Zum Hauptinhalt springen

Weil niemand gefragt hat: Es geht mir gut

Unsere Autorin beruhigt ihre Nerven mit Rohkost und einem Liebesbrief

Die ersten Stunden nach unserer Rückkehr aus der Holledau verbrachte ich in einem übergroßen Schlafshirt und Lammfellboots. So stand ich nachmittags auf der Terrasse und bückte mich demütig zu den Töpfen und Pfannen auf der kleinen Bank vorm Fenster, grübelte kurz und ließ dann doch alles stehen. Ich lief zurück in die Küche und suchte im Kühlschrank nach Vitamin A, B, C, D, E, F, G. Verschmähte die Reste von Entenbrust, Blaukraut und Semmelknödeln und zog stattdessen die Tupperdose mit Quinoa heraus, schnippelte etwas Rote Beete, Avocado, Tomaten und Paprika in mundgerechte Stücke, schälte ein gekochtes Ei vom Vortag und vermengte alles zu einer urgesunden Bowl. Ich brauchte kühlende Lebensmittel, wohl um mein feuriges Pitta zu besänftigen und mein inneres Feuer zu kühlen, meine Energie zu speichern und die Balance wiederherzustellen. Nicht, dass alles aus dem Tüddel geraten war, aber nach Tagen rund um die Uhr unter vielen Menschen brauchte ich a) pflanzliche Drogen für mein inneres Vata und b) meinen Kokon. Vor dem Fenster saß ein Vogel auf einem Ast, der Raureif an den Bäumen sah aus wie kitschige Weihnachtsdeko. Aber alles war echt.

So schön die Tage in Gesellschaft waren, ich freute mich auf nichts so sehr wie auf mein frisch poliertes Zuhause und Stille. Mit meinem Philippe-Starck-Schüsselchen in der Hand kauerte ich mich in meine Kuschelecke auf dem riesengroßen Sofa, dort saß ich, bis die Sonne unterging, daddelte vor mich hin, schaufelte Mengen an Nährstoffen in mich hinein, sah mich im Zimmer um, betrachtete mein Bäumchen und rekapitulierte die Tage und Abende davor. Wer hat was gesagt, wie gemeint, wo das Ausrufezeichen gesetzt, worüber gelacht, wen geküsst, wen gekränkt, wieviel

4 Kommentare

Möchtest du die Kommentare sehen?
Werde Mitglied von Katjas Notizen und diskutiere mit.
Mitglied werden