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Kuba-Brief Nr. 60 | Januar 2026

Kuba-Brief Nr. 60

Havanna, 11. Januar 2026


Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kuba-Interessierte,

am heutigen Sonntagmorgen kündigte US-Präsident Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social an, dass kein Öl und Geld mehr aus Venezuela nach Kuba fließen werden und forderte die Regierung in Havanna auf, eine Vereinbarung mit Washington zu treffen. Als ob sich die kubanische Regierung bislang Gesprächen verweigert hätte. „Venezuela hat jetzt die Vereinigten Staaten von Amerika, die mit Abstand mächtigste Militärmacht der Welt, zu seinem Schutz, und wir werden es schützen“, schrieb Trump. „ES WIRD KEIN ÖL UND KEIN GELD MEHR NACH KUBA FLIESSEN – NULL! | Ich empfehle dringend, dass sie eine Vereinbarung treffen, BEVOR ES ZU SPÄT IST.“

Was für einen Deal sich Trump vorstellt, ist unklar. Nach der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch US-Spezialeinheiten üben die USA also Druck auf dessen Amtsnachfolgerin Delcy Rodriguez aus, die Öllieferungen an Kuba einzustellen. Das war zu erwarten. Die im Dezember begonnene Beschlagnahmung von Öltankern in internationalen Gewässern im Nordatlantik und in der Karibik durch das US-Militär hat die Unsicherheit über Lieferungen von Caracas nach Havanna erhöht. Die von US-Außenminister Marco Rubio gegenüber Rodríguez erhobenen Forderungen, die er in einer geheimen Sitzung mit hochrangigen US-Kongressabgeordneten am vergangenen Montag darlegte, sollen zudem beinhalten, dass Spione und Militärangehörige aus Kuba, Russland, China und dem Iran aus Venezuela verwiesen werden. Das dürfte die kubanischen Ärztebrigaden einschließen. Lediglich einige Diplomaten sollen demnach in Venezuela bleiben dürfen, wie die New York Times mit Verweis auf mit der Angelegenheit vertraute US-Beamte berichtet (Öffnet in neuem Fenster).

Am Freitag erreichte ein Öltanker Havanna, beladen mit 85.000 Barrel Rohöl aus Mexiko. Der Tanker „Ocean Mariner“ war am 5. Januar vom Terminal des mexikanischen Ölkonzerns Petróleos Mexicanos (Pemex) in Pajaritos im Hafen von Coatzacoalcos im Bundesstaat Veracruz mit Ziel der Raffinerie Ñico López in Havanna ausgelaufen. In der vergangenen Woche räumte Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum ein, dass ihr Land angesichts der Krise in Venezuela „offensichtlich zu einem wichtigen Lieferanten“ Kubas geworden sei. Sie erklärte jedoch, dass „nicht mehr Öl geliefert wird als in der Vergangenheit“. Es gebe keine Sonderlieferungen.

Nach Angaben der Financial Times überstiegen die mexikanischen Öllieferungen nach Kuba im Jahr 2025 sogar diejenigen aus Venezuela. Mexiko lieferte im vergangenen Jahr schätzungsweise durchschnittlich 12.284 Barrel Rohöl pro Tag (bpd). Das entspricht laut der mexikanischen Tageszeitung El Financiero 44 Prozent der in Kuba eingetroffenen Lieferungen und einem Anstieg von 56 Prozent gegenüber den Lieferungen Mexikos im Jahr 2024.

Die Lieferung von Erdöl aus Mexiko nach Kuba erfolgt aus humanitären Gründen und ist Teil der „Vereinbarungen, die in dieser Angelegenheit getroffen wurden“ von allen Regierungen, unabhängig von der politischen Partei, erklärte Sheinbaum. Die Lieferungen erfolgten „in einem rechtlichen Rahmen, als souveränes Land, in Fortführung einer Reihe von historisch geleisteten Unterstützungen“, so die Präsidentin weiter.

Mexikos Öllieferungen nach Kuba dürften spätestens bei den für dieses Jahr angesetzten Neuverhandlungen des nordamerikanischen Freihandelsabkommens USMCA aufs Tapet kommen. Mit der starken Abhängigkeit Mexikos von US-amerikanischen Gaslieferungen hat die Trump-Administration ein weiteres Druckmittel.

Insgesamt ist die Stimmung auf den Straßen Havannas in den Tagen nach der US-Intervention in Venezuela erstaunlich gelassen. Klar besteht die Sorge, dass sich die Energiekrise angesichts der ohnehin schon stundenlangen täglichen Stromabschaltungen weiter vertieft. Aber das Thema Venezuela wurde in den Gesprächen schnell wieder von den Alltagssorgen abgelöst. Zudem ist unklar, wie es in Venezuela, aller großspurigen Verlautbarungen Trumps zum Trotz, weitergeht.

