Wer steht hinter Bayerns NS-Erinnerungsorten? Sechs Menschen erzählen von Jahrzehnten ehrenamtlicher Aufarbeitung. Jetzt in der App BayernHistory.

Bayerns Erinnerungslandschaft lebt nicht nur von großen Gedenkstätten. Ab den 1980er Jahren begannen einzelne Menschen, die NS-Geschichte ihres Wohnorts aufzuarbeiten – in Eigenregie, aus eigener Überzeugung. Sie recherchierten in Archiven, sprachen mit Überlebenden, kämpften für Gedenkorte. Was heute als Citizen Science oder Public History bezeichnet wird, war damals Pionierarbeit vor der eigenen Haustür.
Sechs Menschen, sechs Wege zur Erinnerungsarbeit
Wir wollen diesen Initiativen eine digitale Sichtbarkeit geben und zeigen, wer hinter den NS-Erinnerungsorten in Bayern steht. Diese Porträts haben wir in der App BayernHistory veröffentlicht. In der Zusammenarbeit mit den lokalen Initiativen entstanden persönliche Begegnungen mit den Menschen hinter diesen Orten. Sechs von ihnen kommen jetzt in einer neuen Porträtserie zu Wort.
Helga Deiler, Wolfgang Haserer, Franziska Lobenhofer-Hirschbold, Inge Kroll, Jutta Schmid und Josef Pröll – diese Namen sind kaum bekannt. Doch an ihren jeweiligen Orten haben sie die Erinnerungskultur initiiert und aufgebaut. Oft gegen Schweigen, Ablehnung und offene Feindseligkeit.
In den Gesprächen berichten alle sechs über ihren Werdegang. Sie erzählen von Widerständen und Bedrohungen. Aber auch von Begegnungen, die sie nicht mehr losgelassen haben. Und von Freundschaften, die daraus gewachsen sind.

„Wir wollten wissen!" – Helga Deiler aus Landsberg
Als Helga und Manfred Deiler 1989 der Bürgervereinigung Landsberg beitraten, begann ihre eigene Forschung. Die Informationslage war rar. Manfred Deiler diktierte im Hauptstaatsarchiv München die englischsprachigen Prozessakten Satz für Satz auf Band. Helga Deiler übersetzte abends alles ins Deutsche. Bald darauf entstanden die Landsberger Themenhefte – ein erster großer Meilenstein.
Die Reaktionen fielen nicht nur positiv aus: „Wir wurden als Nestbeschmutzer beschimpft und haben Drohanrufe bekommen. Gleichzeitig hat uns das einmal mehr gezeigt, wie notwendig die Aufarbeitung war."
Dann kamen die ersten Überlebenden nach Kaufering. Freundschaften entstanden. Es folgten die Gründung der Stiftung Europäische Holocaustgedenkstätte und die Konservierung ehemaliger Lagergebäude. Nach dem Tod ihres Mannes 2023 macht Helga Deiler weiter. Heute kommen häufig Angehörige der Enkelgeneration. Lesen Sie das vollständige Porträt in der App BayernHistory.
Zeitzeugen einer anderen Art
Wir sprechen oft von Zeitzeugen der NS-Zeit. Doch auch die Aufarbeitungsgeschichte hat ihre Zeitzeugen. Die sechs Porträtierten dokumentieren, wie Erinnerungsarbeit in Bayern entstand – vor Ort, ohne Auftrag, gegen Widerstände. Was sie erlebt haben, gehört selbst längst zur Zeitgeschichte.
Der NaziCrimesAtlas und der Themenbereich NS-Erinnerungsorte in der App BayernHistory gehen auf diese Arbeit zurück.
Dazu schreibt Wolfgang Hauck: „Ich habe sie alle persönlich kennengelernt. Das war eine bewegende Erfahrung. Auch das ist Heimatgeschichte – eine, die Mut, Anteilnahme und Courage erfordert.“
Entdecken Sie alle sechs Porträts
Entdecken Sie die Porträts direkt in der App BayernHistory.
Im Themenbereich NS-Erinnerungsorte finden Sie unter „Akteure“ alle sechs Interviews.
Produktion der Portraits: Wolfgang Hauck (Idee und Konzept), Simone Kosog (Bilder, Audios und Texte), Sarah Nägele (Redaktion).
Laden Sie die App: BayernHistory
Förderung
Das Projekt NaziCrimesAtlas wurde im Rahmen der Bildungsagenda NS-Unrecht von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) gefördert (Förderzeitraum 2024–2025).
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