begleitest du mich in die … nun … interessante Welt der ✨Harnbeschau✨ und der Wahrsagerei mittels Urin. Ja, das hast du richtig gelesen. Willkommen in einer neuen Kategorie, in der ich immer mal wieder skurillen Aberglauben oder Scharlatanerie vorstelle. Let’s go!

Europäische mittelalterliche Darstellung der Harnschau aus einer Ausgabe des Recueil des traités de médecine des Rhazes in der Übersetzung von Gerhard von Cremona, um 1255

Stell dir vor, du gehst im Jahr 1350 zum Arzt, weil du dich elend fühlst, und das Erste, was er von dir verlangt, ist ein Schälchen Morgenurin. So weit kennst du das vielleicht auch noch von deiner Ärztin oder deinem Arzt. Vermutlich hält sie oder er deine Probe dann aber nicht gegen das Licht, schwenkt es, betrachtet die Farbe und den Bodensatz, und aus diesem einen Becher liest sie oder er dir einen großen Teil seiner Diagnose ab. Willkommen in der Welt der Uroskopie, der Harnschau, einer Disziplin, die über zweitausend Jahre lang als der Königsweg der Medizin galt.

Hinweis: Ich schreibe in diesem Text von Ärzten, weil die akademisch ausgebildete Medizin damals fast ausschließlich männlich organisiert war. Frauen heilten natürlich ebenfalls, etwa als Hebammen, Pflegerinnen oder kundige Praktikerinnen, gehörten aber meist nicht zu diesem offiziellen Ärzteberuf, von dessen Methoden ich hier heute spreche.

Die Pisse muss atmen!

Kategorie Kuriositätenkabinett

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