In der kubanischen Führung dürften die Alarmglocken allerdings durchaus schrillen. Auch wenn die venezolanischen Öllieferungen nach Kuba stark zurückgegangen sind, sind sie nach wie vor ein Rettungsreifen für die Insel. Eine größere Unterbrechung könnte das Land in eine sehr schwierige Lage bringen, zumal Kuba das Liefervolumen nicht ohne Weiteres durch Barzahlungen ersetzen kann, schreibt der kubanische Ökonom Ricardo Torres im Time-Magazine (Öffnet in neuem Fenster).

Venezuela sei ein Stresstest, so Torres. „Die eigentliche Ursache für Kubas Krise ist sein schwaches Binnenmodell. Kuba steht vor einer doppelten Krise: einer internen Krise der Regularien, Anreize und Legitimität und einer externen Krise schwindender Unterstützung und härterer Auflagen.“ Torres verweist auf das sich verändernde globale Umfeld. Diesem trete Kuba „mit schwachen Institutionen und wenigen Puffern“ gegenüber. Das mache die Disruption in Venezuela so gefährlich für das Land.

So zeige die „viel gepriesene Einheit der kommunistischen Regierung Kubas Anzeichen von Ermüdung“, schreibt mein Kollege Ruaridh Nicoll im Guardian (Öffnet in neuem Fenster). Anfang Dezember wurde Kubas früherer Wirtschaftsminister Alejandro Gil wegen Korruption und Spionage zu lebenslanger Haft verurteilt. Zudem wurde der für dieses Jahr geplante Parteikongress verschoben. „Hätte er stattgefunden, wäre mit dem Rücktritt mehrerer Schlüsselpersonen zu rechnen gewesen“, mutmaßt Nicoll und hat dabei wohl die historische Garde um den 94-jährigen Raúl Castro im Blick. Die Einheit nach Innen angesichts zunehmenden Drucks von Außen ist schon immer ein Charakteristikum der kubanischen Revolution gewesen. Die Furcht vor den möglichen Folgen eines Zusammenbruchs ist zudem ein starker verbindender Faktor.

Trotz aller lautstarken Ankündigungen hat die Trump-Administration bislang nur verhältnismäßig wenige direkte Maßnahmen gegen Havanna ergriffen. Trump ließ vor wenigen Tagen verlauten, dass keine Intervention notwendig sei, da Kuba ohne Venezuelas Öl „kurz vor dem Zusammenbruch steht“. Mehr Druck durch Stopp der Öllieferungen scheint im Moment der Fahrplan der US-Regierung zu sein. Spannend wird sein, wie die Regierung Delcy Rodríguez reagiert. Aber die weitere Unterstützung Kubas wird angesichts der jüngsten Ereignisse kaum Priorität für die neue Regierung in Caracas haben.

Ob die sich verschlechternde Wirtschaftslage zum Zusammenbruch der kubanischen Regierung führen würde, darüber kommt der US-amerikanische Auslandsgeheimdienst CIA im Gegensatz zu Trump zu keiner so eindeutigen Einschätzung. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters (Öffnet in neuem Fenster) mit Verweis auf mit den Geheimdienstinformationen vertraute Personen. Und auch Kuba-Experte Bert Hoffmann vom GIGA-Institut äußert sich skeptisch. Selbst eine weitere extreme Verschlechterung der Lebensbedingungen für die Menschen auf der Insel, etwa im Fall einer vollständigen Seeblockade durch die Vereinigten Staaten, „muss nicht unbedingt zu einer Rebellion führen“, schreibt er (Öffnet in neuem Fenster). „Die Mobilisierung für kollektives Handeln erfordert nicht nur gemeinsame Missstände, sondern auch den Glauben, dass Protest zu Veränderungen führen kann.“

Klar scheint, dass die Spannungen zwischen Washington und Havanna in den kommenden Wochen und Monaten zunehmen werden. Zu befürchten ist, dass dies die Hardliner auf beiden Seiten stärken wird … Für die Menschen auf der Insel verheißt keines der möglichen Szenarien Gutes.

Hoffen wir, dass 2026 trotz des ungewissen Starts ein gutes Jahr wird. Auch in diesem neuen Jahr freue ich mich über Rückmeldungen, Anregungen und Kritik. Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!

