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#91 Nicht alle

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Es ist Donnerstag. Du liest die ”Post aus Dachau”, den wöchentlichen Kultur-Newsletter von Stadtführung mit Matthias (Öffnet in neuem Fenster) für Dachau und die Region München.

Als Gästeführer weiß ich was los ist. Und was sich lohnt.

Für Alle, die ihre Stadt genauso lieben, wie Du und ich.

Diese Woche gibt es Kulturerbe und Zivilcourage aus Dachau. Und ein Theaterabend, der tief trifft – mit Haltung, auf der Bühne und auf der Straße.

Servus,

es gibt Nachrichten, die einfach gut tun. Und diese hier gehört ganz klar dazu: Die Künstlervereinigung Dachau (KVD) wird offiziell in das bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen – als erste Einrichtung im ganzen Landkreis.

Das ist nicht nur ein schönes Etikett, sondern eine echte Würdigung: über 100 Jahre künstlerische Arbeit, demokratisches Engagement, kulturelle Offenheit und das entschiedene Selbstverständnis, dass Kunst mehr ist als „schöne Bilder malen“. Die KVD hat diese Haltung in Dachau immer gelebt – von der Freundschaft mit Oświęcim über die Plakatkampagne „Haltung zeigen“ bis hin zur täglichen Arbeit, Kunst und Demokratie zusammenzudenken.

Dazu herzlichen Glückwunsch!
Der Landkreis, die Stadt und die ganze Kulturszene profitieren davon, dass hier ein Ort existiert, an dem Tradition nicht museal konserviert, sondern mit über 50 aktiven Kunstschaffenden in die Gegenwart weitergetragen wird. Oder, wie es die KVD selbst formuliert: Kunst ist keine Zierde, sondern eine der Säulen der Gesellschaft.

Wenige Straßen weiter zeigt sich gerade, wie fragil diese Säulen manchmal wirken – und wie wichtig es ist, dass sie halten.
Das antifaschistische Jugendzentrum Freiraum, Gründungsmitglied des Runden Tischs gegen Rassismus, wurde in den vergangenen Wochen zweimal Ziel neonazistischer Attacken: SS-Runen, Keltenkreuze, der Schriftzug „Wehrmacht“. Und das gezielt während laufender Veranstaltungen, also mit offener Drohgebärde.

Doch die Antwort der Stadtgesellschaft war eindeutig:
„Wer den Freiraum angreift, greift uns alle an.“
Mehr als 50 Organisationen aus Stadt und Landkreis – Kirchen, Vereine, Parteien, die KZ-Gedenkstätte und viele Bürger*innen – stellten sich sofort an die Seite des JUZ.

Es ist kein Zufall, dass gerade der Freiraum getroffen wurde. Dieser Ort war 2014 der Auslöser dafür, dass sich der Runde Tisch überhaupt gründete. Dass er jetzt, zwölf Jahre später, wieder attackiert wird, zeigt schmerzhaft: Die Arbeit gegen Rassismus, Antisemitismus und rechte Gewalt ist nicht erledigt. Nicht in Deutschland, nicht in München, nicht in Dachau.

Und genau damit schließt sich der Kreis zu meinem Schwerpunkt diese Woche: dem Theaterstück „Offene Wunde“, das vom OEZ-Anschlag und den Angehörigen erzählt. Die Aufführung am vergangenen Wochenende hat mich tief beweget. Und deshalb möchte ich sie Dir auch diese Woche ganz explizit empfehlen. Im Mai gibt es nämlich noch zwei weitere Vorstellungen.

Dachau, München, Hanau, Halle – überall dieselben Muster: rechte Gewalt, Verharmlosung, Wegschauen, und Menschen, die trotzdem weitermachen, sich kümmern, erinnern, Räume verteidigen. Es geht immer um dasselbe Grundprinzip:
Welche Gesellschaft wollen wir sein? Und wer steht auf, wenn sie angegriffen wird?

Dass die KVD jetzt als immaterielles Kulturerbe ausgezeichnet wird, und dass sich Dachau gleichzeitig geschlossen vor den Freiraum stellt – das sind zwei Seiten derselben Haltung:
Kultur und Demokratie gehören zusammen. Und gemeinsam schützen wir beides.

Schön, dass Du auch diese Woche wieder mit dabei bist – und bleibst.

exklusiv

🔎 Sonderveröffentlichung: „Der Erste auf der Liste“

Gestern Abend wurde im Dachauer Wasserturm die neue Ausstellung zu Claus Bastian eröffnet. Tauche mit mir tief ein in das Leben eines Mannes, der unfreiwillig an den Anfang der Lagerchronik gestellt wurde: Häftling Nr. 1 im KZ Dachau.
Wer war dieser junge Jurist, der 1933 verhaftet wurde und später als Anwalt mehr als 2.000 NS-Verfolgten zu ihrem Recht verhalf? Und diese Woche nicht selbst, jedoch mit seinen Kunstwerken nach Dachau zurück kehrt.

In meiner aktuellen Sonderveröffentlichung erzähle ich seine ganze Geschichte: persönlich, historisch, erschütternd und voller überraschender Wendungen.

👉 „Der Erste auf der Liste“. Exklusiv für Mitglieder.

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#Offene Wunde

Ein Stück über den OEZ-Anschlag, das München bis heute schmerzt

Es gibt Ereignisse, die eine Stadt nie mehr ganz loslassen. Und es gibt Wunden, die nur deshalb offen bleiben, weil man sie jahrelang nicht anschauen wollte.
Der Anschlag am Olympia-Einkaufszentrum 2016 ist so ein Ereignis. Neun junge Menschen – Armela, Can, Dijamant, Giuliano, Hüseyin, Roberto, Sabine, Selçuk und Sevda – wurden aus rassistischen Motiven ermordet.

