Als ich die Einladung erhielt, konnte ich es kaum glauben: Ich werde als Role Model 2026 ausgezeichnet. Mehr als 90 Nominierungen, 20 Auszeichnungen an einem Abend – für Persönlichkeiten mit besonderem Engagement oder Allyship für queere Themen.
Rachel Intervention: Eine Wiederbegegnung
Die Veranstaltung wurde von der wundervollen Rachel Intervention (Öffnet in neuem Fenster) moderiert. Sie ist wahnsinnig originell, baut immer wieder humorvolle Pointen ein, kann aber auch ernst sein – und man spürt in ihrer Sprache, dass ihr ein sensibler Umgang miteinander sehr wichtig ist.
Rachel fiel mir 2018 bei der Diva Deluxe in Frankfurt auf. Sie hatte damals den Drag Contest gewonnen: blutjung, hervorragende Tanz-Einlagen mit sehr cooler Lipsync-Show. Damals sagte ich bereits, dass diese Frau ein außergewöhnliches Talent ist und irgendwann größere Bühnen verzaubern wird. Inzwischen ist sie am legendären BKA-Theater (Öffnet in neuem Fenster) in Berlin zu sehen und fasziniert regelmäßig ihr Publikum mit ihrer eigenständigen „Eiersalat-Show" (Öffnet in neuem Fenster).
Die Botschaft der Schirmherrin
Zunächst gab es eine Videobotschaft der Schirmherrin, Bundesministerin für Arbeit und Soziales Bärbel Bas. Sie machte darauf aufmerksam, dass Menschen unterschiedlicher Merkmale zunehmend unter Druck geraten, und kam auf die wachsenden Herausforderungen der queeren Community zu sprechen – besonders für trans* und nichtbinäre Menschen:
Ganz besonders betroffen sind trans* und non-binäre Personen. Die Akzeptanz für die Community ist weltweit dramatisch gesunken. Wir alle sind gefordert, dagegenzuhalten, am Stammtisch, im Vereinsheim, beim Familientreffen, aber auch dort, wo Haltung gefährlich sein kann, in der Öffentlichkeit und am Arbeitsplatz.
(Bärbel Bas, Schirmherrin der Queermentor Role Model Awards 2026, Bundesministerin für Arbeit und Soziales)
Stuart Bruce Cameron: Ein Trans-Ally mit Haltung
Die Laudatio auf meine Auszeichnung hielt Stuart Bruce Cameron (Öffnet in neuem Fenster), Gründer der UHLALA Group und Initiator der größten queeren Jobmesse Sticks & Stones (Öffnet in neuem Fenster) sowie des queeren Job-Vernetzungs-Events Proudr (Öffnet in neuem Fenster). Stuart kenne ich schon länger durch sein Engagement in der Unternehmenswelt, und ich bewundere immer wieder, dass er sich so sehr für trans* Themen stark macht. Er hat ein Gespür dafür, „was gerade dran ist", und weist häufig darauf hin, dass wir das T in LGBT nicht vergessen dürfen.
Das T steht gerade sehr unter Druck, und es ist Aufgabe von LGB, sich daran zu erinnern, dass es trans* Frauen waren, die bei den Stonewall Riots die ersten Proteste anführten – damit wir heute CSD-Prides durchführen können und mehr Rechte haben als damals. In seiner Laudatio wies er immer wieder darauf hin und präsentierte sich als hervorragender Trans-Ally.
Er erwähnte mehrfach meine „Integrität" und dass ich mich nicht davor scheue, den Finger dort in die Wunde zu legen, wo es wehtut. Hier sein vollständiger Text:
Julia Monro steht für eine Haltung, die nicht verhandelbar ist.
Als Autorin, Beraterin, Journalistin und Aktivistin setzt sie sich seit vielen Jahren für trans Sichtbarkeit, Aufklärung und Selbstbestimmung ein. Ihre Arbeit verbindet persönliche Erfahrung mit politischer Klarheit – ruhig, präzise und ohne Vereinfachung.
Julia spricht über trans Leben nicht als Randthema, sondern als gesellschaftliche Realität. Sie klärt auf, widerspricht gezielt Desinformation und schafft Orientierung in Debatten, die oft von Lautstärke statt von Wissen geprägt sind.
Was Julia besonders auszeichnet, ist ihre Integrität.
Sie passt ihre Haltung nicht dem Applaus an.
Und sie bleibt auch dann klar, wenn es unbequem wird.
In Medien, in Unternehmen, in der Öffentlichkeit steht Julia Monro für einen Diskurs, der Menschen nicht reduziert, sondern ernst nimmt. Ihre Stimme wirkt, weil sie verbindet – und weil sie Grenzen zieht, wo Würde infrage gestellt wird.
Julia Monro steht für Integrität in Wort und Wirkung.
Und genau deshalb ehren wir sie heute als Queermentor Role Model 2026.
(Stuart Bruce Cameron, Laudatio beim Queermentor Role Model Award 2026 zu Julia Monro, 27.01.2026)
Stuart hatte vorher nicht mit mir gesprochen, und deshalb war ich sehr gespannt, welche Beschreibung er zu meiner Person und meinem Wirken finden würde. Alles passte wunderbar. Im Nachhinein erfuhr ich, dass es ihm ein persönliches Anliegen gewesen war, für mich als trans* Person zu sprechen.

