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„Kulturentwicklung darf nicht auf ein einzelnes Großprojekt warten.”

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Du liest eine Sonderveröffentlichung der ”Post aus Dachau”, des wöchentlichen Kultur-Newsletter von Stadtführung mit Matthias (Öffnet in neuem Fenster) in Dachau & München.

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exklusiv

Nachgefragt bei Michael Eisenmann (Bündnis für Dachau/Volt)

Fragen an alle Kandidat*innen

 1. Dachaus Kulturszene nennt Raummangel als Kernproblem. Welche drei konkreten Schritte setzen Sie innerhalb der ersten 12 Monate Ihrer Amtszeit, um zusätzliche kulturelle Räume oder Zwischennutzungen zu ermöglichen?

Eisenmann: “Raummangel ist nicht nur eine Mengenfrage, sondern eine Strukturfrage. Dachau verfügt bereits über mehrere kleinere Bühnenformate in der Altstadt. Was fehlt, ist vor allem ein flexibel nutzbarer Raum mittlerer Größe – für bis zu etwa 200 Personen –, der unterschiedliche kulturelle Formate ermöglicht.

Erstens:
Ich setze mich dafür ein, auf dem MD-Gelände kurzfristig Teilflächen einer kulturellen Zwischennutzung zuzuführen. Die denkmalgeschützten Gebäude stehen seit Jahren leer. Anstatt ausschließlich auf eine große, langfristige Lösung im zweistelligen Millionenbereich zu warten, sollten wir prüfen, ob die Stadt treuhänderisch Teilflächen übernehmen und Kulturvereinen zur Verfügung stellen kann. Ziel ist ein multifunktionaler Raum, der Proben, Theaterinszenierungen, größere Chorformate ebenso ermöglicht wie – an mindestens einem festen Veranstaltungstag – Clubbetrieb.

Zweitens:
Ich werde bestehende Gebäude auf ihre funktionale Eignung prüfen, nicht nur auf ihre symbolische Wirkung. Ein weiterer Mini-Veranstaltungsort löst das strukturelle Defizit nicht. Entscheidend ist, ob ein Raum technisch, brandschutzrechtlich und organisatorisch so ausgestattet werden kann, dass er Veranstaltungen bis etwa 200 Personen trägt. Diese Größenordnung ergibt sich nicht aus Wunschdenken, sondern aus realistischen Rahmenbedingungen.

Drittens:
Für Dachau-Süd strebe ich die Entwicklung eines kulturellen Treffpunkts an – etwa in Form eines Kulturcafés mit integrierter Veranstaltungsfläche. Die Altstadt ist kulturell bereits gut ausgestattet. In Süd fehlt ein sozialer und kultureller Ankerpunkt. Eine größere Gastronomiefläche könnte punktuell für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden, ohne dauerhaft im Veranstaltungsmodus zu sein.

Kulturentwicklung darf nicht auf ein einzelnes Großprojekt warten. Wer heute Räume ermöglicht, schafft die Grundlage dafür, dass auch künftige größere Kulturzentren lebendig gefüllt werden.

Viertens:
Sollte es eine private Initiative zur Schaffung eines passenden Bühnenraums geben, werde ich eine solche Initiative persönlich im Rahmen der städtischen Möglichkeiten fördern.”

2. Die städtischen Kulturmittel stehen seit Jahren unter Druck. Welche Maßnahmen planen Sie, um Kulturförderung abzusichern, ohne dass sie zum politischen Spielball oder Opfer künftiger Sparrunden wird?

Eisenmann: “Kulturförderung gehört in Bayern zu den „Pflichtaufgaben des eigenen Wirkungskreises“ (Gemeindeordnung für den Freistaat Bayern). Dort heißt es Art. 57 Aufgaben des eigenen Wirkungskreises

(1) 1Im eigenen Wirkungskreis sollen die Gemeinden in den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit die öffentlichen Einrichtungen schaffen und erhalten, die nach den örtlichen Verhältnissen für das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Wohl und die Förderung des Gemeinschaftslebens ihrer Einwohnerinnen und Einwohner erforderlich sind, insbesondere Einrichtungen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, der Feuersicherheit, der öffentlichen Reinlichkeit, des öffentlichen Verkehrs, der Gesundheit, der öffentlichen Wohlfahrtspflege einschließlich der Jugendhilfe, des öffentlichen Unterrichts und der Erwachsenenbildung, der Jugendertüchtigung, des Breitensports und der Kultur- und Archivpflege; hierbei sind die Belange des Natur- und Umweltschutzes zu berücksichtigen. 2Die Verpflichtung, diese Aufgaben zu erfüllen, bestimmt sich nach den besonderen gesetzlichen Vorschriften.

