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Kurzgeschichte TROPES & PLACES 4/12

Das Bild zeigt den Titel in drei Zeilen: 
Tropes & Places
Kurzgeschichte 4/12
Forbidden Love am Bodensee

Für 2026 habe ich mir vorgenommen jeden Monat eine Kurzgeschichte zu schreiben und auf meinem Steady-Account zu veröffentlichen. Das übergreifende Thema ist auch gleichzeitig der Arbeitstitel und lautet: Tropes & Places. Jede Geschichte bedient eine andere, populäre Romance-Trope. Außerdem werden 12 Sehnsuchtsorte besucht: Städte und Regionen, die man gerne entdecken möchte. Wir reisen gemeinsam hin und lernen überall ein neues Paar kennen! :)

Die April-Geschichte erscheint tatsächlich am letzten Tag des Monats, was so nicht geplant war. Wie in meiner letzten Pen(n) Preview (Öffnet in neuem Fenster)erläutert, habe ich für diese Story mehrere Anläufe gebraucht. Denn diesen Monat hat mich dieses Schreibprojekt gelehrt: Manche Ideen sind zu umfangreich für dieses Format. Vielleicht bin ich es mittlerweile zu sehr gewöhnt, lange Geschichten zu schreiben. Vielleicht brauchen große Gefühle aber auch manchmal einfach mehr Raum. Diese Kurzgeschichte enthält (für mein Empfinden) viel Drama, das neugierig auf mehr macht. Vielleicht ist das Ende zu offen. Vielleicht ist es aber auch genau richtig, um dich die Geschichte selbst weiterträumen zu lassen?

In dieser Kurzgeschichte geht es um die Trope Forbidden Love, also eine Liebe, die nicht sein darf. Eine Liebe, die vielleicht sogar aktiv sabotiert wird, weil die beiden, um die es geht, aus unterschiedlichen Welten kommen. Komm mit an den Bodensee, zu einer Gartensoirée der örtlichen High Society, bei der Hauptfigur Thea nicht nur von ihren Gefühlen, sondern auch von ihrer Vergangenheit eingeholt wird.

(Anm.: Diese Geschichte umfasst 5.359 Wörter, was ca. 21 Buchseiten entspricht. Bei einem durchschnittlichen Lesetempo, wirst du sie in etwa 20 Minuten lesen. Viel Spaß!)

Thea & Valentino: Forbidden Love am Bodensee

„Ich kann es nicht fassen, dass ihr mich mitschleppt“, murmele ich, während ich meiner Mutter dabei zusehe, wie sie sich die Lippen nachzieht. Ihr rosaroter Mund schneidet eine Grimasse im Spiegel der Sonnenblende.

„Um Gottes Willen, reiß dich zusammen, Thea.“ Sie dreht sich auf dem Beifahrersitz des Bentleys zu mir herum. „Erspare uns allen das übliche Drama. Ich habe nicht die Nerven dafür. Nicht heute.“

Ich schnaube. „Ich habe auch nicht die Nerven für diese ...“ Ich hätte wirklich große Lust, einen weniger eleganten Ausdruck zu wählen. „Diese Soirée.“

„Du hast dir die Einladung also angesehen?“ Ihre blaugrauen Augen mustern mich. „Und dich dann doch entschieden, den Dresscode zu ignorieren?“

Mein Kiefer spannt sich an und ich kralle die Finger in den Stoff meiner weitgeschnittenen Hose. „Ich bin absolut passend gekleidet, Mutter.“

Sie hebt eine Braue. Und obwohl sie nichts sagt und sich im nächsten Moment schon wieder nach vorn wendet, höre ich ihr skeptisches Tatsächlich? als hätte sie es laut ausgesprochen. 

Tatsächlich? So möchtest du zur Schule gehen?

Tatsächlich? Du findest, dass dir ein Pony steht?

Tatsächlich? Das ist dein neues Apartment?

Tatsächlich? So einen Job traust du dir zu?

