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No 15 | Resilienz-Adventskalender für belastende Zeiten

Liebe Leserinnen und Leser,

heute geht es um Musik und welche Rolle sie für uns im gesellschaftlichen Kontext spielt.

Wir kennen das vermutlich alle: Wenn der Liebeskummer kickt, ist unsere Playlist eine andere als wenn wir gerade vor Freude in die Luft springen können. Musik spiegelt und verstärkt unsere Stimmungen. Anders allerdings in Extremsituationen: Dann suchen Menschen tendenziell eher Lieder, die die eigene Stimmung positiv beeinflussen - während Corona (Öffnet in neuem Fenster) zum Beispiel.

Lege Deine politische Playlist an

Musik ist mehr als Unterhaltung. Sie kann dabei helfen, Stress zu regulieren und einen Zugang zu den eigenen Emotionen zu finden. Besonders in Momenten, in denen Gefühle wie Wut, Trauer oder Ohnmacht stark sind – oder im Gegenteil kaum spürbar erscheinen – kann Musik genau da hilfreich sein.

Forschungsarbeiten zeigen, dass Musik hörbar Einfluss auf das Stresssystem hat. So konnte in verschiedenen Studien (Öffnet in neuem Fenster) gezeigt werden, dass Musik das subjektive Stresserleben senken und physiologische Stressmarker wie Cortisol beeinflussen kann

Musik verbindet Menschen und kann sogar Einsamkeit lindern.

Stefan Kölsch, Psychologe (Öffnet in neuem Fenster)

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die persönliche Bedeutung von Musik. Lieder, die wir positiv mit früheren Lebensphasen verbinden, können Gefühle von Sicherheit, Verbundenheit und Selbstkontinuität stärken. Dieses sogenannte musikinduzierte Nostalgieerleben (Öffnet in neuem Fenster) wird mit besserer Emotionsregulation und psychischem Wohlbefinden in Verbindung gebracht

Musik wird auch in politischen Kontexten seit langem genutzt, um Gefühle kollektiv erfahrbar zu machen. Protest- und Bewegungslieder bündeln individuelle Emotionen und machen sie kollektiv (Öffnet in neuem Fenster) teilbar. Musik kann also kollektive Identitäten (Öffnet in neuem Fenster) stärken, hilft, Wut und Ohnmacht zu externalisieren und Sinn und Bedeutung in politischen Konflikten (Öffnet in neuem Fenster) vermitteln.

In der politischen Psychologie gilt heute als gut belegt, dass Emotionen eine zentrale Rolle für politisches Engagement spielen. Musik kann diese Emotionen aktivieren, regulieren oder transformieren. Sie kann z. B. helfen, Wut in Entschlossenheit zu überführen oder unseren Zugang zu unserer Gefühlswelt verbessern. Gerade bei politischem Stress (z. B. durch Nachrichten, gesellschaftliche Konflikte) kann Musik helfen, handlungsfähig zu bleiben, statt emotional zu erstarren.

Das hat alles natürlich seine Grenzen. “Es wäre naiv zu denken, dass Musik allein unsere Gesellschaft zusammenhalten kann. Nicht in dieser Zeit, in der die politische, ethische und moralische Existenzgrundlage dieser Bundesrepublik im Begriff ist, eingerissen zu werden.” sagte der Pianist Igor Levit (Öffnet in neuem Fenster) der Süddeutschen Zeitung.

🦖 Deine Übung für Heute

Nimm Dir einen Moment Zeit, komme zur Ruhe. Mach Dir vielleicht eine Tasse Tee oder dein Lieblingssnack - und mache folgende Übung:

🖊️ Mache Dir deine politische Playlist

Überlege Dir, welche Lieder welche Gefühle in dir auslösen. Welches Lied hörst Du, wenn du wütend bist? Welche Band gibt dir Hoffnung? Lege dann für verschiedene Stimmungen unterschiedliche Playlists an, die du in den passenden Momenten nutzen kannst.

Ich wünsche Dir viel Spaß mit dem Kalender,

Pia Lamberty

Hintergrundinfos
Hintergrund: Was ist ein Resilienz-Adventskalender für belastende Zeiten?

Die Welt ist im Wandel – und das in einer Geschwindigkeit, die viele Menschen überfordert. Gewohnte Sicherheiten brechen weg, die psychischen Belastungen nehmen zu. Verschiedene Studien zeigen, dass globale Krisen erhebliche psychische Auswirkungen haben und viele an ihre Belastungsgrenze bringen.

Viele Menschen fühlen sich aufgrund der Krisenpermanenz und zunehmenden Bedrohungslage machtlos – doch sie sind es nicht. Menschen können die Welt verändern und haben mehr Einflussmöglichkeiten als ihnen bewusst wird. Um sich zu engagieren, benötigt es aber mentale Kapazitäten und Skills, um mit Stress umzugehen. Denn: Wer keine Ressourcen übrig hat, wird sich wahrscheinlich weniger einbringen können.

Anleitung: Wie funktioniert der Adventskalender?

Dieser Adventskalender hat 24 kleine Übungen, damit Du deine Resilienz jeden Tag ein bisschen stärken kannst. Jeden Tag geht es um ein anderes Thema, um besser durch turbulente Zeiten zu navigieren.

Du kannst die Ergebnisse deiner Übungen gerne aufschreiben und immer wieder mal anschauen. Das funktioniert in der Notizen-App in deinem Handy. Oder du bastelst dir ein kleines Resilienz-Tagebuch. Jede Übung dauert nicht mehr als 15 Minuten.

Es ist auch nicht schlimm, wenn Du nicht alles schaffst oder Du Übungen nicht magst. Das Ganze soll dich stärken und kein weiterer Stresspunkt werden.

Wenn Du aktuell in Psychotherapie bist, besprich vorher mit deinem bzw. deiner Therapeut*in, ob Du aktuell solche Übungen machen solltest.

Ist Resilienz nicht nur so ein komischer Internet-Trend?

Jein. Der Begriff wird gerade auf Social Media oder bei manchen Feel-Good-Seiten ganz schön überstrapaziert und oft sehr individualistisch betrachtet. Trotzdem beschreibt er eine reale Fähigkeit: gut mit Belastungen umgehen zu können. Und diese Kompetenz brauchen wir leider gerade recht häufig. Resilienz hat natürlich auch seine Grenzen. Es ist keine Superkraft, die plötzlich alles gut macht. Dennoch ist es wichtig, um belastende Phasen besser zu überstehen.

Falls Du mich noch nicht kennst:

Ich bin Dr. Pia Lamberty und Psychologin. Mein Studium der Psychologie habe ich an der FernUniversität Hagen und der Universität Köln (Schwerpunkt Social Cognition und Medienpsychologie) absolviert. An verschiedenen Universitäten – in Köln, Mainz, Brüssel und Beer Sheva – habe ich mich intensiv mit Verschwörungsglauben beschäftigt. Darüber hinaus habe ich auch zu Erinnerungskultur, Antisemitismus und allgemeinen Vorurteilen geforscht. Wer sich für meine Forschung interessiert, kann gerne bei Google Scholar (Öffnet in neuem Fenster) vorbei schauen.

Im Jahr 2020 habe ich gemeinsam mit Katharina Nocun mein erstes Buch veröffentlich - “Fake Facts - Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen” -, das in der Coronapandemie zum Bestellter wurde. Ein Jahr später, 2021, erschien dann “True Facts - Was gegen Verschwörungserzählungen wirklich hilft” und 2023 der nächste Besteller: “Gefährlicher Glaube - Die radikale Welt der Esoterik”. Im Jahr 2021 habe ich mit anderen dann CeMAS (Öffnet in neuem Fenster)- Center für Monitoring, Analayse und Strategie gegründet und war dort bis Oktober 2025 aktiv.

Promoviert habe ich an der Sozial- und Rechtspsychologie der Universität Mainz - zur Rolle von Verschwörungserzählungen im Kontext von Gesundheitsthemen. Daneben habe ich mich durch die Deutsche Psychologenakademie zur Notfallpsychologin (Öffnet in neuem Fenster)weiterbilden lassen.

Mehr über mich findest Du auf meiner neuen Homepage.

Kategorie ResilienzAdventskalender

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