Das heißt für mich, dass die Kulturförderung genauso wie die Feuerwehr langfristig abgesichert werden muss. Eine Möglichkeit dazu ist es langfristige Mietverträge zu sichern, und diese Räumlichkeiten für Kulturvereine zur Verfügung zu stellen.Eine weitere Maßnahme ist es, mehrjährige Zuschussvereinbarungen zu erarbeiten.

Solche Maßnahmen sichern die Planbarkeit von kulturellen Initiativen. Dafür werde ich mich einsetzen.”

3. Kulturinitiativen klagen über bürokratische Hürden. Was werden Sie innerhalb Ihrer Amtszeit organisatorisch verändern, damit die Stadtverwaltung stärker als Ermöglicherin wirkt?

Eisenmann: “Die Verwaltung der Stadt Dachau soll verlässlich und rechtssicher arbeiten – aber sie darf Engagement nicht durch unnötige Wiederholungen und parallele Verfahren ausbremsen.

Ein wichtiger Schritt ist bereits gelungen: Auf Initiative unseres Bündnisses werden sich wiederholende, bewährte Veranstaltungen künftig von unnötigen jährlichen Vollverfahren entlastet. Wenn Ablauf, Sicherheitskonzept und Rahmenbedingungen unverändert bleiben, braucht es keinen vollständigen Neustart im Formularprozess. Dieses Prinzip der „Bewährung statt Dauerprüfung“ entlastet Ehrenamtliche ebenso wie mehrere beteiligte Ämter gleichzeitig. Diese Entschlackung wollen wir konsequent weiterführen.

Für größere Kulturprojekte soll es eine klar benannte Ansprechperson in der Verwaltung geben, die Verfahren koordiniert und verbindlich begleitet. Ziel ist es, Zuständigkeiten zu bündeln, statt Initiativen zwischen verschiedenen Ämtern zu verweisen.

Darüber hinaus halte ich eine personelle Stärkung des Kulturamts für sinnvoll. Wenn zusätzliche Räume entstehen und Dachau als kulturelles Zentrum für Stadt und Landkreis wirkt, steigen Koordinationsaufwand und Beratungsbedarf. Eine stellvertretende Leitung im Kulturamt kann organisatorische und strategische Aufgaben ergänzen und für Verlässlichkeit sorgen. Beide Führungsebenen sollen sich gegenseitig vertreten können und damit Kontinuität gewährleisten.

Ermöglicherin wird eine Verwaltung nicht durch neue Schlagworte, sondern durch klare Verfahren, verlässliche Ansprechpartner und das Vertrauen in bewährte Initiativen.”

4. Welche langfristige Kulturvision verfolgen Sie bis 2031? Welche zwei strategischen Leitlinien sollen das kulturelle Profil der Stadt prägen?

Eisenmann: “Langfristiges Ziel ist die Entwicklung eines identitätsstiftenden Kulturstandorts auf dem MD-Gelände. Ob als schrittweise gewachsene Zwischennutzung oder als später realisiertes Gesamtprojekt: Entscheidend ist, dass dort kulturelle Aktivität entsteht und nicht weitere Jahre ungenutzt verstreichen. Wenn sich – wie es die Verwaltungserfahrung oft zeigt – eine funktionierende Zwischenlösung als dauerhaft tragfähig erweist, ist das kein Nachteil, sondern Ausdruck lebendiger Stadtentwicklung.

Dachau soll bis 2031 mit seiner kulturellen Infrastruktur über den Landkreis hinaus wirken und ein sichtbarer Glanzpunkt in der Region werden. Mit Galerien, Theater, Musik, kultureller Bildung und der Volkshochschule verfügt die Stadt bereits über eine breite Basis, die es strategisch weiterzuentwickeln gilt.