Keine Entscheidung, die ich in meinem Leben bisher selbst getroffen habe, hat meiner Mutter imponiert. Immer hat sie an meiner Wahl irgendetwas auszusetzen. Heute eben an dem Zweiteiler, den ich anstelle des Kleides, das sie für mich herausgelegt hat, trage. Und ich weiß in diesem Moment, dass sie es nicht auf sich beruhen lassen wird. Sie wird den ganzen Nachmittag und den ganzen Abend auf meinem Outfit herumreiten. Und dann wird sie mir erklären, dass ich das Problem bin.

Wie immer. 

„So, Ladys, kann es losgehen?“, mein Vater öffnet die Fahrertür und schwingt sich auf seinen Platz am Steuer. „Seid ihr bereit, euch die Tulpen schönzutrinken?“

„Albert!“, zischt meine Mutter. „Der Garten der Wartenbergs ist preisgekrönt!“

„Und der Schampus, den sie ausschenken, ist es nicht?“, gibt er zurück. 

Ich muss kichern und mein Vater zwinkert mir über den Rückspiegel amüsiert zu. Er ist gut gelaunt. Wie immer. 

Und natürlich passt das meiner Mutter gar nicht. Doch anstatt auf ihr empörtes Prusten einzugehen, startet er den Motor des Oldtimers und fährt los. 

Tausende Kieselsteinchen prallen von unten an den Wagen, während wir die lange Einfahrt unseres Familiensitzes hinabfahren. Alte Eichen säumen den Privatweg. Die kleine, dekadente Allée führt durch unseren parkähnlichen Vorgarten, der nach einem Torbogen in Streuobstwiesen übergeht. Zu dieser Jahreszeit stehen die Kirsch- und Apfelbäume in voller Blüte. Ein Meer weißbewölkter Baumkronen wiegt sich sachte im Frühlingswind. Einzelne, herabfallende Blütenblätter tanzen durch die Luft. Ich öffne das Fenster einen Spalt und lasse die Brise herein. Sie streicht mir über das Gesicht, bringt einen blumigen Duft und eine gewisse Leichtigkeit in das Innere Wagens. Ich atme tief ein.

„Thea, mach das wieder zu“, beschwert sich meine Mutter. „Willst du, dass ich einen steifen Nacken bekomme? Außerdem ruiniert mir der Wind die Frisur.“

Ich verdrehe die Augen, kurbele aber gehorsam an dem Hebel, um die Scheibe wieder hochzufahren. Seufzend lasse ich mich in den Rücksitz sinken. Wann immer ich im Auto meiner Eltern sitze, fühle ich mich wieder wie ein Kind. Nicht wie die 27-jährige Frau, die ich mittlerweile bin. 

„Hast du mit Darius gesprochen? Weiß er, dass du heute kommst?“, ist die nächste Frage, die vom Beifahrersitz an mich gerichtet wird.

„Darius und ich sind keine Freunde, Mutter“, sage ich gepresst. „Außerdem kennt er mit Sicherheit die Gästeliste.“

„Du hättest ihn trotzdem anrufen können. Ich begreife dich einfach nicht.“ Meine Mutter schüttelt ihren Kopf, nur um sich im nächsten Moment hektisch das blonde Haar zu richten. „Als Kinder habt ihr euch so gut verstanden.“

Ich schnaube. „Wir haben uns nie besonders gut verstanden.“

„In der Schule wart ihr so ein gutes Team“, fährt sie ungerührt fort.

„Wir waren einfach nur Klassenkameraden und ein halbes Jahr zusammen im Debattierklub“, sage ich, wohlwissend, dass sie auch diese Information überhören wird.

„Und bei eurem Abschlussball, weißt du noch?“ Sie linst über ihre Schulter. „Da hat er angeboten, deine Begleitung zu sein!“

Diese alten Geschichten wieder.

„Ich wollte aber gar nicht zum Abschlussball!“, entgegne ich jetzt ein wenig ungehalten. „Schon gar nicht mit ihm!“

„Es war trotzdem sehr nett von ihm.“ Meine Mutter lässt sich nicht beirren. „Darius ist ein anständiger, junger Mann. Ein Gentleman. Und nebenbei bemerkt eine ausgesprochen gute Partie.“

Kategorie Tropes & Places

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