„Demokratie bedeutet Verantwortung"
Als ich den Preis entgegennehmen sollte, hatte ich mich nicht groß mit einer Rede vorbereitet. Ich muss gestehen, ich hatte auch nicht die E-Mails mit den FAQs gelesen – die letzten Tage war ich so viel unterwegs, dass ich einfach nicht dazu gekommen war, mich mit den Details zu beschäftigen. Sorry, Kathrin! Aber ich wurde freundlich darauf hingewiesen, dass ich maximal ein bis zwei Sätze sagen sollte, aus Zeitgründen.
Sinngemäß bedankte ich mich wie folgt:
“Ich bin keine Influencerin mit unendlich vielen Followern, sondern eher im Hintergrund tätig. Dort wo die wichtigen Stellschrauben für unsere Gesellschaft justiert werden, um Teilhabe für die trans* Community zu ermöglichen. In letzter Zeit verspüren wir einen großen Druck und dass einige Menschen versuchen die Definition von Demokratie umzudeuten. Deshalb möchte ich alle nochmal daran erinnern und darum bitten dies als Botschaft mitzunehmen: Demokratie bedeutet nicht das Recht des Stärkeren, sondern Verantwortung für die Schwächeren. Vielen Dank!”
(Julia Monro, 27.01.2026)
Ich war die Erste, die ausgezeichnet wurde. Der Preis bedeutet mir wirklich viel, weil er unsichtbare Hintergrundarbeit sichtbar macht – und auch den Menschen eine Stimme gibt, die keine 100.000 Follower in den sozialen Medien haben. Danke an Pavlo Stroblja (Öffnet in neuem Fenster) und Queermentor (Öffnet in neuem Fenster) für dieses Event.
Strategisches Netzwerken
Im Anschluss folgten die nächsten Auszeichnungen, und ich verfolgte die Laudationen aufmerksam. Ich machte mir genaue Notizen und überlegte strategisch, mit wem ich in der Pause unbedingt sprechen wollte. Als beispielsweise Tatjana Quast vom Queeren Netzwerk beim BKA ausgezeichnet wurde, bedankte sie sich, dass sogar ihr Chef bei diesem Event anwesend war – was die starke Unterstützung innerhalb des BKA unterstrich. Sofort sagte ich zu meiner Begleitung: „Den muss ich mir gleich in der Pause schnappen." Er könnte ein strategisch wichtiger Partner für ein spezielles politisches Thema sein, das ich an dieser Stelle noch nicht thematisieren möchte.
Mit einigen Personen sprach ich in der Pause, mit anderen am Ende der Veranstaltung. Gefreut habe ich mich auch über den Austausch mit Riccardo Simonetti.

Riccardo und ich treffen uns immer wieder auf unterschiedlichen Veranstaltungen – das erste Mal in Hamburg bei einer Pride Night, als ich die Pläne zum Selbstbestimmungsgesetz vorstellte. Riccardo Simonetti und Thomas Hermanns hatten mich im Anschluss angesprochen, und wir trafen uns im Backstage-Bereich. Ich war sehr erstaunt, dass Riccardo sich noch so gut daran erinnern konnte. Er sagte:
„Damals warst du richtig blond." (Riccardo Simonetti)
Zum Abschluss schnappte ich mir noch Fabian Grischkat und Max Rogall und verabredete mit ihnen, dass ich sie in den nächsten Wochen vermutlich für eine mediale Kampagne brauchen würde, um auf ein Thema aufmerksam zu machen. Für aktivistische Themen sind sie gerne zu begeistern. Dazu aber mehr, wenn es so weit ist.
Sichtbarkeit, die zählt
Insgesamt eine sehr gelungene Veranstaltung mit großer Sichtbarkeit, vielen spannenden Gesprächen und neuen Netzwerken.
Danke, Queermentor. Danke, Pavlo Stroblja.

Pressportal:
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