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(Foto: Cubadebate)

1. US-Intervention in Venezuela. Der Sicherheitsapparat von Venezuela greift in hohem Maße auf kubanische Kräfte zurück. 32 Kubaner starben bei der US-Militäraktion. In Kuba wurden zwei Tage Staatstrauer angeordnet. (07.01.2026)

Zum Weiterlesen:

USA: Angriff auf die Achse Caracas-Havanna (nd) (Öffnet in neuem Fenster)

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Kubas Zentralbank erlaubt US-Unternehmen die Überweisung von Geldbeträgen nach Kuba. Die kubanische Zentralbank (BCC) hat einem Unternehmen mit Sitz in Florida eine neue Lizenz für die Abwicklung von Geldüberweisungen nach Kuba erteilt. Gemäß einem Ende Dezember im Amtsblatt veröffentlichten Beschluss (PDF (Öffnet in neuem Fenster)) erhielt Cubamax Travel Inc. aus Miami die Genehmigung, „über kubanische Finanzinstitute Gelder auf Konten auf der Insel zu überweisen“ oder Bargeld in kubanischen Pesos (CUP) oder Devisen an die Begünstigten auszuzahlen. Bis zur Sanktionierung durch die US-Regierung war die kubanische Staatsfirma Orbit für die Verwaltung der Rücküberweisungen von Auslandskubanern zuständig. Der Anfang Januar in Kraft getretene Beschluss der kubanischen Zentralbank sieht vor, dass Cubamax einen Vertreter mit Wohnsitz in Kuba benennen muss. Außerdem muss sich das Unternehmen „der Aufsicht und den Informationspflichten“ der BCC unterwerfen, „eine getrennte Buchführung und Vermögensverwaltung“ zwischen den in Kuba genehmigten Geschäften und denen, die es an anderen Orten tätigt, einhalten und sich „der Gerichtsbarkeit der kubanischen Gerichte unterwerfen“.

Geldüberweisungen sind eine der wichtigsten Deviseneinnahmequellen Kubas, verzeichneten in den vergangenen Jahren aber aus verschiedenen Gründen einen starken Rückgang. Unabhängigen Schätzungen zufolge machten Rücküberweisungen zwischen 2005 und 2020 rund sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) Kubas aus. Nach seiner Wiederwahl setzte US-Präsident Donald Trump Kuba erneut auf die US-Liste der „Terrorismus unterstützenden Länder“. In diesem Kontext wurde das Unternehmen Orbit in die sogenannte Cuba Restricted List aufgenommen, eine Liste kubanischer Unternehmen, mit denen US-amerikanische Staatsbürger und Unternehmen nach US-amerikanischem Recht keine direkten finanziellen Beziehungen unterhalten dürfen. Daraufhin setzte der US-Finanzdienstleister Western Union den Überweisungsverkehr auf die Insel aus. Das Unternehmen hatte seine Dienste nach Kuba erst im Jahr 2024 wieder aufgenommen, nachdem es sie 2020 aufgrund der Aufnahme des kubanischen Finanzinstituts Fincimex in die Cuba Restricted List eingestellt hatte. Fincimex, das zur Militärholding GAESA gehört, hatte bis dahin die Überweisungen nach Kuba abgewickelt.

Die Sanktionen Washingtons haben zu einem Anstieg der Überweisungen über informelle Kanäle geführt, etwa Privatpersonen oder Agenturen in Florida. Kürzlich haben die Behörden von Miami-Dade 20 Unternehmen, die im Verdacht stehen, ohne die erforderliche Genehmigung der US-Bundesbehörden Handel mit Kuba zu treiben, die lokalen Lizenzen entzogen. Cubamax gehört laut der veröffentlichten Liste nicht zu diesen 20 Unternehmen.

Passend zum Thema:

Ende des Jahres reformierte Kubas Zentralbank den staatlichen Devisenmarkt. Die entsprechenden Rechtsverordnungen wurden Mitte Dezember im Amtsblatt veröffentlicht und traten sofort in Kraft. Neben den festen Wechselkursen von 1:24 (für Unternehmen) und 1:120 (für Privathaushalte) wurde ein flexibler Wechselkurs eingeführt, der sich am informellen Umtauschkurs orientiert.

Zum Weiterlesen:

Kubas Rückkehr zum legalen Devisenmarkt (nd) (Öffnet in neuem Fenster)

Verzerrungen und ein florierender informeller Markt prägen seit Jahren den Devisenmarkt in Kuba. Jetzt soll es auch offiziell wieder flexibler zugehen.

Termine

  • 11.-15. März 2026 | Messe EXPOHOLGUÍN in Holguín

  • 16.-19. April 2026 | 9. Kongress der Kommunistischen Partei Kubas (verschoben)

Ansprechpartner:

Andreas Knobloch
+49 176 62115961 (WhatsApp/Signal)
MEZ -6h
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