Die gute Nachricht gleich zu Anfang: Die venezianische Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen Korruption erhoben gegen Brugnaro und alle 33 Verdächtigen, vom Bürgermeister über den chinesischen Magnaten bis hin zum Generaldirektor Ceron, dem stellvertretenden Kabinettschef Donadini und dem ehemaligen Stadtrat Boraso, der in den nächsten Tagen einen Deal wegen einiger Vorwürfe aushandeln möchte.

Bislang liefen ja “nur” Ermittlungen (Öffnet in neuem Fenster). Leser von Reskis Republik sind über die Hintergründe der Ermittlung Palude (Öffnet in neuem Fenster) (der “Sumpf”) natürlich bestens informiert. Am Sonntag wird sich die Investigativsendung “Report” sich ihm wieder widmen - ihre Beiträge haben ganz wesentlich dazu beigetragen, dass die venezianische Staatsanwaltschaft nicht weiter wegsehen konnte. Hier noch mal der sehenswerte Beitrag von Report, der Brugnaros Korruptionstechnik detailliert darstellt:
https://www.raiplay.it/video/2025/02/I-nuovi-Dogi---Report-16022025-4ae8bd6c-3e64-4cb6-8edc-14fc9a00d392.html (Öffnet in neuem Fenster)Die Opposition fordert - natürlich - den Rückritt von Bürgermeister Brugnaro, seinem Generaldirektor und dem stellvertretenden Kabinettschef. Und Brugnaro? Der meint, dass die Anklage (100 000 Seiten) sich um “Nichts (Öffnet in neuem Fenster)” drehe und will seine “Arbeit zu Ende bringen”.
Das “Nichts” der Anklage in wenigen Worten: Brugnaro bereichert sich mit dem Eigentum der Stadt, gibt vor, sein Unternehmen von einem Blind Trust, einem Treuhandfonds, verwalten zu lassen, macht als Bürgermeister indes private Geschäfte, versucht durch den Verkauf von zwei venezianischen Palazzi zu bestechen, gibt seinem korrupten Stadtrat Tipps, wie man geschickter besticht, erstellt eine schwarze Liste seiner Kritiker, die „von Haus zu Haus“ verfolgt werden sollen – also nichts weiter als die üblichen Kleinigkeiten, die einen in Italien eigentlich für das Amt des Ministerpräsidenten prädestinieren sollten.
Da ich etwas Erfahrung mit Politiker-Prozessen in Italien habe, sollten wir uns allerdings nicht zu früh freuen. Die Anwälte der Angeklagten werden alles dafür tun, um den Prozess in die Länge zu ziehen. Denn die Verjährungsfrist wird ja, anders als in Deutschland, nicht (mehr) ausgesetzt, wenn ermittelt oder verhandelt wird. Die Zeit läuft also für die Angeklagten.
Aber immerhin ist Brugnaro - vorerst - politisch aus dem Spiel. Was man auch daran sieht, dass sein Kronprinz, der agile junge Stadtrat für Tourismus, Simone Venturini jetzt für Melonis Fratelli D’Italia kandidieren soll.
Auf jeden Fall freuen wir uns in Venedig auf die nächste Folge von Report am Sonntag!

Zur Zeit pendele ich zwischen Venedig und dem Ruhrgebiet hin und her - weil ich mich, wie viele meiner Generation, um meine pflegebedürftige Mutter kümmere. Also habe ich einen meiner Aufenthalte hier dafür genutzt, etwas zu tun, was ich immer vermieden habe: Ich habe die Zeche besucht, auf der mein Vater starb. Übrig geblieben sind von ihr nur der Förderturm

(der zum Kamener Wahrzeichen wurde) und die Maschinenhalle, und auch das nur dank des Engagements eines Vereins ehemaliger Bergleute: Monopol 2000 (Öffnet in neuem Fenster) in Kamen.

Besucht habe ich die Zeche zusammen mit meinem Onkel (derjenige, der vor kurzem in Venedig beklaut wurde! (Öffnet in neuem Fenster)), der auch als Bergmann auf Monopol (auf der ersten Silbe zu betonen: Monnopoll) gearbeitet hat.
Bei diesem Anblick fühle ich mich sofort wieder in Italien, obwohl diese Lichterbögen hier mitten im Stadtzentrum von Unna aufgebaut wurden. Für nichts Geringeres als dem größten italienischen Volksfest nördlich der Alpen (Öffnet in neuem Fenster) (warum kleckern, wenn man auch klotzen kann), das alle zwei Jahre stattfindet.

Die Festa italiana in Unna kam 1985 nach Unna (Öffnet in neuem Fenster). Auf Initiative einiger italienischer Gastronome 😉😜, darunter der eines italienischen Cafés, zu dem meine Freundin Ingrid und ich immer mit dem Moped fuhren, wenn wir die Schule schwänzten, um dort Cappuccino zu trinken.
Und zum Schluss noch Dank an die grandiose Buchhandlung Literatur Moths (Öffnet in neuem Fenster)in München, in der ich am Donnerstag mein "All'italiana. Wie ich versuchte, Italienerin zu werden" (Öffnet in neuem Fenster)vorstellte, moderiert von Margit Ketterle (Öffnet in neuem Fenster), meiner ehemaligen Verlagsleiterin der Verlagsgruppe Droemer Knaur.

Jedes Mal, wenn ich in dieser Buchhandlung bin, möchte ich hier tausend Bücher kaufen, weil die Bücher, die hier ausliegen, nicht einfach nach Bestsellerlisten präsentiert werden, sondern mit Liebe und Hingabe und Interesse. Und so kann man hier jedes Mal Entdeckungen machen: Bücher, die man woanders niemals gefunden hätte.
Herzlichst grüßt Sie Ihre Petra Reski
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