Strategische Leitlinien:

1. Stärkung kultureller Bildung und musikalischer Ausbildung.
Knabenkapelle und Stadtkapelle stehen exemplarisch für eine gewachsene musikalische Tradition, die weiterentwickelt und strukturell abgesichert werden soll. Nachwuchsarbeit, Proberäume und qualitätsvolle Rahmenbedingungen sind zentrale Investitionen in die kulturelle Zukunft der Stadt.

2. Dezentrale Vielfalt und nachhaltige Infrastruktur.
Neben einem starken zentralen Standort braucht Dachau dauerhaft wirksame, kleinteilige Bühnen, Proberäume und Ausstellungsflächen in verschiedenen Stadtteilen. Bestehende Festivals und Initiativen sollen verlässlich unterstützt werden. Kultur soll nicht punktuell stattfinden, sondern im Alltag der Stadt sichtbar und zugänglich sein.

Dachau versteht sich damit nicht nur als Kulturstandort für 50.000 Einwohner, sondern als kulturelles Zentrum für eine ganze Region.”

5. Wenn der Haushalt erneut unter Druck gerät: Welche kulturellen Bereiche haben für Sie absolute Priorität – und welche könnten, falls nötig, zurückstehen?

Eisenmann: “Klare Priorität haben für mich die lokale Kulturszene in ihrer gesamten Breite sowie die Nachwuchs- und Bildungsarbeit. Kultur entsteht dauerhaft aus verlässlichen Strukturen: aus Proberäumen, Ausstellungsflächen, kontinuierlicher Förderung und der Unterstützung ehrenamtlichen Engagements. Diese Basis darf auch in schwierigen Haushaltslagen nicht ausgehöhlt werden.

Große Veranstaltungsformate und überregionale Acts sind eine wichtige Ergänzung und können zur Sichtbarkeit der Stadt beitragen. Sie sollten jedoch so geplant sein, dass sie den regulären Kulturhaushalt nicht strukturell belasten. Ziel muss es sein, dass solche Veranstaltungen weitgehend kostendeckend organisiert werden. Entstehen dabei Überschüsse, sollten diese wiederum der lokalen Kulturszene zugutekommen.

So stehen Leuchtturmveranstaltungen und nachhaltige Strukturförderung nicht im Gegensatz, sondern ergänzen sich sinnvoll.”

6. In München tritt 2026 erstmals ein kulturpolitisches Wahlbündnis („Bündnis Kultur“) an. Halten Sie ein solches Modell – Kultur als eigenständige politische Kraft – für Dachau für denkbar oder notwendig? Warum bzw. warum nicht?

Eisenmann: “Grundsätzlich ist jedes demokratische Engagement willkommen. Wenn sich Menschen zusammenschließen, um Kultur politisch stärker zu verankern, ist das ein positives Signal.

In Dachau gibt es mit dem Bündnis für Dachau jedoch seit rund 30 Jahren eine politische Kraft, die Kultur konsequent als Schwerpunkt versteht. Von Beginn an haben wir kulturpolitische Impulse gesetzt, Überzeugungsarbeit geleistet und strukturelle Entwicklungen angestoßen – angefangen bei der Einrichtung des Kulturamts bis hin zum Ausbau kultureller Infrastruktur in der Stadt. Vieles, was heute selbstverständlich erscheint, ist Ergebnis kontinuierlicher kulturpolitischer Arbeit über Parteigrenzen hinweg.

Vor diesem Hintergrund halte ich ein zusätzliches eigenständiges Kulturwahlbündnis in Dachau derzeit nicht für notwendig. Kultur ist hier kein Randthema, sondern seit Jahrzehnten integraler Bestandteil kommunalpolitischer Gestaltung.

Wenn sich in anderen Städten ähnliche Initiativen gründen, freut uns das – denn es zeigt, dass Kulturpolitik zunehmend als zentrales Zukunftsthema wahrgenommen wird.”

Individuelle Fragen zum Programm

(Diese drei Fragen sind speziell auf Michael Eisenmanns öffentlich kommuniziertes Programm bzw. seine kulturpolitische Schwerpunktsetzung zugeschnitten.)

