„Mit dem Rauchen aufzuhören ist einfach. Ich habe schon etwa hundert Mal damit aufgehört.“ (Mark Twain, 1835–1910)
Heute wollen wir eine auf den ersten Blick unbedeutende Geste betrachten: das Rauchen. Ob aus der Pfeife oder aus der Zigarette – die Kunst hat diesen winzigen Augenblick zu mehr als nur einer Gewohnheit gemacht: zu einem Mittel, um Körper zu konstruieren, Haltungen zu definieren oder Identitäten zu formen.
Der Weg von der Genremalerei des 17. Jahrhunderts bis zur zeitgenössischen Kunst zeigt, wie sich in jedem Bild das Subjekt widerspiegelt.
Es gibt Gesten, die auf den ersten Blick unwichtig erscheinen, bis jemand beschließt, sie zu malen. Finger, die eine Pfeife oder eine Zigarre halten, ein Mund, der Rauch ausatmet, ein Körper in einer minimalen Pose – all das wäre in einem anderen Kontext irrelevant.
Wenn diese Gesten in einem Gemälde auftauchen, sind sie nie neutral. Denn das Bild strukturiert das Motiv, verstärkt es und verwandelt es in ein komplexes Bedeutungssystem.
Die Geste des Rauchens ist in dieser Hinsicht besonders interessant. Nicht wegen ihres symbolischen Werts, sondern wegen ihrer Fähigkeit, in die Darstellung des menschlichen Körpers einzugreifen: Sie verlangsamt ihn, legt ihn bloß und versetzt ihn in bestimmte Haltungen.
Zwischen den Fingern ist die Zigarette kein äußerer Gegenstand mehr, sondern sie gewinnt eine eigene Präsenz. Im Laufe der Kunstgeschichte verändert sich die Funktion dieser Präsenz radikal. Schauen wir uns das einmal an.
Die Geste als übertriebene Ausdrucksform
(Öffnet in neuem Fenster)Im 17. Jahrhundert war Tabak in Europa noch ein relativ neues Produkt, das mit globalen Handelsnetzwerken und einer visuellen Kultur verbunden war, die sich für den Alltag interessierte. In der flämischen Genremalerei taucht er in Szenen aus Tavernen und anderen Orten des einfachen Volkes auf, in denen die Figuren soziale Interaktionen zeigen.
In diesem Werk von Joos van Craesbeeck (1605–1660) ist der Raucher jedoch mehr als nur jemand, der Tabak konsumiert. Seine Darstellung ist bis an die Grenze der Übertreibung getrieben.
Die Geste des Rauchens ist alles andere als diskret. Craesbeeck macht daraus eine regelrechte Darbietung. Das Gesicht verkrampft sich, der Ausdruck verschärft sich und die Figur füllt das Bild mit unverhältnismäßiger Energie aus. Wir sehen hier eine überhöhte Darstellung des Akts des Rauchens.
Diese Übertreibung war damals üblich, denn das Ziel bestand nicht darin, eine individuelle Persönlichkeit einzufangen, sondern ein Verhalten sichtbar zu machen. Der Rauch trägt zur Atmosphäre bei und unterstreicht zugleich den gekünstelten Charakter der Szene.
Alles wird über das Natürliche hinausgetrieben. Das Rauchen dient hier dazu, einen auf den ersten Blick erkennbaren Menschentyp zu konstruieren.
Im 20. Jahrhundert wird das Rauchen jedoch zu etwas Mächtigerem: zu einer Form der Identitätsbildung.