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Redensarten Nr. 25 - Der RI macht Sachen in eigener Sache

Liebe Redensarten-Freundinnen und Freunde,

willkommen zu meinem fünfundzwanzigsten Newsletter.

Wie versprochen geht es heute wieder um die Sache, und wo dieses Wort in Redensarten zu finden ist. Aber kommen wir gleich zur Sache (Öffnet in neuem Fenster):

Vorgänge, Handlungen

Wenn man sagt "es geht zur Sache (Öffnet in neuem Fenster)", dann meint man damit, dass eine Handlung oder ein Vorgang vonstattengeht. Oft ist damit auch eine Steigerung verknüpft:

  • Bei der Radtour ging es erst gemütlich voran. Erst ab 8 km vor der Passhöhe ging es dann zur Sache und die Steigung wurde immer stärker

  • Zwischen Moderator und Politiker ging es hitzig zur Sache. Doch es wurde auch sachlich diskutiert

Man kann auch sagen "jemand geht zur Sache (Öffnet in neuem Fenster)", d. h. jemand fängt an, etwas zu tun. Auch hiermit kann eine Verstärkung verbunden sein, d. h. dass jemand entschlossen, energisch oder gar rücksichtslos handelt:

Fußballspiel (Öffnet in neuem Fenster)
Beim Fußball geht es oft richtig zur Sache (Quelle: https://commons.wikimedia.org/)
  • Bei dem Fußballspiel gingen die Spieler hart zur Sache

  • Wenn alle von uns entschlossen zur Sache gehen, dann sollten wir die Aufgabe bis morgen erledigt haben!

Dann gibt es noch die Wortverbindung "Sachen machen", also "etwas tun, tätig werden". Dabei haben sich wieder ein paar Redewendungen gebildet, die eine bestimmte Nebenbedeutung haben. Wenn ich sage "Du machst (ja / vielleicht) Sachen! (Öffnet in neuem Fenster)", dann ist das ein Ausdruck der Verwunderung und des Erstaunens. Je nach Situation kann der Spruch leichten oder liebevollen Tadel oder auch Anerkennung bedeuten. Wenn dagegen der Angesprochene krank geworden ist (also selbst gar nichts "gemacht" hat), dann ist das eher scherzhaft gemeint:

  • Mit dem Fahrrad über die Alpen? Du machst Sachen!

  • Du machst Sachen! Wo warst du denn die ganze Zeit? Wir haben dich überall gesucht!

  • Du machst Sachen! Ich wünsche dir gute Besserung!

Ganz ähnlich ist die Frage "Was machst du (denn / nur / bloß) für Sachen? (Öffnet in neuem Fenster)". Wer sie äußert, erwartet nicht unbedingt eine Antwort. Vielmehr drückt sie Erstaunen aus, aber auch Bestürzung oder Besorgnis, z. B. wenn er krank geworden ist, einen Unfall hatte, oder wenn ihm ein Missgeschick passiert ist.

  • Mensch, was machst du nur für Sachen? Ich hoffe, es geht dir bald wieder besser

Der Satz kann aber auch Missbilligung ausdrücken, wenn der andere etwas getan hat, was einem gar nicht passt:

  • Was macht ihr denn für Sachen! Ihr könnt das Kind doch nicht so lange im Auto alleine lassen!

Dann gibt es noch einen Ausruf, in der “Sachen” etwas Negatives ist: "Mach keine Sachen! (Öffnet in neuem Fenster)" (Mach keinen Unsinn! Mach keine Dummheiten! Tue nichts Unüberlegtes!).

Unlogischerweise bedeutet "Mach Sachen! (Öffnet in neuem Fenster)" nicht das Gegenteil, sondern stellt eine Art gespieltes Erstaunen dar. Es ist meist eine spöttisch-ironische Reaktion auf die Aussage von jemandem, die man als banal und selbstverständlich auffasst:

  • "Im Sommer wird es schon wieder wärmer werden!" - "Ach, mach Sachen!"

Manchmal vermittelt die Redewendung aber auch ernst gemeinte Verwunderung:

  • "Sie haben sich getrennt. Die Ehe ist im Eimer!" - "Mach Sachen! Die beiden waren doch ein so glückliches Paar!"

Ich vermute, dass sie durch Verkürzung der Redensart "Du machst (ja / vielleicht) Sachen! (Öffnet in neuem Fenster)" entstanden ist (die wir oben schon kennengelernt haben), die ja auch Erstaunen vermittelt, wenn jemand etwas Außergewöhnliches getan hat.

Vollständige Überraschung (Öffnet in neuem Fenster)
Vollständige Überraschung (Quelle: https://commons.wikimedia.org/)

Ebenfalls ein Ausdruck von Erstaunen und Überraschung ist die Redensart "Sachen gibt's, die gibt's gar nicht! (Öffnet in neuem Fenster)". Der auf wörtlicher Ebene unlogische Spruch soll bedeuten, dass es Vorgänge und Erscheinungen gibt, die man bisher niemals für möglich gehalten hätte.

Negativ bewertete Handlungen und Vorgänge

Eine negative Bewertung bekommen die “Sachen” wieder im Spruch "Was sind das denn / denn das für Sachen! (Öffnet in neuem Fenster)", die meist Missbilligung und Ablehnung ausdrücken.

Dann gibt es noch die "halben Sachen (Öffnet in neuem Fenster)", also Arbeiten, die nur halb fertiggestellt sind, nicht ordentlich und nicht sachgerecht ausgeführt worden sind:

Die Wendung "(mit jemandem) gemeinsame Sache machen (Öffnet in neuem Fenster)" bedeutet eigentlich zusammenarbeiten, ist jedoch oft auf fragwürdiges oder gar kriminelles gemeinsames Handeln beschränkt, sodass die "Sache" negativ bewertet wird. Hier schimmert wohl noch die alte Bedeutung von "Sache" (Rechtssache, Streit, Tatbestand, Schuld) durch:

  • Der Wachmann machte mit den Räubern gemeinsame Sache, mit denen er sich später die Beute teilte

Pflicht, Obliegenheit, Zuständigkeit

Ausgehend vom Streit vor Gericht entwickelte sich für "Sache" auch die Bedeutung "größeres Ziel" für etwas, das man erreichen will, das man vertritt und für das man sich engagiert:

  • Wir wollen mehr Gerechtigkeit! Wir müssen für unsere Sache kämpfen!

  • Sie hat unsere Sache verraten!

  • Heute gehen wir für die gute Sache auf die Straße!

Daraus entwickelten sich die Bedeutungen "Pflicht, Obliegenheit, Zuständigkeit":

  • Die Hausarbeit ist allein meine Sache

  • Diese Arbeit können wir ihr ohne Bedenken anvertrauen. Sie versteht ihre Sache sehr gut!

Es gibt ein paar Redewendungen, die daraus hervorgegangen sind. Auch wenn sie sich von dieser Bedeutung entfernt haben, so bleibt jedoch die enge Verknüpfung der Sache mit der betreffenden Person. Dazu gehört der Ausspruch "Das ist (doch / wohl) meine Sache! (Öffnet in neuem Fenster)" (Das geht niemanden etwas an! Das habe nur ich zu entscheiden!):

  • Was ich in meiner Freizeit mache, ist ja wohl meine Sache!

  • Das ist meine Sache! Das kann doch euch egal sein, wie ich lebe!

Die Redensart ist ein Akt der Zurückweisung und der Aufforderung, sich nicht einzumischen.

Eine Sache in die Hand nehmen: Bauingenieur mit Konstruktionsplan (Öffnet in neuem Fenster)
Eine Sache in die Hand nehmen: Bauingenieur mit Konstruktionsplan (Quelle: https://commons.wikimedia.org/)

Man kann auch "eine Sache in die Hand nehmen (Öffnet in neuem Fenster)" (sich um etwas kümmern, eine Aufgabe übernehmen, die Verantwortung für etwas übernehmen):

  • So funktioniert das nicht, wie ihr das macht! Jetzt nehm' ich mal die Sache in die Hand!

Die Redensart "nicht jedermanns Sache sein (Öffnet in neuem Fenster)" bezieht dagegen auf den individuellen Geschmack und persönliche Vorlieben oder Fähigkeiten. Wir hören sie dann, wenn es um spezielle Dinge geht, die nicht jedem gefallen:

  • Klassische Musik ist nicht jedermanns Sache

  • Dass die Rechtschreibung nicht jedermanns Sache ist, ist bekannt. Noch weniger Freunde aber hat die Zeichensetzung

Zum Schluss sei noch eine Redensart erwähnt, die etwas herausfällt, weil "Sachen" eine ganz eigene Bedeutung hat,

Geschwindigkeitsbegrenzungsschilder mit 60 mph in der Nähe von Banbridge (Öffnet in neuem Fenster)
Das Auto hat 60 Sachen drauf (Quelle: https://commons.wikimedia.org/)

nämlich "Geschwindigkeit in km/h":

  • Er ist mit 100 Sachen durch das Dorf gerast

So, das waren die wichtigsten Redewendungen mit Sache und ich hoffe, Ihr versteht nun besser, was damit im jeweiligen Fall gemeint ist. In diesem Sinne: Bleibt sachlich, handelt sachgerecht und macht keine Sachen! (Öffnet in neuem Fenster) :-)

Viele Grüße,

euer Peter vom Redensarten-Index

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