  1. Welche Gebäude können realistisch für Pop‑up‑Kultur geöffnet werden – und ab wann?

    Eisenmann: “Bezirksmuseum: Da sich die Flächen in öffentlicher Hand befinden, ist die Nutzung einzelner Räume sowie des Innenhofs grundsätzlich kurzfristig möglich – bei entsprechender Abstimmung mit dem Landkreis. Das Bezirksmuseum ist als ergänzender Baustein zu verstehen, insbesondere für Ausstellungen, Lesungen und kleinere Veranstaltungsformate.

    Gaststätte am Klagenfurter Platz:
    Die Räume verfügen bereits über eine Genehmigung. Damit bestehen sehr gute Voraussetzungen für eine zeitnahe Aktivierung. Eine kulturelle Zwischennutzung kann organisatorisch vorbereitet und innerhalb kurzer Zeit umgesetzt werden. Der Standort eignet sich besonders als kultureller Treffpunkt für Dachau-Süd mit regelmäßigen, aber nicht dauerhaften Veranstaltungsformaten.

    Denkmalgeschützte Gebäude auf dem MD-Gelände (Teilflächen):
    Hier sehen wir das größte Potenzial für eine flexible Spielstätte im Bereich bis etwa 200 Personen – einschließlich eines festen Clubabends. Wir werden aktiv Gespräche mit der Eigentümerin führen und unterschiedliche Modelle prüfen, etwa Mietlösungen, Zwischennutzungsverträge oder treuhänderische Teilübernahmen. Ziel ist es, geeignete Flächen schrittweise zu sichern und kulturell zu entwickeln, statt auf eine große Gesamtlösung in ferner Zukunft zu warten.”

  2. Wie sieht Ihr Verwaltungsmodell für Schlüssel, Haftung und Technik konkret aus?

    Eisenmann: “Das bestehende Modell der zentralen Raumvergabe und Betreuung durch das Kulturamt hat sich grundsätzlich bewährt. Konflikte entstehen vor allem durch Überbelegung und Raummangel – nicht durch organisatorische Mängel.

    Neue Räume sollen daher in die bestehende Struktur integriert werden. Klare Verantwortlichkeiten, standardisierte Nutzungsverträge mit geregelter Haftung sowie transparente Vergabeverfahren schaffen Rechtssicherheit für alle Beteiligten.

    Ein zentral organisierter Grundtechnikpool für Licht, Ton und Bühnenelemente kann Qualität sichern und Initiativen entlasten. Wenn zusätzliche Räume entstehen und Dachau seine Rolle als kulturelles Zentrum für Stadt und Landkreis weiter ausbaut, muss auch die personelle Ausstattung des Kulturamts überprüft werden. Eine gestärkte Leitungsebene mit klarer Vertretungsstruktur sorgt für Verlässlichkeit und Kontinuität.”

  3. Welche digitalen oder inklusiven Kulturangebote würden Sie priorisieren?

    Eisenmann: “Digitale Angebote sollen Kultur nicht ersetzen, sondern ihre Reichweite und Zugänglichkeit erweitern.

    Priorität hat eine zentrale, übersichtliche digitale Kulturplattform, die Veranstaltungen, Initiativen und Räume bündelt und damit Sichtbarkeit schafft – auch über die Stadtgrenzen hinaus. Gerade kleinere Akteure profitieren von einer gemeinsamen Präsentationsstruktur.

    Darüber hinaus sollen ausgewählte Veranstaltungen – etwa Vorträge, Diskussionsformate oder besondere Konzerte – hybrid angeboten werden, um auch Menschen im Landkreis oder mit eingeschränkter Mobilität zu erreichen.

    Inklusion verstehen wir als Qualitätsstandard: barrierearme Zugänge zu Veranstaltungsorten, verständliche Kommunikation, bezahlbare Eintrittspreise sowie – bei größeren Formaten – unterstützende Maßnahmen wie Untertitelung oder Gebärdensprachdolmetschung bei geeigneten Veranstaltungen.

    Kulturelle Teilhabe darf weder an räumlichen noch an sozialen Barrieren scheitern.”

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Kategorie Dachau

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