Bild: Volkstheater München

Und viel zu lange hat München, haben Behörden, hat die Politik daraus etwas anderes machen wollen: einen „Amoklauf“, einen „Einzeltäter“, einen tragischen Ausnahmefall.

Dass wir heute anders darüber sprechen, liegt nicht an der Einsicht staatlicher Behörden, sondern an der Beharrlichkeit der Angehörigen.

Ein Theaterabend, der nicht loslässt

Mit „Offene Wunde“ legen Tunay Önder und Christine Umpfenbach im Münchner Volkstheater nun ein dokumentarisches Stück vor, das genau diese Leerstelle ausleuchtet: Wie lebt man weiter, wenn ein Bruder, ein Sohn, eine Schwester aus purem Hass heraus ermordet wurde? Wie lebt man in einer Stadt, die einem jahrelang sagt, dass das eigene Leid nicht politisch sei? Wie lebt man in einem Land, das Rassismus gern als Problem anderer beschreibt?

Önder und Umpfenbach erzählen – auf Basis vieler Gespräche – von den Familien, die zurückgeblieben sind. Von Geschwistern, die Erinnerungsarbeit leisten, weil sonst niemand es tut. Und sie holen all jene ans Licht, die im Umfeld der Ermittlungen und Behörden eine Rolle spielten: Rechtsanwält*innen, Politiker*innen, Mitarbeiter*innen der Sicherheitsbehörden. Das Stück zeigt damit nicht nur den Anschlag, sondern das System, das ihm vorausging – und das ihn verharmloste.

Ein trauriges Münchner Kontinuum

Der Anschlag 2016 ist kein isoliertes Ereignis. München trägt eine besonders schwere Geschichte rechtsextremer Gewalt:
Oktoberfest-Attentat 1980. Brandanschläge. NSU. OEZ.
Nirgendwo sonst in Deutschland forderte rechter Terror mehr Todesopfer.

Und trotzdem brauchte es drei Jahre, bis die bayerischen Sicherheitsbehörden den OEZ-Anschlag offiziell als rechtsextrem einstuften – obwohl alle Fakten früh auf dem Tisch lagen. Erst 2020 wurde sogar die Inschrift des Mahnmals am OEZ korrigiert. Die Angehörigen mussten dafür kämpfen. Wieder.

Quentin Lichtblau hat diese Kontinuität kürzlich in der SZ präzise beschrieben: die Muster sind immer dieselben. Die Fehleinordnungen auch. Und die Einsamkeit der Angehörigen sowieso.

Ein Erinnern, das weh tun darf – und muss

„Offene Wunde“ will nicht versöhnen. Es will benennen. Es macht spürbar, was im Alltag der Hinterbliebenen oft keinen Platz hat: die Geschichten der Ermordeten selbst. Ihre Träume, ihre Leben, ihre Zukunft, die jemand auslöschen wollte. Die Bühne wird damit zu einem Gegenentwurf zum Vergessen – und zu einem Appell an uns alle, genau hinzusehen.

Termine

Fr, 8. Mai 2026, Münchner Volkstheater, Bühne 2
• 10:30 Uhr Einführung (Bühne 3)
• 11:00 Uhr Vorstellung + Nachgespräch
• 20:00 Uhr Abendvorstellung

Im Anschluss an die 11 Uhr Vorstellung findet außerdem die Gesprächsreihe „Rassismus und rechte Gewalt“ in Kooperation mit der städtischen Fachstelle für Demokratie statt – mit Angehörigen aus München, Hanau und anderen Tatorten rechten Terrors.

Warum das wichtig ist

Das Stück macht klar, was München in den vergangenen Jahren lernen musste: Rechter Terror richtet sich nie „nur“ gegen Einzelne. Er richtet sich gegen uns alle. Und Erinnerung ist nichts, was man einmal im Jahr erledigt. Sie ist eine Arbeit. Eine, die schmerzt. Eine, die notwendig bleibt.

stadtführung

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#mehrKultur

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Meine nächste offene Tour

Bild

(Bild KI-generiert)

Öffentlicher Rundgang mit mir an der
KZ-Gedenkstätte Dachau

📆 Oster-Sonntag, 5. April 2026 um 12 Uhr (Dauer ca. 2,5 Std.)
📍 KZ-Gedenkstätte Dachau, Pater-Roth-Str. 2, 85221 Dachau

Tickets für den öffentlichen Rundgang sind ausschließlich an der Information im Besucherzentrum erhältlich. Bitte kauf Dein Ticket am Tag des Rundgangs mindestens 45 Minuten vor Beginn. Eine Reservierung ist leider nicht möglich.

Da die Zahl der Teilnehmer*innen an geführten Rundgangsangeboten auf 30 Personen begrenzt ist, wird keine Garantie für die Verfügbarkeit des Tickets übernommen.

#meins

Meine Website: https://stadtfuehrung-mit-matthias.de (Öffnet in neuem Fenster)
Meine offenen Termine:
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Meine Soundcloud: https://soundcloud.com/dachau-tour (Öffnet in neuem Fenster)

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Die nächste «Post aus Dachau» erscheint am 9. April 2026 - wir sehen uns, in Dachau und München 👋

Freundliche Grüße aus dem ❤️ von Dachau,
Dein Matthias



Matthias Schüßler
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und Vorstandsmitglied des Dachauer Gästeführer e.V.

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