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Meer-Montag #33 - Altruistische Giganten?

Sie sind bis zu 15m lang, werden bis zu 30 Tonnen schwer und gelten trotzdem als die sanften Riesen unserer Meere. Zurecht: Buckelwale sind dafür bekannt, ruhig und elegant durchs Wasser zu schweben. Aufgrund ihrer Größe haben sie in den Meeren unserer Erde auch wenig natürliche Feinde zu befürchten.

Die einzigen Tiere, die ihnen in jungen Jahren wirklich gefährlich werden können, sind Orcas. Diese in großen Familienverbänden jagenden Zahnwale können durchaus ein Buckelwalkalb als Ziel auswählen. Ist dies der Fall, so ist es schon häufig vorgekommen, dass weitere Wale zur Hilfe kamen, um sich sich zwischen den Orca und seine Beute zu schieben. Während dies als das Sichern der eigenen Art angesehen werden kann, erstaunen Buckelwale immer wieder, indem sie dieses Verhalten auch bei Attacken auf andere Tiere zeigen.


Es gibt Berichte und Aufnahmen darüber, wie Buckelwale zum Beispiel Robben Schutz vor Orcas boten und sich aktiv in die Jagd einmischten, indem sie zwischen Prädator und Beute schwammen. In den letzten 62 Jahren wurden 115 solcher Fälle beobachtet und nun ausgewertet. Dabei stellte sich heraus, dass Buckelwale sich nicht nur schützend vor andere Tiere positionieren, sondern anschließend aktiv und als Gruppe die attackierenden Orcas “mobben”, bis diese das Gebiet verlassen. Dabei handelte es sich nur in 11% der Fälle um Angriffe auf Buckelwalkälber. Dagegen wurden zu 89% andere Tierarten vor den Orcas beschützt.

Doch was könnte der Grund dafür sein? Eine Vermutung ist es, dass die hochintelligenten Buckelwale, die für ihre komplexen Gesänge und ihr gutes Gehört bekannt sind, auf die Kommunikation der Orcas bei der Jagd reagieren und aus der näheren Umgebung herbei eilen, da sie vermuten, dass ein Buckelwalkalb in Gefahr ist. Es könnte also eine Art 33Reflex sein, um Angehörige der eigenen Art zu schützen. Doch ist es schwierig, zu glauben, dass die Wale spätestens bei der Ankunft am Ort des Geschehens nicht erfassen, dass es sich beim Opfer der Attacke um eine andere Tierart handelt. Sie sind zu anspruchsvollem Denken, Entscheidungsfindung, Problemlösung und komplexer Kommunikation fähig. Es ist ebenso möglich, dass sie wissen, dass sie selbst keinen Vorteil daraus ziehen, einer Robbe oder einem artfremden Wal zu helfen. Und trotzdem gehen sie immer wieder dazwischen. 2012 hat eine Gruppe Orcas eine Grauwalmutter und ihr Kalb in der Monterey Bay, Kalifornien, angegriffen. Trotz der Anwesenheit zweier Buckelwale wurde das Kalb getötet. Was danach geschah, verblüfft bis heute die Wissenschaftsszene. 14 weitere Buckelwale versammelten sich und hinderten die Orcas aktiv daran, ihre Beute zu fressen. Mehr als 6 Stunden lang schlugen sie ihre Flossen auf die Wasseroberfläche und verwendeten kostbare Energie dafür, die Orcas fern zu halten. Unter den vielen Erklärungsversuchen ist auch der, dass bestimmte Buckelwale vielleicht als Kalb selbst angegriffen wurden und somit eine Rechnung mit den Orcas offen haben.

Ein weiterer Ansatz ist, zu erforschen, ob die Möglichkeit besteht, dass ihr Verhalten als Altruismus, also selbstloses Handeln ohne eigenen Vorteil, gesehen werden kann. Eine spannende Frage in Zeiten, in denen wir Tieren immer häufiger Merkmale zugestehen, die vorherige Generationen zu gern den Menschen vorbehalten hätten. Emotionalität, komplexe soziale Strukturen, das Eingehen von Freundschaften, vorausschauendes Denken. All das und mehr wird nach und nach immer häufiger auch in der Tierwelt beobachtet und erforscht. Und schubst uns Menschen hoffentlich immer weiter von dem Thron, auf dem wir gerne sitzen wollten und der uns über den Rest der Welt erhob. Doch wir sind Teil des Ganzen und begreifen vermutlich nur im Ansatz, warum Tiere die Dinge tun, die sie tun. Vielleicht ist die Selbstlosigkeit der Wale also ein neuer Punkt auf der Liste der Dinge, die wir mit den Tieren gemeinsam haben. Es ist eine von mehreren Theorien, doch sicher können wir uns an dieser Stelle nicht sein. Wie so oft ist es schwer, die Lebensweise unter der Wasseroberfläche ausreichend zu beobachten um das Gesamtbild zu verstehen. Umso spannender, dass sich Menschen mit genau diesen Fragen auseinander setzen und wir uns hoffentlich auf neue Erkenntnisse in den nächsten Jahren freuen können.



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Zum Weiterlsen:

Die Studie über das beschriebene Verhalten im Marine Mammal Science Journal: “Humpback whales interfering when mammal-eating killer whales attack other species: Mobbing behavior and interspecific altruism?” (Öffnet in neuem Fenster)

Kategorie Meer-Montag

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