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Meer-Montag#32 - Eine Wiese Unterwasser

Ahoi an diesem Meer-Montag! Heute möchte ich mal wieder ein Ökosystem im Meer vorstellen, für das wir gar nicht weit reisen müssen. Nehmt euch ein paar Minuten ein und taucht mit mir in den flachen Randgebiete unserer Meere, um uns das Seegras genauer anzuschauen.

Denn Seegraswiesen bekommen endlich immer mehr Aufmerksamkeit und können ihr Potential der Welt präsentieren. Sie bieten nicht nur kleinen Meereslebewesen ein Zuhause und weisen eine enorme Biodiversität auf, sondern binden auch große Mengen CO2: 30-50 Mal mehr als auf einer gleich großen Fläche Wald! Damit wirken sie der Versauerung der Meere entgegen und produzieren außerdem Sauerstoff, den wir atmen. Fast jeder zweite unserer Atemzüge kommt aus dem Meer!

Insgesamt gibt es auf der ganzen Welt, in allen Klimazonen 65 bekannte Arten von Seegras. In unserer Ostsee gibt es das Echte Seegras (Zostera marina). Hier erfüllt es nicht nur die oben genannten Aufgaben, sondern stabilisiert auch das Sediment und hilft dabei, dass es nicht von Strömungen abgetragen wird. Apropos Strömung: Seegraswiesen können Wasserströmungen um bis zu 40 Prozent reduzieren, da sie dem Wasser seinen Schwung nehmen und damit auch direkt zum Küstenschutz beitragen.

Seegraswiesen werden häufig als Kinderstuben des Meeres bezeichnet: hier legen viele Fische ihre Eier ab, da sie in den vielen dünnen Halmen gut versteckt sind. Auch die jungen Fischlarven finden hier ein sicheres Versteck, um heranzuwachsen. Nicht nur bei uns, sondern weltweit trägt dieses Ökosystem also dazu bei, dass unter anderem der Bestand an Speisefisch stabil bleibt oder sogar wachsen kann. Ein großer Teil der Weltbevölkerung ist (im Gegensatz zu uns in Deutschland) vom Meer und dem Fischfang abhängig, was die Bedeutung der Seegraswiesen zur Ernährung der Menschen noch größer werden lässt.

Sie sind ein Lebensraum mit vielfältigen Strukturen und können bei passenden Bedingungen lange leben. Durch die Verbreitung durch Ausläufer im Sediment kann eine ganze Wiese aus nur wenigen Individuen bestehen, die aber enorm alt werden können. Zwischen Schweden und Dänemark liegen die Åland-Inseln. Hier wurden Wurzelrhizome gefunden, die auf ein Alter von 800 bis 1600 Jahre geschätzt wurden!

Doch wir wissen, dass es unserer Ostsee nicht gut geht. Durch den nur schmalen Zugang zu frischem Meerwasser durch Skagerrak und Kattegat speist sich die Ostsee vor allem aus den vielen Flüssen, die ihren Weg in unser Binnenmeer finden. Durch den steigenden Gebrauch von Düngemitteln in der Landwirtschaft wurden in den letzten Jahrzehnten übermäßig viele Nährstoffe in die Ostsee eingebracht. Diese begünstigen das Wachstum von Mikroalgen, die nicht nur das Seegras regelrecht überwuchern, sondern auch das Wasser trüben und weniger Sonnenlicht hindurch lassen. Das erschwert dem Seegras die Photosynthese und damit das Überleben.

Deshalb gibt es immer mehr wissenschaftliche Arbeit und Projekte, die sich einerseits für die Verbesserung der Wasserqualität einsetzen und daran arbeiten, den Bestand von Seegras wieder zu erhöhen. Im Buch “Ein Leben für den Ozean” (Öffnet in neuem Fenster) (Link zu unserem Onlineshop) gibt es eine Reportage darüber, wie Forschende versuchen, in der Ostsee neue Seegraswiesen anzupflanzen.

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Für weitere Informationen:

@Projectseagrass ist einer der Instagram-Accounts, die Aufklärung leisten und sich für den Schutz von Seegraswiesen einsetzen. Auch bei @ocean_summit lest ihr auf dem Account und der Website jede Menge deutsche Informationen zum Thema Seegras. Ihr findet dort auch Unternehmen, die z.B. das im Herbst angespülte Seegras aufgrund seiner vielen praktischen Eigenschaften als Rohstoff nutzen. 

In der ARD Mediathek findet ihr außerdem eine halbstündige Doku "Klimaretter Seegras", bei dem die Forschungsarbeit des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel vorgestellt wird.

Große Empfehlung von mir ist auch die passende Folge (#24) vom Podcast “Helden der Meere” mit Philipp Schubert

Kategorie Meer-Montag

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