Liebe Italien-Interessierte,
mit Kurz gesagt: Italien möchte ich dazu beitragen, dass Menschen Italien besser verstehen.
In dieser Newsletter-Ausgabe teile ich mit Ihnen und Euch wieder Italien-Tipps, die dem gleichen Ziel dienen wie Kurz gesagt: Italien.
Diesmal empfehle ich ein Magazin zum Vertiefen mehrerer meiner Folgen, eine Podcast-Episode über die Geschichte der italienischen Küche, zwei Archivstücke über die deutsche Italiensehnsucht der Wirtschaftswunderjahre – und einen italienischsprachigen Originalton-Schatz zu einem der folgenschwersten Terrorangriffe der italienischen Geschichte.
Vorab aber ein kurzer Hinweis in eigener Sache.
Am Freitag, 10. Juli 2026, bin ich in Kaufungen bei Kassel zu Gast. Auf Einladung der vhs Region Kassel halte ich dort eine Lesung mit dem Titel „Kurz gesagt: Italien – Ein Blick hinter die Italien-Klischees“.
Es geht um vertraute Italienbilder: um die Mutter aller Italienklischees, um den italienischsten aller Feiertage – und um die Wirren der italienischen Politik.
Ich lese aus meinem Buch Kurz gesagt: Italien (Öffnet in neuem Fenster), erzähle von meiner Arbeit am Podcast – und danach bleibt Zeit für Gespräche, Fragen und Diskussionen.
Die Veranstaltung findet von 18:30 bis 20:00 Uhr in der Begegnungsstätte Kaufungen, Theodor-Heuss-Str. 15, 34260 Kaufungen, statt.
Für alle, die nach Kaufungen bei Kassel kommen können und möchten: Sie und Ihr seid herzlich willkommen. Ich würde mich sehr freuen, Hörerinnen und Hörer, Leserinnen und Leser von Kurz gesagt: Italien dort persönlich zu treffen.
Wer sich für die Veranstaltung anmelden will, kann das hier tun:
https://www.volkshochschule.de/kursfinder.php?id=vhs-region-kassel-kurz-gesagt-italien-ein-blick-hinter-die-italien-klischees%7EV06014261-13012 (Öffnet in neuem Fenster)Jetzt die Tipps.
Ein ganzes Heft Italien
Einen Tipp habe ich diesmal in eigener Sache – aber nicht nur.
Das Wissenschaftsmagazin Science Notes hat im vergangenen Jahr ein ganzes Heft über Italien veröffentlicht.
Es geht darin nicht einfach um Sehenswürdigkeiten, Pasta und dolce vita, sondern um Italien als Land von Technik, Forschung, Alltagskultur, Landschaften, Mythen und Erfindungen.
In diesem Heft stehen Texte über die Bialetti-Kanne, italienische Gestik, aktive Vulkane, Kunstfälschungen, Vespa, Mozzarella, das Label Made in Italy, die mit dem Griechischen eng verwandte süditalienische Minderheitensprache Griko, die geplante Brücke über die Straße von Messina – und über vieles mehr.
Mehrere Texte knüpfen an Themen an, die ich im Podcast Kurz gesagt: Italien schon behandelt habe: Der Text über die Bialetti-Kanne passt zur Folge Moka (Öffnet in neuem Fenster), der Text über Griko zur Folge 482 (Öffnet in neuem Fenster) – und mein eigener Beitrag über die Autogrill-Raststätten natürlich zur allerersten Episode Autogrill (Öffnet in neuem Fenster).
Das Heft kostet sechs Euro.
Das ist gut investiertes Geld für alle, die Italien gerne aus ungewohnten Richtungen betrachten – und für alle, die zu einigen Kurz gesagt: Italien-Themen noch weiterstöbern möchten.
https://sciencenotes.de/shop/15-italien/ (Öffnet in neuem Fenster)Mit Humor und wissenschaftlichem Ernst: die italienische Küche unter der Lupe
Italienische Küche gehört zu den erfolgreichsten Kulturleistungen des Landes. Sie ist weltweit beliebt, überall erkennbar – und zugleich voller Missverständnisse.
Denn vieles, was heute als uralte italienische Tradition gilt, ist in Wahrheit viel jünger, regionaler oder industrieller, als viele Menschen glauben.
Ich habe mich dieses Themas schon mehrfach angenommen: in meiner Podcast-Episode Coperto (Öffnet in neuem Fenster), aber auch hier (Öffnet in neuem Fenster) und hier (Öffnet in neuem Fenster).
Allen, die gut Englisch können, empfehle ich zu dem Thema eine Folge von The Rest Is History, eines meiner Lieblingspodcasts.
In der Episode The Food that Changed the World sprechen die Historiker Tom Holland und Dominic Sandbrook mit dem britischen Italien-Historiker John Dickie.
Dickie hat mit dem amüsanten Buch Delizia ein Standardwerk über die Geschichte der italienischen Küche geschrieben, erschienen ist es auf Englisch (Öffnet in neuem Fenster), Deutsch (Öffnet in neuem Fenster) und Italienisch (Öffnet in neuem Fenster).
In der Podcast-Folge geht es um mittelalterliche Herrscher, um Aal in Marzipanhülle, der an italienischen Renaissancehöfen verspeist wurde, um den Mann, der Tortellini zu einem Alltagsgericht machte – und um die Frage, wie die italienische Küche überhaupt zu einem Exportschlager wurde.
https://therestishistory.com/episodes/the-food-that-changed-the-world (Öffnet in neuem Fenster)Schee war’s in Italien
Zwei weitere Tipps führen nicht einfach nach Italien – sondern in die Geschichte der deutschen Italiensehnsucht.
In der ARD-Mediathek ist die Dokumentation des Bayerischen Rundfunks namens Schee war’s in Italien zu sehen. Sie erzählt von der Zeit, in der Italien für viele Deutsche zum großen Sehnsuchtsland wurde: vom Aufbruch über die Alpen, von Autokolonnen Richtung Süden, von Sonne, Meer, Gardasee, Adria – und von einem Lebensgefühl, das in der Bundesrepublik der Nachkriegsjahrzehnte eine enorme Wirkung entfaltet hat.
https://www.ardmediathek.de/video/bayern-erleben/schee-war-s-in-italien/br/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9GMjAyNFdPMDEzMTExQTA (Öffnet in neuem Fenster)Dazu passt ein kurzer Archivschatz des Hessischen Rundfunks aus dem Jahr 1958: Touristen in Italien. Schon allein die Bilder sind großartig: deutsche Urlauber in kurzen Hosen, Italien als Versprechen, als Projektionsfläche, als Ort, an dem man sich dem Alltag entziehen kann.
Beide Beiträge sind wundervolle Fenster in vergangene Jahrzehnte. Beide Beiträge helfen zu verstehen, wie stark das deutsche Italienbild von Urlaub geprägt ist – und wie lange schon.
https://www.ardmediathek.de/video/hr-retro-oder-archivschaetze/touristen-in-italien/hr/NjI2NzdkODYtNzViNS00YmY0LTk5NmQtNDA1NWU3NGU3MzVi (Öffnet in neuem Fenster)Für alle, die gut Italienisch verstehen
Einen italienischsprachigen Tipp habe ich diesmal zu einem Thema, das in Kurz gesagt: Italien schon eine wichtige Rolle gespielt hat: zur Entführung und Ermordung Aldo Moros im Jahr 1978.
Auf RaiPlay Sound gibt es eine vierteilige Archivreihe mit dem Titel Cronaca di un rapimento: i 55 giorni di Aldo Moro.
Die Reihe erzählt die 55 Tage der Entführung Moros durch die Roten Brigaden anhand damaliger Beiträge des Giornale Radio, also mit Originaltönen aus der Zeit.
Das ist gerade im Fall Moro besonders wertvoll.
Kaum ein Ereignis der italienischen Nachkriegsgeschichte ist so sehr überwuchert worden von Verdacht, Gegendeutungen, Verschwörungserzählungen und dietrologia – jenem unübersetzbaren italienischen Hang, hinter den sichtbaren Ereignissen immer noch eine verborgene Wahrheit, eine zweite oder dritte Ebene der Macht zu vermuten.
In meiner Podcast-Folge Dietrologia (Öffnet in neuem Fenster) habe ich genau über dieses Phänomen gesprochen.
Die Rai-Reihe über die 55 Tage Moros hilft, dieses Gestrüpp zumindest für einige Zeit zur Seite zu schieben. Nicht, weil sie alle Fragen beantwortet. Sondern weil sie einen zurückführt zu den damaligen Tagen selbst: zu den Nachrichten, den Reaktionen, der Sprache, dem Ton der Zeit.
RaiPlay Sound ist voll mit Beiträgen zum Fall Moro. Manche von ihnen sind selbst schon stark geprägt von späteren Deutungen und Verdächtigungen. Gerade deshalb ist diese Archivreihe so interessant: Sie beginnt bei den Stimmen von damals.
https://www.raiplaysound.it/playlist/cronacadiunrapimentoi55giornidialdomoro (Öffnet in neuem Fenster)A presto
Sebastian