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Political Busyness

Das Gefühl der Machtlosigkeit angesichts apokalyptischer Nachrichten

Es ist 2023 und ich habe ein Date mit einem Typen in einem kanariengelben Kaschmirpullover, der aber ansonsten cool ist. Wir trinken Kaffee in seiner stylischen Plattenbauwohnung, reden über unsere Exbeziehungen und ich habe ihm gerade gesagt, dass ich fürs erste aufgehört habe, politische Talkshows zu gucken, weil sie mich zu sehr runterziehen. 

»Eine äußerst privilegierte Haltung« sagt er, und zieht eine Augenbraue hoch. Obwohl er als cis-Mann ein kleines bisschen privilegierter ist als ich (weil: das ist eindeutig ein Wettbewerb!), fühle ich mich geshamed.

Die Verpflichtung, politisch immer up to date zu sein, weil es sich nur Bessergestellte leisten können, die Nachrichten zu ignorieren, kenne ich gut. Sie war Teil meiner Erziehung. Die Nachrichten zu ignorieren ist natürlich ein Privileg: Je besser es einem wirtschaftlich und sozial geht, desto weniger Schaden nimmt das eigene Leben, wenn beispielsweise Faschisten die Wahl gewinnen. 

Deswegen habe ich wie der Kanarienvogelpullovertyp lange geglaubt, meine eigene moralische Überlegenheit wachse proportional zu der Anzahl der Stunden, die ich mit Nachrichtengucken verbringe. Informiert zu sein und eine Meinung zu haben, das sieht von Weitem fast schon wie Aktivismus aus.

Kategorie Lifestyle

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