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Es ist nicht schwer, etwas kaputt zu machen

Heute ist einer dieser Tage, an dem man eigentlich nur warten kann. Bei der letzten Bundestagswahl hatte ich noch so ein Gefühl, dass es die wichtigste Wahl meines bisherigen Lebens sein würde. Vielleicht hatte das daran gelegen, dass der Wahlkampf mit dem Tonfall einer gewissen Schicksalshaftigkeit geführt worden war – Die Chance auf einen Neuanfang nach 16 Jahren CDU. Heute fühlt sich die Wahl zwar genauso wichtig an, bloß absolut nicht schicksalshaft. Es schreiben keine Enkel an ihre Omas, damit sie die Grünen wählen und es gibt zwar Kanzlerkandidaten, die ein Buch rausbringen, aber ich weiß nicht, ob es jemanden wirklich interessiert. Dafür gehen Zehntausende Menschen auf die Straße, um zu zeigen, dass sie nicht einverstanden sind: Mit dem Dammbruch, mit der Hetze und der Politik für die Wenigen. Aber die Hoffnung schwindet, dass es schon nicht so schlimm wird; was immer das heißt.

Ich habe mein Doom-Scrolling auf ein Minimum reduziert, aber manchmal bekomme ich trotzdem Angst.

Zum Beispiel als die Meldung kommt, dass die US-Regierung die Entwicklungsorganisation USAID einstampft. Diese Behörde mit 10.000 Mitarbeitenden, die unter anderem den Kampf gegen Infektionskrankheiten in strukturschwachen Regionen unterstützt, soll »geprüft« werden – und über Nacht ist die Website offline, Mitarbeitende spontan im Home Office oder entlassen. Ich mache mir natürlich Sorgen, dass all das weltweit enorm destabilisierend ist und dass nach COVID nun auch HIV, Malaria und Tuberkulose zur Lüge erklärt werden. Aber eigentlich beunruhigt mich eine andere Sache noch viel mehr: Wie leicht es ist, eine Behörde abzuwickeln.

Die Sache mit USAID erschüttert einen Glauben, von dem ich gar nicht wusste, dass ich ihn habe. Eine Demokratie – so denke ich – fußt auf behäbigen Institutionen, die im Großen und Ganzen weiterlaufen, egal wer in der Regierung sitzt. Und wenn Gremien drei Jahre für ein Positionspapier brauchen, dann werden sie sich schon nicht plötzlich auflösen. Manche Menschen finden das jetzt vielleicht naiv. Vielleicht sind das dieselben Menschen, die nach schrecklichen Enthüllungen sagen, man solle jetzt bitte nicht überrascht sein, während ich mich noch von dem Schlag in meine privilegierte Magengrube erhole. Aber falsch liegen diese Leute natürlich nicht. Denn das Vertrauen in den Status Quo ignoriert eine unheimliche Wahrheit: Etwas aufzubauen braucht immer mehr Energie als etwas einzureißen.

Ich glaube nicht, dass ich die einzige bin, die ungern daran erinnert wird. Viel zu verlockend ist es, Menschen, die Schlechtes tun, als besonders klug oder durchtrieben darzustellen. Unsere Geschichten sind voll mit ihnen: kriminelle Superbrains mit ausgetüftelten Plänen, die nur aufgrund ihrer besonderen Genialität dazu in der Lage sind, die bestehende Ordnung ins Wanken zu bringen. Die Alternative ist kaum zu ertragen (Pun intended): Es ist nicht schwer, etwas kaputt zu machen.

Jeder Depp kann etwas in die Luft jagen. Es braucht nicht viel, um mit einem Auto in eine Menschenmenge zu fahren. Man muss dafür kein kriminelles Genie sein, bloß verzweifelt und blind vor Wut. Es braucht keine Stärke, um die Schwächsten vor den Bus zu werfen. Man muss keine Gratwanderungen meistern, wenn man ohnehin eine Gruppe von Menschen als die Schuldigen identifiziert hat. Man muss nicht versuchen, verschiedene Interessen abzubilden, wenn nur die eigenen zählen.

Eigentlich wissen wir das: Es kann Tage dauern, das Lego-Raumschiff aufzubauen und die richtigen Steine aus der Kiste zu kramen. Es braucht visionäre Kraft, es sich vorzustellen und Kampfgeist, sich zu weigern, zum Essen zu kommen, bevor es verdammt nochmal fertig ist. Und manchmal braucht es dann noch Resilienz, wenn am Ende jemand drauf zeigt und sagt: Was soll das denn sein? All das braucht mehr Zeit und Energie, als das ganze Ding in die Tonne zu treten.

Die Schönheit des Schwierigen

Man kann das unfair finden (ist es ja auch). Man kann das zum Anlass nehmen, zynisch zu werden oder nie wieder etwas aufzubauen. Ich finde aber, dass in der Akzeptanz dieses simplen Fakts etwas sehr Ermutigendes liegt. In dem Moment, in dem ich es akzeptiere, muss ich mich nicht mehr so schlimm daran aufreiben. Die unlösbaren Fragen, die Gewissensbisse, die Konflikte, die Sorgen und Reibereien werden zum Teil vom Prozess, für den man sich entschieden hat, weil es richtig ist, füreinander einzustehen. Schlechte Gefühle sind kein Zeichen dafür, dass man etwas falsch macht oder die anderen schon gewonnen haben, sondern dafür, dass man etwas Schwieriges tut. Sie gehören einfach dazu, wenn man bereit ist, sich vom Schicksal anderer berühren zu lassen.

Es geht nicht um Perfektion, es ging nie um Perfektion. Es geht um Haltung und darum, einen Weg zu finden, wie wir sie in Aktion übersetzen können. Das ist die schöne Kehrseite des Schwierigen: Wir müssen es nicht alleine machen.

Kategorie Bi